AUA-Belegschaft: "Die Lufthansa hungert uns aus"

07.02.2012 | 16:45 |  Von Hedi Schneid (Die Presse)

Sparprogramm. Die AUA-Betriebsräte wollen von der Konzernmutter wissen, wohin die Reise geht.

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[Wien] Seit der neue AUA-Boss Jaan Albrecht vor einem Monat ein radikales Sparkonzept mit kostengünstigeren Kollektivverträgen angekündigt hat, zeigt die Belegschaft der Fluglinie Nerven. Jetzt, nach der Pleite der ungarischen Malev, geht auch bei der AUA das Konkursgespenst um. Die Furcht der 5800 Mitarbeiter hat einen handfesten Hintergrund: Lufthansa-Boss Christoph Franz will bis 2014 die Kosten im Konzern um 1,5 Mrd. Euro senken - mit frischem Geld kann die schwer angeschlagene Tochter AUA daher nicht rechnen, heißt es im Unternehmen.

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Die Betriebsräte des Boden- und des Bordpersonals verlangen deshalb von der Konzernmutter nun klare Worte: In einem Schulterschluss haben sie für Freitag eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung durchgesetzt, in der Lufthansa-Vorstand und AUA-Präsident Stefan Lauer erklären soll, wohin die Reise geht. „Wollen Sie uns aushungern oder sanieren - und wenn, wie?", formuliert Bodenbetriebsrats-Chef Alf Junghans die Kernfrage an Lauer. Die Belegschaft fürchte Ersteres. Bisher habe die Lufthansa nämlich „keinen Cent" investiert, sondern der defizitären Tochter nur ein Sparpaket nach dem anderen abverlangt.

Junghans und sein Kollege Karl Minhart vom Bordpersonal verlangen daher auch einen Kassasturz - Detailinformationen über die finanzielle Lage der AUA.

Weniger Eigenständigkeit

Franz' milliardenschweres Sparkonzept, das er am Montag den Führungskräften und am Dienstag den Belegschaftsvertretern vorstellte, wird die Freitagssitzung noch aus einem weiteren Grund prägen: Wie berichtet sollen die Töchter AUA, Swiss, Germanwings und Brussels Airlines ihre Eigenständigkeit teilweise abgeben müssen. Die Flugpläne könnten enger aufeinander abgestimmt, Technik, Verwaltung und IT-Systeme zentralisiert werden.

Obwohl Einzelheiten noch nicht bekannt sind, gehen Analysten wie Jürgen Pieper von der Metzler Bank davon aus, dass diese Schritte einen Personalabbau nach sich ziehen werden.

Junghans verweist auf die Vereinbarungen anlässlich des Verkaufs der AUA an die Lufthansa im Jahr 2009: Demnach muss fünf Jahre lang, also bis September 2014, die Betriebsgröße der AUA erhalten, die Entscheidungszentrale in Österreich und die Marke AUA bestehen bleiben.

Im Schlagabtausch zwischen AUA-Führung und Betriebsrat bzw. Gewerkschaften um die Kollektivverträge (KV) herrscht derzeit Funkstille. Seit die Gewerkschaften GPA-djp und Vida den von Albrecht eingeforderten Termin für die Unterschrift unter die neuen KV Ende Jänner platzen ließen, wurde kein neues Treffen vereinbart. Die Uhr tickt, denn Albrecht will dem Aufsichtsrat am 29. Februar die neuen Vereinbarungen präsentieren. „Wir sind natürlich gesprächsbereit - aber auf Augenhöhe", betont Junghans. „Auf Zuruf" werde man so einschneidende Dinge nicht regeln.

Angst vor Änderungskündigungen

Bei den neuen KV geht es vor allem um die Abschaffung der jährlichen bzw. alle zwei Jahre stattfindenden Gehaltsvorrückungen, um die Reduktion der weit über den ASVG-Regelungen liegenden Abfertigungen und um Änderungen bei den Betriebspensionen.

Die Chance, dass Albrecht sein Vorhaben ohne Widerstand durchbringt, schätzen AUA-Kenner mit null ein. Da der Druck der Lufthansa jedoch sehr hoch ist, könnte Albrecht eine unbeliebte Alternative ins Auge fassen: Änderungskündigungen. Dabei würden alle Mitarbeiter gekündigt und abgefertigt (die notwendigen Geldmittel muss die AUA rückgestellt haben). Danach erhielten sie neue Verträge. Die „ultima ratio" - die AUA sozusagen „geplant" in Konkurs zu schicken, womit alle alten Verträge automatisch erlöschen würden - will derzeit niemand offen diskutieren.

Mit Widerstand ist auch Franz konfrontiert. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO klagt die Lufthansa wegen des Verstoßes gegen den Tarifvertrag. Es geht um den Einsatz von Leiharbeitern statt eigenen Personals bei Flügen ab Berlin.

 

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56 Kommentare
 
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Die ehemaligen AUA-Staatsbeamten...


....tub sich halt schwer in der Privatwirtschaft.

Gast: total crash
08.02.2012 16:47
2

Die Reise geht weg vom ehemals geförderten

Staats-Selbstbedienungsladen,hin zu privatwirschaftlichen Strukturen mit Konzepten & betriebswirtschaftlicher Rechnung.
Aber das können ehemalige, sich wichtig machende Subventionsempfänger, nicht verstehen,da fehlt`s an der Realität {°~°}

hin zu privatwirschaftlichen Strukturen mit Konzepten & betriebswirtschaftlicher Rechnung.

Was ja toll funktioniert, z. B. bei Banken weltweit, oder?
Kein wirtschaften ohne Regeln!

Gast: Vogel Strauss
08.02.2012 15:55
0

Zusperren, den Laden

Was die Schweizer können, sollten wir auch tun: Zusperren, geordnete Insolvenz und unter anderem Namen wieder neu aufsperren ... schon sind die Altlasten entsorgt! Haben die bei der Swiss wirklich toll hingekriegt!

Danke ihr Gewerkschaftsglaubensbrüder!

die religiösen realitätsverweigerer sind am ende. leider haben sie genug jünger gefunden und damit gerade in österreich zahlreiche unternehmen in die pleite geführt. VOEST, Semperit, AUA, ÖBB, ... und wahrscheinlich bald ganz Österreich!

Danke ÖGB und Konsorten!

Gast: zensuriert doch mal wen anderen
08.02.2012 13:00
1

der wahnsinn ist ja

dass nun das eintritt, was man auch als staatlicher eigentümer hätte machen können/müssen, nämlich die aua über eine geordnete insolven zu sanieren (wie damals die swissair). dann hätte man nämlich bei einem anschließenden verkauf sogar noch einen positiven kaufpreis erzielen können. so haben wir steuerzahler der LH 500 mio dafür bezahlt, dass sie nun genau das tut. und wer wird für diese verschleuderung von steuergeld zur verantwortung gezogen?

Gast: Hubertus
08.02.2012 11:10
1

Wer ist schuld?

Danke an Molterer und seien Handlanger Ötsch und diesen"parteiunabhängigen" Großverdiener Michaelis bei der ÖIAG. Diese drei Typen haben sich mit satten Abfertigungen und hohen Einkommen während ihrer aktiven Zeit aus dem Staub gemacht. Zurück bleibt jetzt die Belegschaft, die das ausbaden muß.Pater Willi unser "Agrarexperte"(genauso ein collega Agronom wie sein Nachfolger, der RaiffeisenSöldling Josef Pröll) darf jetzt sogar seine "Kenntnisse" als Vizepräsident der EIB gegen hohe Apanagen(als Gehalt würde ich das nicht bezeichnen) für europ. Projekte zur Verfügung stellen. Da wundert einen nichts mehr im europ. Finanzdebakel.

Gast: 747
08.02.2012 09:04
0

Gründen wir doch eine neue Airline.

Dieser Karren ist schon so verfahren, man müsste fast schon einen Neustart wagen.

Antworten Gast: pour le mérite
08.02.2012 13:44
1

Re: Gründen wir doch eine neue Airline.

Die Lufthansa ist ja schon dabei.

Jetzt gehts nur noch um die Belegschaft.

Entweder die alten AUA-Mitarbeiter akzeptieren die neuen Verträge oder sie werden "entsorgt"...

Da können die ewiggestrigen Sozi-Streit und Streikhähne schimpfen und plärren soviel sie nur wollen...


Re: Re: Gründen wir doch eine neue Airline.

Die Alten sollen die neuen Verträge einfach so akzeptieren? Ist ja kein Problem, keine Familie, keine Schulden nur die pure Lust am Fliegen???
Gehen sie dahin, wo ihre Einstellung schon ist, das Ergebnis beeinflussen alleine sie!
Wer streitet eigentlich und wer hat das Streikwort bisher in den Mund genommen? Mitdenken ist nicht verboten.

Antworten Gast: 3OO
08.02.2012 10:44
1

Re: Gründen wir doch eine neue Airline.

Man kann immer einen neustart wagen oder eine völlig neue sache beginnen,aber nicht mit halbkommunisten die noch nicht begriffen haben das sich die zeiten von unterkommer u. ausnutzerjobs(aufenthaltraum bis zum aufruf zur frühestpension) dem ende zuneigen bzw. für millionensubventionen maroder staatsnaher unternehmen bald kein geld mehr zur verfügung stehen wird/da sein wird !!! ps: letzteres wäre auch aufgabe der eu solches raschest in die wege zu leiten, dann wirds auch keine weiteren "griechenland's" mehr geben,so toll die merkozy- show für die hauptdarsteller auch sein mag !!!

na was haben sie den sonst erwartet

die haben die aua doch nicht gekauft um eure laufenden verluste zu bezahlen.

die aua ist tod - begräbnis in wenigen jahren!

Gast: tc_t
08.02.2012 08:36
2

die armen....

verdienen ja sooo schlecht....

Antworten Gast: Gerhard
08.02.2012 13:32
1

Re: die armen....

dieses Bild wird immer verzerrt dargestellt - der Großteil verdient normal, ein paar Alteingesessene verdienen richtig gut - das gilt für Boden ebenso wie für Bord! Immer dieses Raunzen um´s Gehalt.....das wird die AUA nicht retten. Es müsste mal Geld verdient werden, dann kann man auch was sparen;-)

Naja Sie müssen sich ja wirklich auskennen

Einstiegsgehalt als Co Pilot liegt bei ca. 3500 brutto.

Nach ca. 15 - 20 Jahren kann man dann auf die linke Seite im Cockpit wechseln.
Dann liegt das Gehalt bei ca. 6300 brutto. Durchschnittsalter ist dann ca. 40-45. Somit haben Sie, wenn flugmedizinisch nichts dazwischen kommt also 15 Jahre so ein Gehalt.

Sicherlich nicht wenig keine Frage, aber der Job ist nicht immer so toll wie es dargestellt wird. Die 800 Stunden im Jahr die in den Medien herumgeistern sind reine Flugstunden. Da kommen noch etliche Stunden / Flug dazu.

Bei Flugbegleitern liegt das Gehalt anfangs auch nicht über 1400 brutto.

Also wirklich sooo viel ?


Ja, ja...

... die Lufthansa will die Zustände in ihrem eigenen Betrieb aufrecht erhalten, und die ausländischen Tochtergesellschaften müssen das ausbaden. U.S. amerikanische Zustände (siehe GM und Opel). Schofel...

Ja, ja...

... die Lufthansa will die Zustände in ihrem eigenen Betrieb aufrecht erhalten, und die ausländischen Tochtergesellschaften müssen das ausbaden. U.S. amerikanische Zustände (siehe GM und Opel). Schofel...

Die AUA Belegschaft agiert wie Beamte

Und das geht nicht mehr - nur das haben sie nicht begriffen

Re: Die AUA Belegschaft agiert wie Beamte

...noch nicht.
Nur unsere Politiker sind so deppert, dass sie sich dauernd erpressen lassen.
Auch die ÖBB sollte in eine geordnete Insolvenz gehen....
Den Fahrgästen und den Steuerzahler zu liebe.

Gast: shalom
07.02.2012 22:48
1

AUA-Belegschaft: "Die Lufthansa hungert uns aus"

typisch deutsches management.

Re: AUA-Belegschaft: "Die Lufthansa hungert uns aus"

Die AUA hat noch immer ihr altes österreichisches Management! Was also war bisher zu erwarten? LH trägt die Verantwortung wegen Untätigkeit im wichtigsten Teil einer Sanierung bei Übernahme!

Gast: Finsy
07.02.2012 22:09
2

so what ....

so kommt es halt wenn man ohne viel mut und weitsicht wirtschaftet (die swiss ist ja auch nur profitabel weil sie in konkurs gegangen ist). ausserdem war die lufthansa von anfang an der falsche partner (man hätte zum skyteam gehen sollen und nicht zur star alliance).

privatisierung ist auch von der regierung vergeigt worden, weil man hat sich im grunde gleich am anfang auf den ausgang (=Lufthansa) festgelegt - statt andere möglichkeiten auszuloten - die AF hat sich ja auch zurückgezogen weil man ihr keinen zugang zu den star alliance verträgen gegeben hat, damit man sieht was ein wechsel kosten würde.

Betriebsrat, Trillerpfeifen und ein grottenschlechtes Management...

...haben die AUA über die Jahre ruiniert. Dazu kommt noch ein absolut unfähiger Eigentümer: der Staat.
Mit der LH kann man sich nicht spielen. Die Airline muß profitabel sein, sonst werden eben Konsequenzen gezogen. Da helfen dann auch keine Trillerpfeifen...

Um wenigstens die Marke AUA zu retten

muss sie zerschlagen werden.
Der operative Betrieb ist (und war nie) unter den derzeit noch gültigen Verträgen wirtschaftlich nicht möglich.

Antworten Gast: Klaus
07.02.2012 22:25
2

Re: Um wenigstens die Marke AUA zu retten

die Marke AUA kann man sich auf den Bauch binden. Die Marke Tyrolean, die wurde massiv in den Sand gesetzt! Dabei haben die international richtig gute Preise gewonnen.

Gast: Boeing787
07.02.2012 21:01
7

Waraum haben viele sehr gute Mitarbeiter die AUA

schon längst verlassen,obwohl sie eigentlich mit Herzblut für das Unternehmen gearbeitet haben?

Weil sich genau dieses Szenario schon lange abgezeichnet hat...


 
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