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Wirtschaftsforscher senken Prognose für 2013

30.03.2012 | 06:02 |   (Die Presse)

Österreichs Wirtschaft wächst heuer kaum und 2013 – allem Optimismus zum Trotz - deutlich langsamer als gedacht, sagen IHS und Wifo. Gründe dafür: einerseits Konsolidierungspaket, andererseits Schwellenländer.

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Wien/Auer. Seinen Abschied hat sich Bernhard Felderer wohl anders vorgestellt. Zum letzten Mal saß der scheidende IHS-Chef am Donnerstag neben Wifo-Chef Karl Aiginger, um die Wachstumsaussichten des Landes zu präsentieren. Zwar waren sich beide Ökonomen weitgehend einig, viel Gutes hatten sie aber nicht zu berichten: So erwarten sie heuer mit 0,4 (Wifo) bis 0,8 Prozent (IHS) ein denkbar geringes Plus. Für 2013 revidierten beide Institute – allem Optimismus der Unternehmen zum Trotz – ihre bisherigen Prognosen sogar um 0,2 Prozentpunkte auf 1,4 (Wifo) bis 1,7 Prozent (IHS) nach unten.

Die Gründe dafür: einerseits das Konsolidierungspaket, das sich kurzfristig dämpfend auf die Wirtschaft auswirken werde. Andererseits die Schwellenländer China, Indien oder Brasilien, die als Motoren der Weltwirtschaft ausließen. Lediglich die USA – und in Europa am ehesten Deutschland – brächten positive Impulse. So dürfte die amerikanische Wirtschaft heuer schon wieder deutlich über zwei Prozent wachsen. Die Eurozone schrumpft hingegen um 0,2 Prozent.

OECD: USA hängen Europa ab

In eine ähnliche Richtung geht auch der interimistische Wirtschaftsbericht der OECD, der ebenfalls am Donnerstag präsentiert wurde. Das Wirtschaftswachstum der größten Industrienationen (G7) würde sich zwar langsam stabilisieren. Während die USA davon voll profitieren, bekomme Europa aber am wenigsten vom Aufschwung zu spüren.

„Der Euroraum hat es nur geschafft, ein klein wenig von den gefährlichen Klippen wegzukommen“, sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Innerhalb des Euroraums könnte die Entwicklung kaum unterschiedlicher sein. Während Griechenlands Wirtschaft in den vergangenen vier Jahren kumuliert etwa um 17 Prozent schrumpfte, wuchs die polnische um 13 Prozent, rechnete Aiginger vor. Das IHS rechnet mit einer Rezession in Griechenland, Portugal, Spanien, Ungarn, Slowenien und Kroatien. Wachstum gebe es vor allem in Deutschland und Polen.

Die Entwicklungen in den Nachbarländern gehen auch an Österreich nicht spurlos vorbei. So wird das Land 2013 zwar zum zwölften Mal in Folge deutlich schneller wachsen als die Eurozone (siehe Grafik). Doch die starke Verflechtung mit angeschlagenen Ländern wie Italien und Ungarn würde bereits heuer tiefe Spuren in der Exportbilanz hinterlassen. Anders als 2011 halten sich auch die Unternehmen bei ihren Investitionen zurück. Sie liegen derzeit auf dem Stand von 2000 und seien das größte Potenzial für mehr Wachstum sagte Aiginger. Der Inlandskonsum bleibt mit 0,7 bis 0,8 Prozent Plus stabil.

Daran dürfte sich wenig ändern, schließlich werde den Österreichern 2013 real weniger Lohn bleiben. Angst vor zu hoher Inflation haben beide Ökonomen jedoch nicht. 2013 werde die Marke bei zwei Prozent liegen. „Alle Befürchtungen, dass die höhere Geldmenge zu Inflation führen wird, haben sich nicht bestätigt“, sagte Felderer.

Die OECD wiederholte am Donnerstag ihre Forderung an die EZB, die lockere Geldpolitik nicht zu beenden und die Zinsen weiter zu senken. Es reiche nicht, Staatshaushalte zu sanieren, Europa brauche Wachstum. Länder mit besseren Finanzen sollten nicht allzu drastisch sparen.

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Felderer: „Werde den Mund nicht halten“

Österreich könne nicht gemeint sein, waren sich Aiginger und Felderer einig. In völliger Harmonie wollten die beiden Ökonomen ihre letzte Doppelconference letztlich aber nicht beenden: Griechenland brauche mehr Geld für Wachstum und Österreich einen guten Ersatz, sollte die Finanztransaktionssteuer scheitern, forderte Aiginger seinen Kollegen heraus. Der ließ sich nicht lange bitten: Die Finanztransaktionssteuer sei „von Anfang an ein großer Fehler“ gewesen, sagte Felderer. Und Griechenland brauche nicht Geld, sondern Strukturreformen. „Was bringt es, Milliarden dorthin zu schicken, wenn das Land auf der anderen Seite die Körperschaftsteuer verdoppelt? Wer soll da investieren?“

Wer den Schlagabtausch der beiden Ökonomen künftig vermissen wird, den konnte Felderer beruhigen: „Glauben Sie nicht, dass ich jetzt den Mund halte.“

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6 Kommentare

Kommt noch ein besser Zeitpunkt für Neuwahlen?

Nehmen wir mal an, die Prognosen gehen auf. Wäre dann nicht der ideale Zeitpunkt für Neuwahlen?

Im Vorjahr Maastricht-Grenze erreicht, was man für heuer aufgrund der Auswirkungen der maroden Staaten ausschließen kann. Die Opposition ruft zu Dauerblockaden bei Verfassungsgesetzen auf und wir hätten einen Schuldigen warum nichts weitergeht in Österreich.

Setzen wir bei den nächsten Wahlen ein gemeinsames Zeichen für Bürgermitbestimmung:

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/446198_Macht-bzw.-Ohnmacht-der-Waehler.html

http://www.krone.at/forum/board11-nachrichten/board15-österreich/1083684-macht-bzw-ohnmacht-der-wähler-oder-wie-wir-den-machthabern-eins-auswischen-können/

Gast: Reflector
29.03.2012 17:24
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Kaffeesudleserei


Die wirklichen Zusammenhängen werden entweder ausgeblendet oder diese sind den beiden staatlich Geschützten einfach unbekannt.

Deswegen erzeugt Gelddrucken auch keine Inflation sondern erhöht die Geldwertstabilität.

Wer sich auf diese 'Prognosen' verlässt, ist schon verlassen.

Gast: ASVG-Sklave
29.03.2012 16:13
0 0

man braucht kein Prophet zu sein

man braucht kein Prophet zu sein um zu wissen, dass die Arbeitslosigkeit steigen und das Wachstum schrumpfen werden. Wenn alle Staaten gleichzeitig sparen werden, werden weniger produziert und weniger Leute gebraucht.
Das Konsumverhalten hängt direkt von Zukunftserwartung ab. Wenn die Zukunft nicht mehr rosig wird, wird man auch weniger konsumieren. Die IHS und Wifo haben noch nie etwas zukunftweisende Prognose produziert, sondern was man als normale Bürger mit Hausverstand weiß, werden von IHS & Wifo auf dem Papier gebracht.

Gast: 1. Parteiloser
29.03.2012 13:35
0 0

Kann man das wirklich glauben?

1) Die realen Nettolöhne sollen nach zwei Jahren im Minus um 0,6 Prozent steigen?

Nach meinen Bemühungen mit dem Brutto - Nettorechner des BMF werden die Nettolöhne des Einzelnen auch 2012 nicht steigen können. Das frisst doch alles die kalte Progression!

Vielleicht meinen die Forscher aber auch das gesamte verfügbare Einkommen der Österreicher. Die Bevölkerung ist ja leicht steigend.

2) Die Sparquote soll sich auf dem für Österreich nicht sehr hohen Niveau von 7,3 Prozent einpendeln.

Ich würde meinen, dass die große Masse der Österreich kaum mehr Möglichkeiten hat etwas auf die Seite zu legen. Das große Abkassieren der Staatlichkeit, bei Einkommens- und Konsumangaben in Verbindung mit einer Masse an Geringsteinkommen, lässt das auch nicht zu.

Das wird dann wohl durch die schönen Sparquoten der 350.000 Ruhegenießer, der fast 500.000 aktiven öff. Bediensteten, und den Haufen Bonzen in anderen geschützten Bereichen (ORF, OENB, Flughafen, Verbund und andere Versorgen) aber doch gut kompensiert.

3) Wirtschaftswachstum 2012, plus 0,4 Prozent erwartet das Wifo, plus 0,8 Prozent das IHS.

Rein auf das BIP bezogen, wo ein Haufen an Leistungen zu Kosten berücksichtigt wird, vor allem öff. Dienstleistungen. Das gilt auch dann, wenn keine Steigerung des Nutzens für die Gesellschaft vorhanden ist. Es wird also vorwiegend wieder ein Kostenwachstum sein. Die Masse der Menschen hat gar nichts davon, so wie auch in den letzten 20 Jahren!

Bei all diesen Organisationen

wie Wifo, IHS und wie sie alle heißen mögen, hocken doch nur mehr Korrupte die Lügen verbreiten müssen.

Gast: Tutenchamun
29.03.2012 11:30
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Dafür wächst eben die Schattenwirtschaft

um mehr als 300%. Korruption wird zum anerkannten Geschäftsmodell. Was fehlt ist die Ausbildung. Ein internationales Institut für Korruptionswirtschaft könnte für Abhilfe schaffen. Zugleich könnten die Universitäten nun auch offiziell solche Lehrgänge anbieten.

Hobbyökonom