341 Piloten und Flugbegleiter verlassen die AUA

03.06.2012 | 11:00 |   (DiePresse.com)

Sie machen vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch und ziehen hohe Abfertigungen dem Betriebsübergang zu Tyrolean vor. Der Sommerflugplan der AUA soll bleiben.

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Um Mitternacht endete für die vom Zwangsumstieg betroffenen AUA-Piloten und Flugbegleiter die gesetzlich vorgesehene Sonderkündigungsfrist. 120 Piloten und 221 Flugbegleiter machten davon Gebrauch. Sie wollten den per 1. Juli vorbereiteten Umstieg auf den billigeren Kollektivvertrag der Regionallinie Tyrolean nicht mitmachen. Die Kündigungen erfolgten unter Mitnahme von Höchstabfertigungen von bis zu 550.000 Euro.

Unter jenen, die die Fluglinie verlassen, sollen auch etwa hundert so genannter Alt-Kapitäne sein und damit der Großteil jener AUA-Kapitäne, die nach dem ältesten und teuersten Kollektivvertrag entlohnt wurden. An ihre Stelle rücken nun entsprechend viele Copiloten in Warteposition nach. Den jetzigen Abgang der 341 Mitarbeiter wird die AUA nur bis Jahresende ohne Neuaufnahmen wegstecken. "Für die Vorbereitung für nächsten Sommer brauchen wir dann neue Piloten und Flugbegleiter. Wir werden nächstes Jahr wieder neue Mitarbeiter anstellen", sagte AUA-Sprecher Peter Thier.

AUA muss sich strecken

Akut werden keine Ersatz-Anstellungen für die ausgeschiedenen Cockpit- und Kabinen-Mitarbeiter kommen, so schnell sind vor allem keine neuen Piloten verfügbar. Im heurigen Sommer werde man alle Reserven mobilisieren, versichert die AUA. Zum einen werde man die Teilzeit bei Tyrolean auflösen, Piloten werden auf andere Maschinen umgeschult. Ausgebildete Piloten in anderen Funktionen bei der AUA werden ebenfalls wieder Flugzeuge steuern. Und schließlich will man auch mit Hilfe von Lufthansa-Crews samt Lufthansa-Flugzeugen drohende Ausfälle kompensieren.

Der Betriebsübergang wurde in einer Mitarbeiterabstimmung und in Betriebsversammlungen des fliegenden AUA-Personals zu mehr als 90 Prozent abgelehnt. Der Vorstand rückte von dem Vorhaben aber nicht mehr ab. Er gibt die Kosten für den Flugbetriebsübergang von Austrian auf Tyrolean mit rund 100 Millionen Euro an. Abfertigungen nach den Selbstkündigungen von Piloten und Flgubegleitern sind in diese Summe bereits einkalkuliert. Insgesamt beschäftigt die Gruppe (AUA/Tyrolean) rund 1000 Piloten und mehr als 2000 FlugbegleiterInnen.

Wirtschaftliche Notwendigkeit

AUA-Chef Jaan Albrecht rechtfertigt den Umstieg in einem "profil"-Interview mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten und verwies auf Erwartungen der Eigentümer: "Wir schreiben seit 2005 mit einer Ausnahme durchgehend Verluste in diesem Unternehmen. Was glauben Sie, wie lange der Eigentümer da zuschaut", so der AUA-Chef.

Die AUA hat zugleich mitgeteilt, den Sommerflugplan unverändert zu lassen. Man könne den Abgang ohne Einschränkungen verkraften. Albrecht drückte aber sein Bedauern über die Selbstkündigungen aus.

Auch die Lufthansa springt ein

"Es tut mir leid, dass einige Mitarbeiter die Abfertigung einer guten Zukunft bei Austrian Airlines vorziehen", so Albrecht. "Die große Mehrheit der Mitarbeiter hat aber Ja zu Austrian gesagt. Und das freut mich."

Für einen Ersatz der abgehenden Bord-Mitarbeiter setzt die AUA bereits an mehreren Stellen an. Dazu gehörte die Auflösung der Teilzeitarbeit bei Tyrolean, die Umschulung von Piloten auf andere Flugzeuge, und auch der stärkere Einsatz von Führungskräften, da ausgebildete Piloten ja zum Teil in anderen Managementfunktionen eingesetzt sind. Im Sommer sollen auch Flugzeuge samt Crews von der Lufthansa eingesetzt werden.

(APA)

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153 Kommentare
 
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Sie machen vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch und ziehen hohe Abfertigungen dem Betriebsübergang zu Tyrolean vor.

"Sonderkündigungsrecht" - allein bei diesem Wort kommt es einem hoch.

Eine solche Frechheit ist doch Angesichts der heutigen Realitäten am Arbeitsmarkt und gesamtwirtschaftlichen Bedingungen unfassbar.

Heutzutage leben viele Angestellten mit Änderungskündigungen (die für sie Verschlechterungen bedeuten) und nehmen das zum Wohle des eigenen Arbeitsplatzes hin ohne sich zu beschweren und ohne das das mediale Wellen macht.
Wer solche Verträge vereinbart hat sollte bis auf die letzte Unterhose dafür blechen - nicht aber das Unternehmen dafür zahlen lassen und damit in die Richtung Salamander, BAWAG, Konsum führen.

Re: Sie machen vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch und ziehen hohe Abfertigungen dem Betriebsübergang zu Tyrolean vor.

Verzichten Sie einfach selbst auf Ihre Rechte zugunsten anderer, aber was andere mit ihren Rechten machen ist doch deren Sache.

Niemand hat einen Vorteil, wenn ein Pilot bei der Aua auf irgendwas verzichtet. Es bekommt höchstens jemand im Management eine Prämie dafür, was er den Miterbeitern an Zugeständnissen "herausleiert".

Die Abfertigungen und Pensionsansprüche müssen sowieso als Rücklagen vorhanden sein und dürfen für nichts anderes verwendet werden. Dieses Geld gehört ja den Mitarbeitern bereits. ES ist lediglich die Frage wann und unter welchem Titel - Abfertigung, Pension etc. - sie es ausbezahlt bekommen.

"ES ist lediglich die Frage wann und unter welchem Titel - Abfertigung, Pension etc. - sie es ausbezahlt bekommen. "

und dann pleite ist - und alle Arbeitsplätze sind weg!

Das ist gelebte Sozialpartnerschaft !!


Doch die AUA-Beamten sind nur die Spitze des öff. Geldvernichtungseisberges !!!

Sonderverträge (zB. 1 Mio Euro Pensionsanspruch für 4 Jahre Arbeit im halböff. Bereich usw. usf.)

Bösartige Politzyniker, die jedes Scham- u. Ehrgefühl verloren haben, sehen den Staat als REINEN Selbstbedienungsladen !

Wann werden diese Zyniker verjagt ???

Gast: Goldstein
03.06.2012 22:00
5

Da werden Erinnerungen wach....

... als die Semperit ans Altreich angeschlossen wurde.... Bald haben wir unsere ganze österreichische Restidentität zwischen Berlin und Istanbul verloren.... Danke an die SPÖVP Regierung....
Just a few thoughts....

Gast: Das AUA-Personal ist zu kritisieren. DOCH:
03.06.2012 21:47
0

K.H. Grasser & CO haben um einiges mehr abkassiert, viele Millionen

und das als Provision dafür, dass sie Besitz der Republik Österreich verschleudert hat an.
Nicht nur bei der BUWOG, bei allen Deals die sie eingefädelt haben, haben sie abkassiert. Also dieses AUA-Personal nicht mit den großen Abkassierern auf Staatskosten gleichsetzen.

Also wenn ihnen nicht besseres einfällt...

... als lamojant darauf hinzuweisen dass die Beute eines konkurrenzierenden Gauners höher als die eigene "loot" war - dann hätten sie besser geschwiegen.

Gast: Glückspilzforscherin
03.06.2012 20:09
1

Was es nicht alles gibt

Da hat sich der Ballast für die Lufthansa selber abgeworfen :-)
Was für ein Glück für die erfolgreichste Fluglinie in Europa.

Re: Was es nicht alles gibt

Heil der Lufthansa!

Gast: Apron
03.06.2012 19:42
1

Piloten ist nichts verboten

Die sind schon im "final approach", auf die Abfertigung.

billa-verkäuferin

was sich bei den genannten summen die oft zitierte aber leider auch real vorhanden alleinerziehende billa-verkäuferin denkt, würde mich mal interessieren.

Re: billa-verkäuferin

Dass es sich doch ausgezahlt hätte, einen Beruf zu erlernen.

Es sind auch nicht Billa-Verkäuferinnen blindwütig neidig. Man sollte nicht davon ausgehen, dass Billa-Verkäuferinnen automatisch strohdumm wären.

Auch die Billa-Verkäuferin würde nicht aus Solidarität mit den erheblich schlechter gestellten Leiharbeiterinnen auf ihre Ansprüche verzichten.

Genauso wie die Leiharbeiterinnen keinen Vorteil davon hätten, haben die Billa-Verkäuferinnen keinen Vorteil davon wenn ein Pilot sein Gehalt resp. seine Abfertigung nicht bekommt.

Ganz im Gegenteil wird der Pilot dann noch bei Billa einkaufen gehen können resp. Teureres einkaufen können und nicht bei Hofer.

Re: Re: billa-verkäuferin

Dass es sich doch ausgezahlt hätte, einen Beruf zu erlernen.

Als wäre Verkäuferin kein Beruf , der allerdings körperlich schwerer und psychisch belastender ist und zudem sehr mies bezahlt wird was man dem Personal gegenüber jedem Hofermitarbeiter in jeder Filiale auch ansieht ?!

Warum um beim Beispiel zu bleiben; nimmt ein Konzern es nicht hin "unfit to work" zu sein und dennoch das Grundgehalt weiter beziehen zu wollen, bzw Sonderkündigungen jedem Mitarbeiter zuzugesthen ?!

Re: Re: Re: billa-verkäuferin

Ich denke die Sonderkündigungen sind keine Spezialfall der Aua.

Im Grunde wird ja der Mitarbeiter bei der alten Firma gekündigt. Er geht halt nicht in die neue Firma mit.

Also der alte Mitarbeiter kündigt ja nicht von sich aus, sondern er unterschreibt nur einfach keinen neuen Vertrag. Das ist wohl keine Besonderheit.

Unfit to work als Verkäuferin ist ja lachhaft. Das ist ja keine sicherheitskritische Tätigkeit wie Fliegen. So lange die nicht krank sind können die Arbeiten und falls ihnen zufälltig schwindlig werden sollte wird der Betrieb kaum gestört wenn sie sich ein paar Minuten hinsetzen.

das allerdümmste Argument:

"Ganz im Gegenteil wird der Pilot dann noch bei Billa einkaufen gehen können resp. Teureres einkaufen können und nicht bei Hofer."

Jett wird es grotesk. Mit der selben Begründung könnte ich eine leistungslose Apanage von 1 Mille € monatlich vom Steuerzahler einfordern um damit den Umsatz der Konsumgüterindustrie bei der ich verspreche fleissig einzukaufen zu fördern.

Re: das allerdümmste Argument:

Das stimmt nicht. Beim Piloten ist das alles Teil seiner Entlohnung.

Das hat mit einer Apanage wohl keine Ähnlichkeit.

Ich finde es auch erstaunlich, dass jeder glaubt es ginge ihn etwas an, was jemand anderer verdient oder bekommt und es wäre relevant welche Meinung er dazu hat.

Antworten Antworten Gast: Tickst du noch richtig?
03.06.2012 19:51
6

Replik auf den Kommentar von "fefe" mit dem Billa-Hofer-Tick

Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern ist eine bodenlose Sauerei, wie da in der Vergangenheit mit Steuergeldern umgegangen wurde aufgrund der Verträge. Deshalb sollte es in Zukunft keine halbkommunistischen Staatsbetriebe mehr geben, sondern exklusiv Privatwirtschaft mit echtem Wettbewerb. Dem würden dann aber die, "die was gelernt haben im Gegensatz zu einer Billa-Verkäuferin", nicht standhalten können. Es sind sozusagen Relikte aus der Vergangenheit, die sich jetzt mit hohen Abfindungen verabschieden. Ohne Skrupel. Solche Leute braucht das Land nicht mehr in Zukunft. Abgesehen davon leistet eine Billa-Verkäuferin mindestens genauso viel, wenn nicht sogar mehr, als die Bedienerinnen/Kellnerinnen an Bord der Maschinen.

Re: Replik auf den Kommentar von "fefe" mit dem Billa-Hofer-Tick

Wenn sie das selbe leisten, dann sind sie aber selbst schuld, wenn sie beim Billa und nicht bei einer Airline arbeiten.

Erst recht ist das nicht die Schuld einer Stewardess.

Ja, es ist ein Relikt aus der Vergangenheit, dass Angestellte anständig bezahlt werden. Leider.

Re:Ja, es ist ein Relikt aus der Vergangenheit, dass Angestellte anständig bezahlt werden. Leider.

damalige Angestellte musste aber auch noch einiges mehr leisten (Akten schleppen....), Stewardessen brauchen dazu eigentlich nicht viel mehr als halbwegs gut auszusehen und immer lächeln zu müssen ?!

KEINE Stewardess oder Pilot würde auch nur eine einzige WOCHE in einer Hofer, Billa oder Lidlfiliale aushalten, da dort eben noch wirklich um weit weniger Geld gearbeitet werden muss, und man eben NICHT seitens des Staates völlig unnütz geschützt und gestützt tun und lassen kann was einem beliebt !!!


Re: Re:Ja, es ist ein Relikt aus der Vergangenheit, dass Angestellte anständig bezahlt werden. Leider.

Nur weil die Stewardessen nicht verschwitzt und abgekämpft ausschauen heißt das nicht, dass das nicht anstrengend wäre, was sie tun.

Die Billa-Kassierin braucht jedenfalls kein Klo putzen.

Ich kann mich auch nicht erinnern, dass früher Stewardessen Akten geschleppt hätten. Jene, die früher Akten geschleppt haben, gibt es heute überhaupt nicht mehr. Die haben also heute keine leichtere sondern garkeine Arbeit.

Re: billa-verkäuferin

Warum fragen sie sie nicht im nächsten Billla Laden und schreiben das hier hin?
Ich und jeder denkende Österreicher könnte ihnen die Antwort aber jetzt schon geben.

Re: Re: billa-verkäuferin

eine frage, die man nicht stellen muss - denn es kann nur eine antwort geben - sauerei !

Antworten Antworten Antworten Gast: kannnichtsein
04.06.2012 13:19
1

Re: Re: Re: billa-verkäuferin

-wobei die Sauerei im Management begraben ist und sicherlich nicht bei den Angestellten!!!!!
Kein Arbeitnehmer, gleich welcher Branche bedankt sich, wenn man ihm etwas weg nimmt, jeder würde um den Erhalt seiner Ansprüche kämpfen und mehr anstreben - oder seit Ihr alle hier wirklich so naiv???
Und soweit ich mich entsinne, steht es jedem frei, den Beruf seiner Wahl zu erlernen bzw. auszuüben, also was soll dieses schwachsinnige Geschwafel und die unzulänglichen Vergleiche????
Technische Dipl.Ing. verdienen auch mehr als die Billa-Verkäuferinnen und es ist richtig so!!! Also sollte man sich eher darum Sorgen machen, dass dieses Management Beispiel nicht Schule macht, sonst hält das bald in allen Branchen Einzug!!! Denn es gibt viele AN, mit Dienstverträgen die älter als 10-20 Jahre sind und somit aus einer "besseren" Zeit stammen ...
Aber das ist für die meisten hier wahrscheinlich schon wieder zu weit gedacht .... SCHADE!!!


Gast: Gödels friend
03.06.2012 17:43
3

Wenn die dritte Startbahn

in München gebaut wird, dann verkommt
Wien endgültig zu einem Provinzflughafen.
Der Flughafen Zürich wird schon vorbeugend in die
Mangel genommen (via Überflugsrechte aus
Süddeutschland). Die AUA wurde den Franzosen
weggeschnappt um das Osteuropageschäft
auszubauen (über München und Berlin). In den
Skylink könnte man dann ein Einkaufscenter
einbauen.

Re: Wenn die dritte Startbahn

An sich soll die Lufthansa vorhaben, Wien als eines der Drehkreuze für ihre STrecken auszubauen. Die dafür interessanten zusätzlichen Rechte und Strecken haben sie durch die Aua bekommen.

Die meisten Leute aus Fernost schätzen die Möglichkeit über Wien zu fliegen. München interessiert kaum jemanden.

Wien als Zwischenflughafen für Langstrecken ist ja nicht deswegen so populär, weil der Pröll und der Häupl auf der ganzen Welt Leute mit Parteibüchern sitzen haben, sondern weil die Flugreisenden das so wollen.

Antworten Antworten Gast: schwechater...
03.06.2012 19:57
3

Re: Re: Wenn die dritte Startbahn

allein dein satz "münchen interessiert kaum jemand" zeigt, dass du null ahnung vom flugbetrieb in europa und global überhaupt hast.
wien hat den anschluss verpasst. so sieht es aus. münchen boomt, berlin ist nicht mehr zu bremsen, und dank unserer schlafmützen vekommt wien immer mehr zu einem provinzflughafen. jahrzehntelanges hinterhinken kann nicht mehr aufgeholt werden. so wie es aussieht, wird uns wahrscheinlich eines tages sogar bratislava überholen.
is aber eh wurscht, hauptsach wir ham unsere fiaker und an wein....

 
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