21.11.2009 16:23 | Meine Presse Merkliste0

Entmündigt die Länder!

22.12.2008 | 18:08 |  JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Aus dem heimischen Föderalismus-Dschungel haben uns wieder zwei bemerkenswerte Nachrichten erreicht.

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Die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank steht deshalb besonders schlecht da, weil sie von ihrem früheren Haupteigentümer, dem Land Kärnten, systematisch ausgeräumt worden ist und deshalb nicht ausreichend Eigenkapital bilden konnte.

Und Niederösterreich liegt mit seinen Wohnbaugeld-Spekulationen auf internationalen Kapitalmärkten mit 750 Mio. Euro unter Wasser. In „richtigem Geld“ sind das zehn Mrd. Schilling – oder fünfmal so viel, wie die legendäre Voest-Intertrading in einem der größten Skandale der heimischen Wirtschaftsgeschichte im Ölgeschäft verspekuliert hat.

Polemisch gesagt: Weil Exlandeshauptmann Jörg Haider „seine“ Landesbank jahrelang unter den wohlwollenden Blicken der restlichen Landesparteien zur Finanzierung seiner Event-Politik ausgenommen hat wie eine Weihnachtsgans, müssen die Steuerzahler der gesamten Republik jetzt für deren Rettung überproportional bluten. Eines von vielen Beispielen dafür, wieso eine Bundesstaatsreform mit einer Zurechtstutzung der absurden Landesfürstentümer dringend überfällig ist.

 

Ein noch krasseres ist wohl der Fall Niederösterreich: Die 750 Mio. Euro, mit denen das Land derzeit in der „Kacke“ steht, sind Wohnbaugelder. Finanziert zum Teil aus einem (bezeichnenderweise freilich nicht mehr zweckgebundenen) Wohnbauförderungsbeitrag. Der macht ein Prozent vom Bruttolohn aus, erhöht also die Lohnnebenkosten – ein Arbeitsplatzkiller der Sonderklasse – beträchtlich. Die von Niederösterreich verzockte Dreiviertelmilliarde entspricht ungefähr dem Jahresaufkommen dieses Wohnbauförderungsfreibetrags.

Noch einmal polemisch formuliert: Alle österreichischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben ein Jahr lang ein Prozent der Bruttolohnsumme abgeliefert, damit Landesrat Sobotka auf internationalen Kapitalmärkten herumzocken kann. Eine wirtschaftspolitische Dummheit der Extraklasse. Während die Länder das Wohnbaugeld anderwärtig verjubeln, darf dann der Bund mit Sonderprogrammen für die thermische Sanierung – die ein klassischer Fall für Wohnbaugelder wäre – einspringen. Hilfe: Entmündigt endlich die Länder, bevor es zu teuer wird.


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2008)

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6 Kommentare
Sochard
12.01.2009 14:16
0 0

Was würde sich ändern?

Nachdem der Bund erst vor kurzem mit der AUA seine Wirtschaftskompetenz bewiesen hat, hege ich an der Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme ernsthafte Zweifel :-(

Gast: Christdemokrat
23.12.2008 19:49
0 0

Politische Gummiwand

In diesem Kommentar werden Fakten beschrieben, die vielen Verantwortungssträgern seit Jahren bekannt sind, trotzdem trifft Herr Urschitz selbst in der gegenwärtigen Situation auf so etwas wie eine politische Gummiwand. Sowohl SPÖ als auch ÖVP haben eine Funktionärsinfrastruktur welche die Länder zur Machtbasis für die Partei macht. Die vielen Abgeordneten in den Landtagen, die ein sehr schönes Zubrot mit einer Landtagssitzung pro Monat aber vielen Stunden Sitzfleisch und Händeschütteln bei diversen Feuerwehr- und anderen Festen verdient werden. Hier wird Meinung über Personen multpliziert aber wenig Politik gemacht. Wer die besten Witze erzählt und den politischen Gegner "blöd ausschauen" lässt, der "kommt gut bei den Leuten an". Würde man die Landtage auflassen, die Juristen in den Landesregierungen auf die Bezirkshauptmannschaften aufteilen, wäre die Verwaltung näher bei der Bürgerin und beim Bürger. Die Gemeinden könnten die juristische Unterstützung in der Nähe gut gebrauchen.

Gast: Gast
23.12.2008 16:34
0 0

Gut, besser, Presse

Ein gelungener Artikel! Fuer diese Deppen in den Bundelaendern geht unser Geld den Bach hinunter. Ich frage mich wirklich, gibt es eine einzigt positive Errungenschaft, die uns die Landespolitik gebarcht hat? Ausser Kosten und Parteibonzen auf Landesebene sieht man nicht viel. Gestern habe ich treffend gelesen, aktuelle politische Parteien sind nichts anderes als mafiöse Organisationen!

Gast: estragon
23.12.2008 16:13
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Bundesstaatsreformstau ctd.

Die unverantwortliche Klientelpolitik, die unter Beteilung und Applaus des Volkes landauf- landab als politische "Bürgernähe" mit volkmusikalischer Untermalung abgefeiert wurde, ist nicht einfach das Fehlverhalten einzelner Politiker oder Kontrollinstanzen, sondern steht im impliziten Verfassungsrang.

Dies zu ändern wird vor allem Mut erfordern - zumindest ein Redakteur einer heimischen Tageszeitung hat ihn aufgebracht.

Gast: Estragon
23.12.2008 15:51
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Bundesstaatsreformstau

Uiih. Da wirds wieder Klesch für den Redaktör geben, wenn der Onkel Erwin das liest.

Gratulation, Herr Urschitz. In Wahrheit hätt es die Finanzkrise nicht gebraucht, um zu erkennen, wie - sagen wir mal "überfordert" Länder, Gemeinden (und bei der Gelegenheit gleich auch: ständische Vertretungen) mit den ihnen anvertrauten Kompetenzen und Geldern sind: Die neuere Geschichte der diesbezüglichen Infrastruktur-, Subventions- und Wirtschaftspolitik der Länder und Gemeinden strotzt vor plan- und zielloser Verschwendung von Steuergeldern.

Wobei, SSKM: Für ein an verantwortungsvoller politischer Gestaltung desinteressiertes Volk, dass die Darbietungen der politisch Verantwortlichen jahrelang mehr oder weniger widerspruchlos geduldet hat, naht langsam der Zahltag. In den Ländern und Gemeinden ist die negative Korrelation zwischen eigentliche politischer Aufgabe und ethischer bzw. intellektueller Ausstattung der Verantwortungsträger nur schneller sichtbar geworden. ...

Gast: Pröll
23.12.2008 07:31
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Nicht nur entmündigt, sondern einfach abgeschafft!

Nützen wir die Wirtschaftskrische, schaffen wir die Bundesländer ab und sparen wir, wo es wirklich NICHT weh tut !

Schlagzeilen Wirtschaft