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Kärntner Hypo-Prozess: Haftstrafen für alle Angeklagten

24.05.2012 | 14:11 |   (DiePresse.com)

Alle vier Angeklagten legten gegen die Urteile Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Für die Richterin war der Sachverhalt von Anfang an unstrittig.

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Mit mehrjährigen Haftstrafen für alle vier Angeklagten ist am Donnerstag am Kärntner Landesgericht der Hypo-Prozess um einen Vorzugsaktiendeal aus dem Jahr 2004 zu Ende gegangen. Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer erhielt 3,5 Jahre, sein damaliger Stellvertreter Günter Striedinger vier Jahre. Steuerberater Hermann Gabriel und Rechtsanwalt Gerhard Kucher, die beim Deal federführend waren, wurden zu 4,5 bzw. vier Jahren Haft verurteilt. Alle Anwälte legten sofort Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein.

Die Angeklagten wurden wegen Untreue verurteilt, die Schadenssumme wird mit knapp 5,5 Millionen Euro beziffert. Bei der Strafbemessung kam Kulterer deshalb am niedrigsten weg, weil, so Richterin Sabine Roßmann, er der einzige war, bei dem nachweislich kein Mittelzufluss in seinem Nahbereich zu registrieren gewesen sei. Der Schöffensenat sah es als erwiesen an, dass hier Umgehungskonstruktionen vorgenommen worden waren, um die wahren Geldflüsse zu verschleiern. Auch der Tatvorsatz steht für die Richterin außer Frage. Kulterer und Striedinger seien langjährige Bankmitarbeiter, Kucher und Gabriel Experten: "Daher kann ich Ihnen eine andere Ausgangsposition unterstellen." Es sei ja nicht über irgendein Thema geredet worden, sondern über die Eigenmittelknappheit der Bank.

Vorgangsweise in Liechtenstein entscheidend

Die gesamte Vorgangsweise sei sehr fragwürdig gewesen, meinte Roßmann in der Urteilsbegründung. "Wenn man weiß, man darf keine Nebenabreden treffen und schon vorher mit den Investoren Absprachen trifft, Vorbereitungen mit der Hypo Liechtenstein für die Finanzierung macht, dann war das ganz klar vorbereitet." Bei der Vorgangsweise in Liechtenstein habe man ganz bewusst zahlreiche Vorschriften umgangen. Und bei kritischen Fragen der Wirtschaftsprüfer habe man sich dann hinter dem Liechtensteinischen Bankgeheimnis versteckt.

   Die ständigen Attacken der Verteidiger gegen den Sachverständigen wies Roßmann als irrelevant zurück. Die Anwälte hatten moniert, der Experte sei nicht für Fragen des Bankwesengesetzes zertifiziert, sondern Wirtschaftsprüfer. Die Richterin erklärte, die Frage der Eigenmittel der Bank werde bei der Bilanzlegung ebenfalls von Wirtschaftsprüfern geklärt.

Fluchtartig Saal verlassen

Die Plädoyers von Staatsanwalt Robert Riffel und den vier Anwälten Michael Rohregger (Kucher), Norbert Wess (Striedinger), Ferdinand Lanker (Kulterer) und Mathias Preuschl (Gabriel) unterschieden sich am letzten Tag nicht wesentlich von den Eröffnungsstatements. Riffel beschrieb die Umgehungsgeschäfte, die Verteidiger die Rechtmäßigkeit der gewählten Konstruktion, es handle sich um "hochkomplexe Rechtsfragen". Letztere betonten zudem, andere Banken würden auf ähnliche Weise Eigenmittel lukrieren, was die Richterin gar nicht beeindruckte. Wenn jemand anders in einer Tempo-100-Zone 130 fahre, dürfe man das deshalb ebenso wenig tun.

Nach der Urteilsverkündung und -begründung verließen die erstinstanzlich Verurteilten und ihre Anwälte fluchtartig den Gerichtssaal. Von der bisher großen Bereitschaft, Interviews zu geben, war plötzlich nichts mehr zu bemerken. Bei der Hypo wollte man die Urteile nicht kommentieren. Man nehme sie zur Kenntnis und treibe die Aufarbeitung der Vergangenheit weiter voran, hieß es.

Auswirkungen könnte das Urteil allerdings auf einen in Wien laufenden Zivilprozess haben. Darin klagt die Hypo bei Kulterer, Striedinger, Ex-Hypo-Leasingvorstand Josef Kircher und anderen insgesamt 48 Millionen Euro ein, und zwar genau wegen des Vorzugsaktiendeals 2004. Die erste Verhandlung hat Ende Jänner stattgefunden, Richter Oliver Götsch äußerte damals "Bedenken gegen die Schlüssigkeit der Klage". Am 3. Juli soll es am Handelsgericht Wien weitergehen.

Bank um 5,49 Millionen Euro geschädigt

In dem heute zu Ende gegangenen Verfahren ging es um einen Vorzugsaktien-Deal im Jahr 2004, bei dem die Angeklagten laut Staatsanwalt die Bank wissentlich um 5,49 Millionen Euro geschädigt haben sollen. Die Hypo hatte 2004 Aktien der Hypo-Leasing aufgelegt, die dafür eingesammelten Millionen wurden in der Bankbilanz als Eigenkapital ausgewiesen. Die Anklagebehörde wirft den Managern nun vor, "unter Missbrauch ihrer Befugnisse und unter Verletzung der Eigenmittelvorschriften des österreichischen Bankwesengesetzes" elf liechtensteinischen Anstalten Kredite der Hypo Alpe-Adria (Liechtenstein) AG im Betrag von 5,15 Millionen Euro verschafft haben. Dieses Geld soll dann über eine weitere Bank in Liechtenstein an die BC Holding AG weitertransferiert worden sein, und zwar "zum Zweck des verschleierten Erwerbs von Vorzugsaktien".

(APA)

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108 Kommentare
 
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Antworten Gast: Jörg Warrer
24.05.2012 17:13
1 0

Die Kommunalkredit

war und bleibt eine VP-Bank.

Antworten Gast: zensuriert doch mal wen anderen
24.05.2012 16:45
3 1

Re: 4 Jahre Haft für 5,5 Millionen Euro

was logisch ist. denn jemand der steuern zahlt wählt sowieso nicht rot.

Gast: SGast
24.05.2012 15:42
5 2

BM Schmied ist die Nächste!

Die Schmied ist schon ganz blaß - jetzt haben die wenigen Sachverständigen für sie und ihre intelligenten Produkte (Aussage Schmied) sprich Kreditausfallswetten für Griechenland, Portugal, Spanien ... welche sie steuerschonend via Zypern agbewickelt hat, Zeit.

Endlich reagierte

die Justiz gegen diese blau-orange Bankenbande!!!!!!

Re: Endlich reagierte

Ma schon wieder einer, der so tut, als ob solche Geschichten sich nur auf ein oder zwei Parteien erstrecken würden.

Gast: verkehrteWelt
24.05.2012 15:18
3 6

Leben vs. Geld

Mein Rechtsempfinden sagt mir, dass hier etwas nicht stimmt: 3 bzw. 4 Jahre unbedingt für ein Finanzstrafrechtsdelikt... ich stelle die spezial- und generalpräventive Wirkung dieses Urteils in Frage, weil die Verurteilten ohnehin geschäftlich nicht mehr Fuß fassen können und vermutlich finanziell ruiniert sind, was als Strafe ausreicht, finde ich. Vor allem vor dem Hintergrund, und das klingt jetzt populistisch, dass es hierzulande immer wieder vorkommt, dass verurteilte Sexualstraftäter frei kommen (siehe Fall in Wr.Neustadt, "Haftunfähigkeit wegen Klaustrophobie") oder Täter, die tödliche Fahrerflucht begehen mit 720 Euro Geldstrafe (!!!) (siehe Fall aus 2010, Fahrerflucht in Strobl am Wolfgangsee) davon kommen. Die körperliche Integrität und das menschliche Leben sollten wohl besser geschützt sein als "der schnöde Mammon"...

Antworten Gast: hahahallo
24.05.2012 15:59
6 0

Re: Leben vs. Geld

ich wage zu bezweifeln, dass diese Leute (sollten sie ohne haftstrafe davon kommen) geschäftlich nicht mehr fuss fassen.

in diesem beziehungsreigen haben die schneller einen gut bezahlten posten (ohne vielleicht dafür qualifiziert zu sein) als unsereins schauen kann.

beispiele für die freunderlwirtschaft gibts ja zu hauf (zB pröll und konsorten)

Antworten Antworten Gast: 43er
24.05.2012 17:12
1 1

Aber geh. Schauen Sie sich die vielen anderen verurteilten kriminellen

FPÖler an. Denen geht es durch die Bank bestens!

Antworten Antworten Gast: verkehrteWelt
24.05.2012 16:26
1 1

Re: Re: Leben vs. Geld

Ich sag ja nicht, dass Rechtsbruch GAR NICHT bestraft werden soll. Wir - d.h. unser Rechtssystem, das wir ja alle tragen - sind ja der Meinung, dass staatliche Strafen kein Racheakt sein dürfen (was in diesem Forum den postings zufolge aber anders gesehen wird) sondern in einem angemessenem Verhältnis zum Unrechtsgehalt der Tat general- und spezialpräventive Wirkung entfalten sollten. HIER ABER FEHLT DAS VERHÄLTNIS! Eine Reform des österreichen Strafgesetzbuches in Hinblick auf die Straffolgen für 1. Delikte gegen Leib und Leben und 2. gegen das Vermögen ist LÄNGST überfällig!
ich meine: Bedingte hätten es in diesem Falle auch getan...

Gast: Facepalm
24.05.2012 15:13
3 0

Meinen sie etwa ...

... unsere geschätzte Bildungsministerin Claudia Schmied?

17 0

Weiter so

Bitte gleich bei den Ex-Verantwortlichen der Kommunalkredit so weiter machen. Die hat dem Steuerzahler bisher sogar noch mehr gekostet wie die Hypo Alpe Adria.

Antworten Gast: Kruzzi
24.05.2012 21:11
0 0

Weil bei der Kommunalkredit

schon das meiste aufgeräumt ist. Die HAAB wird uns 30+ Mrd EUR kosten. Dagegen ist die Kommunalkredit ein Lercherlsch***s.

Re: Weiter so

Auch beim KHG,Meischberger usw.!

Bei der Frau Unterrichtsministerin ist auch Gefahr in Verzug,

denn sonst ruiniert sie noch unser Schulssystem,wie ihre Ex-Bank.

Antworten Gast: Pips
24.05.2012 15:19
1 0

Re: Weiter so

Moment! So schnell gehts nicht. Sie verwechseln eine offenbar noch nicht "im System eingebundene" Richterin mit dem Wiener Polit-Justiz-Sumpf. Stinkt wie eine Kloake! Da wird sich nicht viel tun.

bauern..

..opfer!

Antworten Gast: granatero
24.05.2012 15:18
3 1

Re: bauern..

LOL,Sie dürften nicht wissen was ein Bauernopfer ist.

Auf alle Fälle ist es nicht die Verurteilung des Vorstandes eines Unternehmens.

Nichtmal dann wenn auch andere große Köpfe von außerhalb eingeflüstert haben aber schon gar nicht bei diesem Fall.

Aktienkarussell innerhalb des Unternehmens.

Re: Re: bauern..

lol, sie dürften nicht wissen, dass ich auf kommentare von gästen nicht antworte.

hoppla! jetzt ists mir doch passiert- ebenso gehaltlos wie ihr kommentar..

Antworten Antworten Antworten Gast: dragoner
24.05.2012 16:37
1 0

Re: Re: Re: bauern..

Na dann sind wir doch alle froh,dass ihr Ausgangskommentar so viel Substanz und Aussagekraft besitzt.

Abgesehen davon scheinen Sie ein aufgewecktes und humorvolles Bürschen zu sein oder doch nur ein Opfer,ohne Bauer ?

Och, da stehn sie jetzt wie begossene Pudeln.

Viel Spass Jungs! Und vergesst mir nicht die Seife einzupacken. ;-)

nur der Anfang

auch Martinez und vor allem Pröll gehören zur Verantwortung gezogen.

Nach dem Rückkauf von den Bayern hat er einen hochbezahlten Posten bei einem Raiffeisenableger bekommen.

Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Nun könnte man auch endlich daran gehen das Volksbankendebakel aufzurollen. Auch Hypo NÖ und Tirol warten noch auf Gerechtigkeit.

0 2

Re: nur der Anfang

Jetzt erklären Sie mir bitte endlich einmal, was Raiffeisen mit der Hypo-Alpe-Adria zu tun haben soll!

Was soll die Verstaatlichung der HAA (von "Rückkauf" um € 3,- kann ja keine Rede sein!) mit dem Job von Pröll zu tun haben?

Also bitte, ein einziges mal eine Hieb- und Stichfeste Erklärung!

Raiffeisen

ist Miteigentümer einiger Hypos - haften Hypos - haftet Raiffeisen - soviel zu Ihrer Frage


0 0

Re: Raiffeisen

"...Miteigentümer einiger Hypos - haften Hypos - haftet Raiffeisen..."

Ach ja?
Und jetzt erklären Sie mir schnell, was diese Hypos (Salzburg u. NÖ) mit der Hypo Alpe Adria zu tun hätten und warum diese Hypobanken (und in weiterer Folge deren Aktionäre/Eigentümer, die Raiffeisen) für die HAA haften sollten.

Zu Ihrer Information: Aktionäre haften nur in der Höhe Ihrer Einlagen/Aktien.

Zeigen Sie mir eine einzige Hypobank, die an der Hypo Alpe Adria irgendwann einmal kapitalmäßig beteiligt gewesen sein soll!

Hypohaftungsverband

- da ist am Ende auch Raiffeisen fällig

Verstehen Sie den Zusammenhang?

0 0

Re: Hypohaftungsverband

NEIN !
1. Hat Raiffeisen mit dem Hypo-Haftungsverband absolut nichts zu tun.

Schauen Sie sich die Mitglieder des Haftungsverbundes an und wenn Sie irgendwo Raiffeisen finden, dann sagen Sie mir das:

http://www.hypoverband.at/mitglieder.htm

2. Der Haftungsverband sichert nur Spareinlagen und Girokonten, aber weder für die Verbindlichkeiten der Hypo Alpe Adria in der Höhe von immer noch 17,4957 Milliarden EURO zum 31.12. 2011, noch für die faulen Kredite in der Höhe von mehreren Milliarden EURO !

Daher noch einmal die Fragen an Sie:

1. Was hat die Raiffeisen mit der Hypo Alpe Adria zu tun?

2. Warum sollte Pröll Raiffeisen mit der Verstaatlichung einen Gefallen erweisen?

Bis jetzt haben Sie nur Latrinengerüchte wiedergegeben!

nochmals ganz langsam,

wenn die Hypos haften, leiden auch deren Eigentümer. Wie sie richtig schreiben, ist Raiffeisen z.B. an der Hypo Steiermark mit über 50 Prozent beteiligt.

Es geht um Wertminderungen, direkte Transferzahlungen bzw. eventuelle Kapitalspritzen.

Die potentielle Schadenssumme für Raiffeisen betrug mehrere hundert Millionen.

0 0

Re: nochmals ganz langsam,

Sie übersehen aber, dass die Hyps niemals gehaftet hätten, weil die Spareinlagen und Girokonten nicht gefährdet waren und die Einlagensicherung kein Problem war!

Als einziger hätte das Land Kärnten für die übernommenen Bürgschaften in der Höhe von 19,3725 Milliarden EURO zum 31.12. 2009 gehaftet.
Am 4. Dezember2009 senkte Moody's das Hypo-Rating auf Schrottstatus herab, was eine Insolvenzeröffnung nach sich gezogen hätte. Bei einer Insolvenzeröffnung wären die Haftungen/Bürgschaften sofort schlagend geworden, weil in den Verträgen der Kärntner FPÖ-Dodeln mit den Gläubigern eine Ausfallsbürgschaft nach § 1356 ABGB vereinbart wurde.

Nachlesen auf Seite 149 im Geschäftsbericht 2009:

http://www.hypo-alpe-adria.com/115/home.nsf/r/Investor_Relations/$file/HGAA_2009_deutsch.pdf

Also noch einmal die Fragen:

1. Was hat die Raiffeisen mit der Hypo Alpe Adria zu tun?

2. Warum sollte Pröll Raiffeisen mit der Verstaatlichung einen Gefallen erweisen?




0 0

Re: Re: Raiffeisen

Nicht Hypo NÖ, sondern an der Hypo-Steiermark ist Raiffeisen mit 75 % beteiligt!

Und ab morgen

kann man bei diversen Wettanbietern Geld verwetten:

X beantragt Fußfessel - Quote 5:1
X ist Haftunfähig - Quote 10:1

Antworten Gast: forensik
24.05.2012 15:11
1 3

Re: Und ab morgen

Wissen sie was "nicht rechtskräftig" heißt?

Re: Re: Und ab morgen

Ja, aber kennen Sie Elsner & Zwettler ?

Gast: triernpurg
24.05.2012 14:36
3 0

bin überrascht...

...aber warten wir mal die berufung ab... ...und wann dann noch immer schuldig, ....auf welche art und weise die vier haftuntauglich sind?

Gast: hahahallo
24.05.2012 14:35
1 0

soweit sogut

was ist mit den anderen vorständen gegen die ermittelt wurde? da gabs doch auch 2010 oder 2011(?) zeitungsberichte von weiteren vorständen die fristlos gekündigt wurden und gegen die ermittelt wurde, oder?


 
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Hobbyökonom