AUA: Belegschaft will verhandeln

Der Bordbetriebsrat versucht mit einem neuen Angebot den Betriebsübergang auf Tyrolean zu vermeiden. Aus Vorstandssicht sei es dafür zu spät. „Worüber sollen wir verhandeln?“, ließ Albrecht ausrichten.

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(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Wien/Eid. Die Flugroute ist vorgegeben, alle Daten sind in den Bordcomputer eingegeben worden, die Maschine rollt bereits los – und mitten im Startvorgang versucht die Crew den Kurs zu ändern. So muss man sich den Versuch des AUA-Bordbetriebsrats vorstellen, den von der Führung der AUA und deren Mutter Lufthansa schon beschlossenen – und bereits laufenden – Betriebsübergang auf die Regionaltochter Tyrolean noch zu stoppen. „Unser Sanierungsweg ist besser, er bietet Rechtssicherheit und bringt jährliche Einsparungen von 40 Mio. Euro plus einmalig 230 Mio. Euro aus der Auflösung von Pensions- und Abfertigungsrücklagen“, sagte Bordbetriebsratschef Karl Minhard am Dienstag. Das Bordpersonal würde dabei auf 28Prozent Gehalt verzichten.

Minhard will wieder verhandeln und pocht auf die hohe Zustimmung bei der bis Montag laufenden Abstimmung von 96,4Prozent. Für AUA-Boss Jaan Albrecht gibt es hingegen kein Zurück. Das von Minhard wieder ins Spiel gebrachte nachjustierte Paket sei um 60 Mio. Euro teurer als das ursprüngliche. Der Betriebsrat habe die vom Management angebotene einmalige Abschlagszahlung von 320.000 Euro für Kapitäne und 190.000 Euro für Kopiloten auf 450.000 bzw. 290.000 geschraubt. „Das können wir uns nicht leisten“, sagte AUA-Sprecher Peter Thier zur „Presse“. Dagegen argumentiert Minhard, dass die Abschlagszahlung 45Prozent der von den Mitarbeitern gesammelten Gesamtansprüche von 350 Mio. Euro ausmache. Die AUA könne somit 230 Mio. Euro Rückstellungen in Eigenkapital umwandeln.

 

Malanik geht, Ambühl kommt

Für Albrecht ist der „point of no return“ hingegen schon vor zwei Wochen erreicht worden, als die betroffenen Mitarbeiter über den ab 1.Juli geltenden Betriebsübergang per Brief in Kenntnis gesetzt worden sind. „Worüber sollen wir verhandeln?“, ließ Albrecht über Thier ausrichten. Gerne führe man mit dem Betriebsrat Gespräche über einen neuen Konzern-Kollektivvertrag (KV) – oder auch die praktische Vorgangsweise beim Betriebsübergang. Außerdem baut Albrecht die AUA-Führung schon entsprechend um. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Peter Malaniks Vorstandsvertrag, der Ende des Jahres ausläuft nicht mehr verlängert wird. Auch Tyrolean-Chef Christian Fitz soll gehen. Neuer Chef des gebündelten Flugbetriebs wird der ehemalige Swiss-Vorstand Gaudenz Ambühl, der zuletzt schon die AUA beraten hat.

Der Betriebsübergang auf die Tyrolean würde bis zu 280 Mio. Euro kosten und „keinen Cent bringen“, argumentiert Minhard. Seine Annahme basiert darauf, dass bis zu 200 AUA-Piloten und hunderte Flugbegleiter den Weg nach Tirol ablehnen und von ihrem Kündigungsrecht – unter Wahrung der Abfertigung – Gebrauch machen. Deshalb drohe, wie Minhard wieder betonte, ein Chaos im Sommerverkehr. Um dies zu vermeiden, müsse die AUA Crews von Swiss und Lufthansa anmieten. Bisher sind 43 Piloten gegangen, 60 Flugbegleiter planen es. Minhard selbst liebäugelt auch mit dem Abgang. „Ich möchte der AUA treu bleiben, behalte mir aber das Recht vor, zu gehen.“ Dahinter könnte nicht nur persönlicher Frust stehen: Mit dem Betriebsübergang ist der AUA-Bordbetriebsrat überflüssig, es wird nur eine Belegschaftsvertretung geben.

Die Airline-Führung sieht den drohenden Massenexodus nicht: Die zahlreichen Meldungen von freiwilligen Piloten, die für die kranken Kollegen am Wochenende eingesprungen seien, hätten schon gezeigt, dass keineswegs alle Piloten den Betriebsübergang ablehnten, heißt es bei der AUA.

Einen Streik wird es laut Minhard nicht geben – eine Klagswelle sehr wohl. Der Betriebsrat hat zwei Klagen beim Gericht Korneuburg eingebracht. Dabei geht es um die Frage, welchem Regelwerk die Beschäftigten unterliegen, nachdem der AUA-KV (vom Vorstand) und der Tyrolean-KV (von der Gewerkschaft Vida) gekündigt worden sind. Roland Gerlach, Anwalt des Bordbetriebsrates, ist der Meinung, dass der AUA-KV auch nach dem Betriebsübergang nachwirkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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