AUA-Spitze verschärft die Gangart

Die Führung der Lufthansa-Tochter sieht eine Kostensenkungen zur Sanierung als letzte Chance. Alternative zu neuen Kollektivverträgen sind Änderungskündigungen.

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(c) APA

Wien. . Die Antwort auf die Frage der AUA-Betriebsräte nach der tatsächlichen Lage der Fluglinie lautet, wie AUA-Aufsichtsratschef und Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer Richtung Wien ausrichten ließ, „Es ist fünf vor zwölf.“ Eine Botschaft, die der neue AUA-Chef Jaan Albrecht am Freitag im Sonderaufsichtsrat noch verschärfte: „Die Lage ist zu ernst, um auf Zeit zu spielen.“

Albrecht hat vor einem Monat ein radikales Sparkonzept präsentiert, das die weiterhin hoch defizitäre AUA in die Gewinnzone und insgesamt 260 Mio. Euro bringen soll. Kern sind neue, kostengünstigere Kollektivverträge (KV) für alle Mitarbeiter ohne jährliche bzw. alle zwei Jahre vorgesehene Gehaltssprünge, garantierte Inflationsabgeltung, weit über ASVG-Regelungen liegende Abfertigungen und neue Betriebspensions-Regelungen. Die Gewerkschaften GPA-djp und Vida ließen jedoch den von Albrecht geforderten Termin für den KV-Abschluss Ende Jänner platzen.

 

Wechsel zu Tyrolean-Verträgen

Weil seither Funkstille herrscht, Albrecht aber am 29. Februar dem Aufsichtsrat die paktierten Vereinbarungen präsentieren soll, verschärft er nun die Gangart. Das von den Betriebsräten erwartete Drohpotenzial – quasi der „Plan B“, der bisher vom Management immer in Abrede gestellt worden ist: Änderungskündigungen nach dem Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (Avrag).

Das wiederum hieße, dass AUA und Lauda Air mit der Regionaltochter Tyrolean (Austrian Arrows) fusioniert würden und alle Mitarbeiter von AUA und Lauda Air auf den kostengünstigeren KV der Tyrolean wechseln müssten. Ihr Ist-Gehalt würde solange eingefroren, bis die Tyrolean-Mitarbeiter gleichgezogen haben, was viele Jahre dauern würde.

Eine andere Variante, die schon vor der Übernahme durch die Lufthansa im Jahr 2009 diskutierte Schrumpfung der AUA auf einen regionalen Zubringer, wird hingegen als weniger wahrscheinlich gesehen – zumindest jetzt. Der neue, teure Terminal Skylink des Wiener Flughafens wäre zudem in so einem Szenario obsolet.

 

„Roadshow“ beim Kanzler

„Es gibt einen Plan A – das Sparkonzept – und auf das konzentrieren wir uns“, sagt dazu AUA-Sprecher Peter Thier. Was die Kollektivverträge betreffe, hoffe man, dass Betriebsräte und Gewerkschaft an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Mit einer „Roadshow“ von Bundeskanzler Werner Faymann und Infrastrukturministerin Doris Bures (beide SPÖ) abwärts hat Albrecht in den vergangenen Tagen die Politik über den Ernst der Lage informiert und auf harte Schnitte eingestimmt. Zudem laufen mit 60 Lieferanten und Geschäftspartnern – vom Flughafen Wien über die Austro Control bis zu Treibstofffirmen – Gespräche über Preisnachlässe. Nächste Woche will Albrecht die 5800 Mitarbeiter informieren. Der Titel des dazu geplanten Schreibens spricht Bände: „Last Call for Take-off“.

Die AUA hat vor allem ein Kostenproblem, großteils verursacht durch teure Regelungen in KVs. Wie Albrecht bekannt gab, würden die Personalkosten heuer mit 438 Mio. Euro das Niveau von 2009 erreichen, obwohl seither 1500 Stellen gestrichen worden sind und damit die Zahl der Mitarbeiter um ein Fünftel geschrumpft ist.

Die Gründe dafür heißen Gehaltsvorrückungen und Inflationsabgeltung. Aber auch die uneinheitliche Flotte (mit Airbus, Boeing, Bombardier und Fokker) treibt die Kosten in die Höhe. Im Vergleich mit der Air-Berlin-Tochter Niki hat die AUA um 25 Prozent höhere Aufwände.

 

„Konkurs ist ein Szenario“

Verglichen mit der hoch profitablen „Schwester“ Swiss schneidet die AUA schlecht ab: Sie hat zwar fast genauso viele Mitarbeiter, aber nur etwa den halben Umsatz und sie schreibt Verluste. Allerdings hat die Swiss in der Schweiz ein viel größeres Klientel an Business-Class-Reisenden. Die Pleite gab der Schweizer Airline die Chance, verkrustete KVs abzuschütteln.

„Ein Konkurs ist kein Plan, aber ein Szenario“, heißt es dazu bei der AUA. Allerdings gilt als wenig wahrscheinlich, dass die Lufthansa ihr Sorgenkind fallen lässt. Zumal auch der beim Verkauf gegebene Schuldennachlass von 500 Mio. Euro eine Hürde darstellen dürfte.

Auf einen Blick

AUA-Boss Jaan Albrecht verschärft den Druck auf die Belegschaft, um sein Sparpaket durchzubringen. Es sei die letzte Chance für eine Sanierung. Als Drohpotenzial gelten Änderungskündigungen bei AUA und Lauda Air, um auf das Gehaltsniveau der Regionaltochter Tyrolean zu kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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