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Bilanz: Es muss nicht immer Steuergeld sein

04.07.2012 | 18:13 |  Von Josef Urschitz (Die Presse)

Den ESM für direkte Bankensanierungen anzuzapfen, wäre eine Todsünde. Man kann Institute auch nach dem Modell Länderbank mit gesetzlich erlaubter Bilanzfälschung retten.

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Der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM mag angesichts des drohenden Euro-Zusammenbruchs notwendig sein. Er ist aber, wie man es auch betrachtet, ein weiterer Schritt weg von Demokratie und hin zu Intransparenz.

Es werden unglaubliche Milliardensummen in cash (und noch unglaublichere Verpflichtungen in Form von Garantien) aus vom Steuerzahler finanzierten Töpfen genommen und in einen zentralen Euro-Topf transferiert, der sich öffentlicher Kontrolle weitgehend entzieht. Und für den es, was noch beunruhigender ist, noch nicht einmal ein wirklich verbindliches endgültiges Regelwerk gibt.

Nur wie es im Krisenfall laufen wird, kann man ungefähr sagen: Es wird jedes Mal ein heftiges Gezerre zwischen dem „Club Med“ und dem Nord-Block um Deutschland einsetzen. Und die eingesetzten Summen werden, bei mäßigem Erfolg, explodieren.

Das Ganze hat den Charakter eines Pyramidenspiels, und es wird auch enden, wie Pyramidenspiele gemeinhin enden, wenn sich die Euro-Politiker noch lange um die Basisentscheidung drücken. Und die ist schlicht die Entscheidung darüber, ob man den Euro (unter größeren wirtschaftlichen Schockwellen) wieder begräbt. Oder ob man es schafft, supranationale Strukturen zu schaffen, die eine koordinierte europäische Budget- und Wirtschaftspolitik mit Durchgriff auf die Nationalstaaten ermöglichen. Dass eine Gemeinschaftswährung in den derzeitigen Strukturen nicht funktioniert, ist ja wohl hinreichend bewiesen.

Letztere Variante ist natürlich mit einem umfassenden Transfer von Souveränität nach Brüssel verbunden. Und das ist derzeit keine Option. Man würde schlicht und einfach wesentlichen politischen Gestaltungsspielraum von demokratisch legitimierten Regierungen an einen nicht gewählten, intransparenten Bürokratiemoloch übertragen.

Womit das ganze Dilemma schon dargestellt ist: Solche Strukturen zu schaffen (eine gewählte Europaregierung, ein echtes Europaparlament mit umfassenden Kontrollrechten) dauert viele Jahre. Die Krise passiert aber jetzt. Und wenn der Dachstuhl in Vollbrand steht, sollte man löschen – und nicht über die Organisation der Feuerwehr diskutieren.

Nur: Die Grundsatzentscheidung muss einmal offen kommuniziert werden. Wenn klar ist, wohin die Reise geht, lassen sich auch Rettungsmaßnahmen besser auf diesen Zweck hin trimmen.

Und wenn das geklärt ist, kann man daran gehen, die immer undurchsichtiger werdende Verquickung von Staaten- und Bankenrettung zu entwirren. Wenn man hier nicht sauber trennt, dann wird die Eurozone wirklich in einem Finanz-Tsunami untergehen. Die angedachte direkte Finanzierung spanischer Banken aus dem ESM ist da leider ein Todsündenfall. Die Bankenrettung hat nationale Angelegenheit zu sein. Und sie muss mit einer Strukturbereinigung des Sektors verbunden werden. Bloßes Geld-Hineinschütten löst kein einziges der gravierenden Probleme.

 

Da kann Österreich übrigens fast schon wieder vergessenes Know-how liefern: Hierzulande wurde zu Beginn der 1980er-Jahre die damals systemrelevante Länderbank mithilfe eines (damals durch zwei eigens dafür geschaffene Gesetze abgesicherten) Bilanztricks schonend reanimiert: Die durch faule Kredite in schwere Schieflage gebrachte Bank (eine Situation, wie sie derzeit die spanischen Geldinstitute erleben) wurde nicht durch Cash-Einschüsse aufgepäppelt. Sie durfte vielmehr eine (fiktive) Forderung gegen die Republik im Ausmaß ihres Kapitalbedarfs in die Bücher nehmen, die allerdings nicht eingelöst werden durfte, sondern über 25 Jahre abgeschrieben werden musste.

Die Methode hat zwei große Vorteile: Die (nicht einlösbare) Forderung verhindert bilanztechnisch die Insolvenz wegen Eigenkapitalverzehrs. Und die durch zwingende Abschreibungen verminderten Gewinne in den Folgejahren verhindern, dass sich die eben erst geretteten Pleitebanker gleich wieder mit Gewinn-Boni zuschütten.

Sie hat natürlich auch einen gravierenden Nachteil: Es handelt sich genau genommen um eine gesetzlich sanktionierte Bilanzfälschung. Und zwar eine in der Art, für die etwa Ex-Bawag-Chef Elsner und Ex-Hypo-Chef Kulterer (die das allerdings heimlich und ohne gesetzlichen Sanktus machten) Haftstrafen ausgefasst haben. Aber es wäre, wenn es transparent und nach genauen Regeln durchgeführt würde, eine Methode, überlebensfähige Banken über die Runden zu bringen, ohne dafür gleich europäische Steuerzahler in großem Stil auszuplündern. Das sollte einen Versuch wert sein.


E-Mails: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2012)

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13 Kommentare

Aber

auch damals schon wurde man zum Dank für Schweinereien Bundeskanzler. Fazit ist dass ein redlicher Mensch im System Österreich unmöglich etwas werden kann. Da muss man schon ins echt Private aber warum zum Teufel dann im System Österreich wenn es sooooo viele Alternativen gibt.

Wir verdienen die Deppen an unserer Spitze schon.

Gast: 1. Parteiloser
05.07.2012 09:01
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Bilanztricks nutzen Nichts mehr!

Vielleicht kann man das noch am Beispiel der Probleme der Spanischen Banken so sehen. Eine Streckung der aktuellen "Unterwasserwerte" durch die Immoblase könnte durchaus einen Sinn haben. Wenn es richtig gemacht wird, und die Geldschöpfung der EZB anhält, dann würden sich die "Unterwasserwerte" ja erholen und so die Bank wieder in ein korrektes Fahrwasser bringen können.

Am Beispiel der HRE oder Kommunalkredit ist allerdings doch ganz anders. Da geht es um Werte, welche vorwiegen aus Staatsschulden und Wetten darauf vernichtet wurden. Staatsschulden, welche nicht eintreibbar sind und Wetten, welche schon verloren sind. In diesem Fall können die Werte auch nicht mit Streckungen wiederbeschafft werden, der Bilanztick wäre als Selbstbetrug.

Um das Bankenproblem (verursacht die Staatsschulden) zu lösen braucht es nur eine Zahlungsfähigkeit der Staaten. Nulldefizit würden reichen und die 10% bei den Staatsausgaben können alle Länder schmerzfrei finden. Nur, die Versager schaffen das nicht.

Um das Bankenproblem (verursacht die private Schuldner) zu lösen, da brauchen die Banken mehr Zeit für die Umstellungen und müssen langsam bessere Sicherheiten schaffen. Die Hölle für die Banken sind aber schnell wirksame rechtliche Anforderungen an die Eigenkapitalausstattungen und auch Steuern. Die Effekte durch das einnahmenseitige Sparen machen dann auch noch Druck auf die privaten Schuldner und verschärfen die Lage.

3 Jahre nur Fehlentscheidungen!

Gast: anderswo
05.07.2012 06:47
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weiterwursteln


Die gesetzlich sanktionierte Bilanzfälschung ist längst üblich

http://www.youtube.com/watch?v=vYNdvjug_8M

Die Finanzindustrie ist längst ausser Kontrolle.

Das ganze System ist zum Scheitern verurteilt, es geht nur um Zeitgewinn.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
05.07.2012 09:10
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Re: weiterwursteln

Das Monster Finanzwirtschaft wurde ja erst durch die irren Staatsschulden geschaffen. In der Eurozone geht es um Summen von 10 Billionen alleine durch die offiziellen staatlichen Schulden.

Ohne diese irren Staatsschulden hätte sich das Monster Finanzunwesen niemals so einem so riesigen Monster entwickeln können. Es hat das Monster Staatsunwesen also das Monster Finanzunwesen erst geschaffen.

Klar hat das Monster Staatsunwesen auch dazu die notwendigen rechtlichen Grundlagen geschaffen. Rechtliche Grundlagen, welche beide Monster zum immer größeren Monstern gemacht hat.

Es sind die rechtlichen Grundlagen, welche den beiden Monstern die notwendige Zufuhr von Nahrung sicherstellen. Es mussten auch rechtliche Grundlagen sein, welche beiden Monstern das Überleben sichern, weil ein Monster ohne das andere Monster ja nicht existieren kann.

Das Problem beider Monster ist aber, dass die einen laufend steigenden Nahrungsbedarf haben um Überleben zu können. Wenn dieser Bedarf von den Bürger nicht mehr gedeckt werden kann, dann werden die Monster am Nahrungsmangel scheitern.

Den Bilanzwahnsinn der Staaten können Sie auch gut aus folgenden Daten entnehmen. Die Staaten stehen den Banken um Nichts nach!

http://www.wiwo.de/finanzen/galerien/staatsverschuldung-in-europa-908/1/blankoschecks-der-regierungen.html

Das größte, jemals begangene Wirtschaftsverbrechen, das ist im Laufen, wird aber Endlich sein. Sind wir schon im Finale oder erst im Semifinale?

Reden Sie mal mit Geschäftsführern von Werbeagenturen ...

... im sozialen Bereich (Caritas. ..) und in der Politik (Die tägliche Rettung) werden bewusst Katastrophen publiziert, um Ziele zu erreichen.
Die derzeitige Krise spielt Juncker doch voll in die Hand. Jeden Tag müsste er dafür ein Dankgebet zum Himmel schicken.
Niemals hätte er in so kurzer Zeit soviel Ziele erreicht.

Antworten Gast: anderswo
05.07.2012 07:39
0 0

Re: Reden Sie mal mit Geschäftsführern von Werbeagenturen ...

Sie haben vollkommen recht.

http://www.nytimes.com/2011/11/19/world/europe/for-wolfgang-schauble-seeing-opportunity-in-europes-crisis.html?_r=3&pagewanted=1http://

Zitat
WHERE the world finds only chaos and impending disaster in the European debt crisis, Wolfgang Schäuble sees the long-awaited urgency to finish the half-complete job of unifying Europe.

Warum dann nicht gleich über die EZB

Ihr Vorschlag ist nichts anderes als Weginflationieren, verteilt auf die Jahre der Abschreibung. Das kann man auch gleich direkt über die EZB machen. Zugegebenermassen ist Ihr Vorschlag nicht so offensichtlich in der Absicht und damit leichter zu verkaufen.

Gast: tigerzahn
04.07.2012 22:05
2 0

die euroländer haben ja eh alle demokratisch gewählte regierungen

und die haben alle zugriff auf beliebig viele beamte, banker, wissenschaftler, jeden nur denkbaren experten.
diese regierungen treffen sich in der eu regelmässig und offiziell um gemeinsame projekte anzugehen.
und haben dort noch zusätzlich unterstützung von ganz speziellen eu-experten.

ganz ehrlich:
wenn diese regierungsleute trotz dieser geballten expertenelite im nacken weder in der lage noch willens sind, korrekte zahlen abzuliefern und ihre vereinbarungen und verträge einzuhalten und verpflichtungen zu erfüllen,
dann muß man davon ausgehen, daß dafür kein politischer wille da ist.

und der wird auch nicht da sein, wenn sich diese herrschende elite in noch mehr und anderen konstellationen und machtstrukturen die macht und das geld untereinander aufteilt.

ich frage mich ehrlich, wie sie auf die absurde idee kommen, daß irgendjemand ernsthaft an einer korrekten lösung interessiert ist.
und wieso sich irgendetwas daran ändern sollte, wenn sich die herrschenden unter anderen titeln über das gesetz stellen und weiterhin lügen und betrügen wie bisher.

Gast: jnp1
04.07.2012 21:19
0 0

Es muss nicht immer Steuergeld sein

Ersuche um Zusendung einer Kopie des Artikels an den geldpolitischen EU Chefideologen Junker


Gast: die gute alte länderbank
04.07.2012 20:51
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und weil das ganze

nicht wirklich funktioniert hat, hat man die Zentralsparkasse dazugestellt und das ganze bank austria getauft .. und da das auch nicht funktioniert hat, hat man die halbwegs gesunde Creditanstalt dazugenommen .. worauf dann die bank-austria creditanstalt ebenfalls hin war und billigst an die hbv verscherbelt worden ist ..
oder anders herum hätte man die länderbank damals über die klinge springen lassen, hätten wir uns viel erspart ..
das mit den know how ist halt so eine sache .. man braucht die ganze geschichte und nicht nur die hälfte um was beurteilen zu können :-)

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Ha Ha Ha

Mei hoit. Unsere Politiker waren schon immer die besten Wirtschafter.
Übrigens dieser Irrwitz fing schon früher an.
Zur Belohnung wird man dann Kanzler und weiß nicht mehr weiter.

Der Irrsinn ging dann erst Recht weiter. Die maroden Banken der EU sind ja alle Staatlich bzw. Halbstaatlich gelenkt. Die "privaten" Banken waren nicht so bescheuert keine Risikoteilung zu machen. Nun war man natürlich bös, dass sich diese nicht so blöd waren wie die "Personalunion" Banken.

Die Hypo REal Estete z.B. war schon vorher eine Badbank der Bayern. Man gab ihr einen schönen englischen Namen und versuchte seine "Automatenverluste" wieder hereinzuholen in dem Mann eine AG daraus machte (Aktenkäufer etwas vortäuschte) und zusätzlich im großen Stil zu spukulieren begann. Sie wurde also die Bad Bank der Bad Bank.
Alternativlos. Die FMA in Deutschland ließ dies natürlich kalt. HSA Nord Societe Generall, West LB, Berliner Bank, BAyernbank, Burgenlandbank, Hypo Kärnten. Was weiß ich noch alles.

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Re: und weil das Ganze

... und der Schilling konnte damals auch nicht wunderwirken.

Wenns eine Bank in die Insolvenz schicken wollen, sollte man vorher die Sparbuchsicherung aufheben, sonst zahlt wieder der steuerzahler!

Antworten Antworten Gast: Hans im Glück
04.07.2012 22:58
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Re: Re: und weil das Ganze

Der Steuerzahler ist der Zahler. Er bezahlt immer. Ohne Ausnahmen.