19.06.2013 04:09 Merkliste 0

Bawag-Prozess: Elsner bis August verhandlungsunfähig

12.06.2012 | 10:26 |   (DiePresse.com)

Der Ex-Bawag-Chef wird wegen Tuberkulose in den nächsten zwei Monaten nicht vor dem Wiener Straflandesgericht erscheinen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der zweite Bawag-Strafprozess geht nun offiziell in die Verlängerung: Der ursprünglich geplante Urteilstermin am 29. Juni ist geplatzt, da der mitangeklagte Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner wegen einer Tuberkulose-Erkrankung zwei Monate verhandlungsunfähig ist und erst im August vernommen werden kann. Der gerichtliche Sachverständige habe die Verhandlungsunfähigkeit Elsners festgestellt, so Richter Christian Böhm am heutigen neunten Prozesstag im Wiener Landesgericht. Die Vernehmung zweier Zeugen, die schon im ersten Verfahren aussagten, brachte keine Neuigkeiten.

Wie Elsners Anwalt Jürgen Stephan Mertens heute in einer Aussendung erläuterte, werde bei seinem Mandanten derzeit eine "medikamentöse Chemotherapie" durchgeführt. Elsner sei Ende Mai in die Lungenheilanstalt Natters eingeliefert und zweimal punktiert worden. Bei diesen Eingriffen seien über 1,3 Liter Wasser aus der Lunge entzogen worden. Die Ansammlung des Wassers in der Lunge - nach Analyse der entzogenen Flüssigkeit - sei eine Folge der bei Elsner diagnostizierten Tbc-Erkrankung.

Helmut Elsner: Der gefallene Ex-Banker

Alle 20 Bilder der Galerie »

Schatzer: Elsner erteilte Sprechverbot

Die Zeugenvernehmung des ehemaligen Leister der Bawag-Bilanzabteilung Robert Schatzer am Dienstag gestaltete sich teilweise humorvoll. Schatzer gehörte zu einem in die Verluste eingeweihten kleinen Kreis in der Bawag - und hatte so wie die anderen darüber ein Sprechverbot erteilt bekommen. "In meiner Wahrnehmung kam das von Elsner", sagte er heute. Erstmals habe er über die Verluste durch die Sondergeschäfte mit dem Spekulanten Wolfgang Flöttl im November oder Dezember 1998 vom damaligen Bawag-Vorstand Johann Zwettler erfahren.

"Das war nicht Elsners Stil, um 6 Uhr früh an einem verregneten Novembertag nach Paris zu fliegen und um 23 Uhr zurück zu kommen"
Robert Schatzer

Detailreich schilderte Schatzer heute ein Treffen mit Flöttl in Paris am 11. November 1999, an dem auch Zwettler und der damalige Bawag-Generalsekretär Peter Nakowitz teilnahmen. Warum Elsner nicht nach Paris mitgefahren war, wollte der Richter vom Zeugen wissen. "Das war nicht Elsners Stil, um 6 Uhr früh an einem verregneten Novembertag nach Paris zu fliegen und um 23 Uhr zurück zu kommen", meinte Schatzer. Elsner wäre vielleicht geflogen, wenn er den Paris-Aufenthalt auf eine Woche ausdehnen hätte können. Darum habe er auf den kurzen Trip seine damalige rechte Hand Nakowitz geschickt.

"Hinterwäldler aus Wien"

Flöttl habe in Paris in einer Anwaltskanzlei ein geplantes neues Investment mit Bawag-Geld geschildert: Sechs unterschiedliche Investments mit völlig verschiedenen Strategien sollten das sein, außerdem sollte das Geld nicht an ihn, Flöttl, sondern an Herrrn Alamouti gehen, der in London renommierter Fondsmanager sei. "Flöttl hat Alamouti in glühenden Farben geschildert - wie wenn ich heute sagen würde, ich hätte den Warren Buffett an der Hand", erinnerte sich Schatzer. Flöttl habe wohl gemeint, "das sind Hinterwäldler aus Wien, denen muss man das mal erklären".

Gesehen habe er Alamouti nie, sagte Schatzer. Letztlich hatte ohnehin Flöttl das ganze neue Investment (die so genannten Uni-Bonds, Anm.) selbst gemanagt - und das Geld auch wieder verloren. Genau erinnern konnte sich Schatzer noch an ein Flip-Chart, auf das Flöttl bei der Präsentation in Paris das Konzept aufgezeichnet habe. Diese Blätter wurden den Bawag-Managern noch extra zum Flughafen nachgeschickt, weil sie sie vergessen hatten. Flöttls Anwalt Herbert Eichenseder zweifelte an der Existenz der Blätter: Wo sie denn seien, in der Bawag jedenfalls nicht mehr auffindbar

Unterschiedliche Versionen

Flöttl selber stellt die Präsentation in Paris anders dar: Er habe damals nur von der Möglichkeit gesprochen, Alamouti beizuziehen, sagte er heute am Rande der Verhandlung zur APA. In den Verträgen mit der Bawag sei Alamouti nur als "Berater" genannt gewesen. Letztlich habe Alamouti wegen einer fehlenden Lizenz nicht tätig werden können, so Flöttl.

Alamouti selber hatte im ersten Bawag-Prozess als Zeuge ausgesagt und wieder eine andere Version geboten: Er habe mit Flöttl ein Joint Venture für Investitionen geplant, letztlich sei dieses aber deswegen geplatzt, weil Flöttl bis Dezember 2000 kein Geld bereitgestellt habe. Obwohl er, Alamouti, weder gehandelt noch beraten hatte, habe er von Flöttl rund drei Mio. Euro als Honorar und Entschädigung erhalten. Im Rückblick fühle er sich als Köder missbraucht, um die Bawag an die Angel zu bekommen, so Alamouti beim Prozess im Oktober 2007.

Schatzer: Vorstände hätten anders gehandelt

In der Verhandlung am Dienstag wollte der Richter noch von Schatzer wissen, ob er über den Wert der Sicherheiten Flöttls für die Verluste getäuscht worden sei. Der Vorstand (ohne Elsner, Anm.) habe so wie er im guten Glauben gehandelt, weil man über einen hohen Wert der Sicherheiten informiert worden sei, sagte Schatzer: Wenn die Vorstände es besser gewusst hätten, hätten sie anders gehandelt: "Der eine wäre explodiert, der andere hätte sich in die Hose gemacht". Auf jeden Fall wären dann Schritte zur Absicherung unternommen worden, etwa ein Wertgutachten über die von Flöttl angebotenen Bilder und Liegenschaften erstellen zu lassen. In der sogenannten "Bilanzrunde", wo Schatzer auch Mitglied war, wurden dann die Verluste in Stiftungen verschoben. "Es ging uns nicht ums Verschleiern, sondern ums Retten", beteuerte Schatzer heute. Die Bank sollte wieder von dem Schaden befreit werden.

Die zweite Zeugin des Verhandlungstages, Renate Zartler-Schwob, wiederholte ebenfalls ihre Aussagen aus dem ersten Verfahren. Sie hatte ab 1998 in der Abteilung Beteiligungen die Verwaltung der Sondergeschäfte mit Flöttl über. Von Verlusten habe sie lange nichts gewusst, außerdem war ihr höchste Geheimhaltung angeordnet worden: Statt im Computer habe sie anfangs handschriftlich arbeiten müssen. Die Geschäfte der Bawag mit Flöttl nach den Verlusten wurden dann - nachdem das frische Geld schon geflossen war - durch formelle Anträge und Beschlüsse dargestellt, sie habe aber immer nur auf Anweisung gehandelt und die offiziellen Zahlungsaufträge und Kreditverträge im nachhinein verfasst. Der Führungsstil in der Bawag sei autoritär gewesen.

Der Prozess wird am Mittwoch mit der Vernehmung von Ex-Bawag-Chef Johann Zwettler (9 Uhr), Zeuge im Verfahren, und Gutachter Fritz Kleiner (12 Uhr) fortgesetzt.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

12 Kommentare
Gast: Gastklar
14.06.2012 06:51
0 0

Fachkompetenz auf sozialdemokratisch!


Gast: advocatus diaboli
12.06.2012 18:51
0 0

unglaublich

was macht ein ( es gilt die unwahrheitsvermutung) schwerkranker in tirol, waere da der weg ins gericht oder in die krankenanstalt des LG nicht unbeschwerlicher erreichbar gewesen ?????

August welchen Jahres?


Gast: b754
12.06.2012 15:48
1 0

kann er nicht im rollstuhl teilnehmen

so wie es jeder hendldieb müsste? der kann die justiz verhöhnen und die schauen auch noch zu

Gast: bratz
12.06.2012 14:35
1 0

mubarak

ist auch gerichtet worden.
gerade dann wenn elsner so schwerkrank ist, sollte man ihm den prozess machen. wenn er unverurteilt stirbt erbt seine frau millionen !!

1 0

Der Ex-Bawag-Chef wird wegen Tuberkulose in den nächsten zwei Monaten nicht vor dem Wiener Straflandesgericht erscheinen.

hat der wirklich TBC, oder will er einfach nicht vor Gericht erscheinen um erklären zu müssen, Wohin all das Geld wirklich geflossen ist ?!

Warum inhaftiert man ihn nicht sofort wieder, da es im LG-1 eine angeblich gute medizinische Abteilung gibt, aus der er sehr wahrscheinlich schnell genesen würde ?!

Der Mann bestätigt das System Justiz samt Freunderlwirtschaft völlig offensichtlich erneut damit, dass man als "guter Parteifreund" besser gestellt ist als sonst Jemand der sich weit weniger zuschulden kommen hat lassen !!!

Wie kann sonst auch ein Flöttl angeblich wegen Pseudokrankheit, Haftunfähig sein ?!


Gast: xyz ins nett
12.06.2012 13:35
1 0

wow

womit man sich im eden so anstecken kann.

Gast: M. Wolf
12.06.2012 12:25
1 0

24.05.Dass Elsner verhandlungsfähig ist, hat der gerichtlich bestellte Gutachter Günter Steurer attestiert.

Dass Elsner einen Grant entwickelt, scheint bei der Vorgehensweise nicht unverständlich.
Was kostete dieses Gutachten Steuers und wer bezahlts?

0 0

...

nicht sehr interessant wie freiberufler und richter und banken sich vor aller augen gegenseitg durch die medien vertreten lassen...

der Herr grasser

sollte sich gleich das krankenblatt kopieren er wird's möglicherweise brauchen


Richter Christian Böhm zu Beginn der heutigen Verhandlung im Wiener Straflandesgericht. Elsners Einvernahme werde daher ab Anfang August, in der Woche ab 6. August, möglich sein.

Das glaubt wohl auch nur der Richter!

bis dahin ist seine Tanzkarte in der Eden voll :-D


Hobbyökonom