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Zu viele Klagen? Verbraucherschützer in der Kritik

10.02.2012 | 18:38 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Die Wirtschaftskammer Österreich denkt darüber nach, ihre Mitgliedschaft beim Verein für Konsumenteninformation zu kündigen.

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Wien. Just zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins für Konsumenteninformation ist hinter den Kulissen ein Streit um dessen Ausrichtung entbrannt. Der VKI, unter anderem für Produkt- und Dienstleistungstests verantwortlich, hat in den vergangenen Jahren nämlich immer wieder mit Sammelklagen auf sich aufmerksam gemacht. Und genau darin dürfte das Problem liegen.

Die Wirtschaftskammer, mit 250.000 Euro eine nicht unbedeutende Beitragszahlerin des VKI, denkt nun darüber nach, ihre Mitgliedschaft beim VKI zu kündigen. Oder zumindest schließt sie einen solchen Schritt nicht aus, wie es gegenüber der APA heißt. Offiziell sagt die Kammer, dass eine konsistente Zukunftsgestaltung des VKI auf den Tisch gelegt werden müsse. WKÖ-Sprecher Rupert Haberson zur APA: „Die Zukunftsbewältigung im VKI ist nicht auf der richtigen Schiene.“

Zum Hintergrund: Die Mitglieder des VKI sind sozialpartnerschaftlich besetzt. Auf der einen Seite sitzen ÖGB und Arbeiterkammer, auf der anderen Wirtschaftskammer Österreich und Landwirtschaftskammer. Sie alle zahlen jährlich einen gewissen Mitgliedsbeitrag ein. Und der sei, Angaben des VKI zufolge, seit dem Jahr 2001 nominell geschrumpft – und zwar um 28Prozent. Der VKI braucht also über kurz oder lang mehr Geld, sonst müsste er seine Tätigkeiten einschränken, wie VKI-Geschäftsführer Franz Floss erklärt.

Doch inoffiziell dürfte es sich an den zuletzt angestrengten Sammelklagen spießen. Der VKI hat etwa im Zusammenhang mit dem Finanzdienstleister AWD fünf Sammelklagen für 2500 Verbraucher eingebracht. Es geht um einen mutmaßlichen Streitwert von 40Mio. Euro.

In der Kammer dürfte man jedenfalls nicht gerade erfreut darüber sein, dass die Mitglieder zur Zahlung von Beiträgen verpflichtet, im Umkehrschluss dann aber auch noch verklagt würden. Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, August Astl, macht aus seinem Unmut kein Hehl: „Wir haben kein Interesse daran, dass der VKI in der Öffentlichkeit als Klagsverein wahrgenommen wird.“ Das Bild nach außen sei ein schiefes. Derzeit sei man dabei, die künftige Ausrichtung des Vereins zu besprechen. „Ich gehe davon aus, dass es vernünftige Fortführungsstrategien gibt.“ Eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags von derzeit 10.000Euro kommt für die Landwirtschaftskammer aber nicht infrage. Sollte man sich nicht auf eine gemeinsame Strategie verständigen können, werde man „die Mitgliedschaft überdenken müssen“, wie Astl sagt.

 

Ministerium zahlt 1,6Mio. Euro

Im Sozialministerium, das außerordentliches Mitglied des VKI ist, stößt man sich jedenfalls nicht an der Ausrichtung der Verbraucherschutzorganisation. Die öffentliche Hand schießt den Konsumentenschützern immerhin eine Basisfinanzierung von jährlich 1,6Mio. Euro zu. „Rechtsberatung und Rechtsbeistand sind sehr wichtig“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Die Klagen geschehen darüber hinaus zum Teil auch im Auftrag des Ministeriums, weil dieses bei Verbandsklagen nicht klagsberechtigt sei, wie VKI-Geschäftsführer Franz Floss erklärt. Und: „Wir klagen ja nicht aus Jux und Tollerei“, sagt Floss weiter.

Doch auch im Sozialressort denkt man nicht daran, Beiträge an den VKI anzuheben, um dessen drohenden Finanzierungsengpass abzuwenden. „In Zeiten des Sparpakets ist das schwierig.“

Der VKI, dessen Einnahmen im Jahr 2010 bei 10,3Mio. Euro lagen, finanziert sich überwiegend über seine Publikationen. Mitgliedsbeiträge und Subventionen stellen die zweitgrößte Einnahmequelle dar. 660.000 Euro kommen seit 2010 von der AK. Zuvor waren es 607.000 Euro gewesen. Rund 55Prozent des Budgets gehen beim VKI für Personalkosten drauf.

Auf einen Blick

Dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) droht eigenen Angaben zufolge früher oder später ein Finanzierungsengpass, weil die Beiträge der Mitglieder nicht steigen würden. Die Wirtschaftskammer ist unterdessen mit der Zukunftsstrategie der Verbraucherschutzorganisation nicht zufrieden und überlegt gar, ihre Mitgliedschaft zu kündigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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5 Kommentare
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Konsumentenschutz okay,

dann aber auch Schutz für Unternehmer vor notorischen unbegründet, klagewütigen Konsumenten oder vor Angestellten die von einem Krankenstand in den nächsten gehen und einen Kleinbetrieb damit ruinieren können. Man hat als Arbeitgeber keine Rechte sondern muss für evt. Laschierer zahlen und zahlen. Eine Krankmeldung vom Arzt bekommt man auch für jedes Wimmerl.
Ich spreche nicht von schweren Erkrankungen die einen KS erfordern sondern von den "keine Lust zu arbeiten" Wehleidigkeiten.

Regnilk
10.02.2012 19:28
0 1

Der Angsthase namens Wirtschaft....

Also 55 % des Budgets für Personalkosten ist schon ein schwerer Hammer - hier könnte reduziert werden. Aber auch die Statuten des VKI müssten endlich dringend reformiert werden, damit Inserate z.B. für die Konsumentenzeitschrift u.a.m. aktiviert werden dürfen. Nur so kommt Geld in die Kasse.
Die Wirtschaftskammer und bestimmte Mitglieder scheinen tatsächlich vor den guten, erfolgreichen Aufdeckungen des VKI die Hose voll zu bekommen und versuchen auf miese Art und Weise den VKI klein zu bekommen. Ein Grund mehr, dass der VKI neue Einnahmenquellen erschliesst, um nicht den ANGSTHASEN in der Wirtschaft ausgeliefert zu sein!!!!!!
Dass unzählige Tests und Überprüfungen durch den VKI und vor allem Musterprozesse in den vergangenen Jahren zielführend, also eine sehr gute Sache waren, liegt wohl für Jedermann auf der Hand.
Als Durchschnittskonsument war und bin ich für Tipps gegen Tricks u.a.m. dem VKI dankbar - dabei bin ich nur regelmässiger Leser der Konsumenten-Zeitschrift des VKI und habe sonst keinerlei irgendein Naheverhältnis zum VKI oder zur AK! Ach ja, vor Jahrzehnten war ich einmal Mitglied des ÖGB - wie gesagt, ich war es.....

Antworten Gast: franz huber
11.02.2012 08:59
2 0

Re: Der Angsthase namens Wirtschaft....

bei einem 10 mio budget sind 250.000 wohl kaum ein argument, um den vki "klein zu bekommen". es spießt sich wohl eher daran, daß der vki nicht gut wirtschaftet. warum sollte man einen verein mitfinanzieren, der anscheinend nicht bereit ist, seine veralteten strukturen zu ändern? noch dazu, wo die wirtschaftskammer ja per definitionem die interessen der wirtschaft und nicht der konsumenten zu vertreten hat.

Antworten Antworten Gast: savasana
11.02.2012 20:53
0 0

Re: Re: Der Angsthase namens Wirtschaft....

ein wenig verlogen, wenn die Wirtschaftskammer (bzw. Landwirtschaftskammer) vom VKI Änderungen verlangt, und so derEindruck entsteht, beide hätten nichts mitzureden. Tatsächlich entscheiden die Sozialpartner im VKI, also LWK und WKO ebenfalls. Wie naiv zu glauben, dass irgendeine Sozialpartner-dominierte Organisation in Österreich so frei wäre, selbst zu entscheiden, da geht es in erster Linie immer um Sozialpartnerinteressen.

Antworten falko
11.02.2012 06:08
0 0

Re: Der Angsthase namens Wirtschaft....

Konsumentenschutz ist gut und wichtig und ich halte sehr viel davon! Allerdings schießt er zur Zeit weit über's Ziel hinaus.

Heute unterschreiben voll mündige Bürger Verträge (rechtsgültige Unterschrift) und wenn sich im Nachhinein der Vertrag als ungünstig herausstellt, wird mit Hilfe des VKI geklagt.

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