Wifo: Erholung der Wirtschaft eine "sehr zähe Sache"

15.05.2012 | 09:08 |   (DiePresse.com)

Nach zwei stagnierenden Quartalen stieg das BIP zu Jahresbeginn um 0,2 Prozent real gegen das Vorquartal. Es gäbe aber noch viele Unsicherheiten.

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Österreichs Wirtschaft hat zu Jahresbeginn eine seit Sommer herrschende Stagnation überwunden und ist leicht gewachsen. Im ersten Vierteljahr stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsabstand real um 0,2 Prozent. Davor gab es zwei Quartale mit einem Nullwachstum, aber keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung, wie aus der Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) von Dienstag hervorgeht. Zuletzt, im März, war das Wifo noch von einem leichten BIP-Rückgang um 0,1 Prozent im 4. Quartal ausgegangen.

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Die weitere Erholung in den kommenden Monaten und Quartalen wird nach Ansicht des Wifo-Experten Marcus Scheiblecker aber "eine sehr zähe Sache". "Friktionsfrei wie ursprünglich angenommen geht es nicht hinauf", meinte der Fachmann und verwies dazu auf "die schlechten News, die täglich hereinkommen", etwa zu Griechenland oder anderen Euro-Schuldenproblemländern wie Spanien und Italien. Ein Scheitern des griechischen Sanierungsweges wäre "desaströs für den gesamten Euroraum", meinte der Wifo-Experte.

Es bestehe noch keine ausreichende Sicherheit, um die heimische BIP-Prognose für heuer nach oben zu setzen in Richtung 0,8 Prozent Wachstum, wovon die EU-Kommission in ihrer jüngsten Prognose für Österreich ausgeht.

Wachstum von drei Prozent im Jahr 2011

Leicht positive Impulse für die heimische Wirtschaft lieferte im Zeitraum Jänner bis März per Saldo der Außenhandel. Der Export nahm mit real +0,7 Prozent zwar nur sehr verhalten zu, doch war die Dynamik etwas stärker als beim Import (+0,5 Prozent). Letztlich trugen aber sämtliche Nachfrageaggregate zum mäßigen BIP-Wachstum im 1. Quartal bei, so das Wifo.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhte sich das BIP zu Jahresbeginn real um 1,9 Prozent, nach 0,8 Prozent Plus im letzten Vierteljahr 2011. Davor hatte die Wirtschaftsleistung allerdings mit 2,4 Prozent im 3. Quartal bzw. 4,1 Prozent im 2. Quartal noch kräftiger zugelegt. Im Gesamtjahr 2011 wuchs das heimische BIP laut Wifo real doch nur um 3,0 Prozent und nicht um 3,1 Prozent, hat die nun durchgeführte Revision ergeben.

Das Wifo geht auch davon aus, dass der Aufschwung in Europa nur langsam vonstatten gehen dürfte und die Lage fragil bleibt. "Wichtig ist die Richtung, und da sehen wir doch eine sanfte Besserung", so Scheiblecker. Wichtig sei der Verlauf des kommenden Jahres 2013, für das zwar vom Wifo "optimistische 1,4 Prozent" BIP-Plus prognostiziert seien, doch liege eine solche Rate noch immer deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. 

 

(APA)

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4 Kommentare
Gast: Baur4
15.05.2012 18:03
0

War das nicht zu erwarten?

Frühere Regierungen investierten die Mrd. im eigenen Land und schufen damit Wohlstand und Arbeitsplätze.

Jetzt schicken wir sie zu den Banken nach Greichenland. Die Griechen selber sehen davon keinen Cent!

Als Ergebnis: Sowohl die Griechen als auch die Geberländer haben eine Rekordarbeitslosigkeit.
Da stimmt doch etwas nicht!!!


Die Krise ist noch lange nicht vorüber sondern bisher nur mit Steuergeld zugedeckt worden

Wenn die maroden Staaten umfallen, was aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung ein nahezu sicheres Ereignis ist, dann kommen auf die übrigen Staaten enorme Belastungen zu, die große Löcher in den Budgets verursachen werden und die durch höhere Steuern bzw. Ausgabenkürzungen abgedeckt werden müssen, womit ganz Europa schneller in einer Rezession ist als man heute glaubt.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen... ublik.html


Gast: 1. Parteiloser
15.05.2012 13:57
1

Woher kommt das Wachstum?

In die BIP Berechnung gehen ja die staatlichen Dienstleistungen zu Kosten rein ohne die Leistung auch nur annähernd zu berücksichtigen. Das BIP von Ö, weil es eine Staatsausgabenquote von 52% gibt, das ist also zu 52% von den Staatsausgaben dominiert.

Was passiert also 2012:
http://www.bmf.gv.at/budget/budgets/2012/bfg/budget_onesheet_2012_de.pdf

Nur der Bund schraubt sein Ausgaben um 4,9% (ca. 3,5 Mrd. Euro) nach oben, die vielen Gebührenerhöhungen von den Gemeinden kommen dann noch dazu, auch die Schuldenerhöhungen in den ausgliederten Bereichen, weil diese als Leistung im Rahmen des BIP anerkannt werden. Auch der Korruptionsschaden geht voll als Leistung in die BIP Berechnung ein. Es kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass dieser auch 2012 weiter steigen wird. In Summe wird es sich um eine Summe handeln, welche wahrscheinlich weit über 10 Mrd. Euro (=ca. 3% vom BIP) liegen wird. Bei einer offiziellen Teuerungsrate haben wir da schon etwa 1 % an Wirtschaftswachstum, welches aber in Wirklichkeit nur ein Kostenwachstum ist.

Zusätzlich geschönt wird diese Darstellung, seit Jahrzehnten, weil die Teuerungsrate hedonisch berechnet wird. Da war jedes Jahr eine Lüge von 2-4% vorhanden, wird auch 2012 wieder zur Wirkung kommen.

Die Realität sind aber auch 2012 wieder fallende Realeinkommen, sinkenden Sparquoten, also eine Reduktion des Lebensstandards wegen fehlender nutzbarer volkswirtschaftlicher Leistungen.

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