ÖBB: „Sind noch längst nicht über den Berg“

26.04.2012 | 17:44 |   (Die Presse)

Die Staatsbahn hat ihren Umsatz erhöht und ihren Verlust reduziert. Doch die Bilanz ist nach wie vor tiefrot, die Verbindlichkeiten steigen rasant an. Für Firmenchef Christian Kern wird 2012 „ein Schlüsseljahr“.

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Wien/stef. Von einer „lebensbedrohlichen Situation“ sprach Christian Kern vor einem Jahr, als er einen Rekordverlust von 330 Mio. Euro für 2010 präsentierte. Zwölf Monate später weiß der Firmenchef ein „Bild der Genesung“ zu präsentieren. Der Patient, das sind die Österreichischen Bundesbahnen. Die Angehörigen, das sind alle Steuerzahler, weil die Republik Milliardenhaftungen übernommen hat. Vorbei ist das Zittern keineswegs: „Wir sind noch längst nicht über den Berg“, betont Kern. Man könnte sagen: Der Staatsbetrieb hat das Bewusstsein wiedererlangt, liegt aber immer noch auf der Intensivstation.

Die ÖBB haben 2011 wie erwartet einen Verlust vor Steuern von 28 Mio. Euro eingefahren. Ein direkter Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ist schwierig. Der Rekordverlust 2010 beruhte zum größten Teil auf einer einmaligen Abschreibung in Verbindung mit der ungarischen Güterverkehrstochter. Den Gewinn von 2009 wiederum verdankt das Unternehmen einem einmaligen Sondereffekt in Verbindung mit Neubewertungen von Derivaten.

Trotzdem ist eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr erkennbar. Der am Markt ohne Staatszuschüsse erwirtschaftete Umsatz (direkte Absatzleistungen) stieg um vier Prozent auf 2,75 Mrd. Euro. Die Personalkosten gingen von 2,41 Mrd. Euro auf 2,33 Mrd. Euro zurück. Die ÖBB rechtfertigen die hohen Personalkosten damit, dass der tatsächliche Umsatz höher als 2,75 Mrd. Euro sei, weil die Republik und die Länder bei der Bahn Leistungen bestellen und dafür kräftig in die Tasche greifen. Insgesamt unterstützten die Steuerzahler die Staatsbahn 2011 mit rund 2,1 Mrd. Euro. Nicht darin enthalten sind Zuschüsse für ÖBB-Pensionisten von mehr als 1,7 Mrd. Euro sowie übernommene Garantien.

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Investitionen: Tunnel statt Aschenbecher

Die Garantien der Steuerzahler sind es auch, die die ÖBB am Leben erhalten. Die Gesamtverbindlichkeiten betrugen per Ende 2011 knapp 21 Mrd. Euro (siehe Grafik). Finanzchef Josef Halbmayr geht davon aus, dass der Schuldenstand in den nächsten fünf Jahren um „jährlich 1,5 Mrd. Euro bis 1,8 Mrd. Euro“ anwachsen wird. Hauptgrund dafür sind Investitionen in das Schienennetz, unter anderem in die drei Tunnel durch Brenner, Koralpe und Semmering. Für Kern sind das „Entscheidungen der Politik“, ihn selbst plagen wegen der äußerst dünnen Kapitaldecke der ÖBB ganz andere Sorgen: „Schon eine Investition in neue Aschenbecher stellt uns vor immense Herausforderungen.“




Für heuer gibt sich der Unternehmenschef vorsichtig optimistisch: Wenn es in den Quartalen zwei bis vier ähnlich positiv wie im ersten Quartal laufe, sei ein Gewinn möglich – wenn nicht heuer, soll der „Turnaround“ jedenfalls 2013 geschafft werden. Dazu soll die Mitarbeiterzahl von 40.800 (ohne Lehrlinge) auf unter 40.000 reduziert werden.

Große Stücke setzt Kern auf die Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes in Wien, die für heuer geplant ist. Das erweiterte Schienennetz in Verbindung mit dem hohen Benzinpreis soll einen „deutlichen Passagierzuwachs“ bringen. 2011 beförderten die ÖBB auf der Schiene 209 Millionen Fahrgäste, ein leichtes Plus im Vergleich zu 2010.

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20 Kommentare
Gast: Gewerke
27.04.2012 17:40
0

die öbb werden auch nie über den berg kommen !

eigentlich ist ein bericht über die öbb in der rubrik wirtschaft schon ein frevel geschweige denn sie als wirtschaftsunternehmen zu bezeichnen! selbst wenn man die öbb heute privatisieren(=schuldenschnitt plus einer saftigen mitgift in bar) würde u. sie morgen gewinne schriebe ist die wettbewerbsverzerrung bis dato zu (riesen)gross um je von einem marktwirtschaftlichen unternehmen zu sprechen; heisst: dieser "verein" bleibt dem öst. nettozahler bis zu jüngsten tag,aber das scheint ja politisch korrekt zu sein in austria !!

Gast: Markus Trullus
27.04.2012 11:33
1

Fakten

Nochmal, zur Erinnerung: so einfach geht das Bashing hier nicht.
1. Investitionen. gut, aber vielleicht die falschen. Die Traumtunnels... wieviel Leut fahren nach Kärnten, die den Tunnel brauchen würden? Und die "EU Transversale" kann viel billiger über Ungarn laufen..
2. Fahrbetrieb. Wir wollen aus Gründen wie immer den vollen Nutzen des öffentlichen Verkehrs, auch bei Durchschnittsauslastung von unter 30%... dann müssen wir Steuerzahler zuschießen, da blieb auch in der CH keine andere Wahl. Oder keine BB!
3. Sozialleistungen. Da verkneiffe ich mir das HInhauen. Das ist... kaum zu argumentieren, aber SP- Gewerkschaftsusus....

Gast: Plach2
27.04.2012 11:13
2

Weiterhin versorgt die tiefrote ÖBB

SPÖ Parteigünstlinge lebenslang mit einem gut bezahlten und sicheren Job.

So nebenbei betreiben sie auch noch eine Bahn.
Die Kosten trägt wie immer bei solchen Betrieben der Steuerzahler.

Gast: Haallo?!
27.04.2012 09:49
1

Erst denken, dann schreiben

Bauaufträge kommen von der Politik und nicht von den ÖBB. Und was heist hier rote Genossen?! Die ÖBB zahlen im Durchschnitt weitaus weniger als in der Privatwirtschaft und die letzten unkündbaren Mitarbeiter wurden 1995 angestellt.

Turanround mit 900 Millionen Verlust + 21Mrd Schulden

Umsatz = 2,75ME, 3,8ME vom Steuerzahler (2,1 Zuschüsse + 1,7ME Pensionen)
= NEGATIVES ERGEBNIS 900 Millionen Euro

Die Gesamtverbindlichkeiten betrugen per Ende 2011 knapp 21 Mrd. Euro !!!

Neue Verbindlichkeiten = weitere ca 20 Mrd. Euro (Schienennetz + drei Tunnel durch Brenner, Koralpe und Semmering)

Gast: Stefan Grauermann
27.04.2012 09:02
1

Seltsam ...

... wie wollen sie denn ÜBER den Berg kommen, wenn sie ständig unnötige und teure Löcher DURCH den Berg graben?? Mit der Transportleistung?? mit dem Geld für den wahrlich unnötigen Koralmtunnel könnte man die Südbahn jenseits von Mürzzuschlag zur Luxus-Hochgeschwindigkeitsstrecke bis nach Kärnten ausbauen - dort ist es dann zumindest flacher ... Die Perversion des Konzeptes wird ja sichtbar, wenn man bedenkt, daß die Italiener mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug "Italo" über (!) den Brenner (!) und Salzburg (also mit dem schleppenden Deutschen Eck!) nach Wien fahren wollen.

seid ihr noch zu retten?

liebe presse, was fällt euch eigentlich ein, einen artikel zu bringen, wo die öbb nicht schrecklich dargestellt wird?
nehmt ihr denn überhaupt keine rücksicht mehr auf euer forum? worüber soll geschimpft und gesudert und gejammert werden, wenn ihr so eine harmlose vorlage liefert? manche poster sind schon völlig verzweifelt!

also reisst euch am riemen und bringt in zukunft nur noch beiträge, wo das foren-volk so richtig schön in rage kommen kann. das seid ihr euren lesern schuldig!

Re: seid ihr noch zu retten?

da scheinen sie aber in der Minderheit zu sein, lieber Ein Keks General...denn selbst im linken Standard wird die ÖBB zerrissen wie nie...könnhjte es also sein daß sie einer Täuschung unterliegen und der rote Endsieg doch nicht kommt?

Gast: bahnfahrer
27.04.2012 06:31
5

Wenn man die Baulobby mit Milliarden sponsern muß

kann man keine Gewinne schreiben. Das sollte sowohl den Journalisten, wie auch Ministerin Bures bekannt sein.

"weil die Republik und die Länder bei der Bahn Leistungen bestellen und dafür kräftig in die Tasche greifen"

Was genau sind das für Leistungen? Ich vermute mal, so eine Leistung wird darin bestehen mit einem Zug von A nach B zu fahren. Also quasi artfremdes Verhalten, aus Sicht der ÖBB.

Im ernst, was Herr Kern da anspricht hat das Zeug zum politischen Megagau, auch wenn es so harmlos daher kommt.

Natürlich handelt es sich hierbei um Subventionen. Mit dem Zug zu fahren um damit Personen zu transportieren ist keine Leistung per se, die unabhängig von der Personenbeförderung selbst zu sehen wäre. Die Personenbeförderung ist vielmehr die einzige Leistung, und diese wird eben subventioniert.

Nun werden aber diese Subventionen als Leistungsentgelte verbucht, die direkt zur Wirtschaftsleistung gerechnet werden können. Als Subventionen würden sie das BIP dagegen reduzieren. Es macht also volkswirtschaftlich einen entscheidenden Unterschied.

Verbucht man 3 Mrd Subventionen als Leistungsentgelte, dann fällt das BIP um 6 Mrd höher aus. So einfach geht das.

Re: "weil die Republik und die Länder bei der Bahn Leistungen bestellen und dafür kräftig in die Tasche greifen"

Würde die öffentliche Hand keine Leistungen bestellen, würde das Schienennetz auf die Hochleistungsstrecken beschränkt sein und die ÖBB Gewinnen machen ...

Nicht übern Berg aber teure Tunnel graben..... Toll!


so wenig!

oder sind da schon die zig milliarden an subventionen die die steuerzahler berappen schon dabei?

ueber den berg waer ja noch kein problem, oder um den berg herum

aber die wollen immer gleich durch den berg - was zigfach mehr kostet ...

Korrektur: Der hilflose Steuerzahler ist nicht über den Berg

das ist die Wahrheit.

Aschenbecher? Bei der ÖBB? Seltsam, sehr seltsam...


Gast: ghostwriter1
26.04.2012 21:11
1

können Sie sich schon wieder ausruhen

wenn die RCA´ler das vernehmen - werden sie bestimmt wieder die Arme verschränken - denn ein Verständnis für Kundendienst und Anforderungen an ein Modernes Dienstleistungsunternehmen haben die nicht - aber ist ja egal - zahlt alles jeder einzelne Österreicher

Gast: UKW
26.04.2012 20:44
8

Rote Versorgungsstadel

Dieser Moloch diente jetzt und in der Vergangenheit nur dazu, zigtausenden roten Genossen bei der Bahn einen gut bezahlten und unkündbaren Job zu verschaffen.

Wenn die Genossen das hören, dass dank jährlicher Milliardengeschenke der Steuerzahler der Verlust verringert werden konnte, ist gleich eine außertourliche Gehaltserhöhung fällig.

aber tunnels bauen wollen..

ÖBB ein zig-milliardengrab auf ewig :((

Re: aber tunnels bauen wollen..

... die Politik, nicht die ÖBB. (was jetzt keine Bewertung darstellt.)
wann trennt man endlich Infrastruktur mit Betrieb, sodass dies auch für nicht Kenner ersichtlich ist?

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