Sparpaket: Sparer tragen mehr bei als Reiche

13.02.2012 | 12:11 |   (DiePresse.com)

Prämien für Bausparen und "prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge" werden halbiert. Die Betroffenen tragen mehr bei als die "Solidarabgabe" einbringt.

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5,2 Millionen Österreicher haben einen Bausparvertrag. 1,5 Millionen sparen mit der "prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge" für die Pension. Sie müssen ab 2013 eine Halbierung der staatlichen Prämie hinnehmen. Das spült dem Staat laut am Freitag verkündeten Sparpaket jährlich 119 Millionen Euro in die Kassa. Mehr als die "Solidarabgabe" für Reiche, die pro Jahr 100 Millionen Euro bringen soll. Das kritisierte am Sonntagabend auch s-Bausparkassen-Chef Josef Schmidinger in der ORF-Sendung "Im Zentrum": "Die 5,2 Millionen Bausparer in Österreich tragen mit 119 Millionen Euro mehr dazu bei als die Reichensteuer ausmachen wird".

"Bausparen hilft, künftige Krisen zu vermeiden"

"Das Bausparsystem hat sich gerade in der Finanzkrise als sehr resistent erwiesen. Es war sicher", gab Schmidinger zu bedenken. "Beim Bausparen geht jeder Euro, der gespart wird, in die österreichische Wirtschaft. Das ist eine Sparförderung und eine Wirtschaftsförderung". Schmidinger stört die dadurch entstehende Symbolik: "Das unterscheidet uns von den anderen Banken, wo das Geld auch in die internationalen Finanzmärkte, nach London und Frankfurt geht. Beim Bausparen bleibt es in Österreich. Da werden die Rechnungen der Handwerker, der Maler gezahlt, dort wird die Mehrwertsteuer an den Finanzminister abgeführt".

Seine Kritik: "Die Bausparkassen haben keinen Euro in der Finanzkrise gebraucht. Gerade dieses System würde dazu beitragen, um künftige Krisen zu vermeiden. Jetzt für die Milliarden die durch die Hypo Alpe Adria und die Kommunalkredit verursacht wurden, die Bausparer heranzuziehen, das ist doch kein Zukunftkonzept".

Steigen als Folge die Wohnungspreise?

"Das wirkt sich auch negativ auf den Wohnbau aus", kritisierte Schmidinger bereits bei Bekanntwerden der Details des Sparpakets. Das könnte einen weiteren Preisanstieg bei Wohnungspreisen nach sich ziehen. Für 2012 erwarten etwa die Immobilienmakler von Remax eine generelle Steigerung der Nachfrage um 6,3 Prozent und eine Preissteigerung um 5,6 Prozent, weil das Angebot leicht (-0,3 Prozent) zurückgehen wird.

Als "Nachfrage-Renner" werden sich nach Einschätzung der Remax-Makler Eigentumswohnungen in zentraler Lage erweisen, bei denen eine Verteuerung um 8,7 Prozent erwartet wird. Zu den Gewinnern zählen auch Mietwohnungen in zentraler Lage sowie Stadt- und Zinshäuser und Baugrundstücke.

Bausparkredit nicht mehr Hauptfinanzierung

SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder wies Schmidingers Kritik zurück. Das Bausparen sei zwar eine beliebte Sparform, hänge aber nicht direkt mit der Bauleistung zusammen: "Inzwischen ist der Bausparkredit nicht mehr die Hauptfinanzierungsform für den Häuslbauer".

Derzeit orientiert sich die Bausparprämie an den Renditen für Staatsanleihen und beträgt mindestens drei Prozent und maximal acht Prozent der jährlichen Höchsteinzahlung von 1200 Euro, wie "Die Presse" berichtete. Weil gegenwärtig das allgemeine Zinsniveau niedrig ist, beträgt die staatliche Prämie nur drei Prozent. Das bedeutet, dass jeder Bausparer vom Staat bis zu 36 Euro im Jahr erhält. Selbst bei einem hohen Zinsniveau wird die staatliche Prämie künftig nur noch zwischen 1,5 Prozent und maximal vier Prozent ausmachen.

Auch Prämie für Zukunftsvorsorge halbiert

Halbiert wird auch die staatliche Förderung für die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Diese Maßnahme ist - vorerst - bis Ende 2016 befristet. Heuer erhalten die 1,5 Millionen Inhaber der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge einen Zuschuss von 8,5 Prozent auf die Einzahlungen. Das sind bis zu 85 Euro pro Jahr. Mit der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge sollte die Wiener Börse angekurbelt werden, denn 30 Prozent der Einzahlungen fließen in österreichische Aktien.

(c) APA Bausparen in Österreich

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(Red.)

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58 Kommentare
 
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Gast: Lukas
14.02.2012 10:37
0

wenn die Bausparkassen

einen kleinen Teil der Provisionen, die es für den Abschluß eines Bausparvertrages gibt den Kunden weiterreichen, so ist die Kürzung leicht wett gemacht!

Gast: rudiratlos999
14.02.2012 01:29
0

Steigen als Folge die Wohnungspreise?

Kann ich mir nicht vorstellen. Die Aktienkurse sind nach Einführung der "Vermögenszuwachssteuer" auch nicht gestiegen.

Re: Steigen als Folge die Wohnungspreise?

Naja, ich wäre mir da nicht SO sicher.

An den Börsen erfolgt die Kursfindung bekanntlich ein wenig anders, wie das im Immob. Markt der Fall ist.

Untrnehmen sind auch etwas anderes wie Immobilien.

Gast: Februar
13.02.2012 22:10
1

Selber schuld

Und die "die staatliche Förderung für die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge".
Das War / ist ja der größte Witz.
Kein vernünftig denkender Mensch kann diesen bei Einführung angenommenen Renditeversprechen Glauben geschenkt haben.

Gast: Februar
13.02.2012 22:07
2

Ohne 36 Euro kein Wohnbau

"Das bedeutet, dass jeder Bausparer vom Staat bis zu 36 Euro im Jahr erhält."

Danke, danke, danke.
Was wären wir ohne diesen Geldsegen des Staates.
Da vergessen wir doch glatt, daß dieser uns das Geld vorher weggenommen hat.

Anstatt daß dieser ganze Unsinn zum Teufel gejagt wird, kommen die Bedenkenträger aus ihren durch Zwangsabgaben wohlerwärmten Löchern.

36 Euro. ? ! ? ! ? !
In der Trafik muß ich immer warten, weil irgendwelche Dodeln vor mir irgendwelche Lotto-Scheine ausfüllen.
Und dann 50 +++ Euro hinlegen.
Offensichtlich pro Woche.

Find ich auch komisch

Dass 5 Millionen Sparer mehr beitragen als 10 000 Reiche.

Der Hammer...

...hat voll zugeschlagen!
Hauptsache bei den Krankenhäusern, Vermögen, Erben, Förderungen, Bezirkshauptmannschaften, Flugverkehr und so weiter und so fort...
ändert sich nichts.

Bravo, Ihr Vollhämmer!

Re: Der Hammer...

Ein Hammer sucht sich halt den Nagel mit dem geringsten Widerstand.
Doch logisch und Widerstand gibts in diesem Land sicher keinen.
Nur Meckerer aber keine Revoluzer !

Gast: Be-obachter
13.02.2012 19:28
1

Na, dann tun wir halt nix mehr sparen!

Jahrzehntelang hatten wir immer 4 Bausparverträge gleichzeitig. Die lassen wir nun auslaufen.
Auch die anderen Sparbücher plündern wir nun seit 1 Jahr systematisch, deshalb haben wir jetzt allesamt schöne Flitzer auf 4 Rädern, kaufen uns teure Klamotten usw. Weil der Euro fällt ohnehin bald um, wär ja schade um das viele Geld!
Meine Großeltern haben 2 Währungsreformen erlebt, meine Eltern haben eine erlebt. Auch uns bleibt das nicht erpart...

Sparpaket: Sparer tragen mehr bei als Reiche

Soziale Gerechtigkeit, Faymanns Lieblingsspruch

Gast: Der Notar
13.02.2012 18:53
2

Bausparen?

schon mal gehört, was die an Provisionen für so einen Vertrag kassieren?

...es hat sich seit den 1960er jahren nix geändert...

selbst beim sparen werden wir gelenkt, wie die politiker das brauchen, um sich elegant und ohne großes aufsehen zu entschulden...

"Matthias Horx, "Das Megatrendprinzip", Seite 230: "Im Jahr 1960 war die Entselbständigung der westlichen Ökonomien weitgehend abgeschlossen. Nur noch zwischen sieben und neun Prozent der westeuropäischen und amerikanischen Erwerbstätigen waren Selbständige - gegenüber dem Drei- bis Vierfachen in der früheren Erwerbswelt! Die Anzahl der dauerhaft Erwerbstätigen stieg über die 50% Grenze der Erwerbsfähigen. Endlich, nach Tausenden von Jahren schien das Leben sicher, planbar, vorhersehbar".

Mit dieser Form der Erwerbstätigkeit hatte der Staat das erste Mal standardisierte Steuereinkünfte, mit denen man den Wohlfahrtsstaat auf- und ausbauen konnte. So wird auch in unserem Schulsystem immer noch gelehrt wie vor 100 Jahren. Eben für Lohnarbeiter. Nur, damit sich an diesem System ja nichts ändert.

Deswegen ist es politisch auch nicht wirklich erwünscht, dass die Menschen, die Wähler, selbstständig und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen und eventuell kritisch hinterfragen, was denn die Politiker da den ganzen lieben Tag wirklich tun. Sind deren Entscheidungen wirklich nur zu unserem Wohl, oder dienen diese eventuell nur dem eigenen Machterhalt? "

Quelle: http://diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com/2012/01/15-ist-eine-anstellung-sicher.html

Re: ...es hat sich seit den 1960er jahren nix geändert...

Ich sehe das auch so ähnlich.
Ein halbwegs freier Mensch kann man heute nur als Selbständiger sein.
Deshalb habe auch ich mich vor Jahren zu diesem Schritt entschlossen.

Der Schritt vom "vollversorgten" Angestellten mit wenig Eigenverantwortung zum voll- eigenverantwortlichen Bürger, war ein großer, aber ich bin damit recht zufrieden.

Ich kann als Selbständiger auch besser andere Standbeine verfolgen. Das war ein Mitgrund für den Schritt.


Re: ...es hat sich seit den 1960er jahren nix geändert...

Was wir in der Schule gelernt haben:

* die Deutschen und Österreicher waren ganz böse und haben die ganze Welt angegriffen. Deshalb müssen wir jetzt zu allen ganz lieb sein, und fest zahlen, wenn jemand Geld braucht. Die amerikanischen Grossbanken waren natürlich auch damals schon völlig unschuldig an der Weltwirtschaftskrise. Böse waren nur die Deutschen und wir.

* die soziale Marktwirtschaft ist ein perfektes Wirtschaftsmodell. Durch die Sozialparner vermeiden wir Streiks und soziale Unruhen und können schön brav arbeiten und die weltweit höchsten Steuern zahlen.

* Buchhaltung wurde uns gelehrt, immer mit dem Ziel, den steuerlich relevanten Gewinn geanu ausrechnen zu können. Schliesslich müssen wir ja für unseren tollen Sozialstaat korrekt einzahlen können.

* Deficit Spending nach Keynes wurde uns gelehrt, denn nur durch noch mehr Schulden kann eine Schuldenkrise überwunden werden.... u.v.a.m.

Sch.... auf unser staatliches Bildungssystem. Ich werde diese Dinge meinen Kindern selbst beibringen, und zwar ohne sozialistische Dogmen.

Antworten Antworten Gast: gast93842
13.02.2012 19:20
1

Re: Re: ...es hat sich seit den 1960er jahren nix geändert...

Kannst Du es dir überhaupt noch leisten Kinder zu haben? Diesen eine adäquate Ausbildung zu geben?

Wenn alle Schulden machen, und nur einer spart, dann bekommt der eine halt sein Geld nicht zurück. Dies ist unbedingt zu beachten, speziell im Falle des System-Crashes.

Re: Re: Re: ...es hat sich seit den 1960er jahren nix geändert...

1) es gibt Gold
2) man kann in Länder auswandern, die praktisch keine Schulden haben
3) Kinder sind auch eine Pensionsvorsorge, denn die staatlichen Pensionen können wir definitiv vergessen
4) Kinder sollen nicht im Überfluss aufwachsen, denn dann werden sie zu verwöhnt, und wollen nicht arbeiten.
5) Sie haben aber trotzdem Recht, man hat schon große Bauchschmerzen in so eine Zeit hinein Kinder zu bekommen. Wer weiss, was auf die zukommen wird.

Re: Re: Re: Re: ...es hat sich seit den 1960er jahren nix geändert...

ad 1) richtig, Gold ist eine alternative Währung.
ad 2) Estland ?
ad 3) auch richtig, ohne Kinder müssen Sie selbst entsprechend vorsorgen
ad 4) Sehr richtig! Ist heute meist nicht der Fall. Man schiebt den Kindern alles hinten rein. Sie werden fett und faul.
ad 5) Die Kinder werden es schon schaffen, falls man ihnen beibringt, dass das Leben nicht immer ein Kinderspiel ist.

Gast: b754
13.02.2012 16:12
4

kein wunderdie christlich asozialen sind einfach nur mehr lobbyisten für ein paar prozent der bevölkerung


Gast: 1.Neffe
13.02.2012 16:07
5

Kleinsparer gegen Reiche

Sparer tragen aber nur bei, wenn sie eisern und verbissen sparen. Meine Tante sagt, jetzt spart sie nicht mehr, vererbt mir auch nix, sie fährt in die Fremde nach New York (kleines Mittelstands-Hotel, cool, so what).
Ich finde, sie macht es gekonnt, die Alten sind ja nicht blöd!
Sie will dann auch nach Guatemala und Mexiko. Ich unterstütze sie (geistig), solange sie nicht auf einen längeren Griechenurlaub verfällt.

Verleben statt vererben, warum nicht?


Aber bitte nicht in Österreich, denn sonst hätten diese Politiker erreicht, was sie wollten.

Gast: Hans im Glück
13.02.2012 16:02
4

Das machen die Sparer schon immer.

Sie Sparen mittels Sparbuch, Bausparer, Lebensversicherung und wie all die tollen Produkte heißen.

Die Geldmengenausweitung die eigentlich Geldmengeninflation also Inflation heißt kennen sie nicht. Sie lassen sich durch den VPI und HVPI, die sich an einem dubiosen Wahrenkorb orientieren, beruhigen.

Der Staat entschuldet sich auf diese Art. Deshalb schaut man darauf, dass die Inflation über der Rendite der Staatsanleihen ist und der VPI darunter. Ein einfacher Taschenspielertrik.

Re: Das machen die Sparer schon immer.

Die Zusammensetzung des Warenkorbes ist eigentlich prinzipiell egal, weil bei gleichbleibender Qualität die Relationen der Produktpreise stets gleich bleiben würden.

Das Problem ist, dass es ein Preisindex ist, und kein Kostenindex.

Es liegt also im Warenkorb "1 AMD Athlon Computer", anstatt "1 aktuelles Spielesystem". Je schneller also die Generationenwechsel sind, desto mehr drücken sie den VPI, ohne dass der Verbraucher wirklich einen Preisvorteil davon hat (weil das alte Produkt unbrauchbar und nicht einmal mehr erhältlich ist).

Re: Das machen die Sparer schon immer.

i gibs aus!

Sparen

ist heute etwas für Ahnungslose und Naivlinge.

Sämtliches Kapital wird über früher oder später über die politisch gewollte Geldentwertung (Geldfälschen der EZB) enteignet sein.

Auch die geförderte Vorsorge gehört da dazu.

Ein wichtiger Grundsatz ist: Entscheide NIEMALS nur deshalb, weil du eine staatliche Förderung angeboten bekommst. NIEMAND wird dir etwas schenken.

Antworten Gast: Halbwissen
13.02.2012 16:35
0

Re: Sparen

Ein zweiter wichtiger Grundsatz: Entscheide NIEMALS nur deshalb, weil du Steuern sparen kannst.

Re: Re: Sparen

dritter Grundsatz:

Entscheide niemals etwas auf Grund von staatlichen Informationen oder Empfehlungen einer Bank -- ausser man macht das genaue Gegenteil.

Neueste Falschinformationen:

* der Euro ist gerettet
* Griechenland vermeidet Pleite
* der Kapitalismus/Markt hat versagt
* die EZB druckt kein Geld für die Staaten und sorgt für Geldwertstabilität
* die Inflation ist niedrig
* die Regierung spart
* die Rente ist sicher
* das Sparbuch ist sicher

genaues Gegenteil: Gold kaufen und gut verstecken!

 
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