Wien/Höll. Zwischen Raiffeisen und den Volksbanken tobt ein Rechtsstreit. Das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG hat die Raiffeisen Zentralbank (RZB) geklagt. Dabei geht es um die außerordentliche Hauptversammlung der RZB Ende Dezember 2011. Damals wurden in der Raiffeisen-Gruppe umfangreiche Änderungen vorgenommen, die RZB kaufte mehreren Landesbanken die Minderheitsanteile an Osteuropa-Töchtern ab.
Im Gegenzug erhielten die Landesbanken von der RZB Partizipationskapital (stimmrechtslose Wertpapiere). Die Transaktion hatte einen Wert von mehreren hundert Millionen Euro. Die ÖVAG ficht diesen Beschluss nun als Minderheitsaktionär der RZB an. Ein ÖVAG-Sprecher wollte sich zu den Details nicht äußern.
RZB weist Vorwurf zurück
Dem Vernehmen nach geht es bei dem Konflikt um Bewertungsfragen und um die Kurzfristigkeit der Beschlüsse. Laut „Presse“-Informationen will die ÖVAG vor Gericht klären lassen, ob die RZB die Beteiligungen in Osteuropa zu einem überhöhten Preis übernommen hat. Dies hieße, dass die ÖVAG als Minderheitsaktionär der RZB geschädigt wurde. Die Raiffeisen Zentralbank weist das zurück. „Nach Ansicht der RZB besteht kein materieller Grund zur Anfechtung des HV-Beschlusses“, erklärte ein RZB-Sprecher.
Zwischen ÖVAG und RZB hängt seit Längerem der Haussegen schief. Die ÖVAG braucht Geld und will ihren RZB-Anteil von sechs Prozent versilbern. Dem Vernehmen nach fordert das Volksbanken-Institut dafür rund 500 Millionen Euro. Doch dieser Preis ist den Raiffeisen-Landesbanken, die auf den Anteil ein Vorkaufsrecht haben, zu hoch. Die ÖVAG dürfte im Vorjahr einen Verlust von einer Milliarde Euro erwirtschaftet haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)
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