Wien/Höll. Europas Banken bereiten sich für die nächste Finanzspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Ende Februar werden die Währungshüter wieder die Märkte mit billigem Geld fluten. Am 22.Dezember stellte die EZB mehr als 500 Finanzkonzernen 489 Milliarden Euro für drei Jahre zur Verfügung. Das war ein Rekord. Die „Financial Times“ geht davon aus, dass sich die Banken beim zweiten Dreijahres-Tender mit einer Billion eindecken werden. Doch dieses Volumen könnte zu hoch gegriffen sein. Analysten der Deutschen Bank vermuten, dass es wieder rund 500 Milliarden Euro sein werden. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt das Potenzial auf bis zu 400 Milliarden Euro.
EZB-Präsident Mario Draghi hatte vor zwei Wochen auf einer Pressekonferenz gemeint, die Nachfrage beim zweiten Dreijahres-Tender werde wohl nicht so hoch ausfallen wie beim ersten, „aber immer noch sehr hoch“.
Faktum ist, dass die EZB-Milliarden die Finanzwirtschaft nicht verlassen haben. Laut einer am Mittwoch von der EZB veröffentlichten Umfrage denken ein Viertel der 124 befragten Großbanken über eine weitere Verschärfung der Kreditbedingungen nach. In vielen Ländern wurden weniger Darlehen vergeben. Auch in Österreich werden die Institute bei der Kreditvergabe zusehends strenger.
Hilfe für angeschlagene Länder
Doch der EZB geht es diesmal gar nicht darum, dass die Realwirtschaft unterstützt wird, sondern die Währungshüter wollen erreichen, dass die Banken mit den Milliarden Anleihen hoch verschuldeter Länder kaufen. Und das praktisch ohne Risiko. Die Banken zahlen der EZB für den Kredit ein Prozent an Zinsen. Sie nehmen das Geld und investieren es in italienische und spanische Anleihen. Zweijährige italienische Staatspapiere brachten zuletzt eine Jahresrendite von 3,5 Prozent. Die Marge von 2,5 Prozent können die Banken als Gewinn verbuchen.
Bislang ist die Strategie der EZB, den angeschlagenen Euroländern unter die Arme zu greifen, aufgegangen. Seit Ende November haben sich die Zinsen für italienische Staatsanleihen teilweise halbiert. Auch viele Milliarden des nächsten Dreijahres-Tenders dürften wieder nach Rom und Madrid fließen. Italien muss heuer 330 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten aufnehmen, Spanien braucht 148 Milliarden Euro.
Auch österreichische Banken beteiligen sich an den EZB-Aktionen. Genaue Zahlen darüber werden unter Verschluss gehalten. Analysten schätzen, dass sich die heimischen Banken im Dezember zwischen sieben und zwölf Milliarden Euro geholt haben. Bei der Erste Bank waren es zwei Milliarden Euro. Auch die UniCredit-Tochter Bank Austria machte mit, gibt aber keine Details über das Volumen bekannt.
Banken wollen sich refinanzieren
Raiffeisen Bank International und das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG waren im Dezember nicht dabei, sie prüfen aber, ob sie sich dem nächsten großen Tender Ende Februar anschließen werden. Staatsanleihen angeschlagener Euroländer wollen Österreichs Banken jedoch nicht kaufen. Das Geld werde für allgemeine Refinanzierungen verwendet, heißt es.
Die EZB-Milliarden bergen erhebliche Risiken. So flutete die US-Notenbank Fed nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 die Märkte ebenfalls mit Geld. Dies führte dazu, dass sich die US-Immobilienblase aufbaute. Auch die Inflation könnte steigen. Weiters kann niemand vorhersagen, ob Italien und Spanien die Schulden zurückzahlen können. Jahrelang haben Europas Politiker erklärt, dass griechische Anleihen sicher seien. Jetzt sind diese fast wertlos.
Das größte Risiko besteht für die EZB. Denn die Banken müssen für die Milliardenkredite Sicherheiten hinterlegen. Dazu verwenden sie meist Staatsanleihen. Kommt es dann zu Zahlungsausfällen, müssen sich die Notenbanker etwas einfallen lassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2012)
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