AUA bietet ihren Piloten „Golden Handshakes“ an

Etwa 50 Piloten wollen sofort gehen und die Airline reduziert so die Kosten. Alle gehören der Gruppe jener 338 Piloten an, die noch den alten, besonders lukrativen Kollektivvertrag besitzen.

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(c) APA (Robert Jäger)

Wien. Die Drohung hängt wie ein Damoklesschwert über der AUA: Sollte der „Plan B“ – Betriebsübergang auf die eigene Regionaltochter Tyrolean mit dem um 25 Prozent günstigeren Kollektivvertrag – tatsächlich realisiert werden, würden die Piloten kollektiv den „Abflug“ machen. Sie würden die Übernahme in den Tyrolean-KV verweigern, was rechtlich einer Kündigung durch den Arbeitgeber entspräche, und die hohe Abfertigung kassieren. Diese Reaktion auf die geplanten Sparmaßnahmen würde die AUA teuer zu stehen kommen, zumal die Gehälter in der Kündigungsfrist von bis zu fünf Monaten weiter anfielen.

Seit die Konzernmutter Lufthansa der AUA vor zwei Wochen eine Kapitalspritze von 140 Mio. Euro in Aussicht stellte, ist die defizitäre Tochter aber nicht nur ihre Sorgen um die ausgedünnte Eigenkapitaldecke los. Sie hat nun auch Geld, den Spieß umzudrehen: Die AUA bietet von sich aus Piloten, die die Fluglinie schon jetzt verlassen wollen, in Form der Maximalabfertigung von bis zu 39 Monatsgehältern eine Art „Golden Handshake“ an. Bei einem Durchschnittsgehalt für einen langgedienten AUA-Kapitän von 13.000 Euro (brutto, monatlich) wären das 500.000 Euro.

Die Ersten gehen diese Woche

Das noch nicht einmal offiziell gemachte Angebot schlug voll ein: Gut 50 Piloten haben sich schon gemeldet, die Ersten verlassen bereits diese Woche das Unternehmen. Alle gehören der Gruppe jener 338 Piloten an, die noch den alten, besonders lukrativen Kollektivvertrag (KV-alt) besitzen. Dieser garantiert ihnen unter anderem ein deutlich höheres Gehalt und eine Abfertigung von maximal 39 Monatsgehältern (nach 25 Dienstjahren).

Bei der AUA geht man davon aus, dass noch mehr Piloten zugreifen werden. Beim Bord-Betriebsrat ist die Rede von bis zu 200 ausscheidungswilligen Piloten. In Summe beschäftigt die AUA derzeit rund 600, die Tyrolean 450 Piloten. Das Unternehmen gibt sich zu dem Thema zugeknöpft: „Innerbetriebliche Angelegenheiten kommentieren wir nicht.“

Die AUA dürfte den Massenexodus verkraften – er bringt ihr auch noch Vorteile:
•Wenn wie geplant die elf Boeing 737 ausgemustert und durch sieben Airbus 320 ersetzt werden (die Flottenbereinigung ist Teil des 260 Mio. Euro schweren Sparpakets), gibt es einen deutlichen Pilotenüberhang.
•Bei Tyrolean arbeiten zudem etliche Piloten Teilzeit – ebenfalls ein Indiz für einen Überhang.
•Das Angebot der AUA entspricht einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses. Das heißt, die Piloten verlassen sofort die Airline. Im Fall einer Kündigung (bei Verweigerung des Betriebsübergangs auf die Tyrolean) würden die Piloten zwar umgehend freigestellt, was den internationalen Usancen entspricht. Aber die AUA müsste bis zum Ablauf der Kündigungsfrist die Gehälter weiter zahlen.
•Letztlich kann die AUA auf diese Art und Weise den Personalstand organisierter reduzieren. Sie vermeidet, dass beim Betriebsübergang, der ab 1. Juli möglich ist, plötzlich ein Manko an Cockpit-Personal entsteht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2012)

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