Steirisches Kürbiskernöl aus China

24.05.2012 | 17:06 |   (Die Presse)

Jedes zweite Kürbiskernöl kommt aus dem Ausland. Auch Herkunfts- oder Qualitätssiegeln geben keine absolute Garantie, so der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Alles falsch, sagen hingegen die Firmen.

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Wien/Auer. Die Etiketten versprechen „Steirische Schmankerl“ oder „Erste Pressung aus Österreich“ – garniert mit dem steirischen Landeswappen. Wer im Supermarkt nach Kürbiskernöl sucht, bekommt leicht den Eindruck, dass die Steiermark die heimischen Regale noch fest im Griff hat. Doch der Schein trügt. Von dreißig Kürbiskernölen, die der Verein für Konsumenteninformation (VKI) getestet hat, stammen nur elf mit Sicherheit aus Österreich, bei zweien ist das „wahrscheinlich“.

Von mindestens sechs Produkten stammten die Kerne aus China. Sie sind derzeit rund vierzig Prozent günstiger als jene aus der Steiermark. Elf weitere Öle wurden zumindest teilweise aus ausländischen Kernen hergestellt. Es ist keineswegs illegal, diese Produkte mit typisch österreichischen Bildern zu bewerben. Ehrlich gegenüber dem Konsumenten ist es aber nicht.

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„Fingerabdruck“ des Öls

Gewiefte Kunden verlassen sich beim Einkauf aber ohnehin nicht mehr auf bunte Bilder und Werbeslogans. Sie suchen nach geprüften Herkunfts- oder Qualitätssiegeln. Aber auch die geben offenbar keine absolute Sicherheit, sagt der VKI.

So ist die Bezeichnung „Steirisches Kürbiskernöl“ etwa eine „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.). Anders als etwa beim „Tiroler Speck“, bei dem es genügt, wenn das Fleisch in Österreich verarbeitet wurde, ist der Zusatz g.g.A. für Kürbiskernöl deutlich strenger. Laut einer EU-Verordnung dürfen sich nur jene Produkte mit dem Siegel schmücken, die Kerne aus der Steiermark, dem Südburgenland oder Niederösterreich verwenden.

Der Großteil der „g.g.A.“-Öle schnitt zwar gut ab. Bei drei getesteten Produkten, die unter dem Titel „Steirisches Kürbiskernöl“ verkauft werden, blieb die Herkunft aber unklar. Bei zwei Eigenmarken der Handelsketten Billa und Penny sowie einem Produkt der Firma Pelzmann wurden vermutlich russische oder chinesische Kernen gemischt.

Das ist zumindest das Ergebnis einer völlig neuen Messmethode der Montanuniversität Leoben. Dabei suchen die Wissenschaftler nach Spuren von seltenen Erden und ermitteln so einen Fingerabdruck des Öls. Der sieht von Land zu Land unterschiedlich aus.

Die betroffenen Firmen reagierten entsetzt. „Der Test ist ein Blödsinn“, sagt Klaus Pelzmann zur „Presse“. Seine Firma verwende ausschließlich steirische Kürbiskerne. Das bestätige auch der zuständige Verband, die „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“. Die Testergebnisse kann er sich nur mit der Ungenauigkeit der Messmethode erklären. Auch die anderen beiden Firmen beteuern ihr reines Gewissen.

Das „Original“ ist schwarz und zäh

„Wir werden dem Verdachtsfall auf jeden Fall nachgehen“, sagt Andreas Cretnik, Geschäftsführer der Gemeinschaft steirisches Kürbiskernöl, die 2500 steirische Kürbiskernbauern vertritt. Sollte sich der Verdacht in der „Sonderprüfung“ erhärten, drohen Sanktionen, die „bis zum Ausschluss“ gehen. Bisher sei Pelzmann allerdings nicht negativ aufgefallen.

Eigentlich sollte das System an sich einen Betrug schon erschweren. Jeder Bauer aus den definierten Anbauregionen muss seine Erntemengen dem Verband melden. Nur wer bei diesen Bauern Kerne einkauft, erhält auch die nötigen Zertifikate, um daraus „Steirisches Kürbiskernöl“ zu erzeugen.

Im Vorjahr konnten sich die Bauern über eine Ernte von 680 Kilogramm auf jedem der 26.500 Hektar freuen. In manchen Jahren ist der Rohstoff für „echt steirisches“ Kürbiskernöl aber knapp, sagt Franz Seidl, Geschäftsführer vom VKI-Testsieger Steirerkraft. „Dann ist die Versuchung zu tricksen für manche Firmen natürlich groß.“

Wer beim Einkauf sichergehen möchte, dass sein Kürbiskernöl tatsächlich aus der Steiermark kommt, sollte auf zwei Dinge achten: Preis und Farbe. Echt steirisches Kürbiskernöl kommt schwarz und zähflüssig aus der Flasche – um knapp zwanzig Euro je Liter. Landet gelbes oder bräunliches Öl um den halben Preis auf dem Teller, stammt es vermutlich aus Russland oder China.

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36 Kommentare
 
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Gast: Dr. Enzenb.
25.05.2012 17:51
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KORRUPTION und LÜGNER nicht nur in der Politik !

sind wir das korrupteste Land der Welr ?

traurig, traurig.

Leider sind ...

EU Bestimmungen sind dazu da den Unternehmer zu schützen und den Verbraucher zu betrügen. Vor kurzem habe ich eine Verkäuferin gefragt wo den der Pulli herkommt den ich kaufen wollte, auf dem Etikett war das nicht ersichtlich, ihre ehrliche Antwort: Aus dem Zentrallager!

Alles Firlefanz und Kokolores.

Die Zettel- und Etikettenwirtschaft aber auch diee spezifischen Bezeichnungen geschützt oder nicht geschützt egal welcher Art und Form sind einerseits nur für die *Geschäftemacherei* und für den *Patriotismus* der Bürger.

Was *drinnen* ist, hat auch *draußen* drauf zu stehen. Basta. Der Konsument hat sich dafür zu interessieren was *drinnen* ist und ist dann auch so in der Lage das Preis/Leistungsverhältnis zu prüfen. Wie wir sehen nimmt der Großteil der Konsumenten ALLES zu sich, weil er keine Zeit hat oder denkt, dass er keine Zeit hat zu lesen und zu prüfen.

Der andere Schwerpunkt liegt einerseits darin, das die gesamten Schrottbeimengungen durch u.a die Haltbarkeit beigefügt werden andererseits werden Fremdmittel zugelassen mit denen der Originalgeschmack erzeugt wird. Vereinfacht auf den Nenner gebracht. Kacke wird zur Pasta, Pisse wird zum Champagner.

Tausende Kochbücher, hunderte Kochsendungen, tausende Informationen aus Bücher, Zeitungen, Fernsehen usw. und der Konsument ist noch immer *dümmlich* beim Einkauf unterwegs.

Essen & trinken ist ein subjektiver Gefühlswert. Es entscheiden die Zutaten und die Zubereitung. Sonst NICHTS. Alles andere ist Kokolores.


Gast: Be-obachter
25.05.2012 13:48
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Dagegen gibts nur eins:

direkt vom Erzeuger IN DER STEIERMARK kaufen. Oder im Weinviertel...

Re: Dagegen gibts nur eins:

Ich kaufe direkt in der Ölmühle, aber nicht jeder hat diese Möglichkeit.

Antworten Antworten Gast: Bademeisterin
25.05.2012 16:46
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Re: Re: Dagegen gibts nur eins:

Die Ölmühle bezieht die Körndeln ja auch aus China.........

Gast: Sonderangebot
25.05.2012 11:50
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nichts ist mehr "heilig" ...

nicht einmal das steirische kernöl,wie sollte es aber auch wenn der kunde(von politikern gerne auch als "die menschen draussen" bezeichnet!) nur mehr auf schnäppchenjagd im mega-giga-hyper-discounter- supermarktmarkt ist u. meint um ein klimpergeld ein produkt zu erhalten das ihm durch schöne bilderln auf den etiketten gezeigt wird -->grüne wiese,sanfte hügel,glückliche tiere oder eben glückliche kürbisse die von der glücklichen bauersfrau ausgeputzt werden,der bauersfrau der harte arbeit für wenig geld nichts ausmacht weil es sie glücklich macht das der vom sozialstaat gesättigten bevölkerung dadurch mehr geld für den all-inclusive- urlaub in übersee bleibt ,wo kulinarisch wiederum natürlich auch alles aus der region angeboten wird !? .... ps: der markt/die produzenten passen sich der masse der bevölkerung u. deren verhalten an, essen mit messer u. gabel ( die mehrheit kann das besteck sowieso nicht mehr richtig halten, verwendet es jetzt mehr zum hindeuten!) u. selbst kochen ist bald nicht mehr notwendig,warum sollte gerade das von mir geschätzte kernöl vom trend verschont bleiben !?!

Antworten Gast: Gast: Angela
23.10.2012 13:19
0 0

Re: nichts ist mehr "heilig" ...

Wenn wir schon beim Besteck sind dann möchte ich noch hinzufügen, dass man nicht nur das Besteck nicht mehr richtig halten kann sondern anscheinend die Ellbogen (am Tisch) benötigt, um in den Mund zu finden. Tischmanieren sind anscheinend nicht mehr "in".

Antworten Gast: AuskennerIn
25.05.2012 16:14
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Re: nichts ist mehr "heilig" ...

...der bauersfrau der harte arbeit für wenig geld nichts ausmacht weil es sie glücklich macht das der vom sozialstaat gesättigten bevölkerung dadurch mehr geld für den all-inclusive- urlaub in übersee bleibt ,wo kulinarisch wiederum natürlich auch alles aus der region angeboten wird !?

Der Kunde will es so, da haben Sie völlig recht. Seit "Geiz ist geil" Einzug in die Hirne der Bevölkerung genommen hat, ist es noch leichter geworden, jeden Sch..... an den Mann/die Frau zu bringen. Selber schuld, wer sich vergiften lässt; aber Hauptsache billig!

Gast: vor dem arlberg
25.05.2012 11:44
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VKI

Habe den Bericht im "Konsument" gelesen. Somit ist klar: direkt beim steir. Erzeuger kaufen. Bei uns im Lande gibt es viele Steirer, die vermitteln schon Adressen oder bringen es auf Wunsch vom "Heimaturlaub" mit. Zahle gerne einen entsprechenden Preis dafür.

Gast: BKM
25.05.2012 11:17
2 0

schwarz??

Auch wenn böse Zungen das immer wieder behaupten: Kürbiskernöl ist, im Unterschied zu gebrauchtem Motoröl, mitnichten schwarz, sondern dunkelbräunlich-grün (man mache mal den Tischtuch-Klecker-Test). Der Redakteur hat offenbar überhaupt keine Ahnung.

auch teure öle waren zweifelhafter herkunft

es muss ja auch importstatistiken geben aus denen, im vergleich zu der heimischen ernte, der anteil gepanschten öles abgeschätzt werden könnte. dass die betroffenen firmen jeden meineid ablegen ist ja klar, sie wären ja sonst zumindest für kurze zeit aus dem geschäft. die frage ist also: wer kauft importierte kerne?

Gast: M. Erde
25.05.2012 10:47
0 0

Seltene Erden in Österreich entdeckt!

Dank dieser Untersuchung könnte es sein, dass wo bisher Kürbisse angebaut wurden schon demnächst wertvolle seltene Erden abgebaut werden! Wo sollen dann die Kürbisse aber angebaut werden?

Gast: nqj
25.05.2012 10:21
3 0

Wer sagt,...

daß der Preis eine Garantie ist? Niemand hindert jemanden daran, billiges Öl zu panschen und trotzdem den vollen Preis zu verlangen, erhöht doch die Gewinnspanne...

Andere Sichtweisen.

Was für mich ein tiefes Rätsel darstellt ist die Tatsache, dass Produzenten ganz einfach auch den billigen chinesischen Kürbiskern der nicht schlechter ist als der steirische Kürbiskern ja mitverarbeiten können.

Dann schreibe ich 60% steirische und 40% chinesische Kerne ohne ggA Bezeichnung wie schon jetzt Millionen Liter davon so verkauft werden und lasse es den Konsumenten über beim Kauf zu entscheiden. Es liest ohnedies nahezu kein Konsument nur der den diese Situation bekannt ist und der das Geld besitzt die um 200-300% (ggA) verteuerten Waren zu kaufen.

Natürlich es gibt auch einen kleinen Anteil der sein Geld wert ist. Im Prinzip segeln aber wie auch bei vielen anderen Produkten Erzeuger von minderwertigen Produkten beim Preis im Fahrwasser der tatsächlichen *Qualitäten*.

Im Detail ist es viel Lärm um nichts.

Antworten Gast: oink
25.05.2012 11:24
1 0

billigen chinesischen Kürbiskern der nicht schlechter ist als der steirische Kürbiskern

schon mal gesehen, wie in china "landwirtschaft" betrieben wird?

wenn dir solche zustände lieb sind, abgesehen von 6-wochen-übersee-transport, dann solltest du dich in zukunft von der chemie linz ernähren lassen.. oder von henkel..

Gast: Wir werden mit Minderwertprodukten überrollt…
25.05.2012 10:05
1 0

…und (…) plattgedrückt

Den Lebensmittelproduzenten trau ich doch längst nicht mehr. Ist die Nachfrage größer als die jeweiligen Produktionsmöglichkeiten, werden über einem illegalen Etikettenschwindel nicht heimische Erzeugnisse zugekauft. Ist (wenn nicht extra deklariert) eigentlich glatter Betrug am gutgläubigen Kunden. Diese Frage stell ich mir ja sowieso immer wieder: „ In wie vielen Waren steckt gut verborgen eigentlich der Chinese?“ Den gelben Typen fehlt jedes anständige Sorgfaltsdenken (ob jetzt punkto Gesundheit oder mechanisch-elektronischen Teilen) im ehrlichen Fabrikationsalltag. Gerade bei den TV-Geräten u.v.a. könnte man wenn der elegante Flachbildschirm a la Toshiba nach nicht einmal 2.5 Jährchen/5 Jahre Garantie, seinen Geist aufgibt, aus der Haut fahren. Dann haben die diversen Händler zehntausend Ausreden wenn es um die anfallenden Reparaturkosten geht. Ein beinah außerirdischer Husch-…laden hat es sich forsch-frech auf die Fahnen geschrieben: „Geiz ist geil“. Verstehe, immer dann, wenn es um anfallende Reparaturkosten geht. Dass traurigste daran: Wir sind ihnen ausgeliefert. Daran führt kein Weg vorbei. Außer Sie haben einen guten Draht zum mit dreckigen Eisringen bestückten „Saturn“. Die Antwort kann dann halt etwas dauern. Eben, beinah außerirdisch.


Gast: Sand1
25.05.2012 09:58
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Wenn es laut EU-Bericht schon in der Apotheke gefälschte Arzneien geben soll

Seeing is believing. Wer sieht schon was in Lebensmittel hinein gepanscht wird? Oder als genuines Bio-Lebensmittel verhökert wird?

Gast: Gast123456
25.05.2012 09:09
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Wirtschafstgemeinschaft EU.

Um innerhalb einer Wirtschaftsgemeinschaft eine *gleichberechtigte* und *gleichgestellte* Wirtschaftsplattform zu bieten war die EU Büokratie über Auftrag der EU Politik verpflichtet die notwendigen Regeln zu schaffen.

Das dabei die streng geregelten Konsumstarken Länder wie u.a. Österreich dadurch benachteiligt wurden war abzusehen. Es wurde einheitlich bis auf Ausnahmen nahezu das niederste Niveau genommen.

Hunderte Produkte und Regeln vor der EU wurden dadurch verändert bzw. eliminert und zum Import freigegeben. Die EU war und ist gewillt den gesamten Wirtschaftsmarkt nahezu ohne Einschränkungen allen Mitglieder egal wie auch immer zu öffnen.

Re: Wirtschafstgemeinschaft EU.

Ich glaube Sie meinen die WTO, nicht die EU?

jaja, höchste heimische Qualität aber selbstverständlich zu absolut tiefsten Preisen

diese "Geiz ist geil"-Gnackwatschn geschieht Euch schon recht, Leute!

Speck wie Öl

haben beide das g.g.A.-Siegel. D.h., theoretisch muss nur die Verarbeitung in Österreich erfolgen.

Warum man nicht gleich ein g.U.-Siegel beantragt hat (alle Wertschöpfungsstufen in der Region), habe ich bei Herrn Cretnik einmal schriftlich angefragt, aber leider nie eine Antwort bekommen.

Eh, klar ...

... gelogen und betrogen wird, durchaus im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, was das Zeug hält, der Konsument verträgt. Und rechtlich ist ja bei uns vieles bald okay. - Wer weiß, wie Kernöl hergestellt wird, was wichtig ist, weiß auch worauf zu achten ist.
Für Kernöl gilt: NUR beim Bauern des Vertrauens kaufen. Nie bei Handelsketten; dort wird es schon falsch gelagert. Gute Kernölhersteller pressen nach tatsächlichen Bedarf; mehrmals im Jahr und nicht für Handelsketten.

Sind diese Händler wirklich so dumm oder gibt es keine zielführenden Kontrollen?

Wann werden die einschlägigen Produzenten begreifen das ihnen das Recht zusteht Produkte selbst aus ihrer Mitte selbst zu prüfen. Sofern halt die *Schweinereien* nicht aus den eigenen Reihen kommen. (g.g.A.) hier sollte eigentlich die Gemeinschaft geschlossen sein.

Proben holen, die Überprüfung von ausländischen Beimengungen sind kein nenneswertes Problem und Anzeige erstatten und einen Antrag auf Einziehung sämtlicher Produkte stellen. Die Lebensmittelbehörde hat hier dann den Vollzug.


Das Problem?

Nahezu niemand liest nahezu nciht das Kleingedruckte, nahezu niemand nimmt sich die Zeit das Preis/Leistungs/Qualitätsverhältnis abzuwiegen.

 
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