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Das gern erzählte Märchen von der Ökosteuer

24.03.2010 | 18:19 |  VON JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Der nächste Inflationsschub kommt vom Ölpreis. Den muss man nicht gleich durch Steuern mutwillig aufdoppeln. Kann natürlich sein, dass das durchaus beabsichtigt ist.

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Wenn der Bund seine Budgetkonsolidierungspläne halbwegs umsetzen will, dann muss er in den nächsten vier Jahren laut Wifo zusätzlich zehn Mrd. Euro „aufstellen“. Geplant ist, 40Prozent davon über Steuereinnahmen, den Rest über Einsparungen hereinzubekommen. Man wird wohl nicht weit danebenliegen, wenn man davon ausgeht, dass das völlig unrealistisch ist. Und dass das Verhältnis zwischen Steuern und Einsparungen statt 40 zu 60 in der grausamen Realität wohl eher 60 zu 40 sein wird. Wenn es gut geht.

Macht ungefähr sechs Mrd. Euro, die der Steuerzahler mehr „pecken“ wird. Wie das gehen soll, ist noch unklar. Aber die Steuererfinder in Ministerien, Wirtschaftsforschungsinstituten und in einigen Sozialpartner-Stuben sind ja schon eifrig am Tüfteln.

In diesem Kontext versucht man, uns die bevorstehende Mineralölsteuererhöhung um bis zu 20 Cent je Liter samt der ebenfalls angedachten zusätzlichen CO2-Steuer als „Ökologisierung des Steuersystems“ zu verklickern. Man werde also fossile Energie stärker belasten, was durchaus gewünschte Lenkungseffekte bringe. Und im Gegenzug die hierzulande mit Steuern und Abgaben viel zu hoch belastete Arbeit entlasten.

Klingt gut und vernünftig. Ist aber eine ziemlich unverschämte Lüge.

Natürlich wir es unter den oben dargelegten finanziellen Eckpfeilern des Staates keine Entlastungen geben. Sondern eher das Gegenteil: Gibt es doch schon Zirkel, die über eine vorübergehende Anhebung des Einkommensteuer-Höchstsatzes um fünf Prozentpunkte und eine Aufhebung der Höchstbeitragsgrundlage für die Sozialversicherung diskutieren. Und damit einer starken Erhöhungder Arbeitskosten das Wort reden.

Es geht in den kommenden Monaten und Jahren also niemandem, schon gar nicht dem Finanzminister, um „Ökologisierung“. Sondern um das Füllen krisenbedingter Budgetlöcher. Das ist so auch in Ordnung, denn ein größerer Umbau des Steuersystems sollte als Basis ja halbwegs geordnete Staatsfinanzen haben.

Wenn dem aber so ist, dann sollte man an die „Ökosteuern“ in nächster Zeit ein wenig vorsichtiger herangehen. Der simple Grund heißt Inflation. Die ist derzeit kein Thema, könnte aber bald eines werden. Und der erste große Impuls wird zweifellos von den Energiekosten kommen.

Zu verdanken haben wir das dem schwächelnden Euro: Dessen Wechselkurs ist gegenüber dem US-Dollar seit den Höchstständen im vergangenen Herbst um annähernd 15Prozent zurückgegangen, seit Jahresbeginn allein um 6,3Prozent. In diesem Ausmaß werden natürlich in Dollar gehandelte Importprodukte – etwa Rohöl – teurer. Und damit alle Produkte, die direkt oder indirekt mit dem Ölpreis verknüpft sind. Also beispielsweise Erdgas.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass wir derzeit trotz seit Längerem kaum veränderter Rohölnotierungen vergleichsweise hohe Benzinpreise haben. Ein Großteil der (derzeit freilich geringen) Inflationsrate kommt daher.

Wenn der Ölpreis zu steigen beginnt (was bei anziehender Nachfrage mit Sicherheit passiert), dann schlägt das diesmal (noch verstärkt um den Euro-Effekt) voll auf die Inflationsrate durch. Wie das läuft, hat man beim letzten Ölpreishoch gesehen, das hierzulande wegen des damals steigenden Euro-Kurses stark abgefedert wurde, in den USA aber binnen kurzer Zeit zu einer Verdoppelung der Treibstoffpreise führte.

Diesen mit Sicherheit kommenden Inflationsimpuls noch steuerlich ordentlich aufzudoppeln, wäre wohl nicht der Gipfelpunkt wirtschaftspolitischer Intelligenz. Nicht zuletzt deshalb, weil er in einer Inflationsspirale münden würde: Höhere Inflation führt beispielsweise relativ rasch zu einer automatischen Preiswelle von den Mieten bis zu den Versicherungsprämien.

Und dann haben wir bei anspringender Konjunktur das Teuerungsproblem schon, bevor die in der Krise so überreichlich in den Markt geschüttete Liquidität ihren (sicheren) Weg in die Teuerungsrate findet und diese zusätzlich in lichte Höhen treibt.

Kann natürlich sein, dass das durchaus beabsichtigt ist. Es gibt ja nicht wenige sehr ernst zu nehmende Wirtschaftsexperten, die durchaus fundiert meinen, zumindest die Euro-Staaten und die USA würden aus ihrer Schuldenfalle ohne saftige Inflationierung ihrer Staatsschulden gar nicht mehr herausfinden. Dass das mit breitflächiger Vermögensvernichtung verbunden sei, müsse man als Kollateralschaden akzeptieren.

Das wollen wir aber doch nicht unterstellen. Wenngleich: Ein bisschen mehr Ehrlichkeit in der Steuerdiskussion würde man sich schon wünschen. Dazu gehört etwa, dass man Budgetlöcherstopfen nicht wider besseres Wissen als „Ökologisierung“ verbrämt. Deren Zeit kommt nämlich erst, wenn die Staatsschuldenkrise ausgestanden ist.


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2010)

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20 Kommentare
Gast: Volkswirt
25.03.2010 10:01
0 0

Da all Analysten von fallenden Ölpreisen ausegehen

ist das wohl Unsinn ...

Antworten Gast: Siegmar
25.03.2010 20:28
0 0

Re: Da all Analysten von fallenden Ölpreisen ausegehen

Ein Blick auf die Öl-Charts der letzten 15 Jahre sagt mehr als tausend Worte.

1 0

Märchen hin, Märchen her

der Österreicher lässt sich einfach alles gefallen und das weiss der sozialistische Politiker und wird dem Österreicher immer mehr wegnehmen um sich ein fettes Leben zu leisten. Das weiss er, deswegen macht ers ja auch.

Antworten Gast: blabla
25.03.2010 11:33
0 2

Re: Märchen hin, Märchen her

seit wann istr proell ein sozialistischer politiker. hab ich das was versaeumt? ausserdem: gerade die schwarzen beamten wehren sich am meisten gegen einsparungen in der verwaltung.

Antworten Gast: Jonathan
25.03.2010 10:07
0 2

Ach wirklich, der Pröll (=Finanzminister) ist

ein Sozialist?

ambrosius
25.03.2010 08:49
2 0

Wo Öko drausteht ist Lüge drin

Hätten die neuen geplanten Abgaben einen ökologischen Steuerungseffekt - sprich es wird weniger von der staatlich verteuerten Energie vertraucht - dann würde Pepi Pröll nicht mehr Geld eintreiben, was wiederum das primäre Ziel der Steuererhöhungen kontakarieren würde. Ökologisierung ohne Mehreinnahmen für den Staat bringt dem Pepi nichts ...

Antworten Gast: Siegmar
25.03.2010 09:14
0 1

Re: Wo Öko drausteht ist Lüge drin

dem Pepi nicht, aber der Volkswirtschaft schon. Die Energiekosten sind der stärkste Inflationstreiber.

Antworten Antworten ambrosius
25.03.2010 09:41
0 1

Re: Re: Wo Öko drausteht ist Lüge drin

JA - aber nur wenn Inflation und einhergehende Vermögensenteignung der Bevölkerung das Ziel ist. Wie sonst sollen die Schuldenberge der Vergangenheit getilgt werden. Die Party ist vorbei.

Gast: Siegmar
25.03.2010 08:40
1 0

Mehr Leistung weniger Verbrauch sollte die Devise sein

Nachdem Europa in Anbetracht des rapide wachsenden Schuldenberges zuzüglich Renten Pensionen und Bürgschaften weit über seine Verhältnisse lebt, wäre es zukunftsweisend, Abgaben auf Arbeit zumindest im Niedriglohnbereich massiv zu entlasten und den Energieverbrauch und das Kapital entsprechend durch Steuern zu belasten. Dies würde vielen Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, in energiesparende Massnahmen zu investieren. Es bliebe ein volkswirtschaftlicher Nutzen, durch weniger Arbeitslose und einen geringeren Energieverbrauch, als Gewinn für alle übrig. Kapital habe ich noch nie arbeiten sehen, es sind immer nur Menschen. Inflation macht das Land deshalb auch nicht ärmer, es stellt nur die Verhältnisse wieder halbwegs gerade. Vorallem dann, wenn die Verursacher und Profiteure der Krise durch Geldentwertung und Steuern zur Verantwortung gezogen werden und nicht die kommenden Generationen. Es bleibt allerdings zu vermuten, das die Lobby des Geldadels dies noch eine Weile verhindern wird.

Antworten ambrosius
25.03.2010 09:50
1 0

Re: Mehr Leistung weniger Verbrauch sollte die Devise sein

Und ich habe noch nie jemanden arbeiten gesehen wo nicht verfügbares Kapital den Arbeitsplatz geschaffen hat. Energie einsparen ( verteuern) und Wirtschaft ankurbeln ist nicht kompatibel. Einer der größten Arbeitsplatzmotoren ist der Energieverbrauch und der damit einhergehende Konsum. Großes Haus, großes Auto, breite Straßen, viele Urlaubsreisen - das schafft Arbeitsplätze - leider.

Antworten Antworten Gast: Siegmar
25.03.2010 14:28
0 0

Re: Re: Mehr Leistung weniger Verbrauch sollte die Devise sein

Steuern sollten steuern, dafür sollte die Politik sinnvolle Anreize geben. Nach dem Motto Qualität vor Quantität. Z.b. ein kleineres sparsameres Auto und ein gut gedämmtes Haus schafft Arbeitsplätze mit Zukunft, Wertschöpfung vor Ort, macht uns unabhängiger von Energie und ganz nebenbei, muss der Urlaub womöglich dann auch nicht auf Pump finanziert werden. Nachhaltig investieren ist allemal besser, als auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder auf Kredit, zu konsumieren. Die Erde und deren Bodenenschätze haben ihr Wachstum beendet, das Abbauen wird teurer, die Erdbevölkerung wächst, die Nachfrage z.b. in China, Indien, Brasilien etc. steigt, die Reserven werden knapper und wir müssen uns wohl oder übel so langsam daran gewöhnen.
Wer nicht mit der Zeit geht, geht eben mit der Zeit.

Gast: 1
25.03.2010 07:00
1 0

Märchen von der Ökosteuer

wenn ein grosser teil der autofahrer über ostern nicht tanken würde.

würde das etwas bewirken?

würde das den politikern zu denken geben?

Gast: tja
25.03.2010 04:14
0 2

kaufen

sie sich ein sparsames auto und fahren sie mit der bahn.

selber schuld wenn zehntausende in den speckguertel ziehen und sich ein gefoerdertes haeuschen bauen um dann auch noch gefoerdert in die stadt zum arbeiten zu fahren.

dies ist dumm und assozial - selber schuld kein mitleid!!

Gast: franz
24.03.2010 22:53
0 1

Wieso engagieren wir uns nicht mal politisch und stimmen über sowas ab?

http://www.facebook.com/profile.php?ref=profile&id=791629844#!/group.php?gid=390201849852&ref=ts

2 0

20 ct/l

das sind fast 3 Schilling/l
Haben die einen Dachschaden?

Antworten hl_1001
25.03.2010 13:13
0 0

Re: 20 ct/l

Was interssiert mich die alt-englische Einheit "Shilling"?

Antworten Alfie
24.03.2010 23:28
0 2

Re: 20 ct/l

Und 52.8 ungarische Forint/l, Wahnsinn, oder?

2 0

Re: 20 ct/l

der Schuss wird SAFTIG nach hinten losgehen, da Ö wegen seiner Kleinheit viel grenznahes Land besitzt. Es werden nun die ausgeblutetn Tankstellen in der Nachbarschaft den Reibach machen. Die Grenzregionen werden deswegen zu einem Teil wieder verarmen, den Tanktouristen kommen ja nicht nur zum Tanken.
Bei solch einem hirnamputierten Benzinpreis wird dann sowieso auch weniger getankt, damit haben wir wieder den klass. Fall einer perversen Stagflation. Die PResie werden steigen obwohl die Wirtschaft stagniert!
Ich kann mir vorstellen, dass Russland früher oder später zu einem Einwandererland wird, schon alleine dewegen, weil es sich durch seine Größe NIEMALS sich solche Debilitäten in Sachen Benzinpreis leisten kann.
Während wir faktisch eingesperrt sind, kann der Russe die endlosen Weiten seines Landes geniessen.

Gast: Gast
24.03.2010 20:08
1 0

Investion in nachhaltige Energien anstatt Budgetlochstopfung

Wenn man das Ganze Ökologisierung nennt, dann müssen auch die Steuergelder, die dadurch gewonnen werden in eine Ökologisierung fließen. Energieeffizienzsteigerung, Alternative Energien, Ausbau öffentlicher Verkehr...aber diese Begriffe werden ja nur in den Mund genommen, wenn es darum geht, politisch Macht und Geld zu lukrieren. Wirklich ernst gemeint ist das ja von den Wenigsten

Gast: ET
24.03.2010 20:00
3 0

Die 40 zu 60 Teilung ist schon immer eine Lüge!

Dabei werden die zusätzlichen Einnahmen durch die kalte Progression noch gar nicht gerechnet. Das werden, wenn die Inflation anzieht, Milliardenbeträge sein.

Auch bei den Einsparungen wird mit der Berechnung geschummelt als gäbe es kein Morgen. Erst werden hohe Kostenerwartungen berechnet. Dann wird auf die überhohen Kostenerwartung dann die Einsparung berechnet und dem Bürger als Erfolg verkauft. In Wirklichkeit wird Nichts, oder fast Nichts eingespart. Die Bedienung an den so anonymen Steuermitteln läuft ungebremst weiter.

Die Warnung vor eine Inflation - hohen Ölpreis -und Ökosteuern ist sehr wichtig und dringend notwendig. Ich hoffe, dass diese Warnung gehört wird, sonst bekommen wir wieder die Zeitungsmeldungen von erfrorenen Bürgern.

Kein Zweifel ist, dass diese Vorhaben der Regierung der Massenarmut eine erhebliche Beschleunigung verleihen werden. Man darf nicht vergessen, dass schon 2,7 Mio. steuerpflichtige Menschen mit weniger als 786.- Euro (14/12) pro Monat leben müssen. Das ist schon jeder 2. Mensch aus der Privatwirtschaft.

Ein noch unguteres Zusatzphänomen wird die weiter fallende Kaufkraft sein. Das wird die lokale Wirtschaft weiter schädigen und damit auch die Finanzierung der Staatlichkeit unmöglich machen. Am Ende dieses Vorgangs stehen auch die Abkassierer vor leeren Kassen.

Steuererhöhungen bringen keine Lösung. Der Staat muss einen Teil seiner 140 Mrd. Kosten unter Kontrolle bringen.

Auf Wiedersehen 2. Republik, Willkommen 3. Republik!