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Causa Meinl: Das Justizchaos nimmt kein Ende

06.04.2012 | 18:42 |   (Die Presse)

Das Oberlandesgericht ist der Ansicht, dass im Meinl-Verfahren rechtsstaatliche Prinzipien verletzt werden. Für die Justizbehörden wird die Situation damit immer brenzliger.

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Wien/Höll. Seit fünf Jahren wird in der Causa Meinl ermittelt, und das Verfahren hat zunehmend kafkaeske Züge. Nun stellt das Oberlandesgericht Wien fest, dass die Staatsanwaltschaft mit ihrer Vorgangsweise einen Rechtsbruch begangen hat. Der Beschluss ist bindend, es gibt keinen weiteren Instanzenweg. Trotzdem hat der Richterspruch keine Auswirkungen. Das Verfahren wird nicht eingestellt. Die Meinl Bank prüft, ob sie gegen den verantwortlichen Staatsanwalt Markus Fussenegger eine Dienstaufsichtsbeschwerde einbringt.

Für die Justizbehörden wird die Situation damit immer brenzliger. Sollte es zu einer Anklage und zu einer Verurteilung von Meinl-Managern kommen, werden diese sofort in Berufung gehen. Sie können dann auf die jetzige Entscheidung des Oberlandesgerichts verweisen, wonach das Prozedere längst nicht mehr den rechtsstaatlichen Prinzipien entspricht. Für alle Involvierten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen Julius Meinl V. und mehrere Meinl-Manager wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betrugs im Zusammenhang mit der früheren Immobiliengesellschaft Meinl European Land (jetzt Atrium). Die Betroffenen weisen alle Vorwürfe vehement zurück.

 

Nun prüft bereits der dritte Gutachter

In der Causa beauftragte die Staatsanwaltschaft Wien mit Martin Geyer mittlerweile den dritten Gutachter. Im September 2009 wurde der erste Experte, Thomas Havranek, wegen Befangenheit abberufen. Dann gingen die Akten an den Grazer Sachverständigen Fritz Kleiner. Dieser hat sich in schwierigen Wirtschaftsfällen einen Namen gemacht. Er war unter anderem in den Causen BHI-Bank, Herberstein, Bawag und AvW tätig. Ende 2011 legte der Experte von sich aus das Mandat zurück, weil er das Gefühl hatte, von der Staatsanwaltschaft inhaltlich unter Druck gesetzt zu werden. Laut Gesetz muss ein Gutachter aber unabhängig und objektiv arbeiten können. Jetzt arbeitet sich mit Geyer der dritte Sachverständige in die komplizierte Materie ein.

Ein früherer Meinl-Manager reichte dagegen Beschwerde ein, das Oberlandesgericht Wien gab ihm recht. Die Richter sind der Ansicht, dass durch das Gutachter-Hin-und-Her das Recht auf ein zügiges und ohne unnötige Verzögerung durchgeführtes Verfahren – wie es die Strafprozessordnung vorsieht – verletzt wird. In dem Urteil, das der „Presse“ vorliegt, wird die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft scharf kritisiert. Denn der Grazer Gutachter Kleiner erhielt ursprünglich den Auftrag, den gesamten Meinl-Komplex zu prüfen. Nachdem Kleiner 21 Monate daran gearbeitet hatte, schränkte die Staatsanwaltschaft plötzlich ohne Angabe von Gründen im Oktober 2011 dessen Gutachtertätigkeit ein und ernannte einen neuen Experten. „Wäre die Bestellung eines weiteren Sachverständigen notwendig gewesen, hätte dieser sogleich bestellt werden müssen“ – und nicht erst nach 21 Monaten, betont das Oberlandesgericht Wien.

 

Meinl Bank erhebt schwere Vorwürfe

Die Meinl Bank hat wegen der mutmaßlichen Beeinflussung des Gutachters Kleiner durch die Staatsanwaltschaft die Korruptionsstaatsanwaltschaft eingeschaltet. Es sei nachweisbar versucht worden, den Gutachter in eine bestimmte für die Bank negative Richtung zu beeinflussen, behauptet Meinl- Bank-Vorstand Peter Weinzierl.

Der Banker hinterfragt nun die Rolle des dritten Gutachters Martin Geyer: „Kann er unter diesen gesetzwidrigen Bedingungen seinen Auftrag überhaupt noch unabhängig ausführen? Wird er ein Gutachten verfassen, das den Vorstellungen des vorverurteilenden Staatsanwalts gerecht wird, oder wird er – wie Dr. Kleiner – versuchen, objektiv zu sein, und sich den Unmut des Staatsanwalts zuziehen?“

Oberstaatsanwalt Werner Pleischl sieht trotz der jüngsten Erkenntnisse keinen Grund für dienstrechtliche Maßnahmen gegen die involvierten Staatsanwälte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2012)

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30 Kommentare
 
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Justizminister

Österreich hat den Status eines Rechtsstaates bereits verloren.
Sieben Justizminister in den letzten 12 Jahren haben unsere Justiz heruntergewirtschaftet!
Völlige Unfähigkeit und nicht der geringste Ansatz von Managementkompetenz ergeben dieses traurige Resultat.


Gast: Hubertus
07.04.2012 18:31
4 0

Organisationsversagen

Hier liegt m.E. zumindest Organisationsversagen vor. Dafür sind Herr Pleischel bzw. Gruppenleiter etc und Frau Karl bzw. deren Vorgänger verantwortlich.Wie ist es möglich, daß in bestimmten causen StAe, die sich gerade erst in die umfangreichen Akte eingeelsen haben, plötzlich versetzt oder befördert werden? So kann ,man mit admistrativen Maßnahmen, jeden Fall auf die lange Bank schieben.

Gast: AlterKämpfer
07.04.2012 18:11
0 0

StA Wien

Was soll die Ministerin da tun? Alles pragmatisierte Juristen!

zum x-ten Male

Meiner Meinung nach sollte nicht von einem JUSTIZchaos gesprochen werden, sondern von einem Chaos der Wiener Staatsanwaltschaft!

Und für dieses Chaos ist die Ministerin mitverantwortlich.

Richter und Strafvollzusbeamte werden da zu Unrecht mit in den Topf geworfen!

Bananenrepublik Oestereich. End of story.


Gast: Viel Geld für nix
07.04.2012 13:10
4 0

Warum ist einem der Julius eigentlich immer so unsympathisch?


Wozu ein Steuerabkommen mit der Schweiz ...

wenn auf der Meinl Bank weiterhin die Milliarden der Verbrecher liegen?

Ich verrate jetzt allen ein grossen Geheimnis

Es gibt Banken die sanktioniert Geldwäsche betreiben und solche die es nicht sind. Alle westliche Regierung samt deren Geheimdienste verschieben Schwarzgelder verschiedensten Ursprungs, und dazu braucht man geeignete Banken. Nur die Banken die sich nicht an die Spielregeln halten bekommen eine auf die Fingen.

Gast: Staatsbürger
07.04.2012 11:56
12 0

Sta

Ist es Zufall, dass in einer der letzten StPO-Novellen vorverfahrensrechtliche Instrumente von den unabhängigen Ur-Richtern an die weisungsgebundenen Staatsanwälte übertragen wurden??

Antworten Gast: Entsetzter
08.04.2012 11:51
1 0

Frau Ministerin Re: Sta

Und dann muss eine unbedarfte FRAU als Ministerin proforma den Kopf hinhalten für das Wiener Logengewirr mit Wilhelminenbergbackground.

Damit in den Medien (ORF und print) um den Brei herumgeseiert und -gesülzt werden kann mit Augenzwinkern zum Spaüm.

Re: Sta

Nein! Das geschah unter dem Eindruck des Lucona-Desasters, wo sich ja die Justiz unabhängig gebärdet und im Politumfeld gewütet hat. Mit der derzeitigen StPO wird das gewiss nicht mehr passieren... ;-)

Antworten Antworten Gast: gast2584
07.04.2012 17:00
0 1

Re: Re: Sta

die Änderung passierte unter Schwarz-Blau und die jetzigen Skandale sind aus welcher Ära? ein Schelm wer böses denkt. Es ist auch reiner Zufall dass die Verjährung, von der bestimmte Typen profitieren, auch in der Zeit verkürzt wurde

Gast: Netto Zahler
07.04.2012 11:34
5 0

die zwei grössten schwachstellen

in österreich(staatsdienst) sind justiz(aktueller fall,bawag etc.) u. wirtschaft/finanz (3OO milliarden euro staatsschulden = 1OO% staatsschuldenquote), aber für mich kommt das nicht überraschend denn es war mir schon vor zig jahren klar das die mehrheit der sozialstaats blitzgneisser u. hascherln(aller sozialen schichten) mit ihren gratis jus u. bwl- studium nicht die grosse bereicherung sein werden,aber da diese schicht mittlerweile die mehrheit in ämtern,politik,staatsnahen unternehmen usw. hat wird es schwer werden etwas zu verändern,denn keine krähe hackt der anderen ein auge aus(schon gar nicht wenn sie pragmatisiert ist/sind)!! ps: aber man muss man auch sagen/sehen ,von österreich geht keine gefahr für europa u. die welt aus u. natürlich gehts auch in anderen staaten drunter u. drüber wobei österreich sich nur mit den nord eu- staaten messen sollte !!

Re: die zwei grössten schwachstellen

wollns alles privatisierenund den sozialstaat abschaffen? nun gut .ich freu mich schon aufs reichenghetto - ich kanns mir leisten.;-)

Gast: polarluft
07.04.2012 11:17
5 0

Kann es sein ...?

...dass die "Staatsanwaltschaft" nicht nur blind ist (gegenüber Fakten), sonder auch überfordert? Speziell in der Wiener Staatsanwaltschaft und OSA hat man den Eindruck , sie haben sich mit griechischen Göttern verbündet: Ein Auge hält der Gott Hypnos zu, das andere der Gott Morpheus?
Und das alles ist eine höflich Umschreibung des grössten Sau ...all der jüngeren Justizgeschichte?

Gast: _warum_
07.04.2012 11:15
5 0

und es bewahrheitet sich mal wieder...

...geld regiert die welt.

ich glaub, diese leute können sich - bis auf das wetter - alles kaufen.

Gast: zufälle gibts
07.04.2012 11:01
10 0

Das Justizchaos nimmt kein Ende

Na geh, so ein Zufall.

Bis die Anklage fertig ist, ist der Fünfte über 100 Jahre alt und leider nicht mehr verhandlungsfähig.

Was haben die Verfahren Libro, Mennsdorf-Pulli, Karlheinz Strasser und Co. gemeinsam?

Vielleicht sollten diese Protagonisten nacheinander Bundeskanzler werden, dann werden die Verfahren wenigstens offiziell eingestellt.

Gast: nkerl
07.04.2012 10:25
5 0

und das Vertrauen in die Justiz

wächst und wächst und wächst und wächst und wächst.

Der Fall Libro hat zehn Jahre gedauert,

für das Buch der Rekorde taugt Meinl noch nicht.

Ein Ruhmesblatt für die Justiz ist das alles nicht. Da fehlte es offensichtlich immer wieder an der Kontrolle in der Staatsanwaltschaft.

Kein Wunder, dass das Vertrauen in die Justiz auf einem Tiefpunkt ist, obwohl unzählige Verfahren Jahr für Jahr rechtsstaatlich korrekt ablaufen.

Die spektakulären Fälle sind es, die den Ruf der Justiz beschädigen, die Fälle mit aktiven oder auch ehemaligen Politikern, die großen Finanzskandale und die unverständlichen Urteile wie jene gegen die Folterpolizisten und die Frauenhändler, zum Beispiel.


Gast: Hermann vom Gipfel
07.04.2012 09:17
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Es hängt hat nur davon ab, an welchen Richter du gerätst

wecher Partei oder verbotenen Organisation er hörig ist.
Man darf nicht vergessen, Richter werden oft Personen, die im Leben sonst keinen Bezugspunkt haben, kaum Ausbildung und sich in ihrer selbst erfaffenen Welt zuhause fühlen.
Die Richter sind eigentlich wegen ihres Unvermögens zu bedauern.

Re: Es hängt hat nur davon ab, an welchen Richter du gerätst


Sie scheinen nicht viel Ahnung von der realen Welt der Richter zu haben.

Können Sie die von Ihnen vermutete Abhängigkeit der Richter von Parteien oder sonstigen Institutionen bei der Urteilsfällung irgendwie belegen?

Antworten Antworten Gast: UKW
07.04.2012 14:42
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Re: Re: Es hängt hat nur davon ab, an welchen Richter du gerätst

Na klar, er hat sicher eine Kopie der Parteibücher zu Hause und das Login in der Parteizentrale kann er ihnen auch übermitteln, ist schließlich Öffentlich zugänglich. Wo soll er sie hinschicken?

Wollen Sie ernsthaft behaupten in Österreich gäbe es keine Staatsanwälte oder Richter, die einer Partei nahestünden oder ihr als zahlendes Mitglied angehören? Wollen Sie ernsthaft behaupten, die würden neutral handeln, wenn es um einen Politiker geht?

Der Grund warum die Staatsanwälte im Fall Faymann alle Augen zudrücken, liegt sicher auch nicht daran, dass sie ein bisserl rot sind, gaaanz sicher nicht.

Wie sieht die "reale Welt" eines Richters wirklich aus? Erzählen Sie mal. Ich habe gehört, dass die gar keine Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz bzw. keine fixe Arbeitszeit haben, sondern sich die Zeit frei einteilen können und die Arbeit auch zu Hause erledigen dürfen (oder nur so tun)? Muss ja irgendeinen Grundhaben warum Verahren oft 100 mal vertagt werden und Prozesse jahrelang dauern.


Gast: Bertissimo
07.04.2012 09:05
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Gerichtsbarkeit

Es ist unglaublich zu welcher Bananenrepublick unser Land verkommen ist !

Karl --bleib in China!

Allein für ihre Menschenhändel im Behindertenbereich ("no blind judges!") muesste sie "fünf Jahre in Tibet" ausfassen...

Die Staatsanwaltschaft hat seit Broda eine bestimmte Aufgabe

und die erfüllt sie eben. Gegen Feymann und Konsorten darf nicht ermittelt werden, gegen politische Gegner der Partei muss ermittelt werden.

Re: Die Staatsanwaltschaft hat seit Broda eine bestimmte Aufgabe

richtig, das Stichwort heißt Broda

 
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Hobbyökonom