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Treichl: „Wer soll das noch verstehen?“

25.05.2012 | 18:40 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Trotz Eurokrise haben Österreichs Banken heuer schon über eine Milliarde Euro verdient. Dies hängt weniger mit dem operativen Geschäft, sondern vielmehr mit Sondereffekten zusammen

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Wien. Österreichs Finanzkonzerne scheinen sich überraschend schnell vom Krisenjahr 2011 erholt zu haben: Trotz der Turbulenzen in der Eurozone vermeldet heuer eine Bank nach der anderen kräftige Ergebnissteigerungen. Doch sieht man sich die Bilanzen genau an, zeigt sich, dass die Zuwächse vor allem auf Sondereffekte – wie dem Rückkauf eigener Anleihen – zurückzuführen sind. Das klassische Spar- und Kreditgeschäft hat sich bei Weitem nicht so gut entwickelt. Nicht alle Banker sind über diese Gewinnsteigerung glücklich. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl meinte dazu vor Kurzem: „Wir kaufen unsere eigenen Papiere zurück und machen damit Gewinne. Ist die Welt nicht wunderbar? Aber wer soll das noch verstehen?“

Rückgang der Anleihenkurse

Im Vorjahr sah die Ertragslage nicht allzu rosig aus: Damals verbuchten die Kreditinstitute in Österreich ein konsolidiertes Jahresergebnis von zusammen 710 Mio. Euro. Das ist laut Nationalbank-Berechnungen ein Rückgang von 84 Prozent gegenüber 2010. Denn viele Institute waren gezwungen, Töchter in Osteuropa abzuwerten.

Heuer zeigt sich eine andere Entwicklung. Die drei größten Banken des Landes (Erste Group, Bank Austria und Raiffeisen Bank International) erzielten im ersten Quartal 2012 in Summe einen Nettogewinn von 1,28 Mrd. Euro. Doch davon ist nicht alles nachhaltig. Diverse Sondereffekte verhalfen den Banken zu einem Vorsteuergewinn von 644 Mio. Euro.

Zu den „Klassikern“ gehört der Rückkauf von eigenen Anleihen, sogenannten „Hybridpapieren“. Dabei handelt es sich um Wertpapiere, die lange vor der Finanzkrise ausgegeben wurden und meist eine unbegrenzte Laufzeit haben.

Die Investoren erhalten dafür eine jährliche Verzinsung, diese liegt aktuell bei etwas mehr als drei Prozent. Laut den neuen Vorschriften der Aufsicht (Basel III) dürften solche Papiere nicht mehr zur Gänze dem Eigenkapital zugerechnet werden.

Im Zuge der Finanzkrise sind nicht nur die Aktienkurse der Banken gesunken, sondern auch die Hybridpapiere verloren an Wert – zeitweise um mehr als 50 Prozent. Die Institute kaufen nun die Anleihen zum günstigen Kurs zurück. Den Differenzbetrag können sie in der Bilanz als Gewinn verbuchen.

Die Erste Group wies beispielsweise für das erste Quartal 2012 einen Nettogewinn von 346,5 Mio. Euro aus. Der Rückkauf von Hybridanleihen brachte vor Steuern einen Erlös von 250,6 Mio. Euro, im zweiten Quartal sollen noch einmal 160 Mio. Euro hinzukommen. Bei der Bank Austria lag der Gewinn zuletzt bei 399 Mio. Euro – die Hybridanleihen schlugen sich brutto mit 124 Mio. Euro zu Buche.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) verdoppelte den Nettogewinn auf 541 Mio. Euro. Durch den Verkauf von Wertpapieren und durch die Hybridgeschäfte ergab sich ein Vorsteuergewinn von 270 Mio. Euro. „Selbst unter Abzug der Sondereffekte bleibt unter dem Strich ein Gewinn, mit dem wir sehr zufrieden sein können“, betont RBI-Chef Herbert Stepic.

Sondergewinn auch für die ÖVAG

Auch die marode Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), die mit der Teilverstaatlichung vor der Pleite gerettet wurde, kauft bis 11.Juni Hybridanleihen von 300 Mio. Euro zurück. Dies könnte einen Sondergewinn von bis zu 180 Mio. Euro bringen.

Solche Geschäfte sind derzeit in Europa gang und gäbe. Die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit machte zuletzt einen Quartalsgewinn von 914 Mio. Euro. Rechnet man die diversen Anleihengeschäfte heraus, schrumpft der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um knapp die Hälfte auf 444 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)

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96 Kommentare
 
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Re: Bei diesem Konzept "Gewinne privatisieren, Verluste an die Allgemeinheit abwälzen" ein sicheres Geschäft

Das hat genau gar nichts der Thematik im vorliegenden Artikel zu tun.

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Re: Re: Bei diesem Konzept "Gewinne privatisieren, Verluste an die Allgemeinheit abwälzen" ein sicheres Geschäft

Das seh ich, mit Verlaub, anders.

Haben Sie sich schon einmal überlegt wo die in Ihrem Beispiel genannten 400€ "Gewinn" herkommen?
Das ist kein erwirtschafteter Gewinn, die 400 Mücken fehlen anderen aus dem Portfolio. Und exakt jenen Deppen, die der Treichl-Bank in langfristgen Investments zur Altersabsicherung vertrauten.

Re: Re: Re: Bei diesem Konzept "Gewinne privatisieren, Verluste an die Allgemeinheit abwälzen" ein sicheres Geschäft

Die haben aber am Kapitalmarkt der Bank gegen fixe Verzinsung EIGENKAPITAL gegeben.

There is no free lunch!

Die Leute müssen einfach aufhören zu glauben, dass Rendite risikolos ist, egal was ein Bankberater oder der Onkel der sich ach so gut auskennt sagen.

Ergo: Dummheit oder Ignoranz ist weder eine Ausrede noch eine Entschuldigung.

Gast: know-ledge
25.05.2012 22:14
2 0

„Wer soll das noch verstehen?“

Englisch wird Herr Treichl wohl können-

http://www.youtube.com/watch?v=JZGiwNJw8E8

Gast: InteressanteBilanzierungsart
25.05.2012 21:07
4 0

Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

"Im Zuge der Finanzkrise sind nicht nur die Aktienkurse der Banken gesunken, sondern auch die Hybridpapiere verloren an Wert – zeitweise um mehr als 50 Prozent. Die Institute kaufen nun die Anleihen zum günstigen Kurs zurück. Den Differenzbetrag können sie in der Bilanz als Gewinn verbuchen."

Toller Gewinn- hört sich nach diesem Schema an:
http://www.youtube.com/watch?v=NmAtmn7cvdo
Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

Ich versuche es mal anhand eines einfachen Beispiels erklären:

Sie borgen sich 1000€ aus und schreiben dafür einen Zettel mit "Ich Schulde Dir 1000€ die ich jederzeit zurückzahlen darf, bis dahin werde ich 5% Zinsen zahlen".

Nun verkauft derjenige dem Sie Geld geborgt hat den Zettel weiter und der verkauft ihn wieder weiter. Derjenige der den Zettel gerade inne hat bekommt auch Zinsen.

Nun verschlechtert sich Ihre Bonität und weitere Leute kaufen ihren Vormännern den Zettel nur noch mit Abschlag ab .... erst zu 980€, dann für 900€ und am Ende vielleicht 600€ wenn das ein oder andere Gerücht Ihrer Zahlungsprobleme umgegangen ist.

Und genau jetzt gehen Sie her und kaufen Ihren eignen Zettel um 600€ zurück. Unterm Strich haben Sie 1x 1000€ bekommen, 1x 600€ gezahlt und damit die Schuld getilgt (weil Gläubiger und Schuldner auf die selbe Person fällt) und dazwischen Zinsen gezahlt.

Somit haben Sie 400€ Gewinn gemacht.

1 0

Re: Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

Sie haben das sehr schön erklärt und ich stimme Ihnen auch zu, mit einer kleinen Einschränkung:

Die Inhaber der Hybridpapiere müssen zustimmen, das heißt, die Bank macht diesen ein Angebot und zwar wohl etwas über 600,-- Euro (um bei Ihrem Beispiel zu bleiben).

So ist es auch bei den ERSTE-Hybridpapieren passiert ("Fast alle Hybrid-Kapital-Eigentümer hätten das Angebot (!!!) laut Nachrichtenagentur Reuters angenommen"):

http://financee.de/erste-group-kauft-hybridpapiere-zuruck/

P.S.: Bin neugierig, ob dieser Beitrag die 'Presse'-Zensur schafft.

6 1

Re: Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

Und ich erklär Ihnen was einem Kaufmann passiert, der so einen Wechsel, und um den handelt es sich im Prinzip bei so einem Zettel, verbunden mit einem de facto "in sich Geschäft" abzieht geschieht.

Der geht blitzartig in den Häfen.

Re: Re: Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

Hier liegt doch gar kein Insichgeschäft vor! Sie scheinen viel zu behaupten und wenig Ahnung davon zu haben.
Falls Sie das anders sehen, erklären Sie doch bitte wieso hier ein Insichgeschäft vorliegt (wenn ein Kaufmann von einem Dritten einen ausgegebenen Schuldtitel zurückkauft).

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Re: Re: Re: Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

http://www.nikoformanek.com/ich-kaufe-meine-schulden/

Re: Re: Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren

Könnten sie das präzisieren, warum genau und aufgrund welchen Tatbestandes der Kaufmann in den Häfen gehen sollte?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ocap
26.05.2012 09:36
1 0

Re: Re: Re: Re: Wie Banken ihre Bilanzen frisieren


Ist zwar schön erklärt, aber so kann's natürlich nicht ablaufen.

Der Hybrid-Papier-Inhaber muss zustimmen.

Wär' ja super für die Bank, wenn sie sowohl den Zeitpunkt des Rückkaufs als auch den Preis aussuchen könnte.

Antworten Antworten Antworten Gast: Generalmajor Lafaffel
26.05.2012 06:58
0 0

Und sie sind

ein ignoranter ideoligisierter Schwätzer. Den Kern haben sie nicht durchschaut: wenn alle Papierln zurückgekauft worden sind, was ist dann?

Gast: emmis
25.05.2012 21:04
1 0

ist ja toll wenn die Banken ihre Schulden so billig zurückkaufen können

Aber was machen sie dann mit der Refinanzierung ihrer alten Anleihen?

Geben sie dann ihre neuen Anleihen auch zu einen Emissionskurs von 50% heraus?
Wie wollen sie sonst mögliche Käufer locken?


warum sollten sie es machen?

die Investoren haben ja gewusst was für Papiere sie kaufen (dass sie sich wie Aktien verhalten).

Re: ist ja toll wenn die Banken ihre Schulden so billig zurückkaufen können

Das sind Eigenkapitalinstrumente von denen die Rede ist, hat mir klassischen Anleihen wenig zu tun.

Antworten Antworten Gast: emmis
26.05.2012 11:20
1 0

Re: Re: ist ja toll wenn die Banken ihre Schulden so billig zurückkaufen können

Ja danke, sie haben recht.
Dann haben sie Eigenkapital um den halben Preis bekommen. Wirklich tolles Geschäft.

Gast: b754
25.05.2012 20:22
5 6

der mann schuldet uns immer noch viel geld

und hat offensichtlich keine ahnung

Banker?

vlt weiß Treichl nicht wie man eine Bank führt %{*%|#><#????

Re: Banker?

weiss er schon, nur die roten banker wussten es nicht.

Gast: Mai
25.05.2012 19:57
6 3

Der Treichl sagt es wenigstens


 
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