"Mit Plumpsklo ist es am Wienerberg nicht so einfach"

Experten diskutierten über die möglichen Folgen eines flächendeckenden, lang andauernden Stromausfalls. Fazit: Das Problembewusstsein ist gering.

Plumpsklo Wienerberg nicht einfach
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Plumpsklo Wienerberg nicht einfach
(c) Bilderbox

Die Folgen eines flächendeckenden, länger anhaltenden Stromausfalls in Österreich wären beträchtlich. Denn: "Da hängt alles dran: Wasser- und Lebensmittelversorgung, Verkehr, Gesundheitssystem, öffentliche Ordnung und Sicherheit, sämtliche Medien und Kommunikationsmöglichkeiten", wie der österreichische Thriller-Autor Marc Elsberg vor einer Woche im DiePresse.com-Interview schilderte. Bei der Präsentation seines neues Buches "Blackout" im Wiener Metropoldi diskutierte er Dienstagabend mit den Experten Robert Stocker, Leiter des Einsatz- und Krisenkoordinationscenters im Innenministerium, und Stefan Zach, dem Leiter der Kommunikation der EVN, über die Abhängigkeit der modernen Gesellschaft von Strom. Das Fazit: Das Problembewusstsein ist gering.

"Am Land kann ich mir leichter helfen. Mit Plumpsklo am Wienerberg ist es nicht so einfach", sagte Stocker einleitend mit Hinweis auf die Problematik der Abwasserentsorgung. "Ich kann dann meine Wasserspülung nicht mehr betätigen. Einen Tag lang geht das zur Not, drei Tage lang ist das schon im wahrsten Sinn des Wortes Sch....", hatte Elsberg dazu bereits im Interview erzählt.

"Sicherheit vor Hackern nicht gegeben"

Elsberg schildert in seinem Buch eine Hacker-Attacke auf das Stromnetz. Als Einfallsschneise dienen in diesem Szenario die sogenannten "Smart Meter", intelligente Stromzähler. Sie werden per Internet manipuliert. EVN-Experte Zach gestand dem Autor zu, hier einen wunden Punkt getroffen zu haben. Denn bis 2020 sollen nach EU-Vorgabe fünf Millionen dieser Geräte in Österreich installiert werden, die österreichische Regierung sei in ihren Plänen sogar noch ambitionierter. "Die Sicherheit vor Hackern ist noch nicht gegeben", warnte Zach. Er empfahl daher eine langsamere Einführung. Und der Experte gab auch zu, dass es Energiekonzernen möglich wäre anhand der Stromzähler festzustellen, ob Wohnungen leer stehen oder bewohnt werden. Das könnte wiederum Daten- und Mieterschützer alarmieren.

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(c) Blanvalet

Krisen-Experte Stocker wies auf eine weitere Problematik bei einem lang andauernden Stromausfall hin. Es bestehe die Gefahr, dass sich Unwahrheiten und Falschinformationen rasch verbreiten und die Menschen auf die "Gerüchteküche" vertrauten. Einen wunden Punkt sieht er dabei in der Krisen-Planung. Diese sei vollkommen darauf ausgerichtet, dass der ORF funktioniert. Aber was, wenn der ORF nicht mehr senden kann - und vor allem: nicht mehr empfangen werden kann?

"Blackout unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen"

Zach wollte sich nicht darauf festnageln lassen, wie wahrscheinlich das im Buch beschriebene Blackout-Szenarion tatsächlich sei. "Unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen", sagte er knapp. Es könne durch Kleinereignisse zu Ketteneffekten kommen, führte er weiter aus. So komme es auch alle paar Jahre witterungsbedingt zu größeren Stromausfällen. Bei Stürmen würden immer wieder Bäume in Hochspannungsleitungen fallen. Am Land würde das öfter passieren, die Leute dort seien aber auch besser gerüstet.

Stocker betonte, dass es vor allem Defizite bei der Kommunikation gebe. In Österreich gebe es den modernen Digitalfunk - aber nicht in allen Bundesländern. Er sei zwar ein Vertreter des Prinzips Hoffnung, aber die Erfahrung habe gezeigt, dass erst etwas passieren müsse, bis etwas geschehe. Er nannte das Beispiel Fukushima, wo es vor einem Jahr zu einer verheerenden AKW-Katastrophe kam. Erst seitdem strebt Japan den Atomausstieg an.

Die Wünsche der Experten

Stocker äußerte abschließend den Wunsch, dass künftig auch die obersten Verantwortungsträger an Krisen-Übungen teilnehmen. Zach wiederum betonte seine Hoffnung, dass ein stärkeres Bewusstsein dafür entsteht, was passieren kann - vor allem im Umgang mit Energie und Telefonie. Da könne auch das Buch von Elsberg hilfreich sein. Und er blickte 15 Jahre zurück, als man noch einfach in Urlaub fuhr, ohne ständig per Handy oder E-Mail erreichbar zu sein. Die Leute sollten darüber nachdenken, ob das wirklich nötig sei.

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