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Arbeitsmarkt: Ausblick für Zeitarbeiter verschlechtert sich

30.01.2012 | 18:21 |   (Die Presse)

Im Vorjahr gab es zum Stichtag 13,2 Prozent mehr Leiharbeiter. Zeitarbeiter werden gerne eingesetzt, wenn ein Unternehmen kurzfristig viele Aufträge abzuarbeiten hat.

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Wien/Hie. Befürworter der Zeitarbeit preisen ihre Vorteile: Flexibilität, Abwechslung, Ungebundenheit. Ihre Kritiker hören nicht auf, die Nachteile der Leiharbeit zu beklagen: Lohndumping, ständige Unsicherheit bis hin zu moderner Sklaverei wird ihr vorgeworfen. Trotzdem hat die Zahl der Zeitarbeiter im Vorjahr wieder Höchststände erreicht: Zur Stichtagserhebung am 31. Juli gab es in Österreich 74.783 beschäftigte Zeitarbeiter. Das waren um 13,2 Prozent mehr als im Jahr davor – ein neuer Rekord.

Bei der Zeitarbeit werden Arbeitskräfte bei einem „Überlasser“ beschäftigt. Dieser funktioniert wie eine Arbeitsagentur und vermittelt die Arbeiter an Firmen, die gerade einen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften haben. Zu den Überlassern in Österreich zählen unter anderem Trenkwalder, Powerserv, Adecco und Manpower. Etwa ein Viertel der in Österreich „verliehenen“ Arbeitskräfte sind in Angestelltenjobs zu finden, die übrigen sind Arbeiter. 2,3 Prozent der in Österreich Beschäftigten sind Zeitarbeiter, die meisten davon arbeiten in der Industrie.

Zeitarbeiter werden gerne eingesetzt, wenn ein Unternehmen kurzfristig viele Aufträge abzuarbeiten hat. Daher gelten sie als Indikator für die Entwicklung der Konjunktur. Und da deuten die Zeichen eher nach unten: Zwar sei die Nachfrage nach Zeitarbeitern im ersten Quartal noch relativ stabil. Für das zweite Quartal sei es allerdings schon schwierig, einen Ausblick zu geben, sagte Gerhard Flenreiss, Bundesobmann der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), am gestrigen Montag.

(c) DiePresse

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„Übernahmewelle“ im Vorjahr

„Wir erwarten zwar keine massiven Rückgänge, die Übernahmen von Zeitarbeitern werden aber zurückgehen“, so Flenreiss. Zumal im dritten und vierten Quartal 2011 eine regelrechte „Übernahmewelle“ stattgefunden habe. Jetzt gebe es vielmehr schon Rücksendungen. Im langjährigen Durchschnitt werde etwa ein Viertel der Zeitarbeiter in die Stammbelegschaft übernommen.

Übernommen, also im Betrieb selbst angestellt zu werden, sei aber bei Weitem nicht das Ziel eines jeden Zeitarbeiters, so Flenreiss: Zeitarbeit sei immer weniger ein „Notanker“, um wirtschaftlich zu überleben, sondern zunehmend ein selbst gewählter Lebensentwurf. Zeitarbeit sei die sicherste Form der flexiblen Arbeit, sicherer als ein freier Dienstvertrag. Daher verdiene sie auch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft.

Die Arbeitnehmervertretung sieht das anders: „Natürlich gibt es junge Arbeitnehmer, die die Zeitarbeit als das für sie passende Arbeitsmodell sehen. Aber der Großteil der Arbeitnehmer sehnt sich nach einem ordentlichen, fixen Job“, sagt Thomas Grammelhofer von der Gewerkschaft Pro-Ge.

Von Gesetzes wegen sind Zeitarbeiter der Stammbelegschaft in den meisten Punkten gleichgestellt. Arbeitnehmervertreter kritisieren aber regelmäßig, dass es in der Praxis zu Unterbezahlung käme und Zeitarbeiter schlechter behandelt würden als das Stammpersonal. Entsprechende Berichte kamen zuletzt aus Deutschland. Flenreiss von der WKÖ wehrt sich gegen diesen Vorwurf: Zustände wie in Deutschland seien in Österreich rechtlich unmöglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2012)

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6 Kommentare
Gast: Hubabuba
31.01.2012 14:40
0 0

Angestellte

Von wegen, ein Viertel sind Angestellte! Entweder kann Flenreiss nicht rechnen oder er hat in seinem Wahn alles "schönreden zu müssen" seine Mathematikfunktion aus geschaltet! 18,3% Angestellte sind es mit der letzten Stichtagserhebung und das sind um 7% weniger als bekannt gegeben! Aber vielleicht gibt uns Flenreiss diese 7% als Lohnerhöhung?

arno-graz
31.01.2012 11:15
2 0

Leiharbeiter/innen verdienen weniger.


Wie seinerzeit die (in Familienverbänden lebenden) Söldnerheere der Karthager.

Sie erhielten Münzen als Lohn für ihre Dienste, die sie dann nur im Herrschaftsbereich der Karthager verwenden konnten, soll heißen, die Preise wurden von den Herrschern bestimmt.

Nun gut, die blutigen Dienste von einst sind nicht vergleichbar mit heutiger Leiharbeit. Und dennoch hat sich an den Machtverhältnissen und an der Durchsetzung von Macht nichts Wesentliches verändert. Leider wird auch immer noch versucht, die erworbene Macht über Menschen mit sozialdarwinistischen Formeln zu untermauern. Anstatt zB die produktivitätssteigernden Erkenntnisse eines Luis Razeto (Faktor C) zu akzeptieren und sie ins tägliche Geschäft zu integrieren.

1 0

demnächst auch in den bundestheatern.

ja, damit kann ein manager 'glänzen', wenn er diesselbe arbeit mit geringerem personalaufwand erledigen kann. die leiharbeiter laufen unter sachaufwand, und wenn etwas für die 'sache' gut ist, dann kann man das gut argumentieren!

ähnliches ist für behörden zu erwarten: auch dort lautet die forderung "sparen beim personalaufwand!". gestern war bereits zu lesen, dass der geforderte aufnahmestopp durch 'die sache' ersetzt werden soll...

Ertl
31.01.2012 02:02
5 0

gehts der Wirtschaft gut....

Wieder einer der unzähligen Versuche der Wirtschaft die immer härtere Arbeitswelt und den immer weiter fortlaufenden Sozialabbau schönzureden.

5 0

'sondern zunehmend ein selbst gewählter Lebensentwurf'

klar. blutsauger und ihre rechtfertigungen.....

Gast: Zeitarbeitee
30.01.2012 21:59
4 0

lach

Ein Leiharbeiter verdient in der Regel 1/3 weniger als seine fix angestellten Kollegen. Denn sie bekommen meist keine Sonderverträge, Überzahlungen, Boni, soziale Leistungen, Essenszuschüsse, Mitarbeiterbeteiligungen usw...

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