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Casino-Lizenzen droht Neuausschreibung

04.03.2012 | 15:19 |  Von Hedi Schneid (Die Presse)

Die Ausschreibung heimischer Casino-Lizenzen ist laut Rechtsexperten nicht verfassungskonform. Für das Finanzministerium könnte es nun „Zurück an den Start“ heißen.

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Vier Jahre lang hat das Finanzministerium – unter verschiedenen Ressortchefs – am neuen Glücksspielgesetz gebastelt. Ein richtungsweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat schließlich dazu geführt, dass die bisher ausschließlich in Händen der Casinos Austria liegenden Konzessionen für Spielbanken „europaweit, transparent und nicht diskriminierend“ vergeben werden müssen.

Dass dies jedoch wirklich so geschieht, wird aber sowohl von Rechtsexperten als auch von verschiedenen Lizenzbewerbern bezweifelt. Sie stoßen sich vor allem am Vergabemodus in „Paketen“ zu sechs Casinos. Angesichts drohender Klagen und eines EU-Verfahrens soll im Finanzministerium daher überlegt werden, die Lizenzvergabe zu ändern – oder sogar komplett neu aufzusetzen, erfuhr „Die Presse“.

Ein „Zurück an den Start“ fordert niemand Geringerer als der renommierte Verfassungsrechtler Heinz Mayer. „Ich bin überzeugt, dass man die Lizenzvergabe neu aufsetzen muss“, so der Professor für Staats- und Verwaltungsrecht der Uni Wien.

Vernichtendes Rechtsurteil

Mayer hat in einem Gutachten für die Anwaltskanzlei Schwartz Huber-Medek, das nun in der Wirtschaftsrechtszeitschrift „Ecolex“ erschienen ist, ein vernichtendes Urteil gefällt: Die Paketlösung widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz, sei diskriminierend und schränke den Interessentenkreis erheblich ein.
Mayer begründet dies unter anderem damit, dass Offerte nur für ein Paket abgegeben werden können, aber pro Standort 10.000 Euro Antragsgebühr und im Fall des Zuschlags 100.000 Euro gezahlt werden müssen. Das macht in Summe 660.000 Euro aus. Dazu komme noch die Sicherstellung von zehn Prozent des Grundkapitals – mindestens sechsmal 2,2 Mio. Euro.

Außerdem sei die Paketvergabe nur in einer Verordnung und nicht im Gesetz kundgemacht worden und damit „rechtlich als nicht existent zu betrachten“, schreibt Mayer.

Genauso fällt die Einschätzung des Juristenduos Jeannine Weissel und Manuel Vogelsberger der Kanzlei Brandl + Talos aus: „Die Bündelung macht die Bewerbung vor allem für ausländische Glücksspielanbieter unattraktiv und ist folglich als Beschränkung der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit zu qualifizieren.“
Die Meinung der Juristen wird jedenfalls im Verfassungsgerichtshof mit Argusaugen verfolgt. Dem Höchstgericht liegt bereits eine Klage der Novomatic vor. Der Konzern hat sich genau wegen der „Paketvergabe“ an den VfGH gewandt.

Das Finanzministerium schreibt die Lizenzen für die Spielbanken in zwei Paketen zu je sechs Standorten aus. Das erste betrifft die Städte Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Bregenz. Die Bewerbungsfrist endete Mitte Jänner, beworben haben sich die Casinos Austria und die Novomatic (mit zwei Firmen). Das sogenannte „Landpaket“ umfasst Spielbanken in Kärnten, Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg und Salzburg. Die Ausschreibung läuft bis 16. Mai. Überdies werden drei neue Casino-Lizenzen – zwei in Wien, eine in Niederösterreich – vergeben.

Die Novomatic dürfte nicht der einzige Kläger bleiben. Rechtsanwalt Walter Schwartz zur „Presse“: „Ich bin gleich von mehreren in- und ausländischen Interessenten gebeten worden, strittige Fragen abzuklären.“ Deshalb habe er das Gutachten bei Mayer beauftragt. Dem Vernehmen nach kursieren im Finanzressort mehrere Varianten: So etwa könnte die Ausschreibung des Landpakets gestoppt und dieses aufgeschnürt werden. Jeweils zwei Standorte könnten mit einer der Einzellizenzen kombiniert werden. Dies wäre juristisch aber ebenfalls bedenklich.

Lizenzen laufen Ende 2012 aus

Im Fall einer komplett neuen Ausschreibung müsste eine Übergangslösung gefunden werden, da die Lizenzen für die sechs Städte zu Jahresende auslaufen und die Casinos Austria dann im rechtsfreien Raum agierten. Deshalb soll Konzernchef Karl Stoss schon vorgeschlagen haben, diese Lizenzen um zwei Jahre zu verlängern. Im Finanzministerium heißt es dazu nur: Man habe keinen Zeitdruck. Und: „Zu einem laufenden Prozess geben wir keine Stellungnahme ab.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2012)

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13 Kommentare
Gast: Die unangenehmsten Reichen sind die, die nicht einsehen wollen, wie arm sie sind!
04.03.2012 22:57
0 1

Casino-Lizenzen droht Neuausschreibung???.....

....hätte ich etwas zu bestimmen, dann würde ich ALLE CASINOS, INCLUSIVE DIESER LOTTERIEN UND BRIEFLOS-ABZOCKE, gestern zusperren und verbieten.....die Menschen, die nämlich auf diese SPIELIGAGGI reinfallen, sind nämlich genau die Menschen, die eh fast KEIN GELD haben....und wenn sie ein bissi Geld haben, dann tragen sie es ins Casino oder kaufen Brieflose etc..,WEIL sie ja einen Traum haben, SIE MÖCHTEN MILLIONEN GEWINNEN....und über diesen Traum, sind die Casinos, Lotterien mit ihren Rubbellosen etc. bestens informiert.....ich kann nur jeden Menschen raten, spart Euch das Geld, welches ihr für solchen Schwachsinn ausgebt, zusammen....dann werdet ihr eher reicher und glücklicher!

Gast: ASVG-Sklave
04.03.2012 19:32
1 0

"nicht verfassungskonform"


macht Euch nicht lächerlich im korrupten Packel-Österreich. Was Ihr wirklich meint ist "nicht EU-konform". Sandler!

Wer hält sich in Österreich überhaupt noch an die Verfassung???

Mit Sicherheit jedenfalls nicht die Regierung!

Re: Wer hält sich in Österreich überhaupt noch an die Verfassung???

Wo es um VIEL Geld geht,

kassieren auch Ihre Grünen ab,wenn es um unsinnige Öko-Förderungen geht!

z.B. in Oberösterreich mit dem grünen Anschober!

Nicht verfassungskonform? Bei allen Machwerken dieser "Regierung" ist das die Regel, nicht die Ausnahme...


Deshalb keine Angst vor dem Schröpfpaket, das die Koalition uns verordnet! Der Verfassungs-Gerichtshof wird eventuell kaum was davon bestehen lassen.

Warum

Warum gibt es beim Glücksspiel eig ein Monopol ?

Antworten Gast: Johann S
04.03.2012 17:19
1 0

Re: Warum

Meines Wissens stammt es aus theresianischer Zeit,den 1750er Jahren.

Fr Gr

Gast: Hans P.
04.03.2012 15:53
2 0

Giebelkreuz

Hier wurde der Wille des Giebelkreuzes zur Ausschreibung gebracht.
Leider agiert das Management der Casinos mehr als unglücklich/unfähig.
Die Pleiten im Ausland,Querelen rund um Ex-Wallner(dessen Aktienpaket) und die durch den Öoc-Skandal ans Licht gekommenen Malversationen(die zum Teil durch das Verfahren gegen Jungwirth untergehen),ein Präsident der von der Generali wegen Unfähigkeit und vor der drohenden Pleite,zu den Casinos abgeschoben wurde,wo er kein Unheil anrichten konnte.Sichtlich ein Fehler.

Re: Giebelkreuz

ich kann das nur bestätigen und das management um stoss war die letzten jahre aussschließlich damit beschäftigt, die lizenzen zu behalten anstatt dem unternehmen eine strategie zu verpassen, wie es sich für einen alleinkonzessionär gehört. die lotterien, davor eigenständiges gesundes unternehmen, wurden einverleibt und untrennbar mit dem aufgeblassenen, ahnungslosen verwaltungsapparat der casag verbunden. der erfolg von novomatic ist ausschließlich auf managementfehler im casinos austria konzern zurückzuführen. responible gaming, wie man immer so gern betont, ist reine augenauswischerei.
und es stimmt, federführend ist die gibelkreuzmafia.

Re: Giebelkreuz

ja, so ist die ' Sachlage ' klar !!

0 0

Vieles ist in diesem kleinen Märchenland voller Klischees und Buhmänner nicht "verfassungskonform", but WHO CARES?! Weiter machen wie gehabt, nicht den Peppi, den Seppi, den Michi, den Koarli, und den Werner vergessen, und schon sind alle "happy" und alles funktioniert reibungslos! ;-)


Antworten Gast: Auslandsoesterreicher
04.03.2012 18:21
0 0

Re: Vieles ist in diesem kleinen Märchenland voller Klischees und Buhmänner nicht "verfassungskonform", but WHO CARES?! Weiter machen wie gehabt, nicht den Peppi, den Seppi, den Michi, den Koarli, und den Werner vergessen, und schon sind alle "happy" und alles funktioniert reibungslos! ;-)

...solange bis die EU wieder eine Diskriminierung ortet. Worauf diese Peppis, Seppis und andere Spitzbuben wieder duemmlich aus ihrer Waesche gucken und fragen "WIESO"?
"Denn Oesistan haette ja doch die besten Minister/Politiker und Juristen in den Ministerien!"

TRAUMT NUR WEITER IHR OESIS! TRAUMT NUR WEITER VON EURER PENSION MIT 52!
TRAUMT NUR WEITER OESISTAN SEI DER MITTELPUNKT DER WELT und HAETTE DIE BESTEN AUTO- und SKIFAHRER etc.!


...ein Auslandsoesterreicher

Gast: HansWurst1
04.03.2012 15:27
2 0

Wen interessiert in Ö. die geschriebene Verfassung,

wo es doch die Realverfassung gibt.

Hobbyökonom