DiePresse.com

DiePresse.com | Wirtschaft | National | Artikel DruckenArtikel drucken


Betriebsübergang: Tiroler Schelte für AUA-Piloten

12.06.2012 | 16:27 | Von Hedi Schneid (Die Presse)

Thomas Blaska, Bordbetriebsratschef der Tyrolean, fordert nach dem monatelangen Hickhack bei der AUA einen konstruktiven Weg aus der "Sackgasse". Er will rasch einen neuen Konzernkollektivvertrag.

Wien. In zwei Wochen, am 1. Juli, sind die Austrian Airlines Geschichte. Die rotweißrote Fluglinie gibt es zwar weiterhin, aber im Unternehmen bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Flugbetrieb der AUA schlüpft nämlich im Zuge des vom AUA-Bordbetriebsrat und der Gewerkschaft weiterhin bekämpften Betriebsübergangs unter die Fittiche der eigenen Regionaltochter Tyrolean. Deren Bordbetriebsratschef Thomas Blaska, der ab Juli alle 3200 Piloten und Flugbegleiter vertreten wird, kritisiert die starre Haltung der AUA-Piloten. Er sieht die Chance für einen Neuanfang und forciert das Tempo zu einem neuen Konzernkollektivvertrag für das gesamte Bordpersonal.
„Wir haben einen Entwurf für einen neuen Konzern-KV und werden ihn diese Woche dem AUA-Management und der Gewerkschaft Vida vorlegen“, kündigt Blaska im Gespräch mit der „Presse“ an. Im besten Fall könnte der neue KV, den auch AUA-Boss Jaan Albrecht anstrebt, schon mit 1. Juli in Kraft treten. Das würde nach der Kündigung des AUA-KV (durch den Vorstand) und des Tyrolean-KV (durch die Vida) Rechtssicherheit und den Mitarbeitern eine Perspektive geben, meint Blaska.

Eiszeit zwischen Tirol und Wien

Mit „wir“ meint Blaska die Crews der Tyrolean, die nicht länger im Flugkonzern die zweite Geige spielen wollen. Jahrelang standen die Mitarbeiter der Regionallinie im Schatten der AUA-Beschäftigten, zwischen Wien und Innsbruck flogen seit der Übernahme der einstigen Swarovski-Fluglinie im Jahr 1998 die Pfeile. Seit auf Druck der AUA-Piloten die „Scope Clause“ in den AUA-KV geschrieben wurde, wonach Tyrolean-Piloten nur Flugzeuge bis zu 110 Sitzen steuern dürfen, herrscht Eiszeit.

Der energische Blaska – er ist der erste Betriebsrat Österreichs, der nach der Kündigung des Tyrolean-KV seine Kollegen dazu brachte, gegen die Gewerkschaft zu demonstrieren – kritisiert das Vorgehen der AUA-Kollegen hart. „Das Hickhack hat das Unternehmen destabilisiert und in eine Sackgasse manövriert, in einer für die Luftfahrt ohnedies beinharten Zeit.“ Er könne die Ängste und Verärgerung nachvollziehen, aber irgendwann müsse man die Fakten akzeptieren. Der Betriebsübergang sei auch nicht mit Klagen aufzuhalten, die schafften nur zusätzliche Unsicherheit. Der Betriebsübergang soll die Personalkosten um rund ein Viertel senken, das ist Teil des 263 Millionen Euro schweren Sparpakets, mit dem AUA-Boss Jaan Albrecht die AUA aus der Verlustzone bringen will.

Den Vorwurf, dass sich Blaska durch seine Kritik mit der AUA-Führung ins Bett lege, will Blaska nicht gelten lassen. „Auch das Management hat Fehler gemacht, etwa mit der Kündigung des AUA-KV.“ Es habe aber keinen Sinn, weiter auf Konfrontationskurs zu gehen, das schade nur der AUA. „Und die Konkurrenten lauern“, meint Blaska. Trotz der Differenzen strebt er allerdings auch mit seinem Pendant bei der AUA, Karl Minhard, eine Zusammenarbeit an. So will Blaska auch Betriebsratsneuwahlen, „aber erst, wenn wir den Konzern-KV haben“.

Details des KV-Entwurfes lässt er sich noch nicht entlocken. Es liegt aber auf der Hand, dass Privilegien – wie hohe Abfertigungen und Leistungspensionen – nicht enthalten sind. Diese Pensionen, bei denen die AUA eine Nachschusspflicht hat, sind angesichts der schlechten Entwicklung auf den Finanzmärkten besonders kostspielig. 300 AUA-Piloten mit Altverträgen haben so einen Betriebspension.

Neue Karrieremodelle

Auch eine Umstellung des Arbeitszeitmodells auf mehr Flexibilität, was die Überstunden reduziert, dürfte ein Thema im KV-Entwurf sein. Blaska spricht auch von neuen Karrieremodellen. Das Senioritätsprinzip – wer länger im Unternehmen ist, verdient mehr, wird beim Urlaub bevorzugt, steigt früher auf – dürfte modifiziert erhalten bleiben. Allerdings ohne Unterschiede zwischen AUA und Tyrolean. „Wir wollen uns nicht hinten anstellen müssen“, stellt Blaska klar. In diesem Zusammenhang lehnen die Tyrolean-Piloten die vom Management geforderte neuerliche Selektion (Auswahlprüfung für Piloten) ab – nur weil die AUA ein anderes Verfahren habe. Schließlich wickle die Tyrolean inzwischen die Hälfte aller Flüge der AUA-Gruppe ab.

Vom Ausscheiden der 118 AUA-Piloten, die den Betriebsübergang nicht mitmachen wollen, profitieren die Kollegen in Tirol nicht: Da rücken zuerst AUA-Kopiloten nach. So übrigens auch der umstrittene AUA-Betriebsrat und Gewerkschafter Wolfgang Hable, der nun Kapitän wird.


© DiePresse.com