AUA: Belegschaft will verhandeln

15.05.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Der Bordbetriebsrat versucht mit einem neuen Angebot den Betriebsübergang auf Tyrolean zu vermeiden. Aus Vorstandssicht sei es dafür zu spät. „Worüber sollen wir verhandeln?“, ließ Albrecht ausrichten.

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Wien/Eid. Die Flugroute ist vorgegeben, alle Daten sind in den Bordcomputer eingegeben worden, die Maschine rollt bereits los – und mitten im Startvorgang versucht die Crew den Kurs zu ändern. So muss man sich den Versuch des AUA-Bordbetriebsrats vorstellen, den von der Führung der AUA und deren Mutter Lufthansa schon beschlossenen – und bereits laufenden – Betriebsübergang auf die Regionaltochter Tyrolean noch zu stoppen. „Unser Sanierungsweg ist besser, er bietet Rechtssicherheit und bringt jährliche Einsparungen von 40 Mio. Euro plus einmalig 230 Mio. Euro aus der Auflösung von Pensions- und Abfertigungsrücklagen“, sagte Bordbetriebsratschef Karl Minhard am Dienstag. Das Bordpersonal würde dabei auf 28Prozent Gehalt verzichten.

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Minhard will wieder verhandeln und pocht auf die hohe Zustimmung bei der bis Montag laufenden Abstimmung von 96,4Prozent. Für AUA-Boss Jaan Albrecht gibt es hingegen kein Zurück. Das von Minhard wieder ins Spiel gebrachte nachjustierte Paket sei um 60 Mio. Euro teurer als das ursprüngliche. Der Betriebsrat habe die vom Management angebotene einmalige Abschlagszahlung von 320.000 Euro für Kapitäne und 190.000 Euro für Kopiloten auf 450.000 bzw. 290.000 geschraubt. „Das können wir uns nicht leisten“, sagte AUA-Sprecher Peter Thier zur „Presse“. Dagegen argumentiert Minhard, dass die Abschlagszahlung 45Prozent der von den Mitarbeitern gesammelten Gesamtansprüche von 350 Mio. Euro ausmache. Die AUA könne somit 230 Mio. Euro Rückstellungen in Eigenkapital umwandeln.

 

Malanik geht, Ambühl kommt

Für Albrecht ist der „point of no return“ hingegen schon vor zwei Wochen erreicht worden, als die betroffenen Mitarbeiter über den ab 1.Juli geltenden Betriebsübergang per Brief in Kenntnis gesetzt worden sind. „Worüber sollen wir verhandeln?“, ließ Albrecht über Thier ausrichten. Gerne führe man mit dem Betriebsrat Gespräche über einen neuen Konzern-Kollektivvertrag (KV) – oder auch die praktische Vorgangsweise beim Betriebsübergang. Außerdem baut Albrecht die AUA-Führung schon entsprechend um. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Peter Malaniks Vorstandsvertrag, der Ende des Jahres ausläuft nicht mehr verlängert wird. Auch Tyrolean-Chef Christian Fitz soll gehen. Neuer Chef des gebündelten Flugbetriebs wird der ehemalige Swiss-Vorstand Gaudenz Ambühl, der zuletzt schon die AUA beraten hat.

Der Betriebsübergang auf die Tyrolean würde bis zu 280 Mio. Euro kosten und „keinen Cent bringen“, argumentiert Minhard. Seine Annahme basiert darauf, dass bis zu 200 AUA-Piloten und hunderte Flugbegleiter den Weg nach Tirol ablehnen und von ihrem Kündigungsrecht – unter Wahrung der Abfertigung – Gebrauch machen. Deshalb drohe, wie Minhard wieder betonte, ein Chaos im Sommerverkehr. Um dies zu vermeiden, müsse die AUA Crews von Swiss und Lufthansa anmieten. Bisher sind 43 Piloten gegangen, 60 Flugbegleiter planen es. Minhard selbst liebäugelt auch mit dem Abgang. „Ich möchte der AUA treu bleiben, behalte mir aber das Recht vor, zu gehen.“ Dahinter könnte nicht nur persönlicher Frust stehen: Mit dem Betriebsübergang ist der AUA-Bordbetriebsrat überflüssig, es wird nur eine Belegschaftsvertretung geben.

Die Airline-Führung sieht den drohenden Massenexodus nicht: Die zahlreichen Meldungen von freiwilligen Piloten, die für die kranken Kollegen am Wochenende eingesprungen seien, hätten schon gezeigt, dass keineswegs alle Piloten den Betriebsübergang ablehnten, heißt es bei der AUA.

Einen Streik wird es laut Minhard nicht geben – eine Klagswelle sehr wohl. Der Betriebsrat hat zwei Klagen beim Gericht Korneuburg eingebracht. Dabei geht es um die Frage, welchem Regelwerk die Beschäftigten unterliegen, nachdem der AUA-KV (vom Vorstand) und der Tyrolean-KV (von der Gewerkschaft Vida) gekündigt worden sind. Roland Gerlach, Anwalt des Bordbetriebsrates, ist der Meinung, dass der AUA-KV auch nach dem Betriebsübergang nachwirkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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167 Kommentare
 
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Millionäre als Speerspitze im ÖGB

Jetzt haben offensichtlich die AUA-Piloten die Stafette von den Eisenbahnern übernommen, die immer wieder dadurch negativ auffielen, dass sie ihre Forderungen ohne Rücksicht auf gesamtstaatliche Interessen brutal durchdrückten.
Lange Jahre waren die ÖBB die Spielwiese der Eisenbahner Gewerkschaft. Nicht sie waren für die ÖBB und deren Kunden da, sondern die ÖBB mussten als Melkkühe für die Eisenbahner herhalten, um deren ausgefallensten Gehaltswünsche zu befriedigen.
Das Diktat der leeren Kassen und die aufkommende Konkurrenz der Privaten erzwangen dort jedoch einen Gesinnungswandel.
Die Funktion, Speerspitze innerhalb des ÖGB zu sein, übernahm nun die Gewerkschaft des fliegenden Personals der AUA. Ohne auf das wirtschaftliche Umfeld ihres Unternehmens zu achten, fordern sie auf Biegen und Brechen für ihre Schutzbefohlenen, was denen nur ihrer Meinung nach zusteht.
Diese Betonierer seien aber daran erinnert, dass es der österreichische Steuerzahler war, der 500 Millionen Euro zuschießen musste, dass sich weltweit überhaupt jemand fand, der bereit war, die AUA zu übernehmen, weil sie schon damals selbst zu schwach war, ihr wirtschaftliches Überleben sicherzustellen. Zu teuer waren schon damals die Piloten und das übrige Bord-Personal.
Trotzdem sägen sie heute schon wieder emsig am Ast, auf dem sie sitzen, ohne zu bedenken, dass sich der Steuerzahler wahrscheinlich kein zweites Mal in die Taschen greifen lässt, um die AUA als Teil der österreichischen Identität zu retten.


Gast: egi
16.05.2012 19:35
3

Was erlaubt sich diese LH, die soll zahlen und basta!

Nach diesem Gewerkschaftskrieg, die AUA einfach meiden wo es geht, ab in den Konkurs! Der Lufthansa geht es danach sicher besser.
Und Gewerkschaftsfunktionären und deren Mitläufern geht es auch besser, müssen nicht mehr zur dieser schrecklichen, krankmachenden Arbeit gehen, können sich sinnvollerem zuwenden. Außerdem, sind sie ja auf der sicheren Seite, und brauchen keine Angst ums eigene Fortkommen haben, weil ihre rote Partei wird es schon irgendwie richten, diesmal sogar ohne Arbeit, - wäre gelacht wenn es nicht so wäre, schließlich sind sie ja im g´mütlichen Wien und nicht irgendwo, danach schon gar nicht bei der LH, - was glauben die eigentlich, wen sie vor sich haben.

Gast: Nehmt den Fallschirm
16.05.2012 17:43
4

Game over, arrogantes AUA-Kapitäne

Ihr gehörtet FRISTlos entlassen. Ich wünsche Euch zudem, dass ihr dann keine Anstellung mehr findet. Und ihr werdet keine finden, denn welche Fluglinie ist so bescheuert und nimmt sich ein so geldgieriges und hochnäsiges Personal.

Re: Game over, arrogantes AUA-Kapitäne

Suchen sie sich ein Hobby, aber bloß keine Frau, sie sollten ein einmaliges Erlebnis für die Menschheit bleiben!

Antworten Gast: Quax
16.05.2012 19:51
2

Re: Game over, arrogantes AUA-Kapitäne

Diese Dillos glauben, daß sie durch die Absolvierung eines Pilotenkurses auch Intelligenz und Bildung erworben haben. Leider hat es zu nicht mehr als einer Karriere als Pilot oder Gewerkschaftsfunktionär gereicht.
In die heutigen Jets kann man (beinahe) einen angelernten Affen vorne hinsetzen....

Re: Re: Game over, arrogantes AUA-Kapitäne

so einen wie Sie etwa?

Falsch!

Dafür sind in vielen Managementbereichen ihre tierischen Freunde vertreten.

500 Mio. plus OEBB + Laenderverwaltungen an die Schweiz verschenken !!


Die gleiche schamlose Selbstbedienungshaltung, ugenannt "wohlerworbene Rechte" !!

KINDER-Auspluenderungsprogramm, unSozialpartnerschaftlich sanktioniert !!

Gast: AU weh, AUA
16.05.2012 17:39
6

Nicht verhandlen, sondern Konkurs anmelden und die Arbeitsverweigerer

fristlos entlassen. Sie verdienen 150.000 Euro im Jahr und glauben, sie können durch nicht "fit to fly" noch erpressen.
Das reicht.
Man braucht die AUA nicht, und es gibt genug Fluglinien, die Wien anfliegen.

Re: Nicht verhandlen, sondern Konkurs anmelden und die Arbeitsverweigerer

Was wirklich wertlos ist, das ist ihr neidzerfressener und von Unwahrheit strotzender Beitrag!

Re: Nicht verhandlen, sondern Konkurs anmelden und die Arbeitsverweigerer

man braucht auch ihre postings nicht

Gast: gast tzzzt
16.05.2012 15:43
4

Als nächstes die ÖBB sanieren!


Die letzten Reste der AUA sind bald Geschichte, es kann uns also wurscht sein, was dort noch geschieht. Gewerkschaft und Betriebsrat haben jahrzehntelang geglaubt, sie sind die Unternehmenskaiser, und jetzt plötzlich ist alles anders! Schon alles irgendwie absehbar, aber nicht für die Gewerkschaft und den Betriebsrat! Deshalb gibt es auch kein Mitleid in der Bevölkerung.

Viel wichtiger wäre es jetzt, die ÖBB zu sanieren. Dort herrscht ja die gleiche Art von Unternehmenskultur, mit dem einzigen Unterschied, dass dort immer noch Milliarden an Steuergeldern zur Defizitabdeckung verschleudert werden.

Kann man vielleicht die SNCF fragen? oder die DBB? Oder die Schweizer Bahn? Mit ein paar Milliarden Euro als Geschenk müßte die ÖBB doch an den Mann zu bringen sein, oder?

Wer nimmt sie uns ab und saniert so unser Budget? Wer, bitte?

dumm, dümmer, Betriebsrat

jede Belegschaft bekommt die Vertreter, die sie verdient.
Früher wars halt so, wenn der Beitriebsrat (Gewerkschaft) Probleme mit dem Management hatte sind sie zur Politik gerennt und haben mit Streik gewachelt. Darauf ist die Politik in die Knie gegangen und schon muss man einen bankrotten Betrieb 400 Mio hinten nachwerfen, damit der Kranich einsteigt.
UND JETZT:
Bumstinazl es gibt keine Politik mehr, die man erpressen kann... und wer hats noch nicht mitbekommen? die KollegInnen vom Betriebsrat.. ein schönes Beispiel für FREMDSCHÄMEN

Re: dumm, dümmer, Betriebsrat

Nachdenken und Informieren hilft auch bei ihren Schmerzen!

Re: dumm, dümmer, Betriebsrat

Das musst du dem Neugebauer sagen. Der schert sich wenig um die Firma Österreich. Betriebsrat ist nicht zwingend Gewerkschaft

Re: Re: dumm, dümmer, Betriebsrat

in dem Fall aber schon, weil der Winkler von der VIDA den KV der Tyrolean gekündigt hat....

klassischer fall von culture clash...

wenn man in deutschland sagt 'der point of no return' ist erreicht, dann meint man das so. in österreich hat man - pragmatischerweise - immer ein hintertürchen offen.

not judging - beides hat vor- und nachteile - just saying....

blöd, dass man das der belegschaft der aua nicht vorher gesagt hat...

Antworten Gast: Frontschwein (pic)
16.05.2012 15:46
3

Re: klassischer fall von culture clash...

In Österreich kommt beim Hintertürchen meist Steuergeld herein, verschwiegen natürlich, damit der hier neidzerfressen und hasserfüllt postende Steuerzahler nichts bemerkt und daher die Klappe hält, was ja auch seine Bürgepflicht zu sein scheint.
(Ups, da hat sich doch ein Germanismus engeschlichen, aber Go_schen klingt ja vielzu brutal.)

Gast: 1. Parteiloser
16.05.2012 13:13
14

Das Kernproblem!

Die Piloten wollen deren "Rechte" mit allen Mitteln einfordern. Dazu stellen die Piloten die Forderungen ans Unternehmen. Ein Unternehmen, welches laufed gewaltige Verluste erwirtschaftet. Es sind also Forderungen an eine Stelle gerichtet, welche die Forderungen gar nicht erfüllen kann.

Genauso kann der Staat eine Forderung an einen Obdachlosen über 1 Mio. Euro erheben. Der Staat wird das Geld niemals eintreiben können. Wenn der Staat aber seine Wirtschaftsgebarung auf die theor. vorhandene Forderung aufbaut, dann wird der Staat ein gewaltiges Problem bekommen.

Die gesamte Luftfahrtbranche ist unter einem gewaltigen Druck, weil es schon ein riesiges Überangebot gibt. Weil es heute aber ein freier Markt ist, so werden nur die stärkeren Marktteilnehmer überleben, die schwächeren Marktteilnehmer werden durch Insolvenzen vom Markt genommen werden. Insolvenzen genau dafür vorgesehen und ermöglichen die notwendigen Korrekturen in einem freien Markt, also die Heilung von Fehlentwicklungen.

Die AUA ist aber so schwach, dass diese den Reinigungsprozess niemals überleben könnte. Das ginge nur, wenn die LH die AUA durchfüttert. Das wird die LH aber nicht machen (können), weil die LH ja selber einen Sanierungsbedarf hat. Strategisch gesehen wäre es nur logisch, wenn die LH samt deren Tochterunternehmen, die Aufgaben der AUA übernimmt und die AUA zur Marktbereinigung verwendet.

Das Kernproblem ist also, dass die Forderungen nicht erwirtschaftet werden können.

Re: Das Kernproblem!

Das echte Kernproblem ist, das kaum jemand hier eine Ahnung hat aber jede Menge Meinung zu Arbeitnehmern die besser verdienen, zumimndest glaubt die Masse das, oder?
Strategische Vorschläge für eine LH Führung die gerade Alles umzukrempeln versucht um die Aktionäre zufrieden zu stellen? Die wiederum nicht so dumm sind zu sehen welche Risiken eingegangen werden, v. A. weil man im Dienstleistungsgewerbe nicht immer nur aufs Personal hinschlagen kann ohne Schiffbruch zu erleiden!

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
17.05.2012 11:17
0

Re: Re: Das Kernproblem!

Ihrer Meinung nach sind also die Aktionäre alleine Schuld, weil diese die min. 5 Mio. Euro pro Monat zur Finanzierung Ihrer vermeintlichen Rechte nicht mehr weiter machen wollen?

Dieses Hinschlagen der Aktionäre auf das Personal des Dienstleistungsgewerbe ist ein hohes Risiko und wird zum Schiffbruch des Dienstleistungsunternehmen führen?

Sie haben den vollen Durchblick und wirklich die volle Ahnung!

Dieses Hinschlagen der Aktionäre auf das Personal

Lesen sie eigentlich Beiträge bevor sie sie kommentieren?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
17.05.2012 19:03
0

Re: Dieses Hinschlagen der Aktionäre auf das Personal

Ja, ich haben Deinen Kommentar gelesen. Es war klar zu erkennen, dass Du jede Kritik am Verhalten der Piloten für Neid hälts und die Aktionäre und das Mangement für die Verantwortlichen hälts.

Ja, ich habe die im Prinzip äußerst primitiven Darstellungen Deines Kommentares (Deiner Kommentare) durchaus erkennen können.

Kannst Du erkennen, welcher Mensch Du eigentlich bist?

Re: Re: Dieses Hinschlagen der Aktionäre auf das Personal

Noch einmal langsam zum Mitdenken: "Lesen sie eigentlich Beiträge bevor sie sie kommentieren?"

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
18.05.2012 07:28
1

Re: Re: Re: Dieses Hinschlagen der Aktionäre auf das Personal

Als es darum ging den Sinn der Texte zu erfassen, da ist Ihm die Schallplatte hängen geblieben.

Selber im kranken Bewusstsein alleine Kenntnis zu haben und. Im arachischen Denken der Gewerkschaften der 60er gefangen, da kann so was schon passieren.

Lesen brauchst den Kommentar aber nicht, weil Du es in diesem Leben wahrscheinlich nicht verstehen kannst.

wenn ich das hier so lese...

... glaube ich zu meinen, dass es auch den ÖBB bald an den Kragen geht. Als Vorfeldorganisation der Roten ist sie derzeit noch geschützt. aber auch hier werden sie es übertreiben und dann wird privatisiert..

 
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