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Elsners Millionenkaution: Gericht verweigert Freilassung

22.06.2010 | 18:49 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Ein Kardiologe hält Elsner für vollzugsuntauglich: Er sei herzkrank, bedürfe medizinischer Betreuung und könne daher nicht einfach „nach Hintertupfing“ flüchten. Auch eine Millionen Euro Kaution wird geboten.

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WIEN. Drei Anwälte und ein Kardiologe – dieses Team leistet dem nach wie vor in U-Haft befindlichen Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner Schützenhilfe. Ein erneuter Vorstoß zur Beendigung der bald dreieinhalbjährigen U-Haft hatte am Dienstag vor Journalisten zwei Stoßrichtungen, erstens: Elsner sei herzkrank, bedürfe ständiger medizinischer Betreuung und könne daher nicht einfach „nach Hintertupfing“ flüchten (als Grund für die U-Haft wird ja, wie mehrfach berichtet, Fluchtgefahr angenommen).

Und zweitens: Der 75-Jährige biete (immer noch) eine Millionen Euro Kaution – für den Fall, dass man ihn endlich in Freiheit entlässt. In diesem Punkt vergleicht Anwalt Karl Bernhauser den Fall Elsner mit der Anleger-Affäre rund um Meinl European Land (MEL), konkret mit dem dortigen Hauptverdächtigen Julius Meinl.

 

„Unwürdig“, Kaution zu zahlen?

Generell könne die Justiz Fluchtgefahr auch durch „gelindere Mittel“ (also nicht nur durch Einsperren des Verdächtigen) bannen. Dazu zähle eben die Hinterlegung einer Kaution. Julius Meinl sei „jung, gesund, Geschäftsmann“, habe einen britischen Pass „und wurde gegen Kaution enthaftet“. Meinl hinterlegte bekanntlich 100Millionen Euro und wurde nach nur zwei Nächten in U-Haft wieder auf freien Fuß gesetzt.

So wie im Fall Elsner lauten auch im Fall Meinl die Vorwürfe auf Untreue und Betrug (beide Verdächtigen weisen dies entschieden zurück). Elsners – freilich weit weniger hohes – Kautionsanbot wird von der Justiz abgelehnt. Um die Summe dürfte es dabei aber nicht gehen – eher schon um grundlegende Überlegungen zur Fluchtgefahr. Anwalt Bernhauser sieht das so: „Es gibt keinen Grund für diese Ungleichstellung.“ Und trotzdem heiße es bei Elsner einfach: „Du bist nicht würdig, eine Kaution zu hinterlegen, du bleibst da.“

Eine Unterscheidung zwischen Elsner und Meinl gibt es natürlich schon: Elsner wurde bereits verurteilt. Er erhielt im Zusammenhang mit den hochriskanten Karibik-Spekulationen der Bawag neuneinhalb Jahre Haft. Dieses Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, der Oberste Gerichtshof wird wohl erst 2011 entscheiden. Außerdem bekam Elsner zweieinhalb Jahre Haft in der „Plastiksackerl-Affäre“ rund um Ex-Konsum-Boss Hermann Gerharter. Diese Strafe gilt durch die lange U-Haft bereits als „abgesessen“. Anwalt Jürgen Stephan Mertens kündigte an: „Ich werde auf eine Wiederaufnahme des Gerharter-Verfahrens hinarbeiten.“ Er hoffe, es gelinge ihm herauszufinden, welcher Kassier seinerzeit jenes Bawag-Geld ausbezahlt hatte, das dann in einem Plastiksackerl an Gerharter überreicht wurde.

 

Herztodesrisiko steigt

Indessen listete der Herzspezialist Max Pichler, Vorstand der kardiologischen Abteilung des Universitäts-Landesklinikums Salzburg, die Leiden des Patienten Elsner auf (dieser wird nicht in einem „normalen“ Haftraum, sondern auf der Krankenabteilung der Justizanstalt Wien-Josefstadt angehalten): „bedrohliche Herzrhythmusstörungen“, eingeschränkte Nierenfunktion, Gefäßverkalkung etc. Es bestehe ein „sehr hohes Risiko“, dass sich die Situation durch den „chronischen Dauerstress“ in U-Haft verschlechtere. „Bis hin zum möglichen Herztod.“

Elsner sei ein „alter, schwer kranker Mann“. Pichler: „Ich glaube, dass Vollzugsunfähigkeit gegeben ist.“ Dies würde sich, sollte die Justiz dieser Ansicht folgen, aber nur auf eine Strafhaft auswirken. In U-Haft gibt es keine Vollzugsunfähigkeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2010)

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11 Kommentare
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Elsners Millionenkaution: Gericht verweigert Freilassung

Buchempfehlung Tatort : Justiz.
Dieses Buch ist authentisch, beinhaltet Hintergründe zur Causa BAWAG und zählt Fakten bis hin zu den Machenschaften zwischen Banken der Politik und der Mafia auf. Herausgekommen im April dieses Jahres, wurde es bis jetzt inhaltlich von der Justiz nie bestritten.
Selbst die "diepresse", diese stellte jedoch fest, dass sich das Schreib- und Fehlerteufelchen darin breit gemacht hat, erachtet es grundsätzlich als sehr spannend und überzeugend.
Weiterer Tipp: Wenn jetzt Faymann nach Isreal fliegt, soll er beim anschließenden Treffen mit dem Palästinenserführern nachfragen wo die Gelder, die über Jericho, Palästina In Jericho wurde 1998 das von der österreichischen BAWAG- Bank finanzierte und von den österreichischen Casinos Austria, betriebene erste palästinensische Casino eröffnet, deren Generaldirektor Dr. Leo Wallner in die ÖOC Skandal schlitterte. Mit dem Ausbruch der al-Aqsa-Indifa musste das Oasis Casino jedoch schließen, genaugenommen war es nie offen, sondern „versandeten“ die Millionen im Nichts und sorgte in Österreich für große politische Aufregung. Im BAWAG-Prozess selbst kam das Geschäft nur am Rande zur Sprache, ein Interesse dem Geldfluss nachzugehen gab es im 1.BankenU-ausschuss jedoch nicht. Auch nicht, wie es der SPÖ ihre marode Finanzsituation knapp vor der Wahl auszugleichen gelang, war es gerade diese Partei, die von den Konkursen Atomic, Konsum und BAWAG profitierte.


Antworten Gast: Gast
25.06.2010 07:19
0 0

Re: Elsners Millionenkaution: Gericht verweigert Freilassung

Und hier kann ich behilflich sein! In den Prozessunterlagen von AMV/AMIS sind Hinweise zu finden, dass Flöttl die Geler über AMV Wien und AMV International ( beide gehörten den Partiks und Flöttl) nach Zypern zur MarkersHolding verschoben wurden!! Nur wurde das sowohl vom Staatsanwalt Krakow und den zuständigen Ermittlern unterschlagen. Dies ging soweit, dass der Kriminalpolizeidienst ein Hausdurchsuchung bei Partik wollte, Krakow dies jedoch ablehnte, bzw. einfach negierte! Auch das Strafverfahren gegen Partik-Wordian wurde ausgelagert und wartet seit Jahren auf Fortsetzung. In typischer Östereichischer Justizmanier wird hier etwas beiseite geschoben, bis es vergessen wird, siehe Strasser-Akten

zypresse
23.06.2010 10:17
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Eine Wunderheilung...

...wird nur Minuten nach dem Einsteigen ins Porsche Cabrio der Gattin mit Zielrichtung Cote d Azur eintreten - Wetten? ;-)

JEF
23.06.2010 10:06
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Selber schuld!

Hätte sich der Elstner nicht so sehr gesträubt, zur Verhandlung nach Österreich zu kommen, dann würde man ihm jetzt mehr Vertrauen schenken.

Tja, der Vertrauensbonus ist leider verspielt...

2 0

er soll doch endlich

richtig auspacken. die prozessen haben bis jetzt nichts gebracht. elsner ist zwar schuldig, aber auch sündenbock für graue eminenzen. soll er doch den mund aufmachen. oder hat er angst um die reste seines vermögens? oder gar um seine frau?

kroegner
23.06.2010 09:17
1 1

Woher stammt das Geld für die Kaution?

Manche wollen es sich doch immer richten wie sie es brauchen. Hut ab, für die Richter die da nicht jetzt wegen des medialen Drucks weich werden. Denn der Herr Elsner war meiner Meinung nach auch nicht immer der gerade feinste Mann.

Gast: Franz F
22.06.2010 21:01
2 1

Wer sich erst Millionen unrechtmäßig erworben hat,

kann es sich offensichtlich leisten, Ärzte und Gutachter zu finden, die nach seinen Interessen handeln.

Alles andere als weitere Haft für seine Verbrechen wäre wirklich wieder ein Beweis, dass Recht nicht gleich Recht ist in Österreich.

Karl Kater
22.06.2010 20:53
1 1

Vollzugsuntauglich?

Herr liebe Elsner hat vor seiner langatmigen Auslieferung aus Südfrankreich durchaus bewiesen, wie es um das Thema Fluchtgefahr steht.

Jeder 75-jährige ist de-facto "vollzugsuntauglich", einer der größten Wirtschaftskriminellen dieses Landes sollte sich jedoch diesbezüglich nicht mehr zu viel erhoffen dürfen.

Ohne ernste Konsequenzen in diesem Karibik-Drama besteht nämlich erhebliche "Wiederholungsgefahr" seitens anderer Polit-Bänker.

Antworten blablub
23.06.2010 13:22
0 0

Re: Vollzugsuntauglich?

Der Unterschied ist jedoch, dass Elsner nicht rechtskräftig verurteilt, d.h bis dato unbescholten ist.

Nach Ihrer Definition müsste man auch Jörg Haider posthum einsperren. Dessen "wirtschaften" kostete uns Steuerzahler etwas, die Fast-Pleite der BAWAG belastete jediglich die Konten des ÖGB.

Gast: radius
22.06.2010 20:53
1 1

"nach Hintertupfing" fliehen

Machen die sich über das GEricht lustig, die Kardiologen.

Antworten Gast: Graf Gudenus, Paris
23.06.2010 09:06
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hintrenminded?

Manche befinden sich rückwärts, also etwas im Abseits