OMV-Chef Roiss fordert EU-Strategie für Schiefergas

18.04.2012 | 10:24 |   (DiePresse.com)

OMV-Chef Roiss will bei der Erschließung von Schiefergasvorkommen weg von nationalen Strategien.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

OMV-Chef Gerhard Roiss fordert eine europäische Strategie bei der Erschließung von Schiefergasvorkommen ("Shale Gas"). In den USA sei der Gaspreis aufgrund des Abbaus von Schiefergas massiv gefallen. Dadurch profitiere auch die US-Industrie, die billiger produzieren könne. "Der Impact von Shale Gas auf die Wirtschaft ist big", erklärte Roiss bei einem Vortrag am Dienstagabend in Wien. Auch China sei bei seiner Shale-Gas-Strategie weiter als Europa, wo in elf Ländern Lizenzen vergeben werden sollen. Europa tue sich schwer und setze auf die einfachste Lösung, nämlich nationale Strategien, kritisierte Roiss.

Die Frage sei, ob man im internationalen Wettbewerb auf das unkonventionelle Schiefergas verzichten könne? "Wie viele Arbeitsplätze kostet das in zehn Jahren?", fragte der OMV-Chef. Gleichzeitig stellte er klar, dass man das Heben dieser unkonventionellen Gasvorkommen nicht gegen die Bevölkerung durchführen könne. Diese müsse informiert werden, was aber auf EU-Ebene geschehen solle.

"Fossile Energie bleibt Hauptenergieträger"

Die OMV setze auch in Zukunft vor allem auf die Primärenergiequellen Öl und Gas, wobei der Öl-Anteil zugunsten von Gas zurückgehen werde. Auch in Zukunft werden diese zwei fossilen Energieträger mehr als 50 Prozent des Energiebedarfes abdecken. Dabei machte der OMV-Chef auf einen "gigantischen Widerspruch" bei den Prognosen für den Gasbedarf in den kommenden zwanzig Jahren aufmerksam. Während die Internationale Energieagentur (IEA) die Zunahme des Gasbedarfs um rund 20 Prozent prognostiziert, sieht die EU-Roadmap einen Rückgang um 20 Prozent vor. Roiss zufolge haben unterschiedliche Lobby-Gruppen wie etwa die Atom- oder Kohlelobbyisten für dieses "unrealistische Bild" gesorgt.

In Europa sei der Gasbedarf in den vergangen 20 Jahren um 40 Prozent gestiegen, in den letzten Jahren gab es aber einen leichten Rückgang wegen der Wirtschaftskrise und eines milden Winters. Derzeit verbraucht Europa jährlich rund 550 Mrd. Kubikmeter Gas, bis 2020 dürften weitere 50 bis 80 Mrd. m3 dazukommen. Gleichzeitig gehe die europäische Produktion zurück, sodass sich eine große Lücke auftue. Um dieses Probleme zu lösen, gibt es Roiss zufolge nur die Möglichkeit, die Abhängigkeit von Russland zu erhöhen oder neue Felder zu erschließen, was aber zumindest 10 Jahre Zeit in Anspruch nehme.

Einstieg in zweite Generation erneuerbarer Energie

Gas hat laut Roiss eine Brückenfunktion auf dem Weg zur wirtschaftlichen Nutzung von Erneuerbaren Energien. So seien die weltweiten Gasvorkommen in einem ausreichenden Maße vorhanden und würden für 200 Jahre reichen, wobei zwei Drittel der Vorkommen auf unkonventionelles Gas wie Schiefergas entfielen. Die OMV wolle aber erst in die zweite Generation der erneuerbaren Energie einsteigen. Große Hoffnung gebe es für die Stromgewinnung aus Wasserstoff, der wiederum durch Gas erzeugt werde, schilderte der OMV-Chef.

 

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

8 Kommentare

was der rois will, interessiert uns gar nicht ....

die ömv als öiag-unternehmen, hat im dienste österreichs und seiner umwelt zu handeln.

der rois scheint ein rücksichtsloser neoliberaler manager zu sein, dem nachhaltigkeit, natur & landschaft, aber auch die menschen wurscht sind.

Gast: Verein für Hinterfragung
19.04.2012 19:08
0 0

Mich wurde interessieren was der 1952 geborene nach seinem Wirtschaftsstudium eigentlich so gemacht hat. Sein veröffentlichter beruflicher Lebenslauf beginnt 1990 bei der ÖMV.


Gast: oko
19.04.2012 08:31
0 0

geld

das ist ganz einfach

die region z.b. 100 000 ha oder mehr wird zum sperrgebiet erklärt, der grund abgelöst und die menschen können ein neues leben anfangen

aber was die omv will:
für einen bohrturm ein paar m2 und die bevölkerung hat den schaden, das kanns nicht sein

wasserstoff ja, dann aber schneller bitte
fisher tropfverfahren güssing seit 10 jahren in betrieb

mfg

Gast: invicia
19.04.2012 07:47
0 2

Gier

Die Gier wird die Menschheit vernichten.

Gast: SicherlicherEr
18.04.2012 23:02
0 1

Fracking

Werter Herr Roiss,
bitte bilden Sie sich bevor Sie öffentlich kommunizieren. Oder versuchen Sie einfach einmal Wasser zu trinken, das brennt.

Die Doku Gasland zeigt wunderbar, was rauskommt, wenn Schiefergas fachgerecht gefördert wird. Jeder kann und darf [und sollte] sich davon ein Bild machen.

http://www.youtube.com/watch?v=vi0u9it6GEY&feature=BFa&list=PL9C681A7732C2E80F&lf=results_main

0 0

Re: Fracking

Bildung ist allerdings ein bisserl mehr als der Film "Gasland". Denn vom Doku glotzen wird man noch lange nicht gebildet und auch kein Experte für Fracking und Tiefbohrungen. Zumal es ja auch "Gasland" mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. So ist die prägnanteste Szene des Films ja diejenige wo ein Einwohner das Wasser aus seiner Wasserleitung anzündet.
Was der Film allerdings tunlichst verschweigt ist die Tatsache, dass dies schon seit den 1930ern so ist, da dort eigentlich immer schon Methangas ins Grundwasser einsickert und dann natürlich in Wasserleitungen nach oben steigt. Lange bevor es Fracking und Tiefbohrungen überhaupt gab. Öko-Dokus nehmen es eben mit der Wahrheit nicht so genau und wollen oft mehr indoktrinieren wie bilden, das beste Beispiel ist ja auch der mit falschen Infos gespickte Film "Eine unbequeme Wahrheit".

Die OMV fördert außerdem schon problemlos seit Jahrzehnten Öl und Gas in einer ökologisch höchst sensiblen Zone (Wiener Becken, Marchfeld). Dass die OMV also rücksichtslos umweltgefährliche Technologie einsetzt, kann man wohl ausschließen. Denn damit würde sie im Falle eines Unglücks wohl auch ihre restliche Förderung in Österreich riskieren.

Antworten Gast: tztztz
19.04.2012 07:27
2 0

Re: Fracking

da macht einer einen Film über Plastik und alle finden Plastik doof...

kommt der nächste und macht einen Film über Gasbohrungen, die Aufgrund des Preisdruckes schlecht versiegelt sind und alle finden die ganze irrsinnig schlecht...

zum Glück macht ja niemand einen Film über verpfuschte Operationen, denn dann würd auch jeder auf einmal gegen Ärzte sein...

Aber immer schön die Heizung aufdrehen, stundenlang duschen und mit dem Auto in die Arbeit fahren, denn zum Glück wird unser Gas ja in solchen Ländern produziert, wo es nicht so sicher wie in Österreich zugeht...

Antworten Antworten Gast: rffg
19.04.2012 07:49
0 2

Re: Re: Fracking

soll halt der Preis steigen, und die Menschen werden schon ihr Verhalten anpassen

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

Umfrage

AnmeldenAnmelden