Cernko: Rückkehr zu Triple A wird Jahre dauern

16.02.2012 | 18:20 |   (Die Presse)

Bank-Austria-Chef Willibald Cernko hält das von der Regierung präsentierte Sparpaket für nicht ausreichend. Es werde daher drei bis sechs Jahre dauern, bis Österreich die Spitzenbonität zurückerhält.

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Wien/Höll. Die Hoffnung der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, mit dem in der Vorwoche präsentierten Belastungs- und Sparpaket die höchste Bonitätsstufe für Österreich zurückerobern zu können, werde sich nicht erfüllen. Bank- Austria-Chef Willibald Cernko geht davon aus, dass es drei bis sechs Jahre dauern wird, bis Österreich wieder das begehrte Triple-A-Rating erhalten wird.

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Als erste der drei großen Ratingagenturen hatte Standard& Poor's im Jänner die Kreditwürdigkeit des Landes von „AAA“ um eine Stufe auf „AA+“ gesenkt. Am Dienstag reduzierte Moody's den Ausblick für Österreich von stabil auf negativ. Das bedeutet, dass in den nächsten 90 Tagen eine Herabstufung folgen könnte. Derzeit wird die Republik von Moody's noch mit dem Triple A bewertet.

Cernko sagte, das Belastungs- und Sparpaket sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch notwendige Strukturreformen im Gesundheits- und Verwaltungsbereich seien ausgeblieben. Außerdem fehlen die großen Wachstumsimpulse. „Da muss noch einiges nachkommen“, verlangt der Bankchef. Außerdem sei es unsicher, ob Maßnahmen wie die Finanztransaktionssteuer und das Steuerabkommen mit der Schweiz die erhofften Einnahmen bringen werden.

Ihn selbst werde das Belastungspaket wegen der Solidarabgabe für Spitzenverdiener einige zehntausend Euro kosten. Das gehe aber in Ordnung, so Cernko.

„Nicht in Panik verfallen“

Den Vorwurf, dass die Banken am schlechteren Rating Österreichs mitschuldig seien, lässt Cernko nicht gelten. Moody's und Standard & Poor's verweisen auf die hohen Risken, die Österreichs Finanzkonzerne in Osteuropa eingegangen sind. Bank Austria, Erste Group und Raiffeisen Bank International haben in der Region Kredite von 300 Milliarden Euro ausständig.

Das sind mehr als 100 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Die Analysten befürchten, dass bei einer sich verschlechternden Wirtschaftslage ein Teil der Darlehen ausfallen könnte und die Banken dann erneut Staatshilfe benötigen.

„Wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen“, so Cernko. Das Kreditvolumen von 300 Milliarden Euro in Osteuropa müsse man differenziert sehen. Denn davon seien 190 Milliarden Euro durch lokale Spareinlagen und Refinanzierungen abgesichert. Nur 100 bis 110 Milliarden Euro seien von Österreich aus besichert und gelten nach Meinung der Banken als tatsächliches Risiko. Es gibt allerdings Zweifel, ob beide Werte miteinander verknüpft werden können. Denn die Banken können bei ihren Osttöchtern nicht einfach die Spareinlagen von Kunden zur Abdeckung von Verlusten im Kreditgeschäft heranziehen.

Um die Risken einzudämmen, dürften die Banken im Osten auf Anordnung der Finanzmarktaufsicht künftig pro 100 Euro an Spareinlagen nicht mehr als 110 Euro an neuen Krediten vergeben, was laut Cernko aber kein Problem darstellt. Bei der Bank Austria liegt das Verhältnis zwischen Spar- und Kreditgeschäft in Osteuropa aktuell bei 106 Prozent, nur in Slowenien und der Ukraine sind es mehr als 110 Prozent.

Anders als Erste-Bank-Chef Andreas Treichl glaubt Cernko nicht an einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. „Europa kann es sich nicht leisten, Griechenland in eine unkontrollierte Insolvenz schlittern zu lassen.“ Das würde das Projekt Europa infrage stellen. Laut Cernko hätte man Griechenland schon viel früher mit einem zweistelligen Milliardenbetrag retten können. Nun sei man so weit, dass „eine Dramaturgie durchlaufen werden muss, an der am Ende fast eine Katastrophe“ stehen könnte.

Die Bank Austria hat im Vorjahr ihren Bestand an griechischen Anleihen um 400 Millionen Euro abgewertet. Trotzdem wird die UniCredit-Tochter 2011 einen Gewinn ausweisen. Details dazu werden im März bekannt gegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2012)

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28 Kommentare
 
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Optimist

Ich würd den Herrn mal als grenzenlosen Optimisten bezeichnen.... aus heutiger Sicht und wenn unsere lieben Damen und Herrn Politker so weiter machen wird der Weg zum Triple A wohl für ewig versperrt sein...

Ein unnützer Banker


Bevor dieser Nichtsnutz zu irgend etwas, das mit tatsächlichem Wirtschaften zu tun hat, den Mund aufmacht, sollte er sich einmal die Frage stellen, welchen Beitrag der Finanzsektor und die Banken im Speizellen zur Realwirtschaft leisten. Welche Gegenleistung erbringen sie für die Einnahmen, die sie kassieren.

Und dann soll er dieser Gegenleistung die Gehälter, Boni und anderen Vergünstigungen gegenüberstellen, die die in den Banken und der Finanz“industrie“ Tätigen sich genehmigen und genehmigen lassen. Dann wird er erkennen können, dass er und seine Kollegen die teuersten Schmarotzer der Realwirtschaft sind. Und das schon in normalen Zeiten.

Wenn dann noch die durch Kasinokapitalismus ausgelöste Finanzkrise von 2007, die bis heute andauert, den Steuerzahler tausende Milliarden Euro kostet, dann können nur mehr absolute Realitätsverweigerer von einem positiven Beitrag des Finanzsektors sprechen.
In den meisten Fällen wird die Realität offenbar aus reinem Selbstschutz verweigert, weil Leute, die einen derartigen Schaden anrichten, haben in Japan zum Schwert gegriffen, um wenigsten einen letzten Rest von Anstand zu bewahren oder in er k.u.k.-Zeit wurde Ihnen die Pistole auf den Schreibtisch gelegt.

Aber diese rückratlosen Raff-Beutel klopfen sich noch gegenseitig auf die Schultern und der Großteil unserer Medien klatscht doch tatsächlich Beifall.

Cernko sollte einmal überdenken, was zum Downgrading geführt hat

und ob dabei nicht die Banken mit uneinbringlichen, weil teilweise zu leichtfertig, vergebenen Ostkrediten, eine bedeutende Mitschuld tragen. Mit der Kritik an den Politkern werden diese Herren erst dann glaubwürdig, wenn sie zuvor bei sich selbst damit beginnen!

Gast: sozialkritiker
16.02.2012 22:51
1

AAA???? NIE!!!!

AAA? NIe, nie mit diesen vom Volk so sehnsüchtig mehrheitlich gewählten Regierungen!!!

Gast: hemingway2
16.02.2012 18:38
0

Zukunft noch viel schlimmer

Bald wird es kein Brageld mehr geben, sondern nur einen Chip:

http://staseve.wordpress.com/eu-kontrolle-uber-e-geld/

Daher war die Verschuldung Europas von langer Hand geplant.

Das muss man positiv sehen

Fuer einen sozialistischen Staat ist es doch eine Leistung, jemals mit AAA in den Ratings gewesen zu sein.

Nach unten ist natuerlich noch eine Menge Spielraum.

Gast: gast1984
16.02.2012 17:15
2

"Österreich erhält "AAA" erst in Jahren zurück"

Ja ca. 10 Jahre nach dem Staatsbankrott!

Cernko: Österreich erhält?

Wäre ich "Bank-Manager" würde ich mir keine Gedanken machen, was Österreich erhält ..., ich würde in erster Linie einmal den Mund halten und "mein Gewissen erforschen", wenn es um "die Krise" geht!

Gast: hdjfhdkfhf
16.02.2012 16:28
0

Ihr wollt triple A zurück?

Wir hätten da noch ein paar politische Vorschläge, die ihr wie gewohnt diskussionslos umzusetzen habt. In ein paar Jahren reden wir nochmal drüber.

Gast: Gelenkschmerz
16.02.2012 15:39
2

A-Ah-Ahhhhhh

Trippel A wird es nicht mehr spielen. Dieses Land ist mittlerweilen im Korruptionssumpf versunken.
Mit dieser Polit-Kaste geht nichts mehr, da besteht erst wieder Hoffnung wenn die Österreicher diese Bande zum Teufel geschickt hat.
Aber solange die sich selber Besolden,Überwachen,Bestrafen, geht in diesem Land alles den Bach runter.

Gast: ADVOCATUS DI
16.02.2012 13:59
7

CERNKO/BA

Die Frage die sich mir stellt, ist diese: Wie, wenn ich fragen darf, kommt ein kleiner UNBEDEUTENDER UND WEITHIN UNBKANNTER BANKER EINER BANK/BA deren Bestand-NICHT EINMAL FÜR 2012 gesichert ist dazu, SICH HIER ALS-GROSSER PROGNOSTICKER AUFZUSPIELEN??!!
JA, RICHTIG, weil ihm ein sogenanntes Trivial-Medium wie die PRESSE Platz dafür einräumt, um die vermeintliche eigene Kompetenz zu erhöhen!
RESÜMEE: Die Bedeutung beider-WIRD NOCH GERINGER, ALS SIE SCHON VORHER WAR!! Die
Prinzipien der Logik-SIND UNERBITTLICH, WENN GEWOGEN, UND ABGEMESSEN WIRD!!

Re: CERNKO/BA

So wie Sie sich hier online darstellen Herr Advocatus Di sollten Sie Beiträge in der "Heute" kommentieren, bevor Sie hier "unreifen Mist" von sich geben!

Antworten Antworten Gast: ADVOCATUS DI
16.02.2012 16:29
3

Re: Re: CERNKO/BA

Würden Sie uns aufklären-"Wuera"-was der Inhalt Ihres Kommentars ist, oder sein soll?!
Das, was wir erfahren haben ist-dass Sie Leser des HEUTE sind und dieses Schundblatt von Ihnen offensichtlich-ALS INTELLEKTUELLER MASSSTAB für Äußerungen anderer verstanden wird!
Im übrigen, vom sprachlichen und inhaltlichen Niveau her abgeleitet-MENSA MITGLIED SIND SIE NICHT,ODER?!!

Re: Re: Re: CERNKO/BA

Es tut mir leid,die Heute Zeitung wird von mir nicht gelesen.mit "unreifen mist" beziehe ich mich auf ihre Aussage dass der bestand der Bank Austria nicht gesichert sei. Vielleicht beziehen Sie sich darauf,dass eine Namensänderung zu unicredit in Betracht gezogen wurde. Doch wird dies sicherlich nicht passieren,da die unicredit negativer von Österreichern bewertet wird,als die Bank Austria. Durch eine Namensänderung würde man Kunden verlieren und es würden unnötige kosten verursacht. Also ist dies sicherlich keine alternative. P.S : Ich gehe nicht in die Mensa :)

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: ADVOCATUS DI
16.02.2012 18:29
2

Re: Re: Re: Re: CERNKO/BA

Sorry, da gibts einen kleinen Irrtum: Der MENSA-CLUB hat nichts mit der Studenten Verköstigung zu tun, sondern der MC ist schlichtweg ein privater Verein, in dem sich Menschen beiderlei Geschlechts zusammengetan haben, weiterhin tun, die einen IQ größer als 130 nachweisen können!!
Noch ein Hinweis, um die Reihenfolge herzustellen: Es bedarf lediglich eines Aufsichtsratsbeschlusses der UniCredit, um die BA in die Dauer-Versenkung zu schicken, GLEICHWERTIGKEIT-NEGATIV,Sir! Die BA könnte diesen Beschluß-NUR ABNICKEN!!

Antworten Gast: phj
16.02.2012 14:54
0

Re: CERNKO/BA

Immerhin Chef der Bank Austria

Antworten Antworten Gast: AGENS
16.02.2012 16:36
1

Re: Re: CERNKO/BA

Meinen Sie jene BA, die vom Masseverwalter der Bernard MADOFFSCHEN REST-VERMÖGENS wegen Täuschung der Anleger, im Namen dieser auf 1,7mrd US$ geklagt wurde?!
Und meinen Sie auch jene Bank Austria, deren Fortbestand zumindest dem Namen BA nach von Finanzexperten im höchsten Maße bezweifelt wird?!

Re: Re: CERNKO/BA

Jeder Trottel kann Chef irgendwo werden, wenn er nur wen kennt. Das gilt für alle Versorgungsposten, bis hin zum Bundeskanzler.

Antworten Gast: Halbwissen
16.02.2012 14:03
2

Re: CERNKO/BA

Kleiner, unbedeutender und ÜBERBEZAHLTER Banker !

Gast: 1. Parteiloser
16.02.2012 13:58
1

Sollte ich auch 100 Jahre alt werden dürfen...

....so werde ich es nicht erleben, dass es das Trible A für Österreich wieder geben wird. Wenigstens nicht, wenn die Beurteilungskriterien gleich gehalten werden. Es sind noch viele Dekaden bis zu meinem Hunderter!

Diese Regierung hat doch das Sparpaket nur gemacht um die Selbstbedienung der Herrschaftsbereiche der Parteien etwas länger auf einem sehr hohen Niveau halten zu können. Wie auch im Artikel beschrieben, es wurde in die kranken Strukturen überhaupt nichts verbessert.

Diese Regierung hat ja auch geplant den Schuldenstand erheblich weiter zu steigern. Schneller zu steigern als das BIP Wachstum erlauben würde und viel schneller als die Teuerungsrate erwartet wird. Es ist ein Regierung, welche unbeholfene Versuche macht die Schulden auf irre Höhen zu treiben und dabei die anderen Österreicher immer mehr Richtung Armut zu schieben.

Weniger korrekt ist die Aussage, dass sich die EU eine Griechenlandpleite nicht leisten kann. Griechenland ist ja schon pleite, es werden die Zahlungsverpflichtungen doch schon von den Europäischen Mitmenschen erledigt. Das 2. Rettungspaket soll 130 Mrd. Euro betragen, also etwa 30.000.- Euro pro Griechischen Haushalt. Die Haushalte werden davon aber kaum was haben, eher im Gegenteil. Ich selber bezweifle auch, dass die Masse der Griechen an den Schulden wirklich partizipieren konnte.

Die Monster Staatsunwesen und Finanzunwesen, das sind die Monster heute, welche vollkommen außer Kontrolle sind. Nicht nur in Griechenland!

Re: Sollte ich auch 100 Jahre alt werden dürfen...

Ihre Drohung ist relativ; teilen Sie uns mit, wann wir mit diesem Termin rechnen dürfen?

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
16.02.2012 17:49
0

Re: Re: Sollte ich auch 100 Jahre alt werden dürfen...

Meinen Sie die "Drohung" Richtung Armut?

Ist doch keine Drohung und soll auch nicht als Drohung verstanden werden. Es ist eher eine Prognose, welche aus der Beobachtung von Griechenland und Portugal auf Österreich, zeitverzögert, zutreffen wird.

Was heute schon los ist, das kann man den dem letzten Armutsbereicht entnehmen.

Mehr als 1/2 Million Menschen sind schon in manifester Armut und mehr als eine weitere 1/2 Million wird als Armutsgefährdet eingestuft.

Wenn Sie den letzten Armutsbericht mit den früheren Armutsberichten vergleichen, dann können Sie auch den Trend eindeutig erkennen.

Als Termin, für die betroffenen mehr als 1 Mio. Menschen in Österreich muss man daher heute sagen. Eigentlich unglaublich, dass das bei jährlichen Staatsausgaben von 158.000 Mio. Euro (Plan 2012) sein kann.

Weitere Menschen kommen laufend dazu, es werden also mehr werden.

Osteuropageschäft verkaufen

die Bank Austria soll ihr Osteuropageschäft schnellstens verkaufen und damit ihren Beitrag zur Rückkehr zum Tripple-A leisten - ansonsten kann man den Bankern nur raten: Hände falten, Goschn halten.

Antworten Gast: Halbwissen
16.02.2012 14:00
1

Re: Osteuropageschäft verkaufen

Wie meinen Sie das ?

Bei Verkauf fällt Österreich sofort auf default da das ganze Ausmaß ersichtlich wird. Danach Umschuldung, Wiederaufbau und irgendwann haben wir dann wieder das AAA.

Meinen Sie das so ?

Re: Re: Osteuropageschäft verkaufen

ich meine dass das Osteuropageschäft verkauft werden soll bevor dort die Kredite uneinbringlich werden - ein Teil ist das sicher schon das ist mir klar, aber mit der bevorstehenden Rezession wird es noch viel schlimmer, bis dahin soll Österreich nicht mehr dafür haften.

Die Frage wird bald lauten:

Wie lange noch bis zum "D"?

 
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