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Stromnetz-Aufrüstung kostet bis 2020 acht Mrd. Euro

17.04.2012 | 14:45 |   (DiePresse.com)

Intelligente Netze hätten Vorteile für Kunden und Volkswirtschaft, wirbt die E-Control. Doch sie bergen auch Gefahren, warnt etwa der US-Geheimdienst.

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Die Aufrüstung des heimischen Stromsystems für die "intelligenten Netze" der Zukunft (Smart Grids) erfordert in den nächsten acht Jahren Investitionen von acht Milliarden Euro. Die Hälfte davon ist für die Verteilnetze nötig, zwei Milliarden Euro für die Übertragungsnetze der Verbund-Tochter APG sowie je eine Milliarde Euro für die "intelligenten Stromzähler" (Smart Meter) und die Anbindung der Erneuerbaren Energieträger (vor allem Wind und Photovoltaik), sagte am Dienstag Energie-Control-Geschäftsführer Martin Graf vor Journalisten.

Bisher hätten "Smart Grid"-Projekte in Österreich nicht zu beobachtbaren Kostenanstiegen geführt, sagte Graf. Geregelt ist die Finanzierung solcher Investitionen im Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (Elwog), Stichwort Systemnutzungsentgelt. Aber möglicherweise würden anstelle von Smart Grids andere Investitionen hinten angestellt, meinte Graf. Einen Grund, solche Kosten gesondert zu berücksichtigen, gebe es nicht, das sei auch schon bisher etwa bei neuen Trafos oder Hochtemperatur-Leitungen nicht der Fall.

Senkung der Netzentgelte?

Die Smart Grids böten möglicherweise sogar die Möglichkeit zu einer Senkung der Netzentgelte in der Zukunft, "da sehen wir ein gewisses Potenzial", sagte Graf bei einer Informationsveranstaltung der Energie-Control zu dem Thema. Denn durch einen optimierten Betrieb könnten vermutlich die Netzverluste gesenkt werden, die derzeit in Österreich jedes Jahr drei Terawattstunden (TWh) ausmachten. Mittel- und langfristig könnten vermehrte Automatisierungen die Betriebskosten senken, etwa wenn dadurch die Fehlersuche einfacher oder generell die Betriebsführung erleichtert werde, sagte Graf.

Nötig seien die "intelligenten Netze", da die Anforderungen an die Stromübertragung und -verteilung sowie an das Energiesystem wachsen. Durch die "Energiewende" werde die dezentrale erneuerbare Energieerzeugung stark zunehmen und sowohl der Verbrauch als auch die Erzeugung stärker schwanken als bisher. Die Konsequenz seien volatilere Lastflüsse und zunehmende Anforderungen an die Netze, wobei die Last der Erzeugung folgen sollte. Die Antwort darauf sei eine Umstellung des Energiesystems mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bis hin zu einer Einbindung des Telekom-Sektors, so Graf.

Energiewende ohne "Smart Grids" nicht möglich

Die Energiewende sei ohne Smart Grids nicht möglich, betonte der E-Control-Geschäftsführer: "An dem Zug geht nichts vorbei. Der steht nicht noch im Bahnhof, sondern ist schon abgefahren." Intelligente Netze hätten Vorteile für die Kunden und die Volkswirtschaft.

Der heimische Klima- und Energiefonds (KliEn) hat bisher 30 Millionen Euro an Fördergeldern für 87 Forschungsprojekte im Bereich Smart Grids lockergemacht, durch die insgesamt Investitionen von 43 Millionen Euro ausgelöst wurden, sagte KliEn-Geschäftsführerin Theresia Vogel. Im Smart-Grid-Segment nimmt Österreich laut Vogel eine Spitzenposition in der EU ein mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben europaweit. Die KliEn-Chefin verwies auf mehrere "Demo-Regionen" zu intelligenten Energiesystemen, etwa in der Stadt Salzburg, in die stärker als bisher auch Haushalte und Gewerbebetriebe einbezogen seien, aber auch andere Energieträger als Strom. Oft werde nämlich parallel zu Gas die Fernwärme ausgebaut, kritisierte E-Control-Geschäftsführer Graf und verwies auf Graz.

Warnung vor geringen Sicherheitsstandards

Zuletzt hatte der österreichische Autor des Thrillers "Blackout" - der sich mit einem flächendeckenden Stromausfall in Europa befasst - im DiePresse.com-Interview vor zu geringen Sicherheitsstandards im Bereich "intelligenter Stromzähler" gewarnt: "80 Prozent der Haushalte in Europa sollen bis 2020 damit ausgestattet sein. Aber aus verschiedenen Gründen gibt es Widerstände, weil diese Geräte momentan problematisch sind. Sicherheitsstandards sind zu gering beziehungsweise werden gerade erst erarbeitet."

Erst im Februar hatte der US-Geheimdienst NSA vor gezielten Hacker-Attacken auf Stromnetze gewarnt, wie "Die Welt" berichtete. Diese könnten das komplette amerikanische Stromnetz lahmlegen. Einfallstor könnten die "Smart Meter" sein, wie auch Elsberg in seinem Buch schildert. "Das ist ja eines der ganz großen Probleme, die man beim 'Smart Grid' unter den Tisch fallen lässt: Banken, Behörden, Versicherungen und Kreditkartenfirmen kämpfen seit zehn Jahren permanent damit, dass man in ihre Systeme einbricht, um sie zu benutzen, um Schaden anzurichten. Die IT-Abteilungen von Banken haben ja den halben Tag nichts anderes mehr zu tun als Angriffe abzuwehren. Genau dasselbe Problem kriegt man beim 'Smart Grid'", gab er zu bedenken.

(APA)

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3 Kommentare
Gast: Frechheit
18.04.2012 07:02
1 0

Smart Cashing

Wer brauchts ?: Niemand
Wer will es ? : Niemand, zumindest stellt sich niemand offiziell hin.
Wer bezahlts ?: Alle

Wie sieht denn die Finanzierung aus ?
Wo ist der Business-Case ?

Die Gehälter in der Energiewirtschaft sind die höchsten. Irgendiwe muss dass ja finanziert werden.

Wenn öffentliche Mittel aufgewendet werden, sollte dass auch öffentlich entschieden werden.
Hier generiert sich eine Branche/lieferanten einen Bedarf.


Jawoll!

Wieder Milliarden die auf Umwegen vom Kunden dafür bezahlt werden um ihn anschliessend durch "Smart Prizing" ordentlich abcashen zu können.
Ein Zähler spart nicht eine Zehntel Kilowattstunde und mag er noch so "smart" sein. Sehr wohl kann er aber den Tarif zu Spitzenzeiten oder bei anlagenspezifischen Spitzenlasten umschalten, damit die Kunsumentenkuh "smart" leergemolken werden kann. Natürlich im Sinne des Umweltschutzes, gell?
Was kochen sie Dussel auch zur Spitzenlastzeit zwischen 1100 und 1200 Uhr?

Abgesehen davon freut es mich natürlich das Österreich die höchsten pro Kopf Ausgaben für den Ausbau der Smart Grids schultert und somit für die Stabilität des europäischen Netzes eine Vorreiterrolle einnimmt, so wie es das auch für den alpenquerenden Transit tut. Bravo!

Gast: Hans im Glück
17.04.2012 15:33
4 0

Alles kann ein zweischneidiges Schwert sein.

Man will alles über uns wissen.
Daten speichern.

Wer weiß wozu das gut/schlecht sein kann?

Da muss nur wer in diese Datenbank schauen und voilà er/sie weiss wann du daheim bist oder nicht.

Ich will das nicht!!!


Hobbyökonom