Wien/Jaz. Seine Pressestelle habe ihm gesagt, er solle häufiger lachen – und dies sei nun ein guter Moment, das zu tun, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss am Dienstag, anlässlich der Präsentation der Bilanz 2011 des heimischen Ölkonzerns. „Wir haben nämlich soeben den größten Gasfund in der Geschichte der OMV gemacht“, wie Roiss fröhlich verkündete. Die erst am 29.Dezember im Schwarzen Meer 170 Kilometer vor der rumänischen Küste zusammen mit Exxon begonnenen Bohrungen lassen ein Gasfeld mit einem Vorrat von bis zu 84 Milliarden Kubikmeter vermuten. „Das entspricht neunmal dem Jahresverbrauch von Österreich“, so Roiss.
Die erfolgreiche Bohrung im Schwarzen Meer sei auch Teil der neuen Strategie, der zufolge sich die OMV weg vom wenig gewinnträchtigen Geschäft mit Tankstellen und Raffinerien bewegen und stärker auf die profitable Förderung von Rohöl und Gas konzentrieren will. „Früher wären wir aus Angst vor dem finanziellen Risiko bei diesen Bohrungen vielleicht nur einen geringeren Anteil eingegangen. Nun haben wir aber gesagt, dass wir bei 50Prozent bleiben. Und es hat sich ausgezahlt“, so Roiss.
Weniger Öl, mehr Gewinn
Schon jetzt kommen 80Prozent des OMV-Gewinns aus Exploration und Produktion. Und dieser Bereich konnte 2011 sogar einen höheren Gewinn erzielen, obwohl die produzierte Menge aufgrund der Lieferausfälle in Libyen um neun Prozent auf 288.000 Fass Öläquivalent (Öl und in Öl umgerechnetes Gas) pro Tag gesunken ist.
Grund dafür war der gestiegene Ölpreis. Im Schnitt konnte die OMV ein Fass Öl im Vorjahr für 96,31 Dollar verkaufen, 2010 waren es noch 73,44 Dollar. Der Vergleich mit den operativen Kosten, die anfallen, um ein Fass aus der Erde zu holen, zeigt, warum dieses Geschäft so profitabel ist: Sie lagen im Vorjahr bei 14,30 Dollar.
Unter dem Strich konnte die OMV einen Gewinn von fast 1,6 Mrd. Euro erzielen – ein Plus von 30Prozent (siehe Grafik). Der Nettogewinn liegt damit wieder auf dem Niveau wie vor der Krise und kratzt bereits am bisherigen Rekordergebnis von knapp 1,9 Mrd. Euro im Jahr 2007. Der Umsatz legte mit 46Prozent noch deutlicher auf 34 Mrd. Euro zu. Grund dafür war aber die erstmalige Konsolidierung der im Herbst 2010 vollständig übernommenen türkischen Tankstellenkette Petrol Ofisi.
Für die Zukunft will die OMV nun vermehrt „finanziell riskantere“ Explorationen angehen. Dadurch soll die Produktion, die zu zwei Dritteln aus alten Feldern in Rumänien und Österreich stammt, künftig auch vermehrt aus der Region des Nahen Ostens und des Kaspischen Meeres kommen. Neben den bereits aktiven Arbeiten im Nordirak und in Kasachstan will die OMV dabei auch in Aserbaidschan und Turkmenistan selbst fördern. „Ein Memorandum of Understanding gibt es ja bereits“, so Roiss. Konkretere Aktivitäten könnten schon dieses Jahr bekannt gegeben werden, wie er auf Nachfrage meinte.
Eine eigene Produktion rund um das Kaspische Meer aufzubauen sei auch hinsichtlich der unter Federführung der OMV geplanten Gas-Pipeline Nabucco notwendig. „Wir sind ja kein reiner Pipelinebetreiber, sondern wollen eigenes Gas fördern und dieses halt auch nach Mitteleuropa bringen“, sagt Roiss.
„Nabucco hundertmal gestorben“
Bisher ist Nabucco nämlich auf die Zusagen anderer Gasproduzenten in der Region angewiesen. Und von diesen gab es für das Konsortium jüngst einen herben Rückschlag. So wollen die Betreiber des aserischen Gasfeldes „Shah Deniz 2“ erst Mitte 2013 bekannt geben, welches der drei bis vier Pipelineprojekte den Zuschlag zur Lieferung des Gases nach Europa erhält. Gas aus Aserbaidschan gilt für Nabucco als entscheidend. „Nabucco ist bereits hundertmal gestorben. Für uns ist wichtig, dass es 101-mal lebt“, so Roiss.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)
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