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Backaldrin: Angriff auf den Kornspitz

05.04.2012 | 16:53 |  von Matthias Auer (Die Presse)

4,5 Millionen Stück Kornspitze werden weltweit täglich verkauft. Weckerl-Erfinder Backaldrin aus Oberösterreich schneidet mit. Nun droht das Linzer Unternehmen seine Vorzeigemarke jedoch zu verlieren.

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Asten. Dutzende Semmeln haben die Bäckerlehrlinge heute schon mit ihren Händen zerbröselt. Bis zum Abend werden etliche dazukommen. Denn noch kracht das Gebäck aus dem neu geernteten Mehl nicht so, wie es die Kunden gewöhnt sind. Bis es soweit ist, wird in den Versuchsbäckereien von Backaldrin weiter an der Rezeptur gefeilt. Denn der oberösterreichische Betrieb ist so etwas wie der Vorbäcker der Nation.

Tausende Bäckereien in über 90 Ländern vertrauen auf die Backmischungen aus Asten bei Linz. Bekannt wurde Backaldrin aber nicht für Semmeln, sondern für seine größte Erfindung: den Kornspitz. 4,5 Millionen Stück werden weltweit jeden Tag verkauft. Und jedes Mal schneidet die Firma aus Oberösterreich mit. Verkauft werden eine Ballaststoffmischung und das Recht, die Weckerln auch Kornspitz zu nennen.

Doch nun droht die Erfolgsgeschichte zu Ende zu sein. Erst vor wenigen Wochen landete der Bescheid des Patentamts am Firmensitz: Nach über zwanzig Jahren sei Kornspitz ein Gattungsbegriff geworden und damit kein geschützter Name mehr, urteilte das Amt. Aber was bedeutet das für einen Betrieb, dessen Erfolg so eng mit einer Marke verbunden ist?

„Natürlich ist das nicht angenehm“

In der Kornspitzstraße 1 in Asten hat sich seit dem Bescheid wenig geändert. Standesgemäß füllt warmer Brotduft noch den letzten Besprechungsraum auf dem Firmensitz. Und Unternehmensgründer Peter Augendopler fühlt sich in seiner Rolle als notorischer Optimist offenbar pudelwohl: „Natürlich ist so etwas nicht angenehm“, räumt der 66-Jährige gegenüber der „Presse“ ein. „Aber ich kann auch im größten Mist noch etwas Positives finden.“ So habe der Medienrummel in seinen Augen etwa dazu beigetragen, dass heute mehr Kornspitze verkauft werden als je zuvor.

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Gegen den Bescheid hat der Bäcker in dritter Generation Einspruch eingelegt. Bis die endgültige Entscheidung da sei, könnten Jahre vergehen – solange ändere sich gar nichts. Zum Umsatz trage der Kornspitz weniger als ein Zehntel bei. „Die kleinen Bäcker kopieren die Backmischung längst“, sagt der Backaldrin-Chef augenzwinkernd.
Grund zur Freude ist der Markenstreit dennoch nicht. Denn erst seit dem Unternehmen bei der Bäckereiausstellung 1984 mit dem Kornspitz der große Wurf gelungen ist, geht es steil nach oben. Der Kornspitz wurde berühmt – und mit ihm die Firma Backaldrin. Hält der Bescheid des Patentamts, kann künftig jedes Weckerl den Namen Kornspitz tragen. „Das kann doch nicht sein“, klagt Augendopler. Das könne eine Marke kaputt machen.

Viel Interesse hat der kräftige, grauhaarige Firmenchef aber nicht, über mögliches Unheil für sein Imperium zu reden. Lieber erinnert er sich daran, wie alles begonnen hat. Gemeinsam mit seinen Eltern gründete er als 20-Jähriger Backaldrin. „Wir hatten nichts, keine Gebäude, kein Rezept, keine Maschine, kein Geld, aber auch keine Schulden.“ Dafür aber jede Menge Willenskraft und Leidenschaft.

Entwicklungsarbeit für Bäcker

Beides hat sich der Unternehmer bis heute bewahrt. Seine Augen glühen, ganz gleich, ob er über neue Brotsorten sinniert oder von der Expansion des Unternehmens erzählt. „Bayern war immer unser großes Ziel“, erinnert sich Augendopler. Heute liefert Backaldrin Rohstoffmischungen an Bäcker und Konditoren in 90 Ländern. In Brasilien heißt der Kornspitz übrigens „Korpitz“, weil die Brasilianer keine vier Konsonanten hintereinander aussprechen können. In China und Japan heißt das Weckerl  ohnehin „Edelweiß“.

Die Exportquote liegt bei 75 Prozent. Produziert wird in Jordanien und Österreich. Die Entwicklungsarbeit bleibt in Asten – und wird mit einem neuen Forschungszentrum noch verstärkt. Nach jeder Ernte müsse die Rezeptur nachjustiert werden, damit das Brot seinen typischen Geschmack behält. Den Job übernimmt Backaldrin. 7000 Bäcker kommen jährlich, um zu lernen, wie man das Backaldrin-Brot am besten bäckt. Das Modell funktioniert: Vergangenes Jahr stieg der Umsatz des 650-Mann-Betriebs auf 132 Mio. Euro.

Das Tagesgeschäft hat Peter Augendopler bereits abgegeben. Der Wirbel rund um den Kornspitz bereitet ihm keine Sorgen mehr. Der Brot-Enthusiast widmet sich lieber dem Erfinden neuer Brotsorten. Über sein Bibelbrot habe sogar der Papst getwittert, erzählt er. Jeden Tag um acht Uhr kümmert sich Augendopler um seine zweite Leidenschaft: Lehrlinge. Dann bestellt der Firmenchef die drei Teenager zum Turmrechnen gegen die Zeit zu sich. „Guter Bäcker zu sein allein reicht nicht“, sagt er. „Man muss auch rechnen können, sonst zieht man immer den Kürzeren.“

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16 Kommentare
Gast: Semmerlesser
09.04.2012 09:46
0 0

Was ist mit den Brasilianern passiert

daß sie keine vier Konsonanten hintereinander aussprechen können ?

Der Kornspitz war zu Beginn übrigens voll lecker, aber seit einigen Jahren nimmer so gut, keine Ahnung warum

Erfindet's halt öfter was neues^^

Antworten Gast: baumisms
10.04.2012 01:01
0 0

Das können viele Völker nicht

Entweder setzen sie Vokale dazwischen, oder sie lassen Konsonanten weg.
Die Portugiesen haben recht viele Konsonanten aus dem schon recht vokalreichen Spanischen entfernt...

Gast: Hallo 007
08.04.2012 21:57
1 0

?

Und Coca Cola ... ?
Weshalb ist dieser Name schützenswert und Kornspitz nicht ?

Beides besteht aus natürlichen Bestandteilen bzw. deren Essenzen.

Coca Cola müsste genauso ein Gattungsbegriff sein
...

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Re: ?

Ich glaub Cola ist einer. Coca Cola aber anscheinend nicht.

Gast: jojojo333
08.04.2012 07:55
0 0

kann net sein

Wer schon einmal von der Bäckerei Mann und vom Lidl (nicht die frisch gebackenen) Kornspitz zeitgleich mit denen anderer Bäckereien probiert hat, weiß dass das niemals das gleiche Produkt sein kann.
Am Besten schmeckt der Anker-Kornspitz bei Metro Vösendorf gekauft (weil die lassen den Rohnling noch zusätzlich im Gärofen gehen = 30 Prozent mehr Volumen). Gut ist auch der Biokornspitz von Billa (Rohling von Guschlbauer).
Lidl ist das absolut letzte (nicht die frisch gebackenen) danach kommt der Mann.
Ist natürlich alles rein subjektiv und nach MEINEM Geschmack und erhebt keinerlei Anspruch auf Richtigkeit

Und Coca Cola ... ?

Weshalb ist dieser Name schützenswert und Kornspitz nicht ?

Beides besteht aus natürlichen Bestandteilen bzw. deren Essenzen.

Und hat sich Coca Cola als Name nicht auch schon "eingebürgert"

... aber weltfremde Entscheidungen unserer "Weisen in Roben" sind wahrscheinlich sowieso das Ergebnis von Sauna-, Squash oder Golfbesprechungen ... da wo halt die Geldleute hin einladen .....

...gabs da nicht einen Song vor einiger Zeit ..."Tango korrupti" ... ?

Re: Und Coca Cola ... ?

Ich würde meine, dass der Gattungsbegriff nur "Cola" ist und "Coca Cola" als Eigenmarke gilt.

Gast: JaJa23
07.04.2012 08:02
4 0

20 Jahre geschützt...

meiner Meinung nach war es OK, diesen Begriff bzw. das Produkt 20 Jahre zu schützen um einem Betrieb eine gewisse Sicherheit zu geben, jedoch irgendwann muss schluss sein.

Aber ich frage mich, was bei Filmen und Liedern 75 Jahre (!!!!) schützenswert ist. Und die Contentindustrie will es noch auf 100 Jahre rauftreiben.
Interessant war ja schon die Änderung von 50 auf 75 Jahre, nur um die Beatles-Lieder weiter ausquetschen zu können. Offensichtlich schmiert die Contentindustrie im größeren Stil die Politiker, als die Bäckerinnung.....

Was anderes: Interessant, dass der Gastnick "JaJa" seit heute nicht mehr verwendet werden darf. War wohl zu oft zu kritisch.....

2 0

Nicht nur die Beatles, besonders Walt Disney


In den USA lässt der Disney Konzern die Gesetze zu seinem Vorteil dauernd abändern. Die Schutzdauer des Urheberrechtes wird laufend erhöht. So dass auch noch die Urenkel des Schöpfers für ihre großartige Leistung belohnt werden.

"Lalala, lalala" ist durch das Urheberrecht mehr als 70 Jahre geschützt, ein Patent auf eine bahnbrechende Erfindung erlischt 20 Jahre nach er Anmeldung. Und das obwohl oft Jahre nach der Anmeldung vergehen, bis die Erfindung marktreif ist, und Geld verdient werden kann.

Gast: super
07.04.2012 06:46
1 3

und wo ist der bus mit den leuten, die das interessiert ?

ob sich ein wecker kornspitz oder sonstwie, ein käskrainer vielleicht "käsekärntner" nennt ist doch eigentlich vollkommen wurscht...

über den mist, der in diesen produkten drinnen ist, regt sich keiner auf.

Gast: Take one und es ist ein klax to be really free
06.04.2012 23:38
1 0

Wer einen Gattungsberiff schafft, ist im Normalfall im selbst geschaffenen Markt auch Marktführer

Patente haben generell einen maximalen Schutz von 20 Jahren nach dem Datum des Einreichens beim Patentamt, also ist das Kornspitz-Patent jedenfalls schon ausgelaufen, sollte es 1984 angemeldet worden sein.

Das Problem des Gattungsbegriffs: Walkman, iPod, UHU, Tixo, Flex (Winkelschlefer), Stanley-Messer, Tempo (Taschentücher), Persil, GoreTex,.... sie alle waren entweder die ersten am Markt oder die Besten in den Köpfen, in der Wahrnehmung, der Konsumenten und werden somit automatisch zum Gattungsbegriff.

Das ist ja nichts Schlechtes. Wer einmal einen Gattungsbegriff geprägt hat, hat Pionierarbeit geleistet, einen neuen Markt geschaffen und bleibt im Normalfall Marktführer.

Irgendwann steht das iPad auch als Synonym für TabletPCs. Ist das so schlecht?

Gast: gast:1
06.04.2012 07:07
7 2

man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber...

der Kornspitz ist doch eh nur billiger, heller Teig (also ernährungstechnisch schlecht bzw. wertlos) der mit einer Malzsubstanz dunkel gefärbt wird damit es "vollkorniger" ausschaut.

Seit ich das weiß, wird der Mist nicht mehr gekauft. So einfach ist das.

Antworten Gast: Hanibal L.
10.04.2012 10:56
1 0

Re: man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber...

was ist am (weizen) hellen teig ernährungstechnisch schlecht(er) bzw. wertlos im vergleich zu mischbrot, roggen usw. ? sie sind wohl eher esoteriker den ernaehrungsfachFrau.

Gast: ungläubiger
05.04.2012 23:09
3 0

kann nicht sein!

Dann sind UHU, Tixo genauso wie Google auch Gattungsbegriffe…

Ja, das ist so das Problem

des funktionalen Analphabetismus:
"Nach über zwanzig Jahren sei Kornspitz ein Gattungsbegriff geworden".
Vielleicht versuchen Sie es nochmals - ganz ganz langsam ... möglicherweise versterhen Sie es dann auch.

Das Problem dürfte auch sein,

daß "Kornspitz" für ein spitzes Gebäck aus Körnern ein recht generischer Begriff ist.
Also solcher wird er leichter zu einem Gattungsbegriff als ein Eigenname ohne Verbindung zum Produkt.

Hobbyökonom