Zypern-Hilfe: Lasst doch die Oligarchen bluten!

20.02.2013 | 18:12 |  Von Josef Urschitz (Die Presse)

Mit dem anstehenden Zypern-Hilfspaket werden europäische Steuerzahler russischen Oligarchen Vermögensverluste ersparen. Ein wirklich unerträgliches Szenario.

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Das Risiko eines Zahlungsausfalls Zyperns ist groß und wächst. Das hat die Ratingagentur Standard&Poor‘s gestern mitgeteilt. Ohne EU-Hilfe werde das Land seine Schulden bald nicht mehr bedienen können.

Gut getimt, kann man da nur sagen: Gerade kocht in Deutschland eine Diskussion über die möglicherweise unmittelbar bevorstehende Rettung des Inselstaats mittels EU-Geldern auf. Und die Eurogruppe bastelt gleichzeitig an einem Rettungskonzept, das noch im März beschlossen werden soll. Bis zu 17 Mrd. Euro aus EU-Kassen könnten Richtung Süden in Bewegung gesetzt werden, knapp neun Milliarden davon werden dann direkt an die Banken des Landes fließen. Falls die vorwahlkämpfenden Deutschen dies nicht noch in letzter Minute verhindern, was wir alle hoffen sollten.

Denn Zypern ist durchaus ein Spezialfall: Das Land hat einen völlig aufgeblähten Finanzsektor, der in den vergangenen sieben Jahren um 240 Prozent gewachsen ist und bereits an die neun Prozent des BIPs „erwirtschaftet“. Zum Vergleich: In Österreich sind es 3,5 Prozent.

Und dieser Finanzsektor hat ein ganz klares Geschäftsmodell: Beihilfe zur Steuerhinterziehung und zur Geldwäsche für ausländische Kunden. Es ist kein Zufall, dass sich im Zuge der Aufarbeitung österreichischer Korruptionsskandale herausstellt, dass jeder kleine Buwog-Beutelschneider und Telekom-Abkassierer (mangels rechtskräftiger Urteile gilt hier natürlich vorerst die Unschuldsvermutung) über einen Zypern-Briefkasten verfügt und dass so manche windige Zahlung aus der Baubranche auf dem Weg in die verschwiegene liechtensteinische Stiftung auf der kleinen Mittelmeerinsel Zwischenstation gemacht hat.

Das sind aber Peanuts. Das wirklich große Zypern-Rad drehen geldwaschende russische Oligarchen, die Insel gilt nämlich als deren „Tresor“. Von den rund 70 Mrd. Euro Einlagen bei zypriotischen Banken werden jedenfalls rund die Hälfte Ausländern zugerechnet. Wie viel davon auf Russen entfällt, ist nicht bekannt, man kann aber von einem hohen Anteil ausgehen. Denn im Vorjahr sind laut „Süddeutscher Zeitung“ 22,4 Mrd. Euro und damit ein Drittel der russischen Kapitalexporte auf die kleine Insel geflossen. Ein ganz schöner Brocken an „Direktinvestitionen“ dafür, dass es dort außer in Banken und Tourismus nicht viel zu investieren gibt.

Wer mit dem Steuergeld europäischer Bürger diese in Schieflage geratenen Banken „heraushaut“, der macht in Wirklichkeit nur eines: Vermögensverluste für zwielichtige russische „Investoren“ verhindern.

Hier mit Steuergeld einzuspringen ist den Europäern wirklich nicht mehr zumutbar. Wenngleich dieses Szenario natürlich droht. Denn außerhalb des Hauptzahlerlandes Deutschland hat die Zypern-Rettung viele Anhänger. Die Banker, die ohne Bail-out ein Ende des risikolosen Spekulierens eingeläutet sehen, sowieso. Aber auch die zaudernden Hinsichtl-Rücksichtl-Politiker der Eurogruppe, die fürchten, dass eine Nichthilfe für die Banken das Vertrauen in das Bankensystem wieder erschüttern und damit die gerade erst halbwegs beruhigte Eurokrise wieder hochkochen lassen könnte.

 

Dabei hat die EU ja selbst schon das richtige Modell für solche Krisen entwickelt: Das sogenannte Bail-in, bei dem nicht unbeteiligte Steuerzahler die Rechnung übernehmen, sondern, wie es sich in einer kapitalistischen Marktwirtschaft gehört, Investoren und Anleger. 100.000 Euro pro Anleger und Bank sind auch in Zypern durch Einlagensicherung garantiert. Und der Rest muss eben zur Sanierung der Banken herangezogen werden. Die nicht garantierten Einlagen in Zypern machen mehr als 34 Mrd. Euro aus. Das reicht auf alle Fälle, um den Kapitalbedarf der Banken von maximal 8,8 Mrd. Euro zu decken. Damit wäre der Gesamtgeldbedarf für die Zypern-Rettung schon einmal mehr als halbiert.

Zypern ist mit einem BIP-Anteil von 0,2 Prozent an der Eurozone nicht „systemrelevant“, das bisherige Killerargument für Bankenrettungen auf Steuerzahlerkosten zählt hier also nicht. Wenn in diesem Fall nicht gehandelt wird, wann denn dann?

Was jedenfalls gar nicht geht, ist, dass europäische Steuerzahler geldwaschende russische „Investoren“ per Milliardenspende vor Vermögensschäden bewahren. Wenn das durchgeht – dann kann die Eurozone wirklich einpacken.


E-Mails: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2013)

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51 Kommentare
 
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Drohung....

Wie man sieht, drohen die Oligarchen, zum Wladimir zu gehen und mit Krieg zu drohen.... oder hab ich schon zu weit gedacht.... ???

So einfach ist die Welt?

Für das Volk simple Feindbilder - die Zyprioten, die den russischen Oligarchen das Geld waschen. Man muß sich einmal in Österreich oder in Deutschland umsehen, den Russen gehören dort u.a. Straßenzüge in den besten Wohnvierteln - es leben Agenturen davon, Russen beim Geld ausgeben (oder vielleicht waschen?) zu helfen und die Banken lehnen russisches Geld auch nicht ab. So genau will man gar nicht wissen, wo es herkommt. Jetzt hat man die Zyprioten ausgemacht, und alle anderen, die gut an den Russen verdienen, lachen heimlich. Und im übrigen sind die zypriotischen Banken durch den Schuldenschnitt in Griechenland in Schwierigkeiten geraten, d.h. sie haben zugestimmt, Milliarden zu verlieren. Also bitte einmal alle Aspekte der Problematik betrachten und nicht alles auf die einfachen (hier Russen) Feinbilder schieben.

Die Eurozone kann einpacken.

Organisierte Kriminalität und Korruption tut eben niemals gut.

russische gelder

wie es aussieht darf jetzt die eu die schwarzgelder der russischen oligarchen und weiterer mafiosis retten.

eigentlich sollte man schleunigst diese eu verlassen.

Österreicher sind richtige Egoisten!

Die ZYprioten hatten 1683 Österreichern geholfen die Türken erfogreich abzuwaehren. Heute steht ZYpern unter Angriff der Türken. Wann wollen die Österreicher Zypriotern helfen, wenn nicht jetzt?

Re: Österreicher sind richtige Egoisten!

1683 war es eher der polnische könig sobieski ;-)

Welche Zyprioten waren das?

Und was war mit der Schlacht im Teutoburger Wald?

Re: Österreicher sind richtige Egoisten!

House, was hast Du als Türke damit zu tun - außer Tücke?

Anteil des Finanzplatzes am BIP (2011)


... <<an die neun Prozent des BIPs „erwirtschaftet“. Zum Vergleich: In Österreich sind es 3,5 Prozent>>

„erwirtschaftet“ unter Anführungszeichen, bravo!

Anteil des Finanzplatzes am BIP (2011):

Luxemburg: 28,3% (!!!)

Singapur: 12,4%

Schweiz: 10,3%

Großbritannien: 9,4%

USA: 8,3%

Deutschland: 5,2%

Mit dem Luxemburger Juncker haben wir in der Euro-Schuldenkrise wohl den Bock zum Gärtner gemacht.

Fordert ja auch schon zu Zypern, obwohl nicht mehr Euro-Gruppen-Chef, Hilfen an.

Letztes Beispiel

Die Fleischmafia nutzte ebenfalls Zypern und die Kanalinseln für ihre Verbrechen!

Das ist Beihilfe!

Diesesmal

100% zustimmung herr urschitz.

Das Problem - die Politiker in den EU-Staaten wird ganz einfach bestochen! und somit teil der Mafia.

Wenn Zyperns Banken mit unser Steuegeld gerettet werden, dann wäre eine Amtshaftungsklage und Verfolgung wegen Beihilfe zur Bildung von organisierter Kriminalität zwingend angesagt.

Punkt.

Zypern's Quelle

MOSCOW - Agence France-Presse 20.02.2013
Russia's central bank said Wednesday that $49 billion had left the country illegally last year in a staggering capital flight equal to 2.5 percent of the country's total economic product.
The central bank's outgoing chairman Sergei Ignatyev told the Vedomosti daily that of the $49 billion illegal capital flight some $14 billion was in illicit trade operations while the rest left Russia through "dubious" cash schemes.

Island, wie haben DIE das gemacht?


Re: Island, wie haben DIE das gemacht?

naja - mit hoher Arbeitslosigkeit und die gebildeten Jungen sind nach Festlandeuropa ausgewandert. Die anderen sind zurückgeblieben, fangen Fische und verkaufen diese.

ALTERNATIVLOS heisst der BETRUG am Steuerzahler !!


Selber schuld, wer nicht am grossen Rad mitdreht , würde die Goldman-Sachs-Mafia sagen !!

Warum dürfen Banken nicht pleite gehen ??

Systemrelevant heisst hier die LÜGE !!!

Gibraltar

Bei dieser Gelegenheit sollte auch UK die diversen Paradiese für die Mafia dicht machen.

Re: Gibraltar

inlusive Isle of Man und andere Kanalinseln.

Dass diese off-shore Steuerflucht- und Geldwäsche Inseln weiter auf Kosten von Resturopa leben dürfen, ist ein Skandal - ermöglich einzig und alleine durch die bewusste Untätigekeit der Regierungen.

Es würde ein bisschen Druck reichen (notfalls Embargo) und deren Geschäftsmodell (Steuerhinterziehung und Geldwäsche) wäre Geschichte. Gleiches gilt für die Schweiz und Lichtenstein. Man siehe nur wie schnell die Schweiz auf Druck der USA eingeknickt ist (UBS) und dabei ist die Schweiz von Europa noch viel mehr abhängig als von der USA.

Aber offensichtlich ist es kein starker Wunsch unserer Politiker (und noch weniger von der mit dieser verbandelten Elite), dass man diese "Steueroasen" austrocknet. Warum wohl(?)

Nur keine Angsgt

wir werden Zypern genau wie alle anderen retten ob wir wollen oder nicht.
D ist hier kein zuverlässiger Verhinderer.
Wir erinnern uns: merkel schloß hilfe für GR unbedingt aus, das gleiche war bei IRL und P. Am Ende ist merkel des lieben Friedens willen doch umgefallen.
Merkel wird auch bei Zypern umfallen und dem dt. Volk so verkaufen das die Rettung wiedermal Kostenfrei über die Bühne geht.

Re: Nur keine Angsgt

Der Unterschied für die Frau Merkel zwischen ZP und GR ist daß die Zyprioten
keine Deutschen U-Boote kaufen werden..

so gesehen besteht eine minimale Chance für ein deutsches veto.

Re: Re: Nur keine Angsgt


Na ja, sie hätten schon was, nämlich gewaltige Erdgasreserven.

Aber, leider, leider, da sind schon die Israelis und in ihrem Schlepptau die Gringonen dran.

Oligarch : wie harmlos


Bei den russischen Oligarchen handelt es sich durch die Bank um Schwerkriminelle, die ihren Reichtum durch Diebstahl, Betrug, Untreue, Erpressung und Mord an sich gerafft haben.

Welche Rolle die orthodoxe Kirche dabei gespielt hat und weiter spielt, wäre durchaus erhellenswert. Die plötzliche Frömmigkeit des Oberoligarchen Putin kommt nicht von ungefähr.

Re: Oligarch : wie harmlos

Was, Beresowski, Grusinski, Chodorkowski, Abramowitsch etc haben ihr Vermögen durch kriminelle Handlungen zusammengerafft?Nie und nimmer. Das waren Managementleistungen, Sie Antisemit Sie.Sie stehen ja in einer Linie mit Putin. Der hat Beresowski, der jetzt in London in Belgrave oder Mayfair sein Dasein fristet, zu einem heimatlosen, bedürftigen Flüchtling werden lassen und den armen Chodorkowsi hat er sogar einsperren lassen und ihm sein ganzes Gerschtl weggenommen.So eine bodenlose Ungerechtigkeit. Grusinski konnte-Gott seis gelobt-noch rechtzeitig nach Israel flüchten. Später folgte ihm Liebermann, ein Ehrenmann reinsten Wassers.

Zypern = Steuerhinterziehung und Geldwäsche

als geschaeftsmodel. Treffender kann man es nicht umschreiben.

Dass wir jetzt DIESE zypriotischen banken und dessen staat mit unseren steuergeldern retten sollen, SCHLÄGT DEM FASS ENDGÜLTIG DEN BODEN AUS.

Sollte Österreich da zustimmen, sind beide koalitionsparteien fuer mich endgueltig gestorben, sprich unwaehlbar geworden.

Re: Zypern = Steuerhinterziehung und Geldwäsche

Ich bin Anhänger der der europäischen Idee und es ist nicht leicht die Fahnen hoch zu halten. Wir haben "noch" sozialen Frieden in unserer Gemeinschaft und vielleicht wird in 50 Jahren blablabla Aber diese Idioten von Barosso über Draghi bis was weiss ich wohin mit Ihrer Entourage werden es Kräftig versemmeln. Das haben Sie bei GR gezeigt und es wir bei ZP genauso laufen.
UND in Italien steht irre Zwerg wieder ante portas und ins Parlament schafft er es in diesem Land allemal. buona notte Europa.
Was unsere aktuelle Regierung da beschließt ist leider oder Gott sei Dank mortadella......

Re: Zypern = Steuerhinterziehung und Geldwäsche

Ich bin Anhänger der der europäischen Idee und es ist nicht leicht die Fahnen hoch zu halten. Wir haben "noch" sozialen Frieden in unserer Gemeinschaft und vielleicht wird in 50 Jahren blablabla Aber diese Idioten von Barosso über Draghi bis was weiss ich wohin mit Ihrer Entourage werden es Kräftig versemmeln. Das haben Sie bei GR gezeigt und es wir bei ZP genauso laufen.
UND in Italien steht irre Zwerg wieder ante portas und ins Parlament schafft er es in diesem Land allemal. buona notte Europa.
Was unsere aktuelle Regierung da beschließt ist leider oder Gott sei Dank mortadella......

Letzte Chance der EU

etwas Vertrauen von den Wählern zurückzugewinnen, es ist die letzte Gelegenheit. Ich bin mir aber zu 90% sicher daß alle umfallen werden.

 
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