Arbeitsmarkt: Junge Ausländer verdrängen alte Ausländer

07.05.2012 | 17:38 |   (Die Presse)

Die Zuwanderer aus den neuen EU-Staaten nehmen den Österreichern keine Jobs weg, sagen Experten. Sondern ihren älteren Landsleuten. Die Arbeitsmarktöffnung gen Osten bringt dem Fiskus 350 Millionen Euro.

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Wien/hie. Etwa 26.000 neue Arbeitskräfte aus acht „neuen“ EU-Ländern sind seit der Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011 nach Österreich gekommen. Von einer Massenzuwanderung, wie sie manche befürchtet haben, also keine Spur. Auch das Gerangel um Arbeitsplätze ist so gut wie ausgeblieben – zumindest zwischen Österreichern und Zuzüglern. Wenn, dann würden die neuen Zuwanderer nämlich jene „verdrängen“, die schon länger in Österreich seien. „Der tüchtigere junge Ungar verdrängt den, der schon länger hier ist“, fasste es Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), am gestrigen Montag zusammen.

Auf die Arbeitslosigkeit in Österreich habe sich die Ostöffnung kaum bis gar nicht ausgewirkt, so Kopf: Die Quote sei um 0,08 Prozent höher, als sie sonst ausgefallen wäre. Dafür gebe es mehrere Gründe. Zum einen den Liberalisierungseffekt: 2000 bis 3000 Ausländer, die bis dahin schwarz in Österreich gearbeitet hätten, sind mit der Öffnung in ein legales Dienstverhältnis übergegangen. Zum anderen wurden Stellen, für die bis dahin niemand gefunden werden konnte, mit Zuzüglern besetzt – vor allem in Landwirtschaft, Gastronomie, Tourismus und auf dem Bau. Das zusätzliche Angebot an Arbeitskräften habe letztlich auch zu mehr Arbeitsangebot geführt.

Zu Spitzenzeiten 50.000 Personen

Ende März waren 26.800 Menschen aus den acht EU-Ländern (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien und der Slowakei) in Österreich beschäftigt. Prognosen hatten den Zustrom auf etwa 25.000 geschätzt. Zwischenzeitlich waren es auch schon mehr als 50.000 Personen, so Kopf. Ein großer Teil davon habe aber nur vorübergehend hier gearbeitet, um etwa Spitzen im Tourismus abzudecken. Dem österreichischen Fiskus habe die Öffnung 350 Mio. Euro Mehreinnahmen an Steuern und Sozialabgaben gebracht, so Kopf.

Laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) soll im Laufe dieser oder nächster Woche die Liste der „Mangelberufe“ vorliegen – jene Berufe, für die im Rahmen der Rot-Weiß-Rot-Card qualifizierte Ausländer nach Österreich zuwandern dürfen. Hundstorfer wertet die österreichische Strategie, den österreichischen Arbeitsmarkt im Rahmen der erlaubten Übergangsfristen erst später zu öffnen, als Erfolg: Die schrittweise Öffnung sei die richtige Vorgehensweise gewesen. „Der österreichische Arbeitsmarkt hat das gut aufgenommen.“

Auch für die zwei jüngsten EU-Mitglieder, Rumänien und Bulgarien, schöpft Österreich die Übergangsfristen aus: EU-Bürger aus den beiden Ländern dürfen erst ab 2014 in Österreich arbeiten.



Sehr zum Missfallen der Industrie. „Die Freude darüber, dass es kaum einen messbaren Effekt der Ostöffnung auf Österreichs Arbeitsmarkt gibt, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung. Der Fachkräftemangel in den heimischen Industriebetrieben sei nach wie vor deutlich spürbar. Viele Fachkräfte seien schon vor Jahren in andere EU-Staaten gewandert. „Österreich sollte eine viel offensivere Anwerbepolitik verfolgen“, so Neumayer.

40 Prozent pendeln

15 Prozent aller unselbstständig Beschäftigen in Österreich kommen aus dem Ausland (siehe Grafik), drei Prozent aus den acht EU-Ländern, für die der Arbeitsmarkt seit 2011 offen ist. Von den „neuen“ Arbeitskräften haben sich allerdings nur 60 Prozent auch in Österreich niedergelassen, 40 Prozent pendeln. In Regionen nahe der Grenze ist der Pendleranteil noch höher: Im Burgenland beträgt er 88 Prozent.

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10 Kommentare
Gast: Free
08.05.2012 16:17
4 0

Die Zuwanderer aus den neuen EU-Staaten nehmen den Österreichern keine Jobs weg, sagen Experten.

Der Euro ist eine sichere und harte Währung, sagten die Experten....

Gast: L.W.
08.05.2012 15:04
4 0

Ah so ?

Neusprech:
„Der tüchtigere junge Ungar verdrängt den, der schon länger hier ist“

Klartext:
Der billigere, kräftigere Junge ersetzt den abgerackerten, teureren Alten.

Und dann noch die ungläubige Feststellung:
"Viele Fachkräfte seien schon vor Jahren in andere EU-Staaten gewandert"

Na so was ? Wo es doch hier so toll ist und wir alle sooo viel verdienen und auch fast keine Steuern zahlen und überhaupt, Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt...

Überlegt euch lieber einmal WARUM die Qualifizierten abgewandert sind !!! Dort liegt der Hund begraben. Ich bereue heute noch, dass ich steuerlich erst 2010 und nicht schon 1998, wie es theoretisch möglich gewesen wäre.

Ich zahle hier bei mehr 50% Einkommen um 40% weniger Steuern als in AT, bin um knapp € 1.000 kranken- und rentenversichert (statt € 1.600 monatlich an die SVA ohne Gegenleistung abzudrücken).

Aber Ursachen haben hierzulande noch nie jemanden interessiert. Hauptsache die Unternehmen, speziell die Ausbeuterbranche Bau, können wieder fest "Hände ringen".

Zum Kotzen, diese Verlogenheit. Echt.

Gast: jagenauhaha
08.05.2012 13:54
3 0

was

für jobs ?

stütze abholen und herumlungern in wettcaffes?

good bye wohlstand

Gast: storyy
08.05.2012 12:48
2 0

schrecklich

wir leben in Zeiten wo man Arbeiter zahlen muss.
-Auch Pension gehört dazu.

Gast: makarone
08.05.2012 12:10
0 0

solo

die gut integrierte haben zb 30 Jahrelang in topf eingezahlt.
und haben zb Ö pass. also gleiche rechte.

Na super!!!

Dafür haben wir jetzt die Alten Ausländer da - die gut integrierten - die wir weiter erhalten dürfen.

Naja, zumindest haben sich viele in ihren Heimatländern schöne Häuser hin gestellt.

Gast: Fanz55
07.05.2012 22:23
3 1

Woher kommt dann die Rekordarbeitslosigkeit?

Dafür gibt es wiederum 1.000 ander Gründe....

0 0

Re: Woher kommt dann die Rekordarbeitslosigkeit?

Lohndumping und moderner Skavenhandel mittels Personalleasing das ist dass Programm.
Wo blieb der Protest der Sozialisten/Gewerkschaften gegen Unternehmen die durch die Vermittlung von billig Arbeitskräften Kasse machen ????
Die Kunst der Politik ist es die Menschen ruhigzustellen zu unterhalten zu trachen das sie genausoviel haben um zu überleben und die Selbstachtung zu erhalten damit sie ja nicht zum denken beginnen.
Und das beherrschen die Politiker seit min.35 Jahren perfekt.

Antworten Antworten Gast: smart
08.05.2012 15:57
0 0

Re: Re: Woher kommt dann die Rekordarbeitslosigkeit?

Bravo Bravo super erkannt gut geschrieben!!!!

Gast: freund?
07.05.2012 21:29
4 0

schönschreib



schönschreib, dann gibts auch wieder förderung...

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