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IHS-Chef Felderer: Frauen müssen mehr Kinder bekommen

18.04.2012 | 17:09 |   (Die Presse)

Europa habe zwei wesentliche Probleme, sagt Felderer. Erstens, der Staat greife zu stark in die Wirtschaft ein, vor allem über Steuern. Und zweitens: Mit Zuwanderung allein könne man Demografieproblem nicht lösen.

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Wien/hie. Warum wächst Europa so langsam? Während die USA heuer um rund zwei Prozent zulegen dürften, kann Deutschland gerade einmal mit etwa einem Prozent aufwarten, Österreich dürfte um 0,8 Prozent wachsen. Und der gesamte Süden befinde sich überhaupt in der Rezession. Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), sieht zwei wesentliche Probleme für Europa: Erstens greife der Staat zu stark in die Wirtschaft ein, vor allem in Form von Steuern. Es werde viel zu wenig darüber diskutiert, welche negativen Anreize hohe Steuern mit sich brächten.

Der zweite Brocken ist für Felderer die Bevölkerungsentwicklung: In diesem Jahrzehnt würden die niedrigen Geburtenraten zum ersten Mal schlagend. „Wir reproduzieren uns nicht mehr“, sagte Felderer am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten. Mit einem geringeren Bevölkerungswachstum sinke auch die Produktivität.

Ungelöst: Das Schuldenproblem

Eine österreichische Frau bekommt laut Statistik Austria 1,44 Kinder, und das immer später: Im Durchschnitt ist eine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes heute 28,2 Jahre alt. „Wir sollten zu einer Reproduktionsrate von um die zwei (Kinder je Frau, Anm.) kommen“, so Felderer. Von Frankreich und Dänemark einmal abgesehen, liege die Geburtenrate in der gesamten EU darunter.

Felderer, der den IHS-Vorsitz mit Juni an seinen Nachfolger Christian Keuschnigg übergeben wird, fordert mehr Betreuungseinrichtungen – und einen anderen Blick auf berufstätige Mütter: „Wir machen den Fehler, dass wir eine Frau, die ihr Kind nach sechs Monaten abgibt, als schlechte Mutter bezeichnen.“ Mit Zuwanderung, wie viele argumentieren, könne man das Demografieproblem nämlich nur bedingt lösen: Denn dabei kämen nicht nur junge Menschen, sondern auch ältere, und diese beanspruchten ab einem gewissen Zeitpunkt genauso Sozialleistungen. Das koste Geld, und dieses Geld sei „nie eintreibbar“.

Ein weiteres Problem, das in Europa ungelöst sei, sind die Schulden der öffentlichen Hand, so Felderer, der auch dem Staatsschuldenausschuss vorsitzt. Trotzdem gibt er sich zuversichtlich, dass die US-Ratingagentur Moody's der Republik die höchste Bonitätsnote Triple A bestätigen werde. Das Risiko einer Herabstufungen sei gesunken: „Die Wahrscheinlichkeit eines Downgrades ist geringer als vor drei Monaten.“ Es könne natürlich sein, dass Moody's das anders sehe.

Moody's hat zuletzt den Ausblick für das österreichische Rating auf Negativ gesetzt, beim Konkurrenten Standard & Poor's hat Österreich das Triple A schon verloren. Die dritte große Bewertungsgesellschaft Fitch bestätigte Österreich am Dienstag die Bonitätsbestnote Triple A.

Was Felderer optimistisch stimmt, ist das Budgetdefizit des Vorjahres: Dieses ist dank einer überraschend guten Konjunktur mit 2,6 Prozent deutlich geringer ausgefallen als erwartet. Ursprünglich hat das Finanzministerium mit 3,3 Prozent kalkuliert. Österreich müsse aber die Schulden weiter senken: Ideal wäre laut Felderer eine Quote von 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts; derzeit liegt diese Zahl bei 73,3 Prozent.

Kein Rettungsschirm für Spanien

Auch, was die EU-Sorgenkinder Spanien und Italien betrifft, gab sich Felderer zuversichtlich: „Die beiden Länder werden das schaffen.“ Zumal der Rettungsschirm gar nicht groß genug sei, um Spanien aufzufangen. Auch Portugal „sollte es schaffen“. Griechenland allerdings habe nun seine „letzte Chance“, im Euro zu bleiben.

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114 Kommentare
 
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„Wir machen den Fehler, dass wir eine Frau, die ihr Kind nach sechs Monaten abgibt, als schlechte Mutter bezeichnen.“

Nein, die ist keine schlechte Mutter. Aber sie ist nicht alleine für ihr Kind verantwortlich. Der Vater gehört dazu.

Das Problem ist, dass wir heute in Kleinstfamilien leben, sodass oft Ausser-Haus-Betreuung unter Gleichaltrigen notwendig wurde.

Gast: KR2
19.04.2012 18:30
1 0

Da verträgt Einer seinen Abgang nicht und will sich nochmals wichtig machen


Gast: Ausguck
19.04.2012 16:42
1 0

Wie wär's mal mit Familienpolitik

Kinder kosten ein schönes Sümmchen. Warum gibt es keine echte Entlastung der Familien mit einem Familiensteuerrecht?

Die Politiker degradieren uns zu Bittstellern, die dann ein paar Euro Kindergeld bekommen - wie großzügig!

Wenn jedem Steuerpflichtigen 11.000,00 steuerfreies Einkommen / Jahr zustehet, dann muss dies auch für Kinder gelten.

Viele entscheiden sich bewußt gegen Kinder, weil sie sich finanz. nicht drübertrauen. Von den Kosten einer Scheidung / Trennung ganz zu schweigen!

Gast: Demokratie
19.04.2012 15:08
1 0

Man hat ja schließlich die Wahlfreiheit unter einer einem nicht angenehmen Politik

keine Kinder zu zeugen.

Neuigkeiten!

Das wissen wir seit 30 Jahren! Und es wird sich auch nicht ändern.
Wer in 5 Jahresperioden denkt, zieht halt keinen Vorteil aus Investitionen in die Zukunft, sondern verteilt was da ist und mehr an die eigene Klientel.

Gast: GHFvd
19.04.2012 13:09
2 1

Warum

Warum denkt jeder bei "Kinderbetreuung" immer sofort an die Mütter? Warum sollten nicht sowohl Vater als auch Mutter einen Anspruch auf 50% oder 75% Arbeit und damt genug Zeit für Kinder haben?

Meine Schwester hat 3 Söhne,

... ich einen.
Allen haben wir eingetrichtert: Wenn überhaupt ein Kind, dann nur eins. Damit kann Mann nach der Scheidung gerade noch leben.
Am besten keins.
Sie sind alle zwischen 30 und 40. Erst einer hat ein Kind gezeugt (und das außerehelich).
Der Fluch der bösen Tat: Der Krieg gegen die Familien und vor allem der Krieg gegen die Männer zeigt Wirkung.
Da können die FeministInnen noch so herumgeifern: Die einzige Möglichkeit für einen Mann, diesem Irrsinn zu entkommen ist, keine Kinder zu zeugen. Dagegen können sie nichts, aber auch garnichts tun.

2 0

und wenn keine Kinder

... dann sollte Frau bis 65 arbeiten!

Gast: gast1984
19.04.2012 11:47
0 0

Mehr Nachschuldner fürs System müssen her! Eh klar oder?


Sankt BIP

„Wir machen den Fehler, dass wir eine Frau, die ihr Kind nach sechs Monaten abgibt, als schlechte Mutter bezeichnen.“

Welche Weltanschauung steckt hinter diesem Satz? Kinder werden nicht als Menschen, sondern als Nachwuchs-Steuerzahler gesehen. Die Erziehung (oder soll ich sagen "Aufzucht") können ja dann öffentliche Einrichtungen übernehmen - wie seinerzeit im Ostblock. Die Frauen sollen gefälligst in Vollzeit hackeln gehen - für das heilige BIP - und trotzdem Kinder haben - ebenfalls für das zukünftige BIP.

Ich bezeichne eine Mutter, die ihr Kind nach 6 Monaten "abgibt" (sic!), sehr wohl als schlechte Mutter. Wenn man (frau) nicht den Wunsch hat, Zeit mit dem Kind zu verbringen, warum entscheidet man sich dann überhaupt für ein Kind?


Antworten Gast: berufstätige
19.04.2012 14:56
2 2

Re: Sankt BIP

??????

Aber der Vater gibt dieses Kind ja dann auch nach 6 Monaten ab!

Wehre mich strikt dagegen, dass Kinderbetreuung ein "Frauenthema" ist! Das ist Sache BEIDER Eltern, beide sind gleichberechtigt und zu genau gleichen Teilen dafür verantwortlich.

8 0

Reproduktionstechnisch bin ich weit über dem Durchschnitt

Als Vater von 3 Kindern kann ich nur sagen:

Alles was mehr als 1 Kind ist, ist FINANZIELLER SELBSTMORD!

Die Wirtschaft wurde so ausgerichtet, dass sich das Leben als Doppelverdiener mit sagen wir mal 2 Kinder gerade so ausgeht....
Alles andere wird schon sehr schwer....

Und wenn Sie in die Scheidungsfalle tappen ...

... können Sie sich mit 3 Kindern unter eine Brücke gemütlich einrichten.

0 1

Re: Und wenn Sie in die Scheidungsfalle tappen ...

Ich bin schon in der Scheidungsfalle.

Eng ist´s schon....aber auch wenn´s nicht zum Thema passt:
Von der Verantwortung drücken geht nicht, denn was können die Kid´s dafür...
Und irgendwann wird es auch wieder "leichter"......

Re: Reproduktionstechnisch bin ich weit über dem Durchschnitt

aber noch lange kein Grund, nicht trotzdem Kinder zu haben. :o)

Kinder sind das Leben zumindest das Halbe

trotzdem kann sich niemand anmassen Frauen zu sagen, dass diese Kinder kriegen sollen.

Eine familienfreundliche Gesellschaft ist dzt nicht spürbar.

Re: Re: Reproduktionstechnisch bin ich weit über dem Durchschnitt

Kinder sind das Leben. Eine Gesellschaft, die keine Kinder mehr zur Welt bringt ist traurig, ...!

Gast: GB85
19.04.2012 10:28
3 1

Kind/er = teures Hobby


Gast: plebs potus
19.04.2012 09:19
9 1

Ja, der liebe IHS hat aber die Innovativen Lösungen am Start

Mehr Zuchterfolg im Hause Österreich? Was soll denn das bitte? Ein Beweis mehr, wie die Reichen und Mächtigen in diesem Land die Rechte und die Anerkennung des Individuums, insbesondere der Frauen mit Füßen treten.

Sollen doch die reichen Bonzen ihren SUV-fahrenden, Pelztragenden, Gucci-bebrillten Schicksen statt Botox und Silikonvorbau ein paar Kids anhängen und nicht wieder mit dem finger auf andere zeigen. Vor allem wenn diese Leute das finanzielle Klima und die Perspektiven durch ihre Korruption eindeutig verschlechtern. Ihr erntet bloß was ihr uns einbrockt.

Ich züchte doch keine Steuerzahler die dieses System ausnehmen kann sondern selbstbestimmte, intelligente und aufrechte Menschen. Ich bin der Meinung, dass REgierungsmitglieder die Schulden verursachen und sich in Korruption verhangeln sofort und bis zum Tod die Pension und jede Beteiligung an dem Sozialsystem dass sie ausbeuten vorenthalten gehört.

Gast: KL7
19.04.2012 09:12
2 0

Bevölkerungswachstum = Naturzerstörung

Österreich 1975: 7,5 Millonen Einwohner
Österreich 2012: 8,5 Millionen Einwohner

Österreich leidet unter einem massiven Bevölkerungswachstum mit all seinen negativen Folgen: Mehr Autos, mehr Abgase, mehr Autobabhnen, mehr zerstörtes Grünland, mehr Staus, ...

Österreich braucht ein Bevölkerungsgleichgewicht!

Der Sozialstaat ...

... ist als Pyramidenspiel aufgebaut worden.
Auch wenn man nicht von der Mathematik beleckt ist, weiss man, dass bei Pyramidenspielen die Anzahl der Einzahler ständig steigen muss.
Ist das nicht der Fall, bricht das System zusammen.
Um das zu erkennen brauche ich kein hochbezahltes Institut für Höhere Studien.

Gast: hokuspokus027
19.04.2012 08:52
6 0

Immer nur Wachstum??

Unser System hat den Fehler, dass alles auf Wachstum ausgelegt ist. Unendliches Wachstum ist aber nicht möglich und in "vernünftigen" Wirtschaftssystemen auch nicht nötig. In die Köpfe unserer Spezialisten ist das leider noch nicht vorgedrungen.

Anstatt das Wirtschaftssystem dahingehend anzupassen, dass auch einmal negatives Wachstum möglich ist, ohne dass das System kollapiert, wird sofort aufgeschrien, sobald das Wachstum einmal geringer ausfällt als geplant.

Liebe Leute: Ist die Wirtschaft für den Menschen da oder der Mensch für die Wirtschaft? In unserer Gesellschaft wahrscheinlich ersteres.

Antworten Gast: Grummel
19.04.2012 11:54
0 0

Re: Immer nur Wachstum??

Nicht ganz richtig. Um nämlich eine gleichbleibende Bevölkerungszahl zu erreichen (ohne Berücksichtigung einer etwaigen Zuwanderung) sind nämlich 2,1 Kinder pro Frau im Durchschnitt notwendig (daher auch die "etwa 2 Kinder", die Felderer anspricht).

Es ist noch viel schlimmer

es wird schon aufgeschrieen wenn die WachstumsSTEIGERUNG geringer als vorhergesagt ist.

Natürlich kann und wird so etwas nicht gutgehen - das kommt unweigerlich zum Krach.

Und in so ein Zukunft Kinder setzen?

Re: Immer nur Wachstum??

Ein Schritt nach dem Anderen. Jetzt müssen wir erst mal Nullwachstum verkraften.

Gast: hadumis
19.04.2012 08:44
13 1

Frauen sollen...


... Vollzeit arbeiten- für das BIP
... Familie gründen- für die Bevölkerungsrate
... Karriere machen- für die Quote
... und dabei noch blendend aussehen- für die Männer.

Auf Deutsch: für die Gesellschaft im Hamsterrad laufen- und nebenbei noch Selbstachtung und Selbstverwirklichung anstreben.

Ich kanns nicht mehr hören.

Warum werden eigentlich nirgends Männerquoten eingeführt?

 
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Hobbyökonom