22.05.2013 13:55 Merkliste 0

Hameseder: "Für ganz links und rechts haben wir null Verständnis"

21.06.2012 | 18:13 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Raiffeisen-Holding-Obmann Erwin Hameseder im Interview mit der "Presse" über seine persönliche Weltanschauung, Macht als mächtigster Manager Österreichs und Baustellen unter dem Giebelkreuz.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Presse: Wie legen Sie Ihr Geld an?

Erwin Hameseder: Ich bin ein sehr konservativ denkender Mensch, insbesondere wenn es um Veranlagungen geht. Ich nehme in Kauf, dass man derzeit für sichere Geldanlagen relativ wenig Zinsen bekommt. In Wahrheit verliert man gegenüber der Inflationsrate etwas. Ich halte daneben noch einige Aktien, aber nur von großen und bekannten Unternehmen.

 

Als Nachfolger von Christian Konrad sind Sie einer der mächtigsten Manager Österreichs. Was bedeutet Macht für Sie?

Macht ist etwas, was verliehen wird. Ich bin ein Teamplayer, aber in letzter Konsequenz werde ich die notwendigen Entscheidungen treffen.

 

Wie politisch ist Raiffeisen? Sind Sie ÖVP-Mitglied?

Ich habe noch nie einen Kunden oder einen Mitarbeiter gefragt, welcher Partei er angehört. Das wäre völlig absurd. Ich persönlich habe eine klare politische Einstellung, zu der stehe ich. Ich bin ÖVP-Mitglied.

 

Unterstützt Raiffeisen primär die ÖVP?

Nein, wir haben sehr viele Engagements, bei denen nicht nach der politischen Farbenlehre vorgegangen wird. Raiffeisen ist eine Organisation, die gesellschaftlich etwas bewegen möchte. Wir sind offen, aber nicht für alle. Für ganz links und ganz rechts haben wir null Verständnis.

 

Was möchte Raiffeisen bewegen?

Wir haben in Österreich knapp zwei Millionen Mitglieder. In Niederösterreich haben wir einen Marktanteil von über 40 Prozent. Von uns wird ein gesellschaftliches Engagement erwartet. Wir haben alle Entscheidungsstrukturen in Österreich. Uns ist es auch ein Anliegen, dass Forschung und Entwicklung in Österreich vorangetrieben werden.

 

Kritiker sagen, ohne Raiffeisen geht überhaupt nichts. Gerade im landwirtschaftlichen Bereich soll es monopolähnliche Strukturen geben.

Das sehe ich überhaupt nicht so. Raiffeisen ist sehr dezentral aufgebaut und wird nach demokratischen Grundsätzen und dem Subsidiaritätsprinzip geführt. Die Vorstände unserer Beteiligungen sind sehr autark. Aber wir haben natürlich eine gemeinsame Strategie.

 

Konrad galt als autoritär, manche hatten Angst. Wie ist Ihr Führungsstil?

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Das gilt für mich ebenso, wie es für meinen Vorgänger Christian Konrad galt. Ich drücke mich nicht vor Entscheidungen.

 

Die Industriebeteiligungen der Raiffeisen-Holding erwirtschafteten 2011 einen Umsatz von 22,6 Mrd. Euro. Wie hoch wird der Umsatz in drei bis vier Jahren sein?

Wir werden bei einer konservativen Schätzung auf 25 bis 26 Milliarden Euro kommen. Der Nettogewinn soll von zuletzt 143 Millionen Euro in drei bis vier Jahren auf 350 Millionen Euro steigen.

 

Werden Sie in neue Geschäftsfelder einsteigen?

Nein, wir werden in die Tiefe gehen. Wir wollen mit dem Kapital, das wir jetzt zur Verfügung haben, unsere Unternehmen bestmöglich unterstützen.

 

Denken Sie über Börsengänge von Raiffeisen-Firmen nach?

Der Bereich erneuerbare Energie wäre in einigen Jahren ein möglicher Kandidat. Und auch die Leipnik-Lundenburger Invest, die von Josef Pröll geführt wird.

 

Planen Sie Zukäufe im Medienbereich?

Der Medienbereich ist für uns ein strategisches Investment, das wir nicht aufgeben. Die Wettbewerbsgesetze machen es uns sehr schwer, hier Zukäufe zu tätigen. Aber ich schließe es trotzdem nicht aus.

 

Wie zufrieden sind Sie mit der Mediaprint, der Druck- und Vertriebsgesellschaft von „Krone“ und „Kurier“?

Hier sind wir sehr unglücklich mit der Entwicklung auf der Gesellschafterebene. Wir wollen dazu beitragen, dass sich das Verhältnis zwischen der Westdeutschen Allgemeinen und der Familie Dichand bessert. Wir sind hier der mitleidende Dritte.

 

Ihr größtes Sorgenkind ist die Epamedia (Plakate, Außenwerbung). Diese ist ein Sanierungsfall. Wie läuft der Verkaufsprozess?

Die Epamedia ist die einzige Firma, von der wir uns eventuell trennen. Wir mussten schmerzliche Abschreibungen – vor allem in Ungarn – verkraften. Uns liegen über zehn Angebote vor.

 

Wie geht es nun weiter?

Es kann sein, dass wir das Österreich-Geschäft behalten. Wenn wir für die gesamte Gruppe aber ein gutes Angebot erhalten, verkaufen wir alles. Der Preis müsste dann ein ordentlich dreistelliger Millionenbetrag sein.

Es gibt noch weitere Baustellen. Die Uniqa etwa machte 2011 einen Rekordverlust, die NÖM wird umgebaut und auch im Mühlenbereich gibt es Kartellstrafen.

Diese Unternehmen sehe ich keinesfalls als Baustellen. Im Mühlenbereich haben wir das Management mit Josef Pröll neu aufgestellt, und auch die Uniqa und die NÖM sind auf einem sehr guten Weg.

Was sind dann Ihre größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung ist Basel III, gemeint sind die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken. Wir sind eine Genossenschaft, und bei Basel III ist es so, dass ein Teil der jetzigen Geschäftsanteile künftig nicht mehr zum harten Kernkapital gehören wird. Hier werden wir rechtzeitig Maßnahmen treffen.

 

Das bedeutet?

Wir genießen bei den Mitgliedern und Kunden ein hohes Vertrauen. Daher überlegen wir, wie wir uns über die Ausgabe von neuen Geschäftsanteilen zusätzliches Eigenkapital von dritter Seite holen können.

 

Wie viel Geld wollen Sie sich auf diesem Weg holen?

In Niederösterreich gehen wir davon aus, dass wir bis 2016 von neuen Mitgliedern und von Kunden 300 bis 500 Mio. Euro an neuem Kernkapital erhalten werden.

 

Dritte werden aber nicht nur Geld zur Verfügung stellen, sondern auch mitreden wollen.

Die Zeichner der Geschäftsanteile werden eine attraktive Verzinsung erhalten. Bezüglich Mitspracherecht: Bei uns wird auch künftig das Kopfstimmrecht gelten. Egal, wie viele Anteile jemand besitzt, er hat immer nur eine Stimme.

 

In Niederösterreich soll das Kapital um 300 bis 500 Mio. Euro aufgestockt werden. Wie hoch ist der Bedarf bei Raiffeisen in ganz Österreich?

Die Raiffeisen-Bankengruppe erfüllt bereits die regulatorischen Vorschriften. Um im internationalen Vergleich gut kapitalisiert zu sein, werden wir Eigenkapital aufbauen. Ich halte es für realistisch, dass wir in Österreich durch die einbehaltenen Gewinne über die nächsten Jahre und andere Maßnahmen in der Gruppe von derzeit 23 Mrd. Euro bis 2018 zusätzliche vier Mrd. Euro Eigenkapital erwirtschaften werden.

Zur Person

Erwin Hameseder, 56, wurde in Mühldorf (Wachau) geboren, studierte Jus und war Soldat, 1987 wechselte er zu Raiffeisen. Dort war er Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, bevor er nun Christian Konrad als Holding-Obmann ablöste. Raiffeisen ist an 740 Unternehmen (Strabag, NÖM, Agrana, Mediaprint etc.) mit 165.000 Mitarbeitern beteiligt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

14 Kommentare
Gast: Uiiii....
22.06.2012 11:50
1 0

Da hat wer Angst....

Vor den Piraten, na so etwas, das Gespenst das da herumgeht scheint inzwischen ganz Europa in Angst und Panik zu versetzten, warum wohl?

Und man kann dem nicht her werden mit dem gültigen Recht, sie sind nicht Demokratiefeindlich, sie wollen die Demokratie nicht abschaffen und zum darüber streuen auch noch, sie grenzen keine Menschen aus, Juristisch also unantastbar, dennoch versteh ich das ein Mensch der Finanzwelt mehr als ein Problem darin sieht!

Da werden dann selbst Parteien zu Freunden wie die Grünen die man früher nicht mal mit einer Feuerzange angefaßt hätte, so ändern sich die Zeiten.

Gast: Steuerzahler2000
22.06.2012 10:05
0 0

Wir Steuerzahler erinnern uns voll Freude an den letzten SP-Agrarminister

denn da wurden den Bauern die Förderungen reduziert und sie gezwungen, zumindest einen Teil der Steuern zu bezahlen, die alle anderen in diesem Land zahlen müssen.

Antworten Gast: Jagolaner
22.06.2012 11:55
0 0

Ja, der Erich Schmidt (SPÖ)

war ein guter Landwirtschaftsminister - weil er auch GEGEN den Willen der Bauern Reformen durchgesetzt hat. Er ist und bleibt zB der Vater der Weinbanderole nach dem Glykolskandal, er hat den österreichischen Wein dadurch zu einem der besten der Welt gemacht.

Gast: eruio
22.06.2012 09:01
2 0

Das Land ist ja gut in rot und schwarz aufgeteilt, kein Wunder dass er mit den anderen nichts anfangen kann.

Im Übrigen, besitzt NÖ eine Erbpacht im Raiffeisenkartell?

Gast: Polarluft
22.06.2012 07:55
1 0

Arbeitszeugnis?

"Wir kennen Herrn H. aus der beruflichen Vergangenheit. Er ist zielstrebig und karrierebewusst. Als Milizoffizier hat er es bis zu einem Generalsrang gebracht.
Aber: Wir möchten bei ihm keinen Offiziersrang einnehmen, wenn der Wind nicht in seine Richtung bläst."?

Gast: Hubertus
21.06.2012 23:57
2 0

Verstehe ich

Mit extrem Rechts und extrem Links kann man nicht packeln ähh.. demokratische Kompromisse schließen. Man kann zB die Steuerlast von Raiffeisen(aber auch anderen österr. Unternehmen) nicht entsprechend reduzieren, alles ganz legal selbstverständlich. Dafür hält man sich doch Vizekanzler(ehem.) und Finanzminister (ehem.) und der Landwirtschaftsminister ist immer vom Bauernbund. Mit Schrecken erinnern sich sehr alte Bauernbündler an die furchtbare Zeit eines sozial. Landwirtschaftsministers.Und Herr Hameseder hat noch nie nach dem Parteibuch gefragt. Deswegen gibt ja auch so viele Sozialisten in den Raiffeisenführungsriegen.Und Raiffeisen unterstützt nicht nur die ÖVP. Dann wird man sicher Spendenbelege an die SPÖ vorlegen können oder noch besser: Inserate in SPÖ nahen Zeitungen. Für wie blöd hält dieser Mann die Österreicher eigentlich.

Antworten Gast: Hangerer
22.06.2012 10:04
0 1

Naj, als vor 10 Jahren die extrem Rechten

in der Budnesregierung waren, ist aber genau all das passiert. Deswegen die VP ja mit denen koalieren!

Gast: Gast623
21.06.2012 23:36
1 1

Und warum sind die Raiffeisen-Medien

dann immer bei den rotgrünen menschenverachtenden Hetzkampagnen dabei?

Antworten Gast: ido
22.06.2012 08:27
0 1

Re: Und warum sind die Raiffeisen-Medien

manche Kommentare hier tun einem beim Lesen richtig weh.

Muss man wirklich immer, alles durch die Parteibrille sehen? Kann man nicht einen Artikel lesen, und entweder kritisch dazu posten, oder, wenn man nichts intelligentes zu sagen hat, einfach gar nicht posten?
Muss man wirklich immer versuchen, die politische Gegenseite anzupatzen, und lossudern?

Ich habe mittlerweile das Gefühl, das hier im Forum gut die Hälfte der Postings direkt aus den div. Parteizentralen kommt, und das der Wahlkampf, zumindest hier, schon lange begonnen hat...

Gast: Get
21.06.2012 21:05
6 0

Und wir Bürger haben kein Verständnis für die koruppte Bankenmafia

Und warum Gewinne immer eingestreift werden und Verluste sozialisiert.
Na zur schwarzen Raika braucht man eh nix mehr sagen...

Re: Und wir Bürger haben kein Verständnis für die koruppte Bankenmafia


Ich fürcht, der von Ihnen zu Recht aufgezeigte Missstand betrifft in erster Linie die Beamtenschaft und die politischen Mandatare.

Die waren es nämlich, die unser Geld missbräuchlich zum Zocken in den Amtsstuben, Ministerien und so ziemlich allen Institutionen der Republik Österreich verwendet haben. Daher kommen auch die unglaublich hohen Verluste, für die wir alle noch sehr lange Zeit zur Kassa gebeten werden.

Ob die Politiker, die in allen Aufsichtsräten der Banken ahnungslos herumkugeln, diese Machenschaften nur geduldet, oder ob sie aktiv daran mitgearbeitet haben, werden wir nie erfahren.

Nein, die Banken waren nur das Werkzeug für wahrscheinlich kriminelle Mandatare und andere Staatsdiener. Sonst würden auch nicht dieselben Personen, die für die größten Schäden verantwortlich sind, am lautesten nach einem Scharfrichter für "die Banken" schreien.

Gast: UKW
21.06.2012 20:41
0 0

Sehr gut Herr Höller!

Diese Frage sollte man jedem Manger vor einem Interview stellen: Sind Sie Parteimitglied?

Wäre ja mal interessant was passieren würde,

wenn Hr. H bei der ÖVP austritt und zum BZÖ geht.

Gast: 1. Parteiloser
21.06.2012 18:43
8 0

Muahahahaha, die Logik der schwarzen Planwirtschafter!

Die wollen nicht Links sein, weil es da um eine Planwirtschaft geht, welche alle Menschen und Unternehmen gleich betrifft.

Die wollen nicht Rechts sein, weil damit Freiheit und Eigenverantwortung verbunden ist, welche die Raiffeisengruppen in Ihrer Existenz bedrohen würden.

Die wollen in der Mitte der eigenen Planwirtschaft, der (kontrollierten und umgeleiteten) Förderungen an sich selbst, den eigenen gesetzlichen Protektionismus sein, um selber ein gutes Leben führen zu können.

Das Beste für diese Genossenfunktionäre ist das Spiel als Kapitalisten mit den Geldern der entrechteten Genossen und den Gelder der Mitmenschen.

Diese Wollen betrifft auch mehr die Funktionäre der Genossenschaft, die Interessen der Genossenschafter interessieren dabei auch nicht besonders.

Dieses Geschäftmodell ist schon stark überbläht und wird irgendwann auch platzen müssen, weil es nur einen geringen Nutzen für die Gesellschaft hat.

Hobbyökonom