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EZB: "Das ist mehr als Schlamperei, das ist Betrug"

20.02.2012 | 18:14 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Mit ihrer Flucht vor dem Schuldenschnitt verunsichert die EZB die Investoren. Anleihentausch ermöglicht der EZB nun, auch bei einem erzwungenen Schuldenschnitt unbehelligt zu bleiben.

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Wien. Langsam lichtet sich der Wald an Erklärungsmustern für den desolaten Zustand der Eurozone, ja der Weltwirtschaft. Und immer mehr Beobachter kommen zu einem neuartigen Schluss. Nicht die unsichtbare Hand der „Märkte“ und „Spekulanten“ steuert das traurige Geschehen, sondern die sehr sichtbare Hand der Politik und der Notenbanken. So schreibt Bob Janjuah, Analyst bei Nomura, in seinem Newsletter: „Die Anleihen- und Währungsmärkte werden jetzt so stark manipuliert, dass ich keine aussagekräftige Analyse mehr abliefern kann.“

Vergangenes Wochenende hat die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt ein Manöver abgezogen, das es so noch nie gegeben hat. Sie ließ die griechischen Staatsanleihen in ihrer Bilanz mit einer neuen Wertpapierkennnummer versehen. Der Grund: Griechenland steht ein Schuldenschnitt bevor. Die bisherigen Versuche des Landes, seine Gläubiger zu einem freiwilligen Verzicht zu bewegen, sind nicht zuletzt an der EZB gescheitert. Man könne keine Verluste hinnehmen, weil das einer (verbotenen) Staatsfinanzierung durch die Notenpresse gleichkäme, hieß es dazu stets aus Frankfurt. Der Anleihentausch ermöglicht der EZB nun, auch bei einem erzwungenen Schuldenschnitt unbehelligt zu bleiben. Das Argument der EZB bleibt das alte: Dies geschehe nur, um nicht in den Verdacht unerlaubter Staatsfinanzierung zu kommen.

200 Mrd. Euro in den EZB-Büchern

Man kann diesen Anleihentausch aber auch als neuestes Glied in einer Kette von Verzweiflungstaten sehen – in deren Mittelpunkt der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB steht. Die EZB hält aktuell rund 50Mrd. Euro an Hellas-Anleihen und 150Mrd. Euro an Anleihen weiterer Eurostaaten, die Probleme mit der Refinanzierung ihrer Schulden an den Märkten haben. Heißt: Die EZB finanziert längst Staaten via Notenpresse. Auch wenn dieses Programm als „Nicht-Standard-Maßnahme“ offiziell zeitlich begrenzt und eingeschränkt ist – die Taten sprechen lauter als das „Wording“.

„Schon dieses Anleihenkaufprogramm ist rechtswidrig“, sagt der Berliner Finanzwissenschaftler Markus C. Kerber. „Damit ist die EZB zu einer Spielmacherin der Wettbewerbsverfälschung an den Märkten geworden.“ Der Anleihentausch sei ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Den griechischen Schuldenschnitt muss die Zentralbank unbedingt umgehen, weil sonst eine Rekapitalisierung der EZB durch die Staaten notwendig werden könnte. Simpel gesagt: Die EZB wäre pleite.

Der Weg, den man jetzt gewählt hat, ist aber auch gefährlich. Die EZB hat sich durch den Anleihentausch zum „Gläubiger erster Klasse“ befördert. „Damit degradiert die EZB nicht nur die Halter von griechischen Anleihen, sondern alle Halter von Anleihen der Euroländer“, sagte Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleiheninvestors Pimco.

„Die EZB hat die Büchse der Pandora geöffnet“, schreibt der Autor Mark J. Grant in einem Kommentar. Denn: „Wenn die EZB für sich beansprucht, ein besonderer Gläubiger zu sein, werden die übrigen Gläubiger in Zukunft höhere Risikoaufschläge verlangen“, sagt Markus C. Kerber. Das könnte wiederum bedeuten, dass die EZB in Zukunft selbst noch mehr Staatsanleihen von Ländern wie Italien und Spanien kaufen muss, um die Zinsen zu drücken. Die EZB ist jetzt also auf der Flucht vor sich selbst – die Anleihenkäufe müssen weitergehen. „Das ist mehr als Schlamperei, das ist Betrug“, sagt Kerber. „Der Ankauf von Anleihen ist platte Fiskalpolitik.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2012)

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17 Kommentare
1 0

Re.: "Die EZB hat sich durch den Anleihentausch zum „Gläubiger erster Klasse“ befördert."


Darüber hinaus bekam durch diese Umtausaktion alter gegen neue Anleihen, die rein zwischen der ECB und Griechenland ablief, Griechenland eigene alte Schuldentitel in die Hand, d.h. Griechenland erhielt (zusätzliche) Stimmrechte, wie und zu welchen Konditionen ein Schuldenschnitt stattfinden könne.

Hier betrogen zwei Parteien gemeinsam alle anderen Parteien -- der Fluch der bösen Tat wirkt bereits ungustiger, als man es vor Monaten noch für denkbar hielt.

Antworten Gast: ezbezb
22.02.2012 00:15
2 0

Re: Re.: "Die EZB hat sich durch den Anleihentausch zum „Gläubiger erster Klasse“ befördert."

Das wird Folgen haben, oder glauben die wirklich die Anleger merken sich das nicht.

Wer wird denn demnächst ihre Billionen Griechen-Italien-Spanien-Portugal- usw Staatsanleihen kaufen.

Glauben die denn, sie brauchen die Kapitalmärkte nicht mehr.
Russland hat sogar die Zarenbonds zurückbezahlt, um wieder kapitalmarktfähig zu sein.
Und auch Argentinien wollte wieder Geld aufnehmen. Nix da hieß es, zuerst werden die Altschulden zurückbezahlt.

Nur die EU Granden glauben, sich alles erlauben zu können. Sie werden sich täuschen.




Antworten Antworten Gast: Hubertus
22.02.2012 07:21
3 0

Re: Re: Re.: "Die EZB hat sich durch den Anleihentausch zum „Gläubiger erster Klasse“ befördert."

Ich glaube Sie täuschen sich. Wenn der Kapitalmarkt das Geld nicht "freiwillig" gibt, dann wird es eben die EZB zu günstigen Konditionen drucken. Das Geld wird die gleiche Funktion wie im kommunistischen System bekommen. Das ist das Ende der Marktwirtschaft wie wir sie kennen. Das ist der Beginn von EUSSR. Danke EU.

Gast: Blankenstein Husar
21.02.2012 10:18
9 0

Ja, ja, genau das haben wir immer geschrieben.

Die völlig korrupte und verbrecherische EZB verkommt offiziell zur "Bad-Bank",

damit ladet man schlußendlich alle faulen Papiere mit Schwergewicht dem deutschen und auch österreichischen Steuerzahlern auf, da die Bundesbank und österreichische Nationalbank auch mit dem Privatvermögen der Bürger im Endeffekt dafür geradestehen.

Das ist die Enteignung, vor der wir immer gewarnt haben.

Einer Finanzministerin Fekter, die wahrscheinlich nicht einmal in der Lage ist, eine Fuhr Schotter ordnungsgemäß zu verbuchen,
fehlt da der Durchblick.

Von Nowotny will ich lieber schweigen.


Gast: r.tiroch@t-online.de
21.02.2012 09:32
3 0

Rechenwerke

350 mrd Miese-100 mrd Schnitt bleiben 250 mrd, so suggeriern uns das die Pressestellen. Wo sind dann die 110+130 also 240 Mrd der retterei? 250+240 also 490 Total, oder sind die 240mrd schon im ESM gelandet?

Re: Rechenwerke

Die"Retterei" hat mit Schuldentilgung gar nichts zu tun. Mit diesem Geld müssen die Griechen nur den regelmäßig notwendigen Ersatz ablaufender Anleihen finanzieren und die immer höheren Zinsen, die die Banken verlangen, bezahlen. Damit soll eine Zahlungsfähigkeit Griechenlands vorgetäuscht werden, die es gar nicht gibt. Diese Roßtäuscherei ist völlig sinnlos, denn wer sich mit griechischen (und anderen) Staatspapieren verzockt hat, muss den Verlust irgendwann tragen. Das hinauszuzögern verschwendet nur Geld in ein Fass ohne Boden!

Was hier gemacht wird, ist "das neueste Glied in einer Kette von Verzweiflungstaten" und in der verlogenen EU-Politik "ein weiterer Schritt in die falsche Richtung", mit dem die ganze EU an die Wand gefahren wird. Nicht nur die EZB, die ganze EU-Politik ist "auf der Flucht vor sich selbst", denn schon Goethe hat richtig erkannt: "Es ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend Böses muss gebären"!

Re: Re: Rechenwerke

Ergänzen muss ich noch: Die erste "böse Tat" ist die Ausdehnung des Euroraumes auf dafür völlig ungeeignete Staaten. Um diesen Kapitalfehler zu vertuschen, wankt die EU von einer Katastrophe in die andere!

Gast: Hubertus
20.02.2012 20:45
5 0

Danke Euro

Das kommt davon,wenn man mit Ländern wie Frankreich, Italien und Griechenland eine Währungsunion eingeht.Wenn drei gute Äpfel mit einem faulen Apfel zusammengelegt werden,wird nicht der faule Apfel gut,sondern die drei gesunden Äpfel werden schlecht.Das österr. Volksvermögen (also auch das Geld der kleinen Sparer- jawohl ihr Sozis)wird gerade den PIIGs ausgeliefert.Wie?Ganz einfach, die EZB druckt Geld,das in Österreich gesetzliches Zahlungsmittel ist.Das Geld kommt aber z größten Teil nicht nach Österreich sondern nach Griechenland,Italien,Spanien Portugal etc.Diesem Geld liegt aber keine volkswirtschafliche Gegenleistung zugrunde,sondern entweder ganz wertlose (Griechenland)oder wenig werthaltige(die anderen PIIGS) Sicherheiten zugrunde.Die Empfänger dieses leistungslosen Geldes können jetzt mit diesem gesetzlichen Zahlungsmittel,das derzeit kredidiert aber bald geschenkt werden wird(Schuldenschnitt,Zerbrechen der Eurozone etc)überall,wo wirklich gearbeitet wird,einkaufen. Von Zurückzahlen kann überhaupt keine Rede sein.Dafür wird aber der österr. Sparer für sein Guthaben Jahr für Jahr weniger bekommen,insbesondere Zinsen,die von der EZB künstlich niedrig gehalten werden,damit die Schuldenbeuteln ein leichteres Leben haben bzw. beim Schuldenschnitt indirekt kräftig mitzahlen (denn dann höheres Budgetdefizit in Österreich,daher mehr sparen für Geschenke an Griechenland).Und das obwohl das Sparguthaben nominell immer gleich bleibt.Das nennt man dann Geldillusion.Kauft Gold.

Re: Danke Euro

Das einzig Unrichtige in Ihrem Kommentar ist der Satz: "Das Geld kommt . . . .nach Griechenland, Italien, Spanien, Portugal etc.". Die dürfen dieses Geld nicht für sich verwenden, sondern müssen damit ihre Verbindlichkeiten an die Gläubigerbanken bezahlen, die hauptsächlich in Frankreich, Deutschland etc. liegen. Dort landet das Geld in Wirklichkeit, den PIIGS hilft das überhaupt gar nichts!

Antworten Antworten Gast: Hubertus
21.02.2012 19:35
1 0

Re: Re: Danke Euro

Das Geld ist dort bereits bei den ersten Krediten (seinerzeit bei den Banken aufgenommen)angekommen und von den Griechen verfrühstückt worden bzw. von der reichen griech. Kleptokratie(das ist ein großer Teil der griech. politischen und wirtschaftlichen Elite) m.o.w. gestohlen(zB durch Steuerhinterziehung) und jetzt ins Ausland verbracht worden. Jetzt erleben wir die Übernahme der griech. Schulden durch die Steuerzahler und zwar nicht die griechischen sondern der Euroländer (via EFSF, ESM, EZB) von den Banken, Versicherern etc. Fest steht aber schon, daß die Griechen das Geld zuerst verpraßt haben und jetzt die Schulden bei den Banken von den nichtgriech. Steuerzahlern geschultert werden. Und in nicht langer Zeit werden die Griechen erklären es geht doch nicht und die Steuerzahler(die nichtgriech.)sind die Gelackmeierten.Ferner wird nach dieser"freiwilligen" Umschuldung kein Investor Griechenland mehr Geld leihen. D.h. diese "Europäer" werden ewig am Tropf der EZB oder des ESM hängen. Danke EU und Euro.Danke Vranitzky,Schüssel, Nowotny und all die anderen "Wirtschaftsfachleute".Das ist europ. Solidarität und Arbeitsteilung:die österreicher sparen und die Griechen konsumieren.

Re: Re: Re: Danke Euro

Alles was Sie sagen, stimmt ja, es ändert aber nichts daran, dass die "Rettungsschirme"den Griechen überhaupt nicht helfen, wieder konkurrenzfähig zu werden, sondern nur den Gläubigerbanken nützen.

Eine Zentralbank pleite?

Wie kann eine Institution, die selbst Geld schaffen kann, pleite gehen?
http://www.banken-volksbegehren.at/geld-und-geldsystem/wie-wird-geld-geschaffen

Re: Eine Zentralbank pleite?

Gar nix. Auf eine Inflation wird's hinauslaufen, so oder so.

Gast: alfman61
20.02.2012 20:26
7 0

herr redakteur jilch

liest also auch gerne bei tyler durden auf zerohedge! ;-)
nun ja, das schadet auf keinen fall. kann ruhig öfter stattfinden, damit endlich der "alternativlose" keynesianismus zurückgedrängt wird.

Gast: Thmoas Muster
20.02.2012 20:25
1 0

Griechenland

Ich versthe die genzen finanziellen Zusammenhänge mit griechenland nicht. Ich verstehe nur, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr Zahlen kann und das scheinen 130 Mrd EUR zu sein. Das schein mir sehr viel zu sein. Ich verstehe auch, dass die eigentlichen Begünstigten nicht die Griechen sind, sondern die Gläubiger, also Banken und Investmentfonds. Ich frage mich nur, wenn die Deutschen (denn an denen bleibt es im Endeffekt ja hängen) jetzt die Schulden der Griechen zahlen: 1) das nützt doch nur den Gläubigern 2) wenn die deutschen die Schulden bei den Griechen zahlen, warum sollte dann ein anderes Land noch seine Schulden zahlen
Ist es wirklich sinnvoll, in Griechenland noch Geld reinzuschießen?

Antworten Gast: Halbwissen
21.02.2012 13:06
0 0

Re: Griechenland

Sinnvoll für wen ?

Die Freunde der Gläubiger bestimmen ob andere für die Freunde zahlen.

Für die Anderen ist dies nicht sinnvoll.
Für die Freunde aber sehr.

Gast: Der Notar
20.02.2012 19:54
9 0

Die Etatisten und Kollektivisten

haben immer schon geglaubt, stärker und klüger wie die ökonomischen Grundgesetze zu sein. Nun fahren sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Hölle und auf ihrem Weg werden sie noch einige(s) mitnehmen.

Hobbyökonom