London. Überall wurde es schon angekündigt: zu den Olympischen Spielen werde London eine Seilbahn erhalten. So sollen künftig das ganze Jahr über Passagiere vom einen zum anderen Ufer der Themse transportiert werden können. Mit dem „Cable Car“, an dessen Bau auch die Vorarlberger Firma Doppelmayr mitarbeitet, will das für den Londoner Nahverkehr zuständige öffentliche Unternehmen „Transport for London“ (TFL) das städtische Transportsystem aufwerten. Wenn der Gondelzug noch vor den Olympischen Spielen in Betrieb geht, könnte die Werbung kaum besser sein. Zahlreiche Touristen dürften es dann gleich zum Sightseeing nutzen.
Aber ob das gelingt, ist unklar. „Wir hoffen, dass wir in diesem Sommer fertig sind“, sagte Victoria Morley von TFL. Im Juli 2011 ging das Projekt in Bau, und alles soll „rund ein Jahr“ dauern, sodass eine Einweihung vor dem 27.Juli, dem Startschuss der Spiele, realistisch sein müsste. Mittlerweile laufen die ersten Testfahrten. Es gibt bisher keine offizielle Stellungnahme, ob eine Eröffnung vor den Olympischen Spielen auch das Ziel sei. Ob es eine Enttäuschung wäre, falls das „Cable Car“ erst später eröffnet, wollte Morley gegenüber der „Presse“ nicht sagen.
Terrorismusziel befürchtet?
„Die Gondeln sind kein Bestandteil der Londoner Olympia-Bewerbung gewesen“, wie auch Michael Doppelmayr, Vorstandschef von Doppelmayr, betont. Die Idee des „Cable Car“ sei erst vor vier Jahren aufgekommen, also deutlich nachdem London den Zuschlag für die Spiele erhalten hatte.
Verschiedene Quellen im Umfeld des Projekts mutmaßen, dass Sicherheitsbedenken Verzögerungen bedeuten könnten. So ist die Sorge in London groß, im Sommer ein Ziel terroristischer Anschläge zu werden. TFL, das für das Projekt verantwortlich ist, weist auf den langfristigen Nutzen hin. „Wir bauen das ,Cable Car‘ nicht, um die Olympischen Spiele spannender zu machen, sondern um die Verbindung zwischen dem Nord- und Südufer der Themse zu verbessern“, sagt Morley. Jede der 36 Gondeln, die je bis zu zehn Personen fassen können, soll für die ein Kilometer lange Strecke zwischen der O2-Arena in North Greenwich und den Royal Docks in Ostlondon fünf Minuten brauchen. Pro Stunde sollen auf einer Höhe von bis zu 93 Metern 2500 Passagiere transportiert werden können.
Die Baukosten von rund 60 Millionen Pfund sind zu knapp zwei Dritteln von der Fluglinie Emirates finanziert. Solange TFL nach Geldgebern für den Rest sucht, wird dieser Teil vorerst aus Steuergeldern finanziert. Nach der Eröffnung soll sich das „Cable Car“ durch den Verkauf von Fahrkarten selbst finanzieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)
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