Trotz der Krise, in der sich die Europäische Union und ihre Gemeinschaftswährung derzeit befinden, glauben Österreichs Manager an die EU und den Euro. 54 Prozent erwarten, dass die EU-Länder künftig sogar noch enger zusammenrücken und die EU-Strukturen vertiefen werden, 30 Prozent gehen davon aus, dass die Gemeinschaft im wesentlichen so fortgeführt wird wie bisher. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der Meinungsforscher Peter Hajek Ende Jänner im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien und der Agentur Create Connections im Rahmen des Wiener Wirtschaftskongresses com.sult durchgeführt hat.
Auch der Zustand des Euro bereitet nur wenigen Wirtschaftstreibenden schlaflose Nächte: Nur 4,6 Prozent der Kongressbesucher und 4,8 Prozent der befragten Experten bzw. Referenten glauben, dass der Euro dieses Jahr nicht überleben wird.
BRIC-Staaten gut auf Kurs
Allerdings geben sich die europäischen Manager auch nicht der Illusion hin, dass Europa den austrebenden Märkten in den Schwellenländern im wirtschaftlichen Wettbewerb wirklich Paroli bieten kann. 71 Prozent der Besucher und 72 Prozent der Referenten glauben nicht, dass der Wachstumsrückstand gegenüber den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) im nächsten Jahr aufgeholt werden kann.
Defizite in der Forschung
Schwere Defizite werden vor allem in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie bei der Bildung gesehen. Die deutliche Mehrheit von 57 Prozent der Manager beantwortet die Frage, ob Österreich ein ausgesprochen innovationsfreundlicher Standort ist, mit "eher nein", 37 Prozent sagten "eher ja". Daher müsste in diese Bereiche verstärkt investiert werden, meinen 17 bzw. 16 Prozent der Befragten. 14 Prozent wünschen sich eine EU-weit einheitliche Wirtschaftspolitik.
Verlust des "AAA"-Ratings
Dass Österreich sein "AAA"-Rating verloren hat, halten 53 der Befragten für gerechtfertigt, 32 Prozent halten die Entscheidung der Agentur Standard & Poor's (S&P) für falsch. 48 Prozent machen für die Herabstufung vor allem interne Faktoren wie eine zu lasche Budgetkonsolidierung verantwortlich.
17 Prozent der Befragten plädieren für eine ausschließlich ausgabenseitige Sanierung. Die klare Mehrheit von 46 Prozent fordert eine zu zwei Dritteln ausgaben- und zu einem Drittel einnahmenseitige Sanierung. "Wir brauchen nicht mehr Steuerlast, sondern mehr gezielte Innovationsanreize für die Wiener Betriebe und vor allem endlich mehr Mut zu anstehenden Reformen im Bildungs-, Verwaltungs- und Sozialbereich", sieht sich die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank durch die Umfrage bestätigt.
(APA)
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