Rosenbauer: Gucci unter den Feuerwehrautos

25.02.2012 | 18:03 |  von Norbert Rief (Die Presse)

2011 war ein turbulentes Jahr für Rosenbauer: Am Anfang stand eine Zehn-Millionen-Euro-Kartellstrafe in Deutschland, am Ende der größte Auftrag der Firmengeschichte.

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Franz Mittermayr hat einen der besten Jobs Österreichs. Es gibt im ganzen Land wahrscheinlich keinen einzigen Buben, der den 57-Jährigen nicht beneidet – und nur wenige Männer. „Es macht schon Spaß“, sagt Mittermayr in sehr neutralem Tonfall. Vermutlich weiß er, dass es fast schon unverschämt ist, für so einen Job auch noch bezahlt zu werden.

Franz Mittermayr ist Testfahrer bei der Firma Rosenbauer. Jedes neue Feuerwehrauto wird von ihm 50 Stunden lang über Asphaltstraßen gejagt, über künstliche Hügel, durch Tümpel und über Schotterstraßen. Erst wenn ein Feuerwehrauto Mittermayr überstanden hat, geht es in die Produktion oder wird ausgeliefert.


1260 PS, 15 Liter Hubraum. 1260 PS aus zwei C15-Motoren der Firma Caterpillar brummen im Motorraum elf Meter weiter hinten. Hubraum: je 15 Liter. Sie beschleunigen gemeinsam mit einem achtfach-Allrad das 50-Tonnen-Ungetüm in 22 Sekunden aus dem Stand auf 80 km/h. Das macht dem Panther niemand nach.

Das Löschfahrzeug für Flughäfen ist das Aushängeschild von Rosenbauer, und deswegen ist Dieter Siegel auch entsprechend nervös, als man im Fahrersitz auf das kleine „D“ drückt, das Gaspedal durchdrückt und das Monstrum über den Parkplatz fährt. „Der ist schon verkauft“, mahnt der Vorstandschef vom Rücksitz aus. Der Betreiber eines Flughafens in einem arabischen Land hat recht ordentlich für einen einwandfreien Panther ohne Dellen und Kratzer gezahlt: 1,1 Millionen Euro. Die Konkurrenz gibt's billiger, dennoch bevorzugen 40 Prozent der Flughäfen dieser Welt einen Panther, Buffalo oder Simba von Rosenbauer.

Die Firma mit Sitz in Leonding bei Linz ist weltweit der größte Hersteller von Feuerwehrautos. Etwa 2100 Fahrzeuge lieferte das Unternehmen 2011 aus und machte vor allem damit einen Umsatz von 541 Millionen Euro. Weniger als zehn Prozent davon in Österreich, 90 Prozent der Fahrzeuge werden ins Ausland verkauft.

Das beste Jahr war es für Rosenbauer nicht. Der Umsatz ging im Vergleich zu 2010 um neun Prozent zurück, das Betriebsergebnis (EBIT) sank um 17 Prozent auf 41,4 Millionen Euro. Die Zahlen dürften sich 2012 wieder erholen, wenn man sich in den Produktionshallen in Leonding umsieht, wo Panther an Panther steht. Siegel hofft, heuer einen Umsatz von mehr als 600 Mio. Euro zu erreichen. Dass es vergangenes Jahr einen Rückgang gab, habe unter anderem mit Problemen bei den Zulieferern zu tun gehabt: deshalb habe man viele Fahrzeuge nicht mehr ausliefern können.

Das waren nicht die einzigen Probleme: Das vergangene Jahr war eine Achterbahnfahrt wie noch nie in der 146-jährigen Firmengeschichte. Am Anfang stand ein Kartellverfahren gegen die Oberösterreicher in Deutschland, weil sich die Firma mit Konkurrenten abgesprochen hat. Die Vorwürfe kosteten Julian Wagner im Oktober 2011 den Job, der fast schon traditionell Firmenchef war: 30 Jahre lang war er an der Spitze des Unternehmens gestanden.

Dieter Siegel übernahm, der erst zwei Jahre zuvor – im Oktober 2009 – von der Wiener Feuerfestprodukte-Firma RHI in den Vorstand von Rosenbauer gewechselt war. Der 47-Jährige ist Nachfahre in sechster Generation von Firmengründer Johann Rosenbauer. Noch heute ist das börsennotierte Unternehmen zu mehr als 50 Prozent im Besitz der etwa 20 Familienmitglieder.


Großauftrag aus Saudiarabien. „Als ich nach Leonding kam, war allen im Unternehmen bewusst, dass ich irgendwann den Posten des Vorstandschefs übernehmen werde“, sagt Siegel. „Es ging halt etwas schneller.“

Nach dem Abgang Wagners aus gesundheitlichen Gründen muss Siegel die Vergangenheit aufarbeiten. Dass es Preisabsprachen mit drei Konkurrenten beim Verkauf von Feuerwehrautos an deutsche Gemeinden gegeben habe, weist er zurück. Man habe Marktanteile abgesprochen, nie Preise oder einzelne Ausschreibungen. Das deutsche Bundeskartellamt verhängte jedenfalls eine Strafe von 10,5 Millionen Euro über die Oberösterreicher. Dem folgen möglicherweise noch Schadenersatzklagen von einzelnen Gemeinden, die glauben, zu viel für ihre Feuerwehrautos bezahlt zu haben.

Nach dem Tiefschlag kam im Dezember der positive Höhepunkt: Ein Auftrag aus Saudiarabien für 1125 Fahrzeuge im Wert von 245 Millionen Euro. Das entspricht fast dem Halbjahresumsatz Rosenbauers – und schafft entsprechende Probleme. „Wir werden eine Halle dazumieten müssen, um die Produktion bewältigen zu können“, erklärt Siegel.

Der Auftrag sichert den Umsatz trotz massiver Einbrüche bei den amerikanischen Joint-Ventures. Dort ging der Markt in der Krise um etwa 40 Prozent zurück. „Jetzt zieht er wieder langsam an, wir rechnen mit einem Plus von fünf bis zehn Prozent.“ Gefertigt werden alle US-Feuerwehrautos ausschließlich in den USA, aus einem ganz banalen Grund: „Ein Europäer kann nie ein amerikanisches Feuerwehrauto so bauen, dass es einem amerikanischen Feuerwehrmann passt.“

Das beginnt bei den unterschiedlichen Anforderungen – in den USA verwendet man vornehmlich Wasser, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern; in Europa Schaum, um einen Brand zu löschen – und hört beim Kopfschutz auf: „Wir haben einen Helm, der acht Minuten lang eine Hitze von 300 Grad aushalten muss, ohne sich zu verformen.“ Ein Verkaufshit in Europa. US-Feuerwehrleute haben gegen den Helm vor allem einen Einwand: Er hat keine große Frontfläche, um darauf die Plakette der jeweiligen Feuerwehrstation anzubringen.

Auf lokale Eigenheiten versuchte man jahrelang auch in China einzugehen. Vor einigen Jahren legte Rosenbauer die Produktion still, aus ähnlichen Gründen wie Kapsch: „Wir haben zwar nur einen geringen Anteil lokal gefertigt, aber die Qualität hat nicht gepasst“, erklärt Siegel. Ein Rosenbauer-Fahrzeug sei auf 20, 30 Jahre ausgelegt – „da dürfen Teile der Sitze nach fünf Jahren nicht schon verschlissen aussehen“.

Das vor allem nicht bei einem Unternehmen, das 1866 von einem Sattlermeister gegründet wurde. Die ersten Produkte von Johann Rosenbauer, bevor die Firma 1919 mit der Produktion von Feuerwehrautos begann, waren lederne Kübel, mit denen Feuerwehrleute Löschketten bildeten. „Angefangen“, sagt Siegel, „haben wir wie Hermes oder Gucci. Aber wir haben uns in eine andere Richtung weiterentwickelt.“

Zahlen
2100

Fahrzeuge verkaufte Rosenbauer im Jahr 2011. Der Anteil am Gesamtumsatz betrug etwa 70 Prozent.

4863

Feuerwehren gibt es in Österreich, darunter nur sechs Berufs- und 326 Betriebsfeuerwehren. 4531 Feuerwehren funktionieren nur dank freiwilliger Mitarbeiter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2012)

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