Wien/Auer. Der Konflikt zwischen den AUA-Mitarbeitern und ihrem Management wegen der geplanten Reform der Kollektivverträge spitzt sich zu. Eine Woche nach dem Bodenpersonal versammelte sich am Donnerstag die fliegende Belegschaft am Flughafen in Schwechat, um gegen Einschnitte bei Pensionen und Zulagen und gegen längere Arbeitszeiten zu protestieren.
„In der heutigen Form ist unsere AUA nicht überlebensfähig“, redete der neue AUA-Chef Jaan Albrecht den Piloten und Flugbegleitern tags zuvor via E-Mail ins Gewissen. Viel Zeit bleibe dem Unternehmen nicht. Im Vorjahr flog die Airline erneut 64 Mio. Euro Verlust ein. Es gehe dabei aber „nicht um den billigen Abbau von Arbeitsplätzen“, versuchte Albrecht in dem Schreiben, das der „Presse“ vorliegt, zu beruhigen.
„Jahr für Jahr Verluste“
Die 828 Mitglieder des Flugpersonals, die sich Donnerstagvormittag in Schwechat versammelten, zeigten sich davon nicht überzeugt. „Jaan Albrecht lügt oder er hat keine Ahnung, was in dem Papier genau steht“, rief Bord-Betriebsratschef Karl Minhart in die Menge. „Die Führung möchte das Personal rausekeln, aber wir lassen uns nicht rausekeln“, sagte er zur „Presse“. Über „dieses Papier“ wolle man jedenfalls nicht verhandeln. Immerhin, eines hat Albrecht mit seinem Brief erreicht: Zwei Drittel des Bordpersonals blieben der Versammlung fern, der Flugverkehr lief ohne Störungen ab.
Eine echte Lösung ist jedoch in weite Ferne gerückt. Denn „dieses Papier“ ist Kernstück eines Sanierungskonzepts, das der AUA-Boss durchbringen muss, will die Fluglinie wieder in den schwarzen Zahlen landen. Wie berichtet plant Albrecht, mit neuen Kollektivverträgen, dem Verkauf von elf Boeing 737 und weiteren Einsparungen die Kosten heuer um bis zu 220 Mio. Euro zu senken. In drei Jahren sollen es 260 Mio. Euro sein. Größter Dorn im Auge sind ihm die Privilegien der Piloten. Sie bekommen, ebenso wie Flugbegleiter, 2,8 Prozent automatische Lohnsteigerung im Jahr, plus die Erhöhungen aus den KV-Runden. Beim Gang in die Pension erhalten Piloten zudem 39 Monatsgehälter Abfertigung. All das bei einer Monatsarbeitszeit von 70 Stunden.
„Diese Kollektivverträge kommen aus einer anderen Zeit“, sagte AUA-Sprecher Michael Braun. „Sonderregelungen, die vor 50 Jahren geschaffen wurden, können heute in der Luftfahrtindustrie einfach nicht mehr verdient werden.“ Dank der jährlichen Vorrückungen würden die Personalkosten allein heuer automatisch um sieben Prozent ansteigen. Damit würden sie wieder auf demselben Niveau liegen wie vor zwei Jahren, als die Airline 1500 Mitarbeiter mehr an Bord hatte. „Wir können nicht Jahr für Jahr Verluste einfliegen“, sagt Braun.
Streiks frühestens Ende Februar
Die Belegschaft fürchtet unterdessen, dass sich hinter den angekündigten Sanierungsplänen auch weitere Kündigungen verstecken könnten. In der gestrigen Betriebsversammlung war von 500 Mitarbeitern im fliegenden Personal die Rede. Das Unternehmen beteuerte hingegen erneut, dass weder ein Mitarbeiterabbau noch eine Kürzung bestehender Gehälter geplant sei.
Viel Zeit, die Mitarbeiter umzustimmen, bleibt Albrecht nicht. Am 29. Februar muss er dem Aufsichtsrat Ergebnisse vorlegen. Entsprechend stark drängt die AUA auf weitere Verhandlungen: „Für uns zählt jeder Tag.“ Auch die Gewerkschaft will bis Ende Februar abwarten. Dann soll die automatische Inflationsabgeltung für 2011 ausbezahlt werden. Fehle nur ein Cent, würden Streiks vorbereitet.
Der Streit zwischen Mitarbeitern und AUA-Management eskaliert. Auf einer Betriebsversammlung entschied das Bordpersonal, nicht über den Verzicht auf gewohnte Privilegien verhandeln zu wollen. Automatische Lohnerhöhungen steigern die Personalkosten heuer um sieben Prozent. 2011 machte die Airline 64 Mio. Euro Verlust.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2012)
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