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Kärnten: Ein Stromdeal ganz ohne lästige Zeugen

12.09.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Das Land verkauft einen weiteren Kelag-Anteil an die RWE. Ohne Ausschreibung und ohne Befassung des Landtags. Man kennt sich ja: Der deutsche Konzern hat vor Jahren eine Landesstiftung mit Millionen gefüllt.

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Noch im September wird die Kärntner Energieholding (51 Prozent Land Kärnten, 49 Prozent RWE AG) 12,51 Prozent ihrer Anteile an der Landeselektrizitätsgesellschaft Kelag an den deutschen Stromriesen RWE verkaufen, der dann direkt und indirekt (über die Beteiligung an der Energieholding) mit knapp 37,6 Prozent zum größten Aktionär des Kärntner E-Versorgers wird.

Den Erlös von 98 Mio. Euro wird das Land zur Schuldentilgung verwenden. Ausgeschrieben wurde der Verkauf nicht. Und den Landtag will Finanzlandesrat Harald Dobernig mit der Angelegenheit auch nicht befassen, denn der sei ja ohnehin zum bloßen „politischen Kabarett verkommen“, wie er neulich süffisant verlauten ließ.

Da hat er irgendwie schon recht: Die landesweit bekannte, aber schon einmal beliebtere Polit-Kabarettgruppe „Die blauen Nasen“ gibt dort beispielsweise seit Wochen regelmäßig die langsam fad werdende Nummer „Auszug aus dem Landtag, wir fürchten uns vor Neuwahlen“. Aber das wird er möglicherweise nicht gemeint haben, der Herr FPK-Landesrat.

Wie auch immer: Privatisierung ist an sich nichts Schlechtes. Und solange die dabei üblichen „Nebengeräusche“ nicht ins Kriminelle abgleiten, gibt es wenig zu mäkeln. Genauer hinsehen sollte man in einem Land, dessen Landeshauptmann und Baureferent wegen angeblicher Praktiken bei der Bauauftragsvergabe neuerdings mit dem Beinamen „Mister ein Prozent“ geschmückt wird (zu Unrecht, wie er selbst sagt; es gilt, wie so oft in der Kärntner Landesregierung, die Unschuldsvermutung), aber schon.

Wie das bei Landesprivatisierungen oft läuft, darüber kann beispielsweise Kelag-Miteigentümer Verbund ein stimmiges Kärntnerlied singen: Der österreichische Stromkonzern hatte sich 2001, beim ersten Verkaufsschub, um die zur Disposition stehende Beteiligung an der Energieholding beworben. Die Verhandlungen waren so gut wie unter Dach, als beim damaligen Verbundchef Hans Haider, wie er der „Presse“ später erzählte, das Telefon klingelte. Am Apparat: Kärntens Landeskaiser Jörg Haider. Sein Ansinnen: Der Verbund möge doch den Fußballklub Austria Klagenfurt (der damals gerade zum FP-nahen Klub umgebaut und mit Haider-Leuten im Management „eingefärbt“ wurde) sponsern. Eine Million wäre ganz praktisch.

Verbund-Haider lehnte ab. Und siehe da: Überraschend ging der Energieholding-Anteil nicht an den Verbund, sondern an den deutschen Stromriesen RWE.

Zur selben Zeit begab es sich, dass sich der Landesvater einen prall gefüllten „Topf“ wünschte, mit dem er seinem Landesvolk allerlei Gutes tun könnte, ohne ins Budget greifen zu müssen. Es kam also zur Gründung einer „Kärnten Privatstiftung“, deren Stiftungsurkunde so abgefasst ist, dass trotz umfangreicher Gremien (Vorstand, Aufsichtsrat, Kuratorium) letztendlich der Aufsichtsratsvorsitzende „anschafft“. Und dieser Posten ist laut Stiftungsurkunde für den Landeshauptmann von Kärnten reserviert.

 

Der „Erststifter“ war schnell zur Hand: Die deutsche RWE (bzw. deren Tochter RWE plus), eben erst Energieholding- und Kelag-Miteigentümer geworden, ließ 2,8 Mio. Euro springen. Als Mitstifter traten dann noch die Hypo Alpe Adria (eine Mio. Euro) und der Baukonzern Strabag (700.000 Euro, die in vier Jahresraten abgestottert wurden) auf.

Die Landesbank Hypo zu überzeugen war wohl am einfachsten: Im Stiftungsvorstand sind zwingend die beiden Vorstandsmitglieder der Landesholding vertreten – und die war damals de facto Eigentümer der Landesbank.

Zu behaupten, die „Stiftung“ von 2,8 Mio. Euro durch die RWE habe irgendetwas mit „Nebengeräuschen“ beim Kauf der Kelag-Anteile zu tun, wäre natürlich völlig absurd und würde wohl in einer Klage münden. Es wird also vielmehr so gewesen sein, dass die zeitliche Nähe zum Deal nur Zufall war und die Deutschen eben unbedingt ein paar Millionen zur „Förderung des Denksports“ (einer der in der Stiftungsurkunde festgehaltenen Stiftungszwecke), zum „Höhlenschutz“, zur „Hintanhaltung von sozialen Kosten“ oder zur „Förderung des Körpersports“ (auch diese Zwecke sind in der Stiftungsurkunde niedergeschrieben) tun wollten. Ganz sicher!

Letzterer Punkt lässt uns die Sponsoring-Forderung Haiders an seinen Namenskollegen beim Verbund wieder in Erinnerung rufen: Die Stiftung hat zwar unbestreitbar schon etliche soziale Projekte unterstützt. Da ein paar Tausender für einen Rollstuhl, dort für ein Behindertenprojekt – da gibt es nichts zu sagen.

Bisher größter Einzelausgabebrocken war aber – Bingo – die „Förderung des Körpersports“. Nämlich 500.000 Euro für eine „Jugendakademie“ ausgerechnet jenes SK Austria Kärnten, dessen „Sponsoring“ der beim Strom-Deal dann unterlegene Verbund in einem Anfall von offenbar unzeitgemäßer Anständigkeit schnöde verweigert hatte. So kam Jörg Haiders Fußballklub, der übrigens mehr durch dubiose Geldflüsse in seinem (blau-orangen) Umfeld als durch sportliche Erfolge von sich reden machte, verspätet und indirekt doch noch zu seinem Geld aus dem Stromdeal.

Angesichts solcher Zufälligkeiten ist schon irgendwie nachvollziehbar, dass Finanzlandesrat Dobernig, der als ehemaliger „Taschelträger“ der vom Himmel gefallenen Sonne das System Haider ja von der Pike auf gelernt hat, beim neuerlichen RWE-Deal keine „Zeugen“ aus dem Landtag brauchen kann.


E-Mails: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)

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56 Kommentare
 
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Gast: prisan
03.10.2012 23:11
0 0

Kärntne

Ich hab von den Kärntner die Nase voll.

Gast: Wutkärntner
28.09.2012 15:39
0 0

Dank an die Heimatpartei FPK!

Wieder ein Stück verkauft, weil die FPK unfähig ist zu wirtschaften!
Vielleicht horchen sich die Falotten dies einmal an:
http://www.youtube.com/watch?v=chfDIIFtEIQ

Wie war dies mit der Umfahrung Bad St. Leonhard? Wieviel wurde das Budget überschritten? Warum so viele Brücken umsonst?
Welche Firma hat da wieder mitgelebt??

Zum schämen dieser Clownhaufen!

Kärnten folgt dem griechischen

Beispiel: Kein Geld, aber die Assets die noch einen positiven Cash Flow haben werden für ein paar Euro Körberlgeld verhökert...RWE wird auch sicher die Strompreise nicht stärker erhöhen wollen, als es die Kelag gemacht hätte...

Gast: Solarius
13.09.2012 15:58
2 0

Ein Wahnsinn

Einen nicht mit logischem Hausverstand nachvollziehbaren Deal von Kärntner Volksvermögen an den Energieriesen RWE macht hier Dobernig. Man verkauft doch nicht die sprichwörtlich beste Kuh aus dem Stall, sondern sieht zu, dass dieselbe noch jahrelang Milch gibt. Diese jetzt ohne Ausschreibung verkauften KELAG-Anteile werden in 5 Jahren sicher das Doppelte wert sein. Also, das ist ein Verbrechen am Lande Kärnten und seinen fleißigen Bürgern.

Gast: der Antikärntner
13.09.2012 15:44
1 0

..da stellt sich die Frage??

..bisher musste ja scheinbar bei jeder Machenschaft der FPÖPKZÖ etwas "Großzügigkeit" gelten.

- Part of the Game
- Bauaufträge via Connect
- Bauaufträge direkt von Dörfler

WAS WAR ES IN DIESEM FALL???

Es gilt natürlich wie immer die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.

Man darf nur hoffen, dass dies die letzten Zuckungen der Ehrlichen, Fleissigen und Anständigen ist...weil sonst ist bald Griechenland zu uns ein reiches Land...

Die 98 Mille werden nicht reichen!

Um die Schulden abzubauen, werden die so tollen politischen Verantwortlichen auch auf die Eigentumshäuser bzw. -wohnungen der Kärntner Bevölkerung zurückgreifen müssen.
Dies wird sich am Anfang auf eine hohe Besteuerung des Eigentums niederschlagen.
Was lernen wir daraus. Der Steuerzahler wird mit seinem Eigentum die Machenschaften mancher Politiker schultern müssen.
Die nächste Generation wirds uns danken!
Lei lei!

Re: Die 98 Mille werden nicht reichen!

jeder kärntner hat dank fp 26.000€ schulden. wäre interessant, wie hoch das vermögen je kärntner ist.

Antworten Antworten Gast: Karawankenheini
13.09.2012 18:35
0 0

Re: Re: Die 98 Mille werden nicht reichen!

..

na ein paar Kärntner haben schon profitiert vom dieser Führung...sichalich bade

Gast: senfdazugeber
13.09.2012 13:04
2 0

KHG

Kann es sein, daß unser KHG nicht daran beteiligt ist ?

Re: KHG

würde mich nicht wundern, hatte doch die schwarz-blaue regierung ein goldenes zeitalter mit den privatisierungen. schüssel --> khg --> kärnten-connection
langsam wirds mafiös…

Magazin "Monitor" in der ARD zu RWE's Lobbyingtätigkeiten

ein sehr interessanter bericht über die strategien und taktiken der RWE auf kommunaler ebene:

http://www.youtube.com/watch?v=YtFFxYY-hc0

lauter Fachkommentare hier....


Experten eben unter sich....

Antworten Gast: Hausfrau mit Hausverstand aus Wolfsberg
28.09.2012 15:44
0 0

Re: lauter Fachkommentare hier....

Da braucht man kein ExperteIn sein, aber die FPK ist einfach sehr unfähig und am unfähigsten ist Dörfler, Dobernig, Scheuch!

Schnell Neuwahlenj bevor noch mehr passiert!

Re: lauter Fachkommentare hier....

Man muss kein Experte sein, um den fauligen Geruch aus der FPK zu wittern.

1 2

Wenn der "Jogibär" das noch erleben könnte,...

... würde er sicher seinen Anteil einfordern.

Aber gut nun ist alles anders,
alles besser,
alles neu.

Dennoch,
HC ist sicher stolz auf seine "Buam" aus Kärnten
und darüber was sie sich da wieder leisten.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

Antworten Gast: schuld
13.09.2012 10:49
2 0

Re: Wenn der "Jogibär" das noch erleben könnte,...

hier kann die unschuldsvermutung nicht mehr angeführt werden!

Gast: der kommentar
13.09.2012 09:18
4 0

und schüssel ist rein zufällig aufsichtsrat bei RWE

der schweige-ex-kanzler zieht wahrscheinlich weiterhin die strippen im hintergrund.

Gast: b745
13.09.2012 09:13
4 0

ein weiterer beweis dass schüssel von all den machenschaften nicht nur in kärnten genau bescheid wußte

u haft jetzt

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Business as usual

Wer glaubt, dass Wien Energie aus purer Freundlichkeit und wegen dem Werbewert Hauptsponsor von Rapid Wien ist und dass EADS einfach weil sie zuviel Geld in der Kasse hatten jährlich eine Million Euro zum 1.Mai an Rapid zahlte, den "überrascht" wohl auch dieses Sponsoring von RWE.

Für alle anderen ist es wohl offensichtlich, dass dies "business as usual" in unserer Republik ist. Wohl kein Verkauf/Auftrag bei dem die Politiker ihre gierigen Hände im Spiel haben läuft ohne solche Nebengeschäfterln. Und warum sollten sie daran auch was ändern wollen, denn soweit ich weiß ist das nach geltender Gesetzeslage legal und nichts machen Politiker so gern wie den gütigen geldverteilenden Volksliebling zu spielen. Erst wenn das Volk kapiert, dass dieses Geld ihm zuvor weggenommen wird, kann sich was ändern. Doch derzeit sieht es nicht danach aus.

Die Wien-Energie fördert eine Menge sportlicher Aktivitäten in Wien, darunter sind nben SK Rapid Wien z.B.

Vienna City Marathon
Wiener Sportklub
aon Fivers
Vienna Vikings
etc.

Ich denke mal, dass es bei einer über 100 jährigen Geschäftsbeziehung mehr als legitim ist sich mit diesem zu identifizieren und zu fördern. Falls ihnen das nicht recht ist, können sie jeder Zeit zu einem anderen Anbiter wechseln ...

Re: Die Wien-Energie fördert eine Menge sportlicher Aktivitäten in Wien, darunter sind nben SK Rapid Wien z.B.

Anbieter wechseln? Dazu müßte man übersiedeln. Die Netzgebühren, die den Großteil der Stromrechnung ausmachen, gehen immer an den lokalen Netzbetreiber.

Re: Re: Die Wien-Energie fördert eine Menge sportlicher Aktivitäten in Wien, darunter sind nben SK Rapid Wien z.B.

Bitte vorher informieren und dann posten - siehe

http://www.e-control.at/de/konsumenten/service-und-beratung/toolbox/tarifkalkulator/tarifkalkulator-application?sav_ref=http://www.e-control.at/de/home&js=1&sw=1680

Re: Re: Re: Die Wien-Energie fördert eine Menge sportlicher Aktivitäten in Wien, darunter sind nben SK Rapid Wien z.B.

Ja, soviel ist bekannt.
Man kann den Stromlieferanten wechseln, nicht aber den Netzbetreiber.

Re: Re: Re: Re: Die Wien-Energie fördert eine Menge sportlicher Aktivitäten in Wien, darunter sind nben SK Rapid Wien z.B.

Und ich traue mich zu wetten, daß das ganze Sponsoring aus dem geschützten Rechnungskreis "Netze" stammt, und nicht aus dem im Wettbewerb stehenden Stromhandel.

Folenschwer

Sollte die RWE in den nächsten Jahren auf die Idee kommen mit den gekauften Wasserrechten die natürlichen und bisher zumindest im überwiegend österreichischen Eigentum befindlichen Ressourcen zu unserem Nachteil zu vermarkten wird ein Herr Dobernig und ein Herr Dörfler vulgo Bierkutscher sicher auch die passende Antwort für Kärnten finden. Eine Schweinerei die uns allen schadet.
Janach Fritz

Bis auf wenige Ausnahmen sind in Österreich Gewässer öffentliches Gut


 
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