AUA-Spitze verschärft die Gangart

10.02.2012 | 18:38 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die Führung der Lufthansa-Tochter sieht eine Kostensenkungen zur Sanierung als letzte Chance. Alternative zu neuen Kollektivverträgen sind Änderungskündigungen.

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Wien. . Die Antwort auf die Frage der AUA-Betriebsräte nach der tatsächlichen Lage der Fluglinie lautet, wie AUA-Aufsichtsratschef und Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer Richtung Wien ausrichten ließ, „Es ist fünf vor zwölf.“ Eine Botschaft, die der neue AUA-Chef Jaan Albrecht am Freitag im Sonderaufsichtsrat noch verschärfte: „Die Lage ist zu ernst, um auf Zeit zu spielen.“

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Albrecht hat vor einem Monat ein radikales Sparkonzept präsentiert, das die weiterhin hoch defizitäre AUA in die Gewinnzone und insgesamt 260 Mio. Euro bringen soll. Kern sind neue, kostengünstigere Kollektivverträge (KV) für alle Mitarbeiter ohne jährliche bzw. alle zwei Jahre vorgesehene Gehaltssprünge, garantierte Inflationsabgeltung, weit über ASVG-Regelungen liegende Abfertigungen und neue Betriebspensions-Regelungen. Die Gewerkschaften GPA-djp und Vida ließen jedoch den von Albrecht geforderten Termin für den KV-Abschluss Ende Jänner platzen.

 

Wechsel zu Tyrolean-Verträgen

Weil seither Funkstille herrscht, Albrecht aber am 29. Februar dem Aufsichtsrat die paktierten Vereinbarungen präsentieren soll, verschärft er nun die Gangart. Das von den Betriebsräten erwartete Drohpotenzial – quasi der „Plan B“, der bisher vom Management immer in Abrede gestellt worden ist: Änderungskündigungen nach dem Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (Avrag).

Das wiederum hieße, dass AUA und Lauda Air mit der Regionaltochter Tyrolean (Austrian Arrows) fusioniert würden und alle Mitarbeiter von AUA und Lauda Air auf den kostengünstigeren KV der Tyrolean wechseln müssten. Ihr Ist-Gehalt würde solange eingefroren, bis die Tyrolean-Mitarbeiter gleichgezogen haben, was viele Jahre dauern würde.

Eine andere Variante, die schon vor der Übernahme durch die Lufthansa im Jahr 2009 diskutierte Schrumpfung der AUA auf einen regionalen Zubringer, wird hingegen als weniger wahrscheinlich gesehen – zumindest jetzt. Der neue, teure Terminal Skylink des Wiener Flughafens wäre zudem in so einem Szenario obsolet.

 

„Roadshow“ beim Kanzler

„Es gibt einen Plan A – das Sparkonzept – und auf das konzentrieren wir uns“, sagt dazu AUA-Sprecher Peter Thier. Was die Kollektivverträge betreffe, hoffe man, dass Betriebsräte und Gewerkschaft an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Mit einer „Roadshow“ von Bundeskanzler Werner Faymann und Infrastrukturministerin Doris Bures (beide SPÖ) abwärts hat Albrecht in den vergangenen Tagen die Politik über den Ernst der Lage informiert und auf harte Schnitte eingestimmt. Zudem laufen mit 60 Lieferanten und Geschäftspartnern – vom Flughafen Wien über die Austro Control bis zu Treibstofffirmen – Gespräche über Preisnachlässe. Nächste Woche will Albrecht die 5800 Mitarbeiter informieren. Der Titel des dazu geplanten Schreibens spricht Bände: „Last Call for Take-off“.

Die AUA hat vor allem ein Kostenproblem, großteils verursacht durch teure Regelungen in KVs. Wie Albrecht bekannt gab, würden die Personalkosten heuer mit 438 Mio. Euro das Niveau von 2009 erreichen, obwohl seither 1500 Stellen gestrichen worden sind und damit die Zahl der Mitarbeiter um ein Fünftel geschrumpft ist.

Die Gründe dafür heißen Gehaltsvorrückungen und Inflationsabgeltung. Aber auch die uneinheitliche Flotte (mit Airbus, Boeing, Bombardier und Fokker) treibt die Kosten in die Höhe. Im Vergleich mit der Air-Berlin-Tochter Niki hat die AUA um 25 Prozent höhere Aufwände.

 

„Konkurs ist ein Szenario“

Verglichen mit der hoch profitablen „Schwester“ Swiss schneidet die AUA schlecht ab: Sie hat zwar fast genauso viele Mitarbeiter, aber nur etwa den halben Umsatz und sie schreibt Verluste. Allerdings hat die Swiss in der Schweiz ein viel größeres Klientel an Business-Class-Reisenden. Die Pleite gab der Schweizer Airline die Chance, verkrustete KVs abzuschütteln.

„Ein Konkurs ist kein Plan, aber ein Szenario“, heißt es dazu bei der AUA. Allerdings gilt als wenig wahrscheinlich, dass die Lufthansa ihr Sorgenkind fallen lässt. Zumal auch der beim Verkauf gegebene Schuldennachlass von 500 Mio. Euro eine Hürde darstellen dürfte.

Auf einen Blick

AUA-Boss Jaan Albrecht verschärft den Druck auf die Belegschaft, um sein Sparpaket durchzubringen. Es sei die letzte Chance für eine Sanierung. Als Drohpotenzial gelten Änderungskündigungen bei AUA und Lauda Air, um auf das Gehaltsniveau der Regionaltochter Tyrolean zu kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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29 Kommentare
 
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Gast: Der Notar
15.02.2012 18:50
0 0

Vor langer Zeit

war der Notar als junger Hupfer in so einem Polit-Unternehmen angestellt. Nach 4 Jahren hat er geschaut, dass er die Kurve aus diesem (untergegangen) Haus bekommt. War nicht leicht. Hat man dann einen gewissen Stallgeruch gehabt. Noch länger und der Notar hätte dort bleiben müssen. Wenn der Notar in der Pension ist (also mit 72 J), dann wird er viele Seiten in seinen Lebenserinnerungen dieser Hütte widmen. Seitdem begegnet der Notar auch jedem Etatisten mit allergrößtem Mißtrauen und sieht in jedem schulmeisternden WIFO ein rotes Tuch. PS: den Leuten, die dort gearbeitet haben, hat man auch nichts Gutes getan, weder den Schwarzen noch den Roten!

..bei vollen Bezügen im Finale ....

.. nur zum Verständnis:

wieviel verdient ein Kapitän, der sagen wir mal, seit 20 Jahren bei der AUA fliegt?
(ich meine: wieviel kriegt er).

Wieviel verdient ein LWK-Fahrer, der 20 Jahre Schotter fährt?

Was ist der Unterscheid in der sogenannten Verantwortung? Die Leute die hinten sitzen?

Welcher Pilot stirbt leichter: der alleine im Cockpit sitzt, oder der, der 200 Leute hinten sitzen hat??

Welcher Manager verdient wieviel: der der die "Verantwortung für 10000 Mitarbeitert hat, oder der kleine Gerwerbetreibende mit 2 Mitarbeiter.

Genau: der Vorstandsdirektor hat genau soviel Verantwortung zu tragen, wie der Kapitän. KEINE.

D.h. man könnte mit den Vorstandsgehältern, dann mit den (alten) Kapitänsgehältern usw. anfangen. Dann muß der kleine Zangler nicht um seinen Job bangen.

Re: ..bei vollen Bezügen im Finale ....

Vergleiche Vergleichbares und es gibt keine Probleme.
Nach 20 Jahren als Pilot wird man derzeit erst Kapitän, davor sind Alles Kopilotenjahre.
Wenn ein Vorstand gute Arbeit macht und kein Personal zur Aufbesserung der Zahlen gekündigt wird kann er von mir aus Millionen verdienen, diejenigen bei der AUA aber, die in den letzten beiden Jahrzehnten fast nur Müll zustande brachten gehören mit dem nassen Fetzen und ohne Geld davongejagt, mitsamt deren überbordendem Managementapparat!

Re: Re: ..bei vollen Bezügen im Finale ....

da sind wir beide voll auf Linie.

SEP SEA
MET


Gast: powidl
13.02.2012 08:28
0 0

Verteilen kann man nur,

wenn (vorher) etwas erwirtschaftet wurde.

Re: Verteilen kann man nur,

Und zwischen erwirtschaften und verteilen kommt vorher noch das große Umverteilen unter Freunden (siehe Telekom)

zum glück haben wir die öbb der lüfte der lufthansa umgehängt

jetzt müssen wir nur noch einen deppen finden dem wir die normale öbb samt all ihren schulden umhängen können.

das dürfte aber ein ding der unmöglichkeit sein

dennoch sind die paraelen zwischen aua und öbb verblüffend, vorallem dann wenn man sie mit den SBB und swiss air vergleicht

beide konzerne haben einfach viel zu viele mitarbeiter.
die SBB hat bei einem höheren umsatz viel weniger mitarbeiter als die öbb, vergleicht man die beidne konzerne so kommt man zum schluss, dass die öbb eigentlich betrachtet am umsatz mit der hälfte der mitarbeiter auskommen müsste, dann gäbe es auch einen stattlichen gewinn, statt immerwährenden roten zahlen die das budget belasten!

So leit es mir für die AUA mitarbeiter tut, es werden wohl einige gehen müssen, denn wenn nicht, so geht die firma vollends bankrott und keiner hat mehr einen job

die aua hätte vielleicht mit einem insolvenzverfahren die möglichkeit sich vonn allen möglich altlasten zu befreien und mitarbeiter abzubauen, umd dann schlanker und effizienter durchstarten zu können.

man hat ja ua an GM gesehen, dass eine gute neustrukturierung ein fass ohne boden ganz schnell in ein profitables unternehmen verwandeln kann

Gewerkschaften

Das Beispiel AUA zeigt ganz deutlich, wohin Gewerkschaften und Betriebsräte mit ihren unverschämten Forderungen Unternehmen sehr oft führen, nach unten.
Aber natürlich sind bei der AUA in den letzten 15 Jahren auch viele Fehler im Management passiert und dies verschärft die Lage noch zusätzlich.

Gast: Erwachet, das Ende ist nah!
11.02.2012 19:05
1 1

Tja, als die AUA noch mehr oder weniger

dem Staat gehört hat waren die AUA-Angestellten mehr oder weniger Beamte und der Betriebsrat hat jedes Jahr immer wieder neue "wohlerworbene Rechte" an Land gezogen. Leider ist das, das Problem der gesamten Staates. Ein Unternehmen kann nicht wirtschaftlich mit solchen Privilegiengeschwüren geführt werden!!!

Re: Tja, als die AUA noch mehr oder weniger

Hoffentlich shen Sie das bei der ÖBB genauso.

Sparpacket

Hier wird nicht von lächerlichen Einsparungen a la Konsolidierungspacket gesprochen - teilweise heisst es da 10% mehr arbeiten und dafür 10% weniger verdienen.
Würde das unserer Regierung vorschlagen und aus den Postings schliessen, dass es nicht zu Streiks unter Ihnen kommen würde...

0 0

Re: Sparpacket

wie heißt die Alternative?

Re: Re: Sparpacket

PAKET - natürlich :)
wenn ich das wüsste, dann würde ich im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzen - obwohl ich annehme, dass dort auch Leute sitzen die das nicht wissen :)

Frage mich warum es nicht schon längst einen einheitlichen KV gibt?
Aber einfach drüber fahren ist keine Alternative - dann sollend lieber zusperren und neu Durchstarten - with a smile in the sky...

Gast: gastschreiber
11.02.2012 12:25
3 7

ein musterbeispiel österreichischen unternehmertums

mitarbeiter-privilegien bis zum abwinken, höchste bezahlung und noch immer sind die angestellten unzufrieden. lächerlich. alle kündigen und neue mitarbeiter einstellen, da finden sich sicher welche, die für ein vernünftiges gehalt arbeiten wollen.

österreich wach auf.

Re: ein musterbeispiel österreichischen unternehmertums

klar auf der AMS stelle wo sie sind gibt es sicher genug Leute die die Ausbildung und Erfahrung haben grosse Flugzeuge zu fliegen. Aufwachen!

Gast: hobbyflieger
11.02.2012 11:15
7 1

Krankes System

Erklären sie doch bitte den Angestellten der AUA, warum diese schon wieder Einschnitte bei Gehalt und Lebensqualität hinnehmen müssen während ein aktuelles Sparpaket noch für die nächsten 3 Jahre aufrecht ist und ihnen Monat für Monat Geld abgezogen wird. Jene Manager, die diese Misere mitverschuldet haben und noch immer im Unternehmen sitzen haben sich jedoch voriges Jahr Prämien in Millionenhöhe gegönnt obwohl das Unternehmen nach wie vor Millionen-Verluste schreibt???

Antworten Gast: zensuriert doch mal wen anderen
16.02.2012 12:57
0 0

Re: Krankes System

das ist sehr einfach: weil es sonst keine aua mehr und damit gar kein gehalt mehr gibt. da die aua nicht mehr der republik gehört und somit nicht mehr der steuerzahler für die verluste gerade steht ist es absehbar, dass sich die LH dieses trauerspiel nicht mehr lange anschauen wird.

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Re: Krankes System

Bestes Kommentar!
Ich bin Berufseinsteiger, noch nicht lange bei der AUA und es ist einfach zum Kopfschütteln.

Re: Krankes System

Sie sprechen mir aus der Seele, ich war früher selbst bei der AUA und musste auf Gehalt verzichten.Dafür gabs damals einen Vorstandschef, der 750 000,- Euro im Jahr verdient hat.Mehr muss ich wohl nicht sagen.

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Re: Krankes System

eine sicher berechtigte frage!

Gast: Flugschüler
10.02.2012 23:02
7 4

wieso kann mann nicht diese Betriebsräte abschaffen ?

diese nicht arbeitenden Schmarotzer sind so überflüssig wie ein Kropf.

Re: wieso kann mann nicht diese Betriebsräte abschaffen ?

Wertloser können Beiträge nicht sein.
Der Nick ist hoffentlich nur ein Scherz.

Gast: strelnikov
10.02.2012 19:24
10 5

Abschaffen

Hoffentlich macht die Lufthansa endlich "Tabula rasa" und schafft die AUA ab. Wozu brauchen wir eine "Staats-Airline", die nur Defizit macht und den Steuerzahler Milliarden gekostet hat und immer noch kostet. Zu viele Privilegien steht zuwenig Leistung gegenüber. Ist doch egal, wenn in Schwechat der "Kranich" zu Hause ist.
Meinen Segen hat die Lufthansa.

Antworten Gast: nestbeschmutzer
11.02.2012 16:24
2 1

Re: Abschaffen

AUA ist keine Staatsaatsairline, sondern ein entzündeter, eitriger Appendix der Lufthansa. Und demnächst kommt die Operation (Totalentfernung..)

Re: Re: Abschaffen

Die AUA hat ein gutes Produkt, das schlecht verkauft wird und gute Mitarbeiter.
Das Problem der AUA ist das mehr als miserable Management.
Die Mitarbeiter der AUA haben sich einen solch schlechten Ruf ganz einfach nicht verdient.Ausserdem ist die AUA, was den Service betrifft, um Klassen besser als die Lufthansa.Immer schon gewesen.

Re: Abschaffen

Es gibt auch andere Möglichkeiten strelnikova!

 
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