26.05.2012 21:59 | Meine Presse Merkliste 0

Industrie fürchtet um ihre Rohstoffe

09.02.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

Österreichs Unternehmen fordern eine engagiertere „Rohstoffdiplomatie“. Europa dürfe China nicht das Feld überlassen. Auch an die heimischen Schätze wollen sie leichter ran.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Auer. Deutschland krempelt im Kampf um knappe Rohstoffe die Ärmel hoch: Kanzlerin Angela Merkel schließt milliardenschwere Rohstoffabkommen mit Ländern wie der Mongolei oder Kasachstan, Außenminister Guido Westerwelle will die Rohstoffinteressen seines Landes notfalls gar mit Waffengewalt sichern. Menschenrechtsexperten quittieren die neue Strategie mit Buhrufen. Die deutsche Industrie hingegen jubelt über den unverhofften Rohstoffschatz. Sie dürfen nun seltene Erden, die in der Elektronikindustrie dringend benötigt werden, im Wert von drei Mrd. Euro aus der kasachischen Steppe holen und verringern so ihre Abhängigkeit vom Quasimonopolisten China.

(c) DiePResse

vergrößern

Bis zu 300 Prozent Preisanstieg

Am Donnerstag forderten auch Österreichs Industriebetriebe ein engagierteres Vorgehen in Sachen „Rohstoffdiplomatie“ von der heimischen Staatsspitze ein. Das heiße einerseits, die EU in ihrem härteren Vorgehen gegen protektionistische Tendenzen in China zu unterstützen, und andererseits, selbst den Abschluss bilateraler Abkommen zu forcieren. In den vergangenen zwanzig Jahren seien die Kosten für Rohstoffe um bis zu 300 Prozent gestiegen, schreibt die Industriellenvereinigung (IV) in einem Strategiepapier (siehe Grafik). Damit machen Rohstoffe bereits 40 bis 60 Prozent der gesamten Kosten in der Industrie aus.

Die Unternehmen fürchten um einen fairen Zugang zu Ressourcen. Denn bei vielen Rohstoffen ist nicht nur Österreich, sondern die ganze EU abhängig von Lieferungen aus dem Ausland (siehe Tabelle). Und auch dort klopfen Europas Länder selten als Erste um Metalle an. Meist ist ihnen das rohstoffhungrige China, das erst 2010 zum weltgrößten Energieverbraucher wurde, einen Schritt voraus. Die kommunistische Führung des Landes sichert Rohstoffe rund um die Welt, schützt ihre eigenen Ressourcen aber mit Exportquoten und -zöllen. Konzerne müssten 30 bis 40 Prozent mehr als chinesische Mitbewerber bezahlen, wenn sie chinesisches Magnesit importieren wollen, sagt RHI-Chef Manfred Hödl. Erst in der Vorwoche erhielt Chinas restriktive Exportpolitik einen ersten Dämpfer: Die Welthandelsorganisation bestätigte ein früheres Urteil, wonach Ausfuhrbeschränkungen bei Metallen illegal seien.

(c) DiePresse

vergrößern

Recycling: 93 Prozent verwertbar

Die IV macht aber auch Vorschläge, wie Österreich innerhalb der Landesgrenzen gegen den drohenden Rohstoffmangel vorgehen könnte: An vorderster Stelle steht dabei der schonendere Umgang mit Ressourcen. In einem zweiten Schritt geht es aber darum, vorhandene Schätze im Land zu heben.

Einerseits aus dem Boden: Hier kritisieren die Unternehmen vor allem Beschränkungen im Abbau, meist verursacht durch zunehmende Besiedlung oder Naturschutzregelungen. EU-weit sind etwa 17 Prozent aller Flächen Natura-2000-Gebiete. Die Firmen wünschen vielmehr einen steuerlichen Anreiz für die Exploration.

Andererseits aus dem Abfall: Der Elektroschrott der Industrieländer sei hier eine riesige Fundgrube, sagt Saubermacher-Chef Hans Roth. Nur sieben Prozent des Mülls, den sein Unternehmen verarbeite, landeten auf der Deponie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

13 Kommentare
Gast: biersauer
13.02.2012 20:47
0 0

Mitr dem Lithium-Vorkommen in Kärnten,..

könnte Österreich ganz Europa beliefern, aber da ist unsre Regierung wiederum nicht fähig.
Wire kaufen unsere zukünftigen Fahrbatterien für die Elektroautos lieber in China ein, das Kilowatt um 300€, anstatt eine Erzeugung hier in Ö. zu beginnen, ist bis in 10 Jahren ein Markt von 25 Milliarden!

Gast: Rohstoffbeobachter
10.02.2012 11:56
0 0

Die Stahl und Kohle Union

Hatte ja eine von ihren Gruendervaetern klar definierte Aufgabe, die Rohstoffversorgung in Europa sicherzustellen. Auch nahc der Ent-Kolonialisierung hatte die EG Entwicklungshilfe immer noch die Strategische Aufgabe, den Zugang zu Rohstoffen fuer Europa mitzusichern. Und heute? Da schenkt Europa Geld and afrikanische Zentralbanken.....

Gast: 3OO
10.02.2012 11:02
0 0

Rostoffdiplomatie?? Europa ??

das wird schwer werden,denn mit solch für die masse nichtssagenden themen kann die politik nicht punkten in den wohlfahrtsstaaten der eu!! es ist schon "bemerkenswert" wie europa(inkl. dem kl. österreich) sein "insel der seligen" dasein weiter forciert während die musik immer mehr in anderen erdteilen (z.b china,brasilien) spielt ! ps: ..... u. das es anscheinend als normal angesehen wird das niedrigere arbeiten generell ausserhalb der eu gemacht werden,in europa dagegen viele menschen vom staat finanziert werden !!

Gast: nestbeschmutzer
10.02.2012 06:58
0 0

heiliges Europa

Europa???? Vergesst es; jetzt wird bald,nach dem sehnsüchtig erwarteten Zerfall der EU, jeder winzig- Nationalstaat gegen jeden anderen wieder aufrüsten zur gewaltsamen, waffenunterstützen kriegerischen Zugang zu Rohstoffen. Krieg, weil der mehr hat als wir!!!! Der WK1 und 2 waren scheinbar nicht genug... Heiliges Europa.....

Hitt1
09.02.2012 23:01
1 0

Recycling = Unabhängig von China und neuen Kriegen

Europa importiert tonnenweise verarbeitete Produkte aus China. Wenn endlich Ernst gemacht werden würde mir Recyling in Europa, würden wir nicht darum zittern müssen, dass China uns die Rohstoffe verkauft.
Und wer energie- und rohstoffunabhängig ist, braucht auch nicht damit zu drohen, Kriege zu fürhren in weit enfernten Ländern.

Antworten Gast: gast1984
10.02.2012 14:13
0 0

Re: Recycling = Unabhängig von China und neuen Kriegen

Damit sich Recycling auszahlt müssten wird den ganzen Elektroschrott aus Ghana oder sonst woher zurückholen!
Aber mehr als 10-20%, je nach Rohstoff, vom Industriebedarf kann man damit auch nicht decken!

Gast: Hannibal
09.02.2012 22:59
0 0

Die nächste Schlacht im Rohstoffkrieg

Für manche Werkstoffhersteller schwierig, denn man braucht heutzutage nicht nur ein Lager für den Kunden, der just-in-time seinen Werkstoff haben will, sondern auch noch große Mengen an Legierungselementen auf Lager,die man dann kauft wenn man sie gerade bekommt bzw. günstig bekommt.
Es gibt in der Branche international tätige Unternehmen, die eine Produktion von mehreren Monaten und manche sogar in Summe eine Jahresproduktion in den ganzen Regionallagern weltweit verteilt haben.
Addiert man dann noch die steigenden Kosten für Legierungselemente, Energie (Strom) und Maschinenpark (die die Reinheit des Werkstoffes garantieren) ist Produktion von Metallwerkstoffen hierzulande kaum mehr rentabel, es sei denn, man ist ein extrem gut positionierter Spezialist, wie dies etwa Böhler-Uddeholm war.

Gast: gast1984
09.02.2012 21:08
0 0

Wird Zeit unser Minen in Österreich wieder aufzumachen!


Antworten Michael
10.02.2012 13:35
0 0

Re: Wird Zeit unser Minen in Österreich wieder aufzumachen!

Rohstoffe allein haben noch nie Reichtum gebracht. Forcieren wir lieber Recycling und lassen unsere lächerlichen Reste den nächsten 100000 Generationen, bis sich neue Rohstoffe nachgebildet haben.

Antworten Antworten Gast: gast1984
10.02.2012 14:11
0 0

Re: Re: Wird Zeit unser Minen in Österreich wieder aufzumachen!

Mit Recycling können sie ca. 10-20% vom Gesamtgebrauch in der Industrie abdecken!

Die Resourcen sind in Österreich da nur halt durch "Umweltgesetze" brachliegend.
Aber gewinnen wir die eben aus China wo uns die Umweltgesetze und die dort lebenden Menschen wurscht sind!

Antworten Gast: Markus Trullus
10.02.2012 06:59
0 0

Re: Wird Zeit unser Minen in Österreich wieder aufzumachen!

Nie. das verschmutzt die Umwelt viel zu viel!

Antworten Antworten Gast: gast1984
10.02.2012 14:08
0 0

Re: Re: Wird Zeit unser Minen in Österreich wieder aufzumachen!

Dann haben wir in 10Jahren keinen Zugang mehr zu Rohstoffen!

Gast: Be-obachter
09.02.2012 20:58
0 0

Just in time (JIT)

Während die europäische Industrie ihre Rohstoffe "JIT" anliefern lässt, horten die Chinesen Rohmaterialien in unglaublichen Mengen und kaufen noch dazu alles am markt Erhältliche auf.
Mit Lagerverwaltung per JIT geben sich die Chinesen nicht ab.
Nur die dummen Europäer legen sich so wenig auf Lager, dass sie bei Lieferengpässen Produktionsausfälle haben...

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.