19.06.2013 13:48 Merkliste 0

Flöttl-Anwalt bei Bawag-Prozess II: "Stimmt alles nicht"

25.04.2012 | 15:26 |   (DiePresse.com)

Bis Ende Juni stehen der ehemalige Investmentbanker Wolfgang Flöttl und sechs weitere Personen vor Gericht. Der Prozess hat begonnen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Fast fünf Jahre nach Beginn des ersten Bawag-Strafprozesses hat heute Mittwoch kurz nach 10 Uhr im Wiener Straflandesgericht die Neuauflage des Verfahrens begonnen. Sieben der neun Angeklagten des ersten Verfahrens stehen ab heute wieder vor Gericht. Das erstinstanzliche Urteil vom Juli 2008 von Richterin Claudia Bandion-Ortner war wegen formeller Mängel in erheblichen Teilen vom Obersten Gerichtshof (OGH) aufgehoben worden. Nun verhandelt Richter Christian Böhm, die Anklage wird von Staatsanwältin Sonja Herbst vertreten.

Der Saal 203 im Straflandesgericht füllte sich bis auf den letzten Platz. Der Hauptangeklagte im ersten Verfahren, Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner, ist diesmal lediglich wegen einer Subsidiaranklage der Bawag dabei. Neben Flöttl, Weninger und teilweise Elsner sind erneut die früheren Bankvorstände Christian Büttner, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker sowie Ex-Bankprüfer Robert Reiter angeklagt. Richter Böhm hat 20 Verhandlungstage angesetzt, der erste Prozess dauerte 117 Tage. Staatsanwältin Herbst, die schon im ersten Verfahren neben Staatsanwalt Georg Krakow tätig war, begann zu Verhandlungsbeginn mit ihrem Plädoyer. Die Personalien und Vermögensverhältnisse der Angeklagten wurden aufgenommen. Der in New York lebende Flöttl sagte, er besitze rund eine Million Euro "in liquiden Anlagen".

"Das stimmt alles nicht"

Der Anklagevorwurf lautet auf Untreue gegenüber der Bank. Die frühere Gewerkschaftsbank sei durch verlustreiche Spekulationen Flöttls mit Bawag-Geldern geschädigt worden, die Bankspitze soll dies vertuscht haben. Flöttl, Sohn von Elsners Vorgänger an der Bankspitze Walter Flöttl, weist die Vorwürfe zurück. Sein Mandant habe kein Geld gestohlen, und die Justiz habe das schon im ersten Verfahren genau geprüft, argumentierte sein Anwalt Herbert Eichenseder. "Das stimmt alles nicht". Die immer wieder auftauchenden Vorwürfe von Elsner gegenüber Flöttl, die auch von Medien aufgegriffen würden, seien haltlos. Flöttl selber saß während des Plädoyers seines Anwalts ruhig im Gerichtssaal.

Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft habe Flöttl im ersten Verfahren 10.000 Seiten vorgelegt, davon 6000 Seiten von der US-Bundesstaatsanwaltschaft, um zu beweisen dass er kein Geld genommen habe. "Da werden Sie nicht annehmen können, dass das alles gefälscht ist", meinte der Anwalt. Auch ein Gutachten vom "weltgrößten Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen" liege vor, sagte Eichenseder. (Das US-Unternehmen Arthur Andersen war im Gefolge des Enron-Konkurses 2002 wegen Behinderung der Justiz verurteilt und schließlich zerschlagen worden, Anm.).

Anwalt: Nach Bawag-Geldern wurde gesucht

Die Justiz habe sehr wohl nach den Bawag-Geldern gesucht, auch Flöttls Konten seien geöffnet worden. Die Gelder seien bei Großbanken veranlagt worden, dafür seien Unterlagen vorgelegt worden. Auch einen Computerabsturz habe es bei Flöttl nicht gegeben, sagte Eichenseder, stattdessen seien die Computer entsorgt worden. Im ersten Verfahren hatte ein Mitarbeiter Flöttls ausgesagt, dass durch einen Hardwarefehler bei Flöttls Firma Ross Capital Daten über die Geschäfte mit der Bawag verschwunden seien.

Elsner orte eine "Verschwörung" von Flöttl und anderen gegen ihn und vermute Geldflüsse aus Bawag-Geldern nach Österreich - was es aber alles nicht gebe, so Eichenseder, der seinerseits Vorwürfe gegen Elsner richtete. Dieser wechsle seine Anwälte immer wieder aus, wenn sie Fehler in Elsners Angaben entdeckten.

Elsner heute nicht vor Gericht

Elsner selber war heute nicht vor Gericht, weil das Verfahren gegen ihn nur tageweise ab nächsten Mittwoch geführt wird. Das Verfahren gegen Elsner wurde kurz vor Verhandlungsbeginn ausgeschieden, darum können auch seine Anwälte noch nicht das Wort ergreifen. Elsners Verteidiger Jürgen Stephan Mertens und Tassilo Wallentin sehen darin eine Einschränkung der Rechte der Verteidigung, wie sie am Rande des Verfahrens sagten.

Flöttls zweiter Anwalt Christian Hausmaninger führte aus, dass Flöttl nur mehr wegen zweier Fakten angeklagt sei: Wegen "Ophelia" mit 80 Millionen Dollar und "Capper" im Umfang von 17 Millionen Dollar. "Ophelia" wurde im ersten Verfahren als Betriebsmittelkredit der Bawag für Flöttls Gesellschaften dargestellt. Flöttl habe nicht wissen können, dass diese Gelder von der Bawag unrechtmäßig an ihn vergeben wurden. Ihm seien die erforderlichen Genehmigungen vorgelegen, argumentierte Hausmaninger.

"Schande der Justizgeschichte"

Die frühere rechte Hand von Elsner, Peter Nakowitz, sitzt ebenfalls wieder auf der Anklagebank. Sein Mandant habe wohl "den schwersten Rucksack bei diesem Familientreffen", meinte dessen Anwalt Carl Constantin Eschlböck in seinem Plädoyer. Nakowitz habe keine strafbare Handlung gesetzt, er habe nur beim ersten Prozess "die falsche Karte gezogen". Das Vorgehen der Justiz sei "eine Schande der Justizgeschichte", sein Mandant werde nun schon sieben Jahre lang "durch die Mühlen der Justiz gedreht", er habe seine Ersparnisse verloren und seine Existenz sei ruiniert. Nakowitz war in erster Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden, der OGH hatte das Urteil zum Teil aufgehoben, nun muss neu verhandelt werden.

Nakowitz werde der Untreue bei den Investments "Hapenny" und "Ophelia" bezichtigt, bei diesen angeblichen Straftaten hätte er aber höchstens "den Helden spielen, kündigen und alle anzeigen können", so der Anwalt. Dass Nakowitz dies unterlassen habe, sei aber nicht strafbar. Sein Mandant habe ohnehin in der Bawag damals nur eine "kaum wahrnehmbare" Rolle gespielt, stellte er den damaligen Bawag-Generalsekretär und späteren Vorstand nur als ausführendes Organ dar: "Wenn Sie von ihrem Bankbetreuer eine Überweisung wollen, erwarten Sie dass er es Ihnen verweigert?"

 

Elsner am 2. Mai erstmals vor Gericht

Ex-Bankchef Johann Zwettler ist rechtskräftig zu fünf Jahren Haft verurteilt und steht als einziger der ursprünglich neun Angeklagten nicht mehr vor Gericht. Er musste nicht ins Gefängnis, weil er aus gesundheitlichen Gründen haftunfähig ist. Elsner ist bereits rechtskräftig zu zehn Jahren Haft, zur Höchststrafe, verurteilt worden. Davon hatte er viereinhalb Jahre (inklusive Untersuchungshaft) abgesessen, bis er im Juli 2011 aus gesundheitlichen Gründen für haftunfähig erklärt wurde.

Elsner muss erst nächsten Mittwoch (2. Mai) vor Gericht erscheinen. Die Bawag will sich Elsners Pensionsabfindung zurückholen und erhofft sich durch ihr Vorgehen Unterstützung fürs Zivilverfahren. Nach Angaben seiner Anwälte unterzieht er sich heute einer medizinischen Untersuchung wegen Verdachts auf Tuberkulose.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

19 Kommentare
Gast: advo
26.04.2012 15:19
0 0

Geld verschwunden - alles Paletti

Wo sind die Milliarden hin? Die Leute lassen sich einige Jahre einsperren und genießen in der Folge ihr Leben.
Nach wie vor schleierhaft ist es wie soviel Geld spurlos verschwindet!!

Gast: Die Justiz heute ist korrupt
25.04.2012 17:38
0 0

Wolfgang Föttl ist aus dem Nichts heraus Milliardär geworden,

und hat, wie viele Investment-Banker seiner Kalibers, seine Position zum Stehlen in großem Stil verwendet. Wahrscheinlich nicht nur bei der BAWAG. Aber diese Leute kommen ja nicht in den Knast, sondern bekommen noch einen Orden.
Die Justz sucht sich nur eine paar kleinere Gauner bzw. Dummköpfe wie den Elsner.

Herr Verzetnitsch, Herr Tümpel, Frau Tümpel...

Wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen.

Sorry: Tumpel.

Wir freuen uns trotzdem.

Gast: odin C.
25.04.2012 17:08
2 0

Wenn ich, wie Herr Flöttl, über eine Milliarde Euro verschwinden lasse, sitze ich im Häfen!


Jeder andere auch. Wieso hat das eine ÖVP-Richterin nie interessiert.

Flöttel sagt einfach, er hat es verspekuliert und leider keine Unterlagen mehr.

Das ist schlicht ein sehr schlechter Witz !!!

Antworten Gast: Schlaubi
26.04.2012 15:24
0 0

Re: Wenn ich, wie Herr Flöttl, über eine Milliarde Euro verschwinden lasse, sitze ich im Häfen!

Wenn Sie soviel Geld verschwinden lassen könnnen haben Sie sicher einflussreiche Mittäter und bleiben straffrei.

Aber: Sie bekommen bei sehr kleinen Beträgen sehr grosse Probleme.

Antworten Gast: Pips
25.04.2012 18:13
0 0

Re: Wenn ich, wie Herr Flöttl, über eine Milliarde Euro verschwinden lasse, sitze ich im Häfen!

Das es die Richterin nicht interessiert hat ist auffällig, aber nicht alles hat mit der ÖVP zu tun. Die dort Angeklagten inklusive dem Flöttl-Sohn kommen allesamt aus der blutroten Ecke. Flöttl hatte sein Spielkapital weil er der "Bua vom Alten" war. Das war schon damals auch in anderen Banken vor Elsner Gesprächsthema. Nämlich wie Flöttl jun. in NY mit der "Marie" nur so herumhaute. Die entscheidende Weisung die Geschäfte dem "Buam" zukommen zu lassen, kamen vom Alten Flöttl. Der war in der Bawag allmächtig und trat wie der Eigentümer auf.

Gast: Kaufmann 1010
25.04.2012 17:05
0 0

Wo sind 1,3 Milliarden Euro geblieben????


Das ist doch die entscheidende Frage.

Aber genau diese Frage hat einst die selbstgefällige und später jämmerliche Justizministerin Claudia Bandion-Ortner nie interessiert.


Gast: Gerechtigkeit die Presse ist zu schwach
25.04.2012 16:47
3 0

Ich setze noch einen drauf

Flöttl weiß ganz genau wo die Milliarden sind.
Hier geht es nicht um Flöttl,,,,unsere Justiz ist nichts wert.
So,warum ist man diesem Geld nie nach gegangen? Wer hat so viel Macht?
Kein Mensch kann 1,2Milliarden einfach so verschwinden lassen. Auch nicht mit einem Computerschmäh. Hier muss man auch den Richtern und den Staatsanwalt zur Rechenschaft ziehen. Auch rückwirkend.

Wo ist unsere "unabhänige Presse"

Mir wird richtig kotzig.

Gast: freund?
25.04.2012 16:39
0 0

ENDE....







NIE !

Was nicht stimmt ist

daß Flöttl noch nicht Zellennachbar von Elsner geworden ist.

Die Eisenhauers

werden ihn wohl wieder heraushauen oder doch?

Datenspeicherung

Heutzutage werden die Daten, EDV-mäßig erfasst und gesichert und das bestimmt nicht nur auf einem PC!
Nebenbei müssen alle Schriftstücke eine bestimmte Zeit archiviert werden.
Bei diesen Beträgen ist das wahrscheinlich nicht mehr notwendig?
Flöttl hat alle Geschäfte mit dem Handy und dem Notebook abgewickelt!

Gast: einBeobachter
25.04.2012 14:44
1 0

"Das stimmt alles nicht"

Wenn Flöttl eh schon sagt, daß die Vorwürfe nicht stimmen, warum glaubt ihm denn keiner ? Der arme kränkt sich doch auch, wenn er ständig fälschlicherweise beschuldigt wird ... Er kann einem richtig leid tun, der "Ehrenmann".

Gast: b754
25.04.2012 13:41
0 1

es sollte vor allem die verbindung schüssel flöttl untersucht werden

es war schon immer das ziel von schüssel die gewerkschaft zu zerstören

Re: es sollte vor allem die verbindung schüssel flöttl untersucht werden

Genau, Schüssel war auch sicher verantwortlich für Personalbestellungen ala Hundstorfer. Also Leute die sogar zu d3bil sind um zu wissen was sie unterschreiben (Anwesenheitsliste vs. Streikfond).

Die Partei wird's schon richten.

Da geht keiner ins Häfn.

und wieder einmal:

wo ist (i.s.v. wer hat) das geld!?

das ist doch DIE frage in dieser causa!

2 0

Re: und wieder einmal:

das will man auch heute gar nicht herausfinden, denn da würden einige mehr auf der Anklagebank platznehmen müssen.

Wozu all der nicht billige Aufwand nach den Jahren überhaupt gut sein soll, wissen auch nur jene, welche damit von anderen dringlicheren Causen (Medienmissbrauch...) damit ablenken wollen !

Ausserdem sind allesamt unschuldig und niemand wird sitzen oder gar sonst bestraft werden ausser der Steuerzahler, welchem man mittels wohl bald kommender neuen Abgaben bzw Steuern noch mehr abverlangen will-

JobNavi3 Jobs auf

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

Hobbyökonom