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Höchstgericht: Bankensteuer verfassungskonform

03.02.2012 | 12:10 |   (DiePresse.com)

Die Richter des Verfassungsgerichtshofs fanden scharfe Worte. Die Banken waren Hauptverursacher der Krise und sollen sich nun an Kosten beteiligen.

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Die Anfang 2011 im Gefolge der Finanzkrise eingeführte Bankensteuer verstößt nicht gegen die Verfassung. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat eine entsprechende Beschwerde der Hypo Vorarlberg als unbegründet abgewiesen. Das kleine Institut sieht sich durch die sogenannte Stabilitätsabgabe unverhältnismäßig stark belastet, zumal die staatlichen Geldspritzen nur Großbanken zugutegekommen seien. Die Höchstrichter sind anderer Meinung und fanden in ihrer Entscheidung scharfe Worte, weisen unter anderem auf die "besondere Rolle" der Banken während der Krise hin.

Nach milliardenschweren Hilfspaketen, die den Staatshaushalt massiv belastet hätten, sei es legitim, den Bankensektor als Hauptverursacher der Krise jetzt an den Kosten zu beteiligen, so das Gericht sinngemäß. Hierbei zwischen "guten" und bösen" Kreditinstituten zu unterscheiden, stehe dem Verfassungsgerichtshof nicht an.

Hypo argumentierte mit Ungleichbehandlung

Die Hypo Vorarlberg hatte es in erster Linie für verfassungswidrig gehalten, dass nur Kreditinstitute, nicht aber Versicherungen die neue Steuer berappen müssen. Dies, obwohl Versicherungen auch ein Anrecht auf staatliche Rekapitalisierungsmaßnahmen haben, argumentierte das Geldhaus. Mit den Hilfspaketen im Bankensektor wiederum habe die große Menge der Kreditinstitute nichts zu tun gehabt.

Als besonders gravierend erachtet die Hypo, dass die Steuer erst ab einer Bilanzsumme von einer Mrd. Euro anfällt. Die Hauptkonkurrenten, nämlich Sparkassen und Raiffeisenbanken, fielen nämlich häufig unter diese Grenze. Weiterer Kritikpunkt: Im Gegensatz zu anderen Banken mit konsolidierungspflichtigen Töchtern in Osteuropa fließe bei der Hypo das Auslandsgeschäft in der Schweiz, wo sie eine Zweigstelle betreibt, in die Bemessungsgrundlage mit ein.

Die Bundesregierung hielt dem entgegen, dass die staatlichen Bankenhilfspakete, von denen die Banken "erheblich" profitiert hätten, die Budgets der Jahre 2008 bis 2010 stark belastet hätten. Mit der neuen Steuer sollen die Kreditinstitute an diesen Krisenkosten beteiligt werden, zudem sorge die Abgabe für Stabilität auf den Finanzmärkten, von denen die Krise ausgegangen sei.

Sonderrolle der Banken in der Finanzkrise

Der Verfassungsgerichtshof sieht das genauso: Die Stabilitätsabgabe werde ja im Gesetz nicht mit der Sonderstellung des Bankensektors begründet, sondern es werde "auf die besondere Rolle (hingewiesen), die speziell die Banken in der Finanzkrise des Jahres 2008 gespielt haben", heißt es in dem Entscheid. Zur Bewältigung dieser Krise habe die Republik Österreich "umfangreiche, den Staatshaushalt erheblich belastende Bankenhilfspakete, Konjunkturpakete und andere Maßnahmen" ergreifen müssen, die "in besonderem Maße" den Banken zugutegekommen seien. "Wenn der Gesetzgeber im Hinblick darauf die Banken durch eine spezielle Abgabe an der Finanzierung zur Bewältigung der Krise eingeleiteten bzw. durchgeführten Maßnahmen beteiligen will, kann der Verfassungsgerichtshof das nicht als unsachgemäß erkennen." Ebensowenig stoße es auf Bedenken, wenn der Gesetzgeber "mit einer solchen Steuer (auch) das Ziel verfolgt, die Finanzmarktstabilität zu verbessern bzw. die finanziellen Mittel für entsprechende künftige Staatsleistungen zu gewinnen", so der VfGH.

Zwischen "'guten' und 'bösen' Kreditunternehmen zu unterscheiden", sei verfassungsrechtlich nicht geboten. Die Stabilitätsabgabe sei nämlich "keine Strafe für eine riskante Geschäftsgebarung; sie ist auch kein Äquivalent für die 'Systemrelevanz' eines Kreditinstituts", konstatieren die Höchstrichter. Vielmehr sei es Aufgabe der neuen Steuer, "einen Sektor der Volkswirtschaft zu belasten, von dem nach den jüngsten Erfahrungen qualifizierte Risken ausgehen (können)" und für den der Staat bereits finanziell in die Bresche springen habe müssen.

Zur Bilanzsumme befindet der VfGH, dies sei eine Bemessungsgrundlage, "die die Geschäftstätigkeit einer Bank in geeigneter Weise abbildet" und auch in anderen Ländern als Bezugsgröße für Bankensteuern herangezogen werde. Die anderen von der Hypo kritisierten Berechnungsmethoden seien keine verfassungsrechtlichen Themen, sondern rechtspolitische Fragen.

 

(APA)

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17 Kommentare
Gast: denker!!!
06.02.2012 08:39
0 0

Wessen Brot ich essen; Dessen Lied ich singe!

Wir können doch nicht so naiv sein und glauben, dass die Richter gegen ihren Arbeitgeber; den Staat entscheiden!

Gast: dr. schmeichle
04.02.2012 13:36
0 1

Die Banken waren Hauptverursacher der Krise und sollen sich nun an Kosten beteiligen.

ist das jetzt amtlich?

Gast: Gast888
03.02.2012 16:58
4 0

Zur Bewältigung dieser Krise habe die Republik Österreich "umfangreiche, den Staatshaushalt erheblich belastende Bankenhilfspakete, Konjunkturpakete und andere Maßnahmen" ergreifen müssen, die "in besonderem Maße" den Banken zugutegekommen seien.

Naja so weit ich weiß, wird das Geld das den Banken als Hilfe zur Verfügung gestellt wurde ja zurückgezahlt und natürlich auch verzinst! Naja was die Hypo Alpe Adria angeht ist das natürlich was ganz was anderes.. da war natürlich die Politik (Kärnten) in einem schönen Maße mitverantwortlich! Ist klar das man da kein Geld zurückbekommt, da diese Bank ja nicht gerade finanziell gut da steht! Und klar ist auch, das die Finanzinstitute diese "Bankensteuer" irgendwo wieder verdienen müssen! Betrifft dann wieder alle die ein Bankkonto besitzen!
Also kann man diese Bankensteuer als eine indirekte Steuer des Staates an die Einwohner Österreichs sehen! Immer wieder schön zu sehen, was unsere Regierung für blendende Ideen hat, die Einwohner zur Kasse zu bitten!!

Gast: großereisbergvoraus
03.02.2012 16:15
1 0

das höchstgericht- die banken sind die hauptverursacher und sollen gefälligst dafür zahlen! faymann und die SPö machen aber die hacklerpensionen kaputt- und schützen die reichen eliten und vermögende- eine reine eliten und steueroasenpolitik-statt sozialer steuergerechtigkeit.

Italien hat ca.150 Mrd. pr.jahr steuerhinterziehungen,
GR,286mrd in der CH;
Österreich hat 30 mrd. in der CH; und von Deutschland, Spanien u.Frankreich ganz zu schweigen.
auch die förderungen, subventionen u. steuerbegünstigungen für reiche u.vermögende kann sich in wahrheit niemand mehr leisten. in Österreich alleine ca. 18,5mrd. euro. aber man will es ja so! die lobbyisten habens geschafft, die länder sind alle bankrott. dafür werden von der SPÖ uFaymann weiter nur die asvgarbeitnehmer u.asvg pensionen belastet u.der sozialabbau vorangetrieben. bei den echten reichen u. kapitalvermögenden wird auf steuertransparenz u. kostenwahrheit völlig verzichtet.-so sind die sozis.
von wegen es ist kein geld mehr da- der irre reichtum einer finanzelite wurden die schulden des staates und der steuerzahler. u.eine volkswirtschaftliche gesamtrechnung wird daher gar nicht mehr zugelassen. die bankenlobbys holen sich immer mehr steuergelder u.in beinahe allen staaten setzt die politik deren interessen durch- die habgier hat europa fest im griff u.die von der realwirtschaft abgekoppelten u.deregulierten finanz-u. bankenmärkte sind außer rand u.band. die geben keine ruhe mehr, bis der sozialabbau bei den völkern den sozialen frieden kaputt gemacht hat. die SPÖ belasten auch nur das asvg arbeitnehmervolk u.machen die asvghacklerpensionen kaputt- bei den wirklichen finanz, pensions-steuerprivilegien u.mrd.steuerhinterziehungen schauen sie wie immer weg-oder tun,als ob sie von nicht wüssten

Gast: Allerdings
03.02.2012 15:51
3 0

haben die Banken das auf ihre Weise bewältigt

und auf ihre Kunden abgeschoben. Erhielt diese Woche die Mitteilung über eine Erhöhung der Kontogebühren.

Wer brennt am End? Der Konsument.

Gast: krachmacher
03.02.2012 15:13
1 0

der andere blickwinkel

ab dem moment einer versteuerung ist auch eine verbindliche umsatzgrösse anzugeben, was heisst, dass endlich klar werden wird, wer wievel umsetzt im bankgeschäft. andernfalls betrug.

Gast: ASVG-Sklave
03.02.2012 13:59
4 0

Was die nicht alles wissen beim VfGH


Die Banken waren sicher nicht die Verursacher der Krise, sondern Teil einer schlechten Lösung.

Die Ursachen waren viel mehr die unfinanzierbaren Staatsausgaben - und dort vor allem die Pensionen und Privilegien der Beamtenschaft - für die eine vertrottelte Rechtsprechung dieses Höchstgerichtes verantwortlich war: Unter anderem: Beamte gingen nie in Pension / frei erfundener Vertrauensgrundsatz / und der Anspruch auf Aufrechterhaltung eines überzogenen Lebensstandards (wie letzteres den jungen, aufbauenden Menschen erst gar nicht zugebilligt wird).

Die Banken wurden vielmehr gezwungen die wertlosen Staatsanleihen aufzukaufen, damit die Privilegienfinanzierung weiterhin erfolgen kann. Jetzt sind Staat UND Banken de facto pleite.

Eine weitere Frechheit dieses präpotenten VfGH.

Antworten Georgius
03.02.2012 14:35
2 1

Re: Was die nicht alles wissen beim VfGH

<Beamte gingen nie in Pension >

Stimmt, das war aber immer so. Ist allerdings gleich wie man es nennt, beides kostet Geld.

Vertrauensgrundsatz: Wollen sie einen Tag vor der Pensionierung erfahren das sie wegen einer Gesetzesänderung noch 5 Jahre arbeiten dürfen?

Was würden sie sagen wenn Ihr Einkommen plötzlich um 10% gekürzt würde?

Antworten Antworten Gast: Geheimrat
03.02.2012 16:05
1 0

Re: Re: Was die nicht alles wissen beim VfGH

Also die sogenannte Hacklerregelung, die in erster Linie von Beamten in Anspruch genommen wird, ist ja auch ja auch wie ein Blitz aus heiterem Himmel und völlig überraschend eingeschlagen.
Haben Sie noch die Proteste und das Heulen der Beamtenschaft im Ohr, deren Lebensplanung plötzlich über den Haufen geworfen wurde???????

Dafür gilt für die Kinder und die noch Ungeborenen der eiserne Vertrauensgrundsatz, daß sie für das schuldenfinanzierte Wohlergehen der Vorgängergenerationen geradestehen dürfen.
Hoch und lang lebe der Vertrauensgrundsatz und der VfGH.

Bravo, in jeder Honsicht toll gemacht!

Dagobert
03.02.2012 13:10
6 0

Bankenabgabe - find ich gut

Wer glaubt, das diese Abgaben nicht von den Kunden der diversen Banken bezahlt werden, der glaubt auch noch an das Christkind......

Antworten Gast: Antensteiner
03.02.2012 13:20
7 0

Re: Bankenabgabe - find ich gut

Womit Sie natürlich vollkommen Recht haben, meine Hausbank (eine der größten Österreichs) hat mit April die Gebühren aber sowas von kräftigst erhöht.

Soziale Treffsicherheit a la SPÖ, denn auch die Banken müssen Ihren Beitrag leisten.

Mann oh Mann, wie dumm die Wähler in Österreich doch sind !!

Antworten Antworten Gast: uriel
03.02.2012 14:08
0 1

Re: Re: Bankenabgabe - find ich gut

selig die Armen....Selbstverständlich wird abgewälzt,für Erhöhungen gibts immer einen Grund,ists nicht der,dann ein anderer.Die Banken sind sich eben einig,von der Politik werden sie,wenn überhaupt,mit Samthandschuhen angefasst.Und das ist die wahre Schweinerei.



Gast: Halbwissen
03.02.2012 12:55
3 1

sind halt auch nur Staatsgeldempfänger

wer gut und verantwortungsvoll handelt wird gehängt

wmaurer
03.02.2012 12:51
4 1

Hauptverursacher der Krise 2008


war der US Finanzminister, der aus durchsichtigen Gründen Lehmann über die Klinge springen ließ. Die Wirkung der Bankensteuer auf die Finanzmarktstabilität wird gewiß eine gewaltige sein. Soviel geballte Finanzmarktkenntnis aus dem Palais am Judenplatz macht ehrfürchtig.

Hauptverursacher der Krise 2011/2012 sind die von den Regierungen angehäuften Staatsschulden. Was wird der VfGH denn dazu sagen?

Antworten Georgius
03.02.2012 14:29
1 1

Re: Hauptverursacher der Krise 2008

Für 2011/12 gab es keine Bankenrettung in A

Gast: Martin_S
03.02.2012 12:46
3 1

Ein Höchstgericht,

das die Beamtenzuckerln (keine Zuverdienstgrenze, Pensionen, ...) verteidigt, ist sowieso nicht ernstzunehmen!

Gast: Hans Berger
03.02.2012 12:44
2 1

Jede neue Steuer ist ihnen willkommen - es geht ja darum, die irrwitzigen "Vertrauensschutz-Pensionen" mit Zähnen und Klauen zu verteidigen!

Wenn Höchstrichter "die Banken" als Schuldige der Schuldenkrise festmachen dann bist du in Österreich!

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