Wien. Die Menschen leben länger. Bezahlen müssen sie dafür aus der eigenen Tasche, sagt die OECD. Denn den Industrienationen fehle das Geld, um noch länger so hohe Pensionen zu bezahlen wie bisher. Seit Jahren drängt die Organisation gemeinsam mit der Weltbank und anderen Ökonomen die Regierungen zum Umbau ihrer schwer finanzierbaren Pensionssysteme. In den vergangenen fünf Jahren haben die Staaten ihr Reformtempo auch deutlich erhöht. Die Folgen werden die Pensionisten von morgen und übermorgen deutlich zu spüren bekommen.
Allein durch die bisherigen Reformen hat ein Durchschnittsverdiener, der heute im Erwerbsleben steht, bis zu ein Viertel weniger Pension zu erwarten als zuvor, schreibt die OECD in ihrem am Montag veröffentlichten Bericht „Pensions Outlook 2012“. Aber selbst diese Ansprüche wird der Staat nicht bezahlen können.
Ein Vierteljahrhundert Pensionist
Für Österreich zeigt sich nämlich: Kaum ein Land lässt seine Bürger früher in die Pension „fliehen“ und verspricht gleichzeitig so hohe Zahlungen im Alter. Wer hierzulande das gesetzliche Pensionsalter erreicht, ist in zwei von drei Fällen längst im Ruhestand. Im Schnitt zieht es Österreicher mit 58,1 Jahren in die Pension. Das ist der zweitniedrigste Wert in der OECD. Dauerte die Auszeit am Lebensende in den 1970er-Jahren 15 Jahre, ist ein Österreicher heute ein Vierteljahrhundert lang Pensionist.
Und er lebt in den meisten Fällen nicht so schlecht. Wer bis zum offiziellen Antrittsalter durchhält und durchschnittlich verdient, dem sichert Vater Staat fast 90 Prozent seines letzten beruflichen Nettoeinkommens zu (siehe Grafik). In Griechenland sind es sogar 111 Prozent. In Österreich übersteigen die Bundeszuschüsse der Republik zu den Pensionen mit 10,2 Mrd. Euro heuer erstmals das geplante Budgetdefizit des Landes. Das sei nicht lange haltbar, mahnt die OECD und fordert eine weitere Anhebung des Pensionseintrittsalters sowie mehr private Altersvorsorge.
Jeder Monat Arbeit spart 100 Mio.
28 von 34 Industrieländern haben zwar eine Anhebung des Pensionseintrittsalters beschlossen oder geplant. Mit dem Anstieg der Kosten halte das aber nicht immer Schritt. Als transparente Lösung raten die Ökonomen, das Pensionseintrittsalter direkt an die Lebenserwartung zu koppeln, wie es in Dänemark und Italien der Fall ist.
Zudem müssten alle Schranken, die Menschen nach Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters vom Arbeiten abhalten, aus dem Weg geräumt werden. Entgegen der landläufigen Meinung verschlechtert das nämlich keineswegs die Jobaussichten der Jüngeren. Im Gegenteil: Je mehr Menschen einzahlen und je weniger etwas erhalten wollen, desto länger hält das System. In Österreich entlastet jeder Monat, der länger gearbeitet wird, das Pensionssystem um 100 Mio. Euro.
Aber auch wenn die Menschen tatsächlich länger arbeiten, wird das nicht reichen, sagt die OECD. Der Ausbau der privaten Altersvorsorge sei in jedem Fall „dringend erforderlich“. Am besten wäre eine private „Pflichtvorsorge“.
13 Länder haben die Sicherung der Pensionen schon teilweise an Private ausgelagert. Die reine Staatspension aus dem Umlageverfahren deckt etwa in den Niederlanden nur noch 33,1 Prozent des Letzteinkommens (siehe Grafik). Die private Pflichtvorsorge sichert aber weitere 66,7 Prozent, womit Holländer letztlich sogar mehr Pension erhalten als die Österreicher.
Österreicher sorgen kaum vor
Die schwache Entwicklung der privaten Pensionskassen macht den Regierungen wenig Lust, diese Säule auszubauen. Zwischen 2007 und 2011 verloren die in privaten Pensionskassen veranlagten Gelder jährlich real 1,6 Prozentpunkte. Auch von 2001 bis 2010 gab es lediglich ein Plus von 0,1 Prozentpunkten im Jahr. Etliche Länder in Osteuropa haben die verpflichtende private Altersvorsorge zuletzt sogar wieder abgeschafft.
In Österreich zeigen sich die Auswirkungen der staatlich geförderten Vollkasko-Mentalität auch hier deutlich: Kaum ein anderes Volk investiert weniger in private Altersvorsorge als die Österreicher.

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