Wien/Eid. Drei Monate dauerte der Schlagabtausch zwischen der AUA-Führung und dem Bordbetriebsrat bzw. der für Piloten und Flugbegleiter zuständigen Gewerkschaft Vida um eine deutliche Senkung der Personalkosten. Ohne Ergebnis. Am Donnerstag machte die AUA-Spitze ihre Drohung wahr, der Aufsichtsrat beschloss den Betriebsübergang auf die eigene Regionaltochter Tyrolean.
Damit ist der letzte Puzzlestein des von AUA-Boss Jaan Albrecht aufgesetzten 263 Mio. Euro schweren Sparprogramms gelegt, mit dem er die AUA nachhaltig sanieren will. Heuer will er 223 Mio. Euro heben. Ein Gutteil des Sparpotenzials kommt von AUA-Geschäftspartnern und Lieferanten wie dem Flughafen Wien und dem Caterer Do & Co. Die Politik soll der Fluglinie mit einer Senkung der Ticketsteuer entgegenkommen. 45 Mio. Euro forderte Albrecht vom Personal. Im Gegenzug zur Restrukturierung fließt nun die von der Lufthansa zugesagte Geldspritze von 140 Mio. Euro.
Nulllohnrunde für Bodenpersonal
Dieser Betriebsübergang, der nach dem Avrag (Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz) erfolgt, ist ab 1. Juli möglich. Dabei erhält das fliegende Personal der AUA (rund 2300 Piloten und Flugbegleiter) den um rund 25 Prozent günstigeren Kollektivvertrag (KV) der Tyrolean. Die AUA-Gehälter bleiben so lange eingefroren, bis die Tyrolean-Gehälter das AUA-Niveau erreichen. Das dauert Jahre. Da der AUA-KV durch die Airlineführung per 1. Juli gekündigt wurde, wird es für die AUA-Mitarbeiter neue Regelungen geben, die sich an jene der Tyrolean anlehnen. Der durch die Vida gekündigte Tyrolean-KV wirkt hingegen nach, sagte AUA-Vorstand Peter Malanik.
Bei den Bodenmitarbeitern gab es einen Pakt: Er umfasst eine Nulllohnrunde für 2013 und den Ausstieg aus dem bestehenden Pensionskassenmodell. Beim Flugpersonal stieß Albrecht mit der Forderung nach einem kostengünstigeren KV ohne automatische Inflationsabgeltung, ohne Annuitäten bzw. Biennalsprünge und ohne überdurchschnittliche Abfertigungen auf Granit. Piloten mit Altverträgen erhalten bis zu 39 Monatsgehälter Abfertigung.
Bordbetriebsratschef Karl Minhard bot ein Paket im Volumen von 14 Euro jährlich plus 33 Mio. Euro Einmaleffekt an. Das war der AUA-Führung und der Konzernmutter Lufthansa zu wenig. Lufthansa-Boss Christoph Franz hat der maroden Tochter mehrfach die Rute ins Fenster gestellt. Der Konzern werde Verluste bei der AUA auf Dauer nicht akzeptieren, sagte er und forderte „wettbewerbsfähige Strukturen“ ein. „Wir haben mit der lebenswichtigen Entscheidung die AUA von strukturellen Altlasten befreit“, sagte Albrecht. Und er wies darauf hin, dass sich für den Passagier nichts ändere: „Die AUA bleibt die AUA.“ Der offizielle Name der Tyrolean – Austrian Arrows – verschwindet.
Die AUA-Piloten, vor allen jene 338 mit einem KV-alt, wollen den Umstieg nicht hinnehmen. Wobei es nicht nur um die Verschlechterung beim Gehalt geht. Zwischen Wien und Innsbruck fliegen seit der Übernahme der einstigen Swarovski-Fluglinie im Jahr 1998 die Pfeile. So etwa wurde auf Druck der AUA-Piloten vor ein paar Jahren die sogenannte „Scope Clause“ in den AUA-KV geschrieben: Demnach dürfen Tyrolean-Piloten nur Flugzeuge bis zu 110 Sitzen fliegen. Diese Klausel fällt auch per 1. Juli. Inzwischen wickelt die Tyrolean fast jeden zweiten Flug der AUA-Gruppe ab. Weshalb die Tiroler monieren, dass sie für viel weniger Geld dieselbe Leistung erbringen.
Rechtsstreit programmiert
Etliche AUA-Piloten liebäugeln mit dem „Abflug“. 40 haben schon ihr Ausscheiden – inklusive voller Abfertigung – fixiert. In Summe könnten es bis zu 200 sein. Ein Chaos im Sommerverkehr, wie von Minhard befürchtet, erwartet die AUA nicht. Tyrolean-Kopiloten seien in Kurzarbeit, zudem würden Tyrolean-Piloten auf Airbus umgeschult.
Die AUA-Führung wird sich zudem auf Rechtsstreitigkeiten einstellen müssen. Bordbetriebsrat und Vida stützen sich auf ein Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei Freimüller/Obereder/Pilz & Partner, wonach „eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen nach der Kündigung des AUA- und Tyrolean-KV frühestens ein Jahr nach dem Betriebsübergang und nur mit Zustimmung der Mitarbeiter“ möglich sei. Die AUA beruft sich auf Rechtsanwalt Georg Schima, der meint, dass die AUA das Vorhaben ab 1. Juli durchziehen könne, sie müsse nur die Informationspflichten erfüllen. Am Montag informiert Minhard die Kollegen in einer Betriebsversammlung.

Städte-RankingWo die meisten Superreichen leben
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet

