Sparpaket: Sparer tragen mehr bei als Reiche

Prämien für Bausparen und "prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge" werden halbiert. Die Betroffenen tragen mehr bei als die "Solidarabgabe" einbringt.

Sparpaket Bausparer tragen mehr
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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

5,2 Millionen Österreicher haben einen Bausparvertrag. 1,5 Millionen sparen mit der "prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge" für die Pension. Sie müssen ab 2013 eine Halbierung der staatlichen Prämie hinnehmen. Das spült dem Staat laut am Freitag verkündeten Sparpaket jährlich 119 Millionen Euro in die Kassa. Mehr als die "Solidarabgabe" für Reiche, die pro Jahr 100 Millionen Euro bringen soll. Das kritisierte am Sonntagabend auch s-Bausparkassen-Chef Josef Schmidinger in der ORF-Sendung "Im Zentrum": "Die 5,2 Millionen Bausparer in Österreich tragen mit 119 Millionen Euro mehr dazu bei als die Reichensteuer ausmachen wird".

"Bausparen hilft, künftige Krisen zu vermeiden"

"Das Bausparsystem hat sich gerade in der Finanzkrise als sehr resistent erwiesen. Es war sicher", gab Schmidinger zu bedenken. "Beim Bausparen geht jeder Euro, der gespart wird, in die österreichische Wirtschaft. Das ist eine Sparförderung und eine Wirtschaftsförderung". Schmidinger stört die dadurch entstehende Symbolik: "Das unterscheidet uns von den anderen Banken, wo das Geld auch in die internationalen Finanzmärkte, nach London und Frankfurt geht. Beim Bausparen bleibt es in Österreich. Da werden die Rechnungen der Handwerker, der Maler gezahlt, dort wird die Mehrwertsteuer an den Finanzminister abgeführt".

Seine Kritik: "Die Bausparkassen haben keinen Euro in der Finanzkrise gebraucht. Gerade dieses System würde dazu beitragen, um künftige Krisen zu vermeiden. Jetzt für die Milliarden die durch die Hypo Alpe Adria und die Kommunalkredit verursacht wurden, die Bausparer heranzuziehen, das ist doch kein Zukunftkonzept".

Steigen als Folge die Wohnungspreise?

"Das wirkt sich auch negativ auf den Wohnbau aus", kritisierte Schmidinger bereits bei Bekanntwerden der Details des Sparpakets. Das könnte einen weiteren Preisanstieg bei Wohnungspreisen nach sich ziehen. Für 2012 erwarten etwa die Immobilienmakler von Remax eine generelle Steigerung der Nachfrage um 6,3 Prozent und eine Preissteigerung um 5,6 Prozent, weil das Angebot leicht (-0,3 Prozent) zurückgehen wird.

Als "Nachfrage-Renner" werden sich nach Einschätzung der Remax-Makler Eigentumswohnungen in zentraler Lage erweisen, bei denen eine Verteuerung um 8,7 Prozent erwartet wird. Zu den Gewinnern zählen auch Mietwohnungen in zentraler Lage sowie Stadt- und Zinshäuser und Baugrundstücke.

Bausparkredit nicht mehr Hauptfinanzierung

SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder wies Schmidingers Kritik zurück. Das Bausparen sei zwar eine beliebte Sparform, hänge aber nicht direkt mit der Bauleistung zusammen: "Inzwischen ist der Bausparkredit nicht mehr die Hauptfinanzierungsform für den Häuslbauer".

Derzeit orientiert sich die Bausparprämie an den Renditen für Staatsanleihen und beträgt mindestens drei Prozent und maximal acht Prozent der jährlichen Höchsteinzahlung von 1200 Euro, wie "Die Presse" berichtete. Weil gegenwärtig das allgemeine Zinsniveau niedrig ist, beträgt die staatliche Prämie nur drei Prozent. Das bedeutet, dass jeder Bausparer vom Staat bis zu 36 Euro im Jahr erhält. Selbst bei einem hohen Zinsniveau wird die staatliche Prämie künftig nur noch zwischen 1,5 Prozent und maximal vier Prozent ausmachen.

Auch Prämie für Zukunftsvorsorge halbiert

Halbiert wird auch die staatliche Förderung für die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Diese Maßnahme ist - vorerst - bis Ende 2016 befristet. Heuer erhalten die 1,5 Millionen Inhaber der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge einen Zuschuss von 8,5 Prozent auf die Einzahlungen. Das sind bis zu 85 Euro pro Jahr. Mit der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge sollte die Wiener Börse angekurbelt werden, denn 30 Prozent der Einzahlungen fließen in österreichische Aktien.

Bausparen in Österreich
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Bausparen in Österreich
(c) APA

(Red.)

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