Treichl an Aktionäre: „Das tut mir wirklich leid“

15.05.2012 | 18:20 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Nach Dividendenausfall und Rekordverlust zürnen Kleinaktionäre der Erste-Bank-Führung. Vor allem der im vergangenen Herbst erfolgte „Bilanzputz“ sorgte für Kritik.

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Wien. „Ich bin froh, dass 2011 vorbei ist“, sagte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl am Dienstag bei der Hauptversammlung des Instituts. Im Vorjahr hatte Österreichs führende Bank mit 719 Mio. Euro den größten Verlust in der fast 200-jährigen Geschichte erwirtschaftet. Der Kurs der Erste-Bank-Aktie stürzte ab (siehe Grafik). Der Bonus für den Vorstand wurde gestrichen. Und die Aktionäre bekommen keine Dividende ausbezahlt. „Das tut mir wirklich leid. Das bringt Ihnen nichts. Aber Sie wissen es wenigstens“, so Treichl zu den 800 Investoren, die in das Wiener „Austria Center“ gekommen waren.

Vor allem der im vergangenen Herbst erfolgte „Bilanzputz“ sorgte für Kritik. Damals wertete die Bank sogenannte „Kreditausfallversicherungen“ (CDS) ab. Dabei handelt es sich um Wertpapiere, mit denen sich institutionelle Investoren (wie Banken und Versicherungen) bei der Erste Bank gegen eine Pleite von Staaten und anderen Finanzkonzernen absicherten.

Im Gegenzug erhielt das Institut eine Prämie. Die Erste Bank hatte vorübergehend solche CDS von 5,2 Mrd. Euro als „außerbilanzielle Position“ gehalten, in Finanzkreisen spricht man von „Off-Balance-Geschäften“. Durch die Abwertung entstand ein Verlust von 180 Mio. Euro.

 

„Schwören Sie dem Sündenfall ab“

Der für unangenehme Anfragen bekannte Aktionär Rupert-Heinrich Staller verglich das CDS-Abenteuer der Ersten mit den Spekulationsgeschäften der Bawag in der Karibik und mit der Kommunalkredit. Treichl und das Management hätten den guten Namen des Instituts zu Markte getragen. „Wir Aktionäre wollen an einer Sparkasse beteiligt sein und nicht an einem Hedgefonds.“ Schließlich habe Treichl in der Vergangenheit stets erklärt, dass er sich auf das klassische Kerngeschäft einer Bank – das Spar- und Kreditgeschäft – konzentriere.

Inzwischen hat die Erste Bank fast ihr gesamtes CDS-Portfolio verkauft. Staller verlangte vom Vorstand das Versprechen, nie wieder solche Geschäfte einzugehen: „Schwören Sie dem Sündenfall ab.“

Treichl wies Parallelen mit der Bawag und der Kommunalkredit zurück. Auch Vorwürfe, die umstrittenen CDS-Positionen in der Vergangenheit verheimlicht zu haben, bestreitet er. Seinen Angaben zufolge werde die Bank CDS „nicht mehr als Kreditsurrogate“ (eine bestimmte Finanzierungsform) machen: „Das verspreche ich.“ Es sei aber möglich, dass solche Wertpapiere im Rahmen des normalen Risikomanagements eingesetzt werden.

(c) DiePresse

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Rumänien und Ungarn als Baustellen

Neben den CDS gab es bei der Hauptversammlung Diskussionen über die Probleme in Rumänien und in Ungarn. Ein Aktionär befürchtete, dass sich die Bukarester Tochter „Banca Comerciala Romana“ (BCR) zum „Fass ohne Boden“ entwickeln könnte.

Die Erste Bank hatte Rumäniens Marktführer vor der Finanzkrise im Jahr 2006 für 3,75 Mrd. Euro erworben. Seitdem musste die BCR in mehreren Wellen abgewertet werden. Bei der Hauptversammlung wurde der aktuelle Firmenwert mit 1,1 Mrd. Euro und der Markenwert mit 300 Mio. Euro angegeben. Im ersten Quartal 2012 verbuchte die Rumänien-Tochter einen Verlust von 72,2 Mio. Euro, das Volumen der Problemkredite am gesamten Kreditvolumen kletterte auf 20 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich sind es acht Prozent.

Treichls Angaben zufolge werde alles unternommen, um die BCR auf Vordermann zu bringen. Jüngst wurden Teile des Führungsteams ausgewechselt. Er, so Treichl, sei überzeugt, dass die BCR bald so viel Freude machen werde wie die Töchter in Tschechien und in der Slowakei, die seit Jahren hohe Gewinne erzielen.

 

Erste hält an Osteuropa-Strategie fest

Eine Baustelle im Konzern ist auch die Ungarn-Tochter. „Was in Ungarn passiert ist, hat meine Vorstellungskraft gesprengt“, so der Bankchef. Neben einer Sondersteuer zwang die Regierung in Budapest die Institute, Fremdwährungskredite zu einem günstigeren Kurs umzutauschen. Für die Verluste daraus müssen die Banken aufkommen. Die Ungarn-Tochter der Ersten wird vermutlich erst 2014 wieder Gewinne abwerfen.

Trotz der Schwierigkeiten hält Treichl an der Osteuropa-Strategie fest. Denn die Länder im Osten des Kontinents werden in den nächsten Jahren ein höheres Wachstum aufweisen als im Westen. Viele Analysten teilen diese Einschätzung. Laut „Bloomberg“ gibt es für die Aktie 20 „Kauf“-Empfehlungen. Sieben Experten empfehlen, das Papier zu halten. Nur einer rät, die Aktie zu verkaufen. Und Treichl denkt schon über weitere Expansionsschritte nach: Langfristig will er auch nach Polen und Bulgarien gehen.

Offen ist noch, wann die Erste Bank die im Zuge der Finanzkrise erhaltene Staatshilfe in Höhe von 1,2 Mrd. Euro zurückzahlen wird. Dafür erhält der Bund acht Prozent Zinsen pro Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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172 Kommentare
 
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Ergänzung

ich möchte noch etwas zum Thema Unzufriedenheit der Aktinoäre hinzufügen. Die kann bei weitem nicht so gross sein, denn insgesamt haben am Dienstag 11.142 Stimmen (22 Aktionäre) gegen die Entlastung des Vorstands gestimmt - und damit nicht nur weit weniger als 1% des vertretenen Kapitals, sondern auch weniger als 2010.

Gast: Societyfreak
17.05.2012 20:41
0

Würden ihn die Verluste echt leid tun, wäre er zurückgetreten


Re: Würden ihn die Verluste echt leid tun, wäre er zurückgetreten

dann würden ihm alle vorwerfen sich aus der affäre zu ziehen. ich finde es gut, dass er auch in schwierigen zeiten mit der sitaution auseinander setzt. so wird nach lösungen gesucht. das finde ich einen guten weg. besser als alles stehen und liegen zun lassen.

Gast: Party-Bankster: nur Spott & Hohn für die Malochenden, Ausgebeuteten
17.05.2012 19:38
0

Und wir bezahlen die gehypte Tüchtigkeit und die blasierten Schönwetterfloskeln des Palaisbesitzers mit weiteren Sparpaketen:

Kein Geld für Unis, Begabtenförderung, Gesundheit, Pflege der Alten, Pensionen…nur Tristesse für die im Hamsterrad Gefangenen.

Darüber thronen nicht zimperliche Superreiche und ein Vertreter der sog. Robber Barons der Wallstreet: http://www.erstegroup.com/de/Ueber-uns/Management/Aufsichtsrat für deren Profitinteressen wir Steuerzahler und Kleinaktionäre bluten müssen.

Mir graust vor dieser menschenverachtend von unten nach oben verteilenden ÖVP-Fungesellschaft.

Gast: Ist Treichl 100 x gescheiter als WU-Doktoren? …da 100 x höheres Partybank(st)ersalär...
17.05.2012 17:08
1

Zu fordern wären Negativbonus und Vermögenseinzug bei Negativ"erfolg" zur Abschreckung

Mit einem schnoddrigen "tut mir leid" übergeht der hauptberufliche Salonlöwe, durch dessen angebliche Managementqualifikation (nichteinmal ein Doktorat spricht Bände!) innerhalb nur eines einzigen Jahres - trotz massiver Stützung durch den Steuerzahler - der Aktienkurs halbiert wurde, die Halbierung des eingesetzten Vermögens der Kleinaktionäre, vielfach seiner Kunden. Als Draufgäbe null Dividende für die Kleinen für ihr hart erarbeitetes Geld, während Treichl als Verlustverursacher wie selbstverständlich weiterhin Millionen abkassiert und zig Millionen seinen Freunden im System zuschanzt, damit sie ihn am Futtertrog halten. So sieht der egomanische, gewissenlose Managementstil eines kleinaktionäreverachtenden Raiders aus. Typisch, daß dieser RobberBaron einst Kassier bei der von unten hinaufverteilenden ÖVP war,die ich ob solcher allen Anstand verloren habender Parteifreunde gewiß nie mehr wählen werde.

Hätte Treichl ein Minimum an Anstand, müßte er aufgrund der gelieferten Resultate endlich zurücktreten. Stattdessen grinst er höhnisch-arrogant seinen schwer geschädigten Kleinaktionären insGesicht.

Seine Verlustbegründungen sind lächerlich, da simpel zu zerpflücken, und daher ein Faustschlag ins Gesicht seiner Kleinaktionäre und letztlich des ihn stützen müssenden Steuerzahlers. Bankenwissen im Detail war noch nie seine Stärke.Besser wäre er Model geworden.

In den USA wäre er schon lange gefeuert.

Das mindeste wäre daher ein Negativbonus+Vermögenseinzug zur Abschreckung.

Antworten Gast: irresösterreich
18.05.2012 20:38
1

Re: Zu fordern wären Negativbonus und Vermögenseinzug bei Negativ"erfolg" zur Abschreckung

vorweg, ich gehöre keiner partei an und mir ist sowas grundsätzlich wurscht. aber wenn ich so was lese wird mir übel. die selbsternannten robin hoods und pseudo neidhammel-anitkapitalisten wie sie können einem sowas von auf die nerven gehen. erste und raiffeisen sind wohl die 2 einzigen vernünftigen großbanken in ö mit guten managern. warum reden sie denn nicht von millaredendebakeln von kommunalkredit wo die spö ministerin schmied im vorstand war? was ist mit bawag die vom ögb zu grunde gerichet wurde? was ist mit konsum und atomic die wiederum spö-parteipolitisch motiviert in den konkurs gerieben wurden? die rote öbb die uns steuerzahlern milliarden kostet. immer sinds nur die bösen neoliberalen banker, jaja. aber wenn man sich den roten topfen in österreich anschaut wird einem schlecht. sich als spö jetzt hinzustellen und alles was mit geld und schulden zu tun hat als pfui zu deklariere und so zu tun als ob man selbst ne weiße weste hätte ist echt zum kotzen. aber irgendwie funktioniert da die verschleierungstaktik ganz gut. staatsschulden machen hat die spö in 70ern erfunden und österreich diese verschuldung beschert. nicht zu vergessen. und der hc kassiert jetzt die stimmen von den müden wählern, traurig.

Re: Zu fordern wären Negativbonus und Vermögenseinzug bei Negativ"erfolg" zur Abschreckung

Können wir bei dieser Diskussion die Kirche mal im Dorf lassen. Faktoren wie Dividendenausfall, schlechte Aktienkurs usw. sind Dinge, die bei den Aktionären berechtigterweise zu Unzufriedenheit führen. Es fehlt vielen Anlegernd jedoch das Verständnis für das Engagement, das dem Vorstand einiges an Reputation gekostet hat.

Gast: Objektiv
17.05.2012 16:50
1

Gewinne von 6,6 Mrd. Euro versus 700 Mio. Verlust

Eine Anmerkung zum sicherlich bedauerlichen Jahresverlust 2011 von 720 Mio. Euro:

Die Erste Bank hat seit dem Börsegang 1997 Gewinne von insgesamt 6,6 Mrd. Euro gemacht.

Bei aller Kritik an Treichl sollte das nicht übersehen werden.
Auch dafür zeichnet er verantwortlich!

Sollte sich sein "Leidtun" nicht in einem Rücktritt....

...unter Verzicht auf alle künftigen Ansprüche ausdrücken? Der Mann ist doch völlig indiskutabel; nachdem er rd. 800 Mio. Gewinn für 2011 prognostiziert hat hat er 29 Tage(!) später die gleiche Zahl mit einem Minus davor angekündigt. Für meinen Geschmack ist das einfach unverzeihlich und zeugt von der (ohnehin bekannten) Inkompetenz dieses Politgünstlings.

Der europäische Schutzmechanismus ist nicht anderes

als ein riesiger CDS - nur dass es keine Prämien gibt dafür.
Die Politiker müssten persönlich haften.

Danke @Ganymed3!

Sie haben das auf das absolut Essentielle, bzw den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen.

nur:

"Die WAHRHEIT IST DEN MENSCHEN NICHT ZUZUMUTEN"

Hilfe für Bedürftige statt für Banken

Während SPÖ-ÖVP den Banken Milliarden Euro nachwerfen, will die EU-Austrittspartei mit Steuergeld nur bedürftige Menschen in Österreich unterstützen. Kein Steuergeld für Banken, Parteien, und EU !

Gast: hambone
16.05.2012 21:35
0

hallo Freund

Du warst und bist leider eine tragische Figur.

Gast: Heinz Möstl
16.05.2012 20:00
5

Bandoleros

es wäre alles etwas einfacher und gerechter wenn man diese Bankster voll zur Verantwortung ziehen könnte
uzw. mit ihrem ganzem PRIVATVERMÖGEN

und
Tagesthema: bitte noch ein paar gesunde Watschen als Draufgabe
danke
p.s diese Bank hat mir innerhalb eines Jahres 7000 verzockt(sichere veranlagung nennt man das)

Gast: M. Wolf
16.05.2012 18:47
3

"Aber Sie wissen es wenigstens"

Eine Traichl ist auch bloss eine
Kuhglocke einfacher Machart.

War das nicht einmal der Kassier dieser

Voll-Peinlichen Partei...

schön wie das immer zusammenhängt.

nonsense


mal ganz ehrlich. verstaatlichung würde wohl auch niemanden zufrieden stellen. mir wäre nicht aufgefallen, dass die leute mit der kommunalkredit glücklich sind. die erste zahlt zb ja auch staatshilfe zurück, 8 prozent soweit mir bekannt. also bitte nicht so tun als würde hier nichts getan.

das Fachwissen der Banker wird oft maßlos überschätzt

Treichl, Scharinger, Konrad leben/lebten von der Show, der Arbeit einiger Fachleute in den Abteilungen und viel Glück.

Im Grunde hätte man auch eine Putzfrau an ihre Stelle setzen können. Das Ergebnis wäre vermutlich nicht schlechter.

Re: das Fachwissen der Banker wird oft maßlos überschätzt

nicht zu vergessen die Investitionen in Politiker/Lobbyisten

Gast: cockroachs
16.05.2012 17:18
4

„Das tut mir wirklich leid“

sagen die leistungsträger unserer spezies
um ihre opfer dezent zu ''verarschen''.

Re: „Das tut mir wirklich leid“

Opfer sind die "Unternehmer", die ihrem Chef gezwungen haben, eine Osteuropastrategie zu fahren, und die vor den Käufen auch gefragt wurden.

Also gierige Anleger, die einfach das letzte aus einem Unternehmen rauspressen wollen und das schnelle Geld, ohne Aufwand gesehen haben.

Gast: joseph
16.05.2012 16:43
2

watschen

von seinem vater haette treichl jun. dafuer sicher einige heftige watschen bekommen.

Antworten Gast: Argesauge
16.05.2012 19:38
1

Re: watschen

Bitte!
das heißt jetzt tetschn'


weg mit dem

eingebildeten egozentrischen Schnösel

Antworten Gast: strelnikov
17.05.2012 15:31
0

Re: weg mit dem

Treichl, Stepic, Randa: das Trio Infernal der österr. Bankenszene.

Gast: Analyst 829
16.05.2012 15:54
13

In Japan und GB wäre Teichl längst weg

In Japan und Großbritannien hätten die Aktionäre Treichl längst rausgeworfen. Ein CEO der das Unternehmen allein durch seinen Gehalt und persönlichen Schnickschnack wie Pensionsrücklagen und diverses ihm persönlich zugeteiltes Personal grob geschätze 7,5 Mio. pro Jahr kostet, wird allein wegen der hohen Kosten von den Aktionären entsorgt.

Treichl wäre in Japan und Großbritannien gar nicht mehr die Chance gegeben worden etwa 800 Millionen Verlust zu bauen und auch noch Kunden zu vergrämen, die Geld bringen und im Osten Milliarden zu verzocken.

Treichl betrachtet die Erste Bank als sein Spielzeug, das er für sich nutzen kann. Treichl optimiert nur seinen persönlichen Nutzen, nicht aber jenen der Bank, sonst würde er ja freiwillig abtreten.

Aber das Problem bei der Erste Bank ist, dass sie den großteil ihrer Aktien selbst über Töchter hält und die natürlich so Stimmen müssen, dass Treichl zum Schaden des Unternehmens bleibt. Der nochmals dutzende Millionen teure Filz mit dem sich Treichl zu seinem Schutz zwecks persönlicher Bereicherung auf Kosten der Aktiionäre umgeben hat, erhält Treichl seinen CEO-Posten.

"Nur" 2,3 Mrd. Euro plus Zinsen habe man in Rumänien liegen lassen, will man Aktionären einreden. Die Wahrheit sieht anders aus. Für die BCR zahlt niemand 1,4 Mrd.

Treichl hat die Erste Bank ruiniert und ich kann nur jedem Sparer raten darauf zu bestehen, dass Zinsen seiner Einlage "Made in Austria, Germay, Swiss oder Japan" sein müssen, sonst ist das Kapital gefährdet!

 
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