Orange-Kauf: 52 Fragen der Kartellhüter

Die Bundeswettbewerbsbehörde will von Orange, Hutchison und Telekom Austria Marktdaten. BWB-Chef Theodor Thanner, der schon Widerstand signalisiert hat, prüft offenbar strenger als erwartet.

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(c) Reuters (JACKY NAEGELEN)

Wien. Die Konsolidierung wollen alle – nicht nur die Mobilfunker, die angesichts des ruinösen Wettbewerbs ihre milliardenschweren Investitionen in neue Technologien und Infrastruktur nicht verdienen können. Auch Telekom-Regulator Georg Serentschy meinte mehrfach, dass ein Land wie Österreich mit drei Anbietern auskomme. Die Übernahme von Orange durch den kleineren Konkurrenten Hutchison („3“), die genau diese Marktsituation herstellen würde, ist aber noch nicht fix. Jetzt sind EU-Kommission und Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Wort. BWB-Chef Theodor Thanner, der schon Widerstand signalisiert hat, prüft offenbar strenger als erwartet.

Thanner hat jetzt von Orange und deren Billigmarke Yesss!, von Hutchison und der Telekom Austria detaillierte Daten zu 52 Fragenkomplexen verlangt. Sowohl im Mobilfunk als im Festnetzbereich geht es der BWB unter anderem um Umsätze, Gesprächsminuten sowie im Mobilfunk um SMS und Datenvolumen. Überdies will die BWB Details über Breitbandanschlüsse im Festnetz, die Kundenzahlen, Umsätze und das Datenvolumen wissen. Die Fragen umfassen den Zeitraum von Herbst 2006 bis Ende 2011.

 

Entscheidung bis zum Sommer

„Ich gehe aufgrund der intensiven und positiven Gespräche davon aus, gemeinsam mit der EU-Kommission bis zum Sommer Klarheit zu schaffen“, schreibt BWB-Chef Theodor Thanner in dem Auskunftsverlangen. Offiziell soll der Deal Ende April den Behörden angezeigt werden.

Während die EU-Kommission die Übernahme von Orange prüft, ist die BWB für den von Hutchison geplanten Weiterverkauf der Orange-Billigmarke Yesss! an die Telekom Austria (A1) zuständig. Dies ist für Thanner auch der Knackpunkt. Mit den 750.000 Yesss!-Kunden würde der Marktführer seinen Marktanteil von 42 auf knapp 48 Prozent erhöhen. Das treffe allerdings nur die Kundenzahl, meinte kürzlich Orange-Chef Michael Krammer. Gemessen am Umsatz gehe es um nicht einmal ein Prozent.

Sollte der Weiterverkauf von Yesss! nicht genehmigt werden, platzt der ganze Deal, sind Krammer und Hutchison-Chef Jan Trionow überzeugt. Denn die Chinesen wollen so den Kaufpreis von 1,4 Mrd. Euro auf unter eine Mrd. Euro drücken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2012)

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