Staatsbank mit größtem Spanien-Risiko belastet

Die "Bad Bank" der Kommunalkredit ist am stärksten in Spanien und in Portugal investiert. Laut „Presse“-Informationen liegen die Risken der KA Finanz in Spanien und in Portugal bei in Summe 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro.

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(c) Clemens Fabry

Wien. Laut Auskunft der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sind die heimischen Finanzkonzerne mit 4,3 Mrd. Euro in den Euro-Problemländern Spanien und Portugal engagiert. Davon entfallen 3,5 Mrd. Euro auf Spanien und 800 Mio. Euro auf Portugal. Eine genaue Aufschlüsselung auf die einzelnen Institute gibt die Nationalbank nicht bekannt. Der für die Bankenaufsicht zuständige OeNB-Direktor Andreas Ittner glaubt aber nicht, dass in Spanien ein Zahlungsausfall wie in Griechenland bevorsteht.

„Die Lage ist nicht mit Griechenland vergleichbar“, versicherte Ittner am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Und selbst wenn es zu einem Schuldenschnitt kommt, wäre die Situation für Österreichs Banken verkraftbar.

Dem Vernehmen nach ist von allen österreichischen Finanzkonzernen die KA Finanz, die staatliche Bad Bank der Kommunalkredit, am stärksten auf der Iberischen Halbinsel engagiert. Das genaue Risiko lässt sich nicht beziffern, denn die KA Finanz ist die einzige österreichische Großbank, die sich weigert, Details zum Spanien-Obligo bekannt zu geben. „Wir sind gerade in der Phase der Bilanzerstellung und wollen dazu nichts sagen“, heißt es.

Staatsbank hält hoch riskante Papiere

Laut „Presse“-Informationen liegen die Risken der KA Finanz in Spanien und in Portugal bei in Summe 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro. Dabei geht es meist um Kreditausfallversicherungen (CDS). Mit diesen Wertpapieren sicherten sich internationale Investoren bei der KA Finanz gegen eine Pleite von Staaten ab. Können die Regierungen in Madrid und in Lissabon ihre Forderungen nicht erfüllen, kommt die österreichische Staatsbank zum Handkuss.

Aufgabe der Kommunalkredit war es eigentlich, den Gemeinden günstige Kredite zur Verfügung zu stellen. Doch der frühere Vorstand ging auch hoch riskante Finanzgeschäfte ein. Bei der KA Finanz gibt es noch immer Kreditausfallversicherungen in der Höhe von 9,2 Mrd. Euro. Dabei geht es meist um Garantien für Staatsanleihen von Ländern wie Irland, Portugal, Spanien und Italien. Die Justiz ermittelt seit Jahren gegen den früheren Vorstand und Aufsichtsrat wegen des Verdachts der Untreue.

Nach dem Schuldenerlass in Griechenland musste der Bund bei der KA Finanz mit einer Mrd. Euro einspringen. In Summe ist der Bund bereits mit 1,8 Mrd. Euro bei der Bad Bank investiert. Hinzu kommen noch Haftungen von sechs Mrd. Euro.

Die anderen Großbanken haben mittlerweile ihre Risken in den angeschlagenen südeuropäischen Ländern reduziert.
•Erste Bank: Auf Platz zwei nach der KA Finanz folgt die Erste Bank. Diese beziffert ihr Obligo gegenüber Spanien mit 732 Mio. Euro und gegenüber Portugal mit 112,6 Mio. Euro. Anders als bei der KA Finanz geht es hier aber meist nicht um Staatsrisken. „Das Risiko gegenüber dem spanischen Staat liegt bei 23,8 Mio. Euro und jenes gegenüber dem portugiesischen Staat bei 5,6 Mio. Euro“, so eine Sprecherin.

Treichl: Spanien wird es schaffen

Erste-Bank-Chef Andreas Treichl ist allerdings überzeugt, dass es Spanien schaffen wird: „Spanien hat viele starke Firmen und gute große Banken.“ Das Furchterregendste in Spanien sei aber die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die mit einem harten Sparprogramm nur schwer beseitigt werden kann, meinte Treichl am Montagabend.
•Raiffeisen Zentralbank (RZB): Das Spitzeninstitut der österreichischen Raiffeisenbanken bezifferte am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz ihre Außenstände auf der Iberischen Halbinsel mit 816 Mio. Davon entfallen 707 Mio. Euro auf Spanien und 109 Mio. Euro auf Portugal. Hier handelt es sich ausschließlich um Forderungen gegenüber spanischen und portugiesischen Banken. „Wir haben hier keine Staatsrisken“, betont RZB-Risikovorstand Johann Strobl.
•ÖVAG: Das Spitzeninstitut der Volksbanken, das vor Kurzem mit der Verstaatlichung vor der Pleite gerettet wurde, ist mit 320 Mio. Euro in Spanien und mit 76 Mio. Euro in Portugal engagiert.
•Bank Austria: Die UniCredit-Tochter beziffert das Spanien-Volumen mit 16 Mio. Euro. Bei Portugal geht es um 50 Mio. Euro. „Das ist eine vernachlässigbare Größe“, so ein Banksprecher.
•Bawag: Gelassen blickt auch die Bawag auf die Vorgänge auf der Iberischen Halbinsel. Denn das Spanien-Engagement liegt bei zwölf Mio. Euro. Keine Forderungen gibt es gegenüber Portugal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2012)

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