Wien/G.h. Ist er schon weg oder ist er noch da? Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner gibt keine klare Antwort auf diese Frage, ob er wie geplant bis 2015 Generaldirektor des größten heimischen Baukonzerns bleibt. „Lassen Sie sich überraschen“, sagte er vor wenigen Tagen dem „Kurier“ und schon wird wild spekuliert, wer dem 68-Jährigen auf dem Chefposten folgen wird. Ist es sein Stellvertreter Fritz Oberlerchner? Oder zieht gar Haselsteiners 31-jähriger Sohn Clemens in die Chefetage ein?
Bei der Strabag wird Haselsteiners vermeintlicher Abgang vom Aufsichtsratschef Alfred Gusenbauer abwärts beharrlich dementiert. Die nächste Aufsichtsratssitzung findet am 20. Juli statt. Im Allgemeinen geht man im Konzern davon aus, dass der Rückzug des Firmengründers und Großaktionärs aus dem operativen Geschäft im Zuge einer Sitzung des Aufsichtsrats über die Bühne ginge. Aber sicher ist man sich in dem 70.000 Mitarbeiter zählenden Konzern nicht mehr.
Unmut bei Strabag-Mitarbeitern
Um seinen Rücktritt abzuwickeln brauche der Chef keine Aufsichtsratssitzung, es genüge ein Umlaufbeschluss, heißt es. In diesem Fall würden Aufsichtsratsmitglieder wie Gusenbauer oder Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf ihren Sanctus per E-Mail geben. Was auch kommen mag: Haselsteiners Spielchen mit den Medien sorgt vor allem in seinem eigenen Unternehmen für Unmut und Ratlosigkeit.
Haselsteiner strapaziert mit seinen „Überraschungen“ nicht nur Nerven, sondern auch das Börsengesetz. Sofern der Vorstand einen Personalwechsel beschließt, muss dies der Öffentlichkeit in Form einer Ad-hoc-Meldung mitgeteilt werden. Dass Haselsteiners Ausscheiden den Kurs der Strabag-Aktie negativ beeinflussen könnte, bezweifeln Händler allerdings. Am Mittwoch notierte die gebeutelte Aktie bei 18,80 Euro. Der Preis spiegelt die miserablen Zahlen wider, die der Konzern nach dem ersten Quartal vorgelegt hat. Im Oktober 2007 wurde die Aktie zum Preis von 47 Euro emittiert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)
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