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Steuern: Sechseinhalb „Zehente“ für den Staat

06.04.2011 | 18:29 |  Josef Urschitz (Die Presse)

Arbeitseinkommen sind de facto bereits mit mehr als 60Prozent durch Steuern und Abgaben belastet. Das sollte die Fantasie der Steuererfinder in der Regierung etwas zügeln.

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Wer zuletzt ein bisschen die Ohren offengehalten hat, dem schaudert bei dem Gedanken, was in nächster Zeit noch alles auf uns und unsere Brieftaschen zukommt. Landwirtschaftskämmerer bekommen beispielsweise zunehmend ihren gierigen „Her mit der nächsten Subvention“-Blick, wenn in dieser Bauernbund-Republik die Worte „Ökostrom“ oder „Biosprit“ fallen. Arbeiterkämmerer durchkämmen unter dem Faymann'schen Gerechtigkeitsbanner das Gelände nach „Reichen“, die noch ein bisschen „ablegen“ könnten (also im Wesentlichen nach allen, die mehr als der Durchschnitt verdienen). Die Gemeinden drängen auf Grundsteuerreformen, um ihren „Häuslbauern noch ein paar Euros mehr abzuquetschen. Und so weiter, und so weiter.

So, als hätten wir bei der Belastung der Bevölkerung noch jede Menge Spielraum. Vielleicht sollte man einmal daran erinnern, dass wir mit einer Steuer- und Abgabenquote von knapp 45Prozent auf aussichtsreichem Weg zum Europarekord sind. Und dass diese Quote ein Durchschnitt über die gesamte Wirtschaft ist, über die Belastung einzelner Gruppen also noch nicht viel aussagt.

Zum Beispiel über die Belastung von Arbeitnehmern. Dass Arbeit mit Steuern und Abgaben überdurchschnittlich befrachtet ist, wissen wir. Aber wie hoch der Druck wirklich ist, dürfte doch nicht allzu bekannt sein. Irgendwo um die 40Prozent, hören wir oft.

Rechnen wir also nach. Als Beispiel dient uns ein mittlerer Angestellter oder ein älterer Lehrer mit 4000 Euro brutto im Monat. Also fast schon ein schröpfenswürdiger „Reicher“ im Faymann'schen Gerechtigkeitssinn.

Wir wollen aber nicht nur einen Ausschnitt sehen, sondern das ganze Bild. Deshalb verabschieden wir uns als Erstes vom sogenannten „Bruttolohn“. Das ist nämlich nur eine vollkommen willkürlich gewählte Hausnummer, die zur Verschleierung der wahren Abgabenbelastung dient.

Der Beweis ist leicht zu führen: Durch Verschieben der willkürlich zugeordneten Dienstgeber- und Dienstnehmerbeiträge könnte man diesen Bruttolohn ja beliebig verändern (indem man etwa den Dienstnehmeranteil zur Sozialversicherung dem Dienstgeberanteil zuschlägt und so eine für den Arbeitnehmer „beitragsfreie Sozialversicherung“ schafft), ohne dass sich an den Lohnkosten für den Betrieb und an der Nettoüberweisung an den Arbeitnehmer auch nur ein Cent ändern würde. In Wahrheit gibt es nur zwei Eckpunkte: Der eine ist das, was der Arbeitgeber monatlich vom Firmenkonto abbuchen muss, um seine Lohnschuld zu begleichen. Das ist der Bruttolohn zuzüglich der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, des Dienstgeberbeitrags zum Familienlastenausgleichsfonds, des Zuschlags zum Dienstgeberbeitrag, der Kommunalsteuer und des Beitrags zur betrieblichen Vorsorgekasse. Der wahre Bruttolohn, wenn 4000 brutto auf dem Lohnzettel stehen, ist laut Brutto-Netto-Rechner des Finanzministeriums somit 5250 Euro und 40 Cent.

Der zweite Eckpunkt ist das, was dem Arbeitnehmer nach Abzug aller Steuern und Abgaben zum Leben bleibt. Das sind in unserem Beispiel jene 2371,11 Euro, die unser Muster-Arbeitnehmer von den ursprünglich 5250 Euro auf seinem Lohnkonto „netto“ vorfindet. Unter der realistischen Annahme, dass durchschnittliche Arbeitnehmer keine Millionen-Barvermögen vererben, sondern ihr Einkommen über die Jahre verkonsumieren, gehen davon im Schnitt noch einmal rund 20Prozent an Mehrwert- und sonstigen Konsumsteuern an den Staat.

„Netto-netto“ verbleiben unserem Angestellten bei 5250 Euro tatsächlichem Bruttolohn solcherart gerade noch 1869 Euro. Der Staat räumt vom tatsächlichen Arbeitseinkommen also 64,4Prozent ab. Durch die Sechstelbegünstigung (Steuerreduktion für 13. und 14. Monatsgehalt) verringert sich dieser Satz auf Jahresbasis um ein paar Zehntelprozentpunkte. Bleibt aber immer noch schlimm genug.

Die Erkenntnis, dass der Staat fast zwei Drittel der Arbeitskosten zur Finanzierung seiner Ausgabenorgien abzweigt, könnte unsere kreativen Steuererfinder vielleicht einmal zum Innehalten anregen. Und zur Frage führen, ob es vielleicht nicht doch sinnvoller wäre, sich die zahlreichen von Experten längst identifizierten Einsparungs- und Reformpotenziale etwas näher anzusehen. Schließlich hat es früher wegen des abgepressten Zehents Revolten gegeben. Wenn sich erst herumspricht, dass wir heutzutage in Wirklichkeit sechseinhalb „Zehente“ abliefern...

Die auf dem Tisch liegenden Einsparungsvorschläge lassen sich übrigens durch einen aktuellen ergänzen, der kurzfristig zwar monetär wenig bringt, aber wichtig wäre: Die 34 Minderleister von der sogenannten Pensionskommission, denen zu einem der drängenderen finanziellen Probleme dieses Staates schon wieder nichts eingefallen ist, gehören schleunigst in die Wüste geschickt. Damit endlich Experten rankönnen.


E-Mails: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2011)

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150 Kommentare
 
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Gast: diga
11.04.2011 14:29
1 0

aber...

...offensichtlich zahlen wir immer noch viel zu wenig und den leuten bleibt immer noch relativ mehr als früher noch, denn andernfalls wäre revolution vorprogrammiert...
mfg diga

Gast: Faktenfan
08.04.2011 09:55
0 1

Die Grundaussage mag richtig oder falsch sein,

aber dieser Artikel strotzt nur so von Fehlberechnungen und wohl bewussten Verzerrungen der Wirklichkeit.

Schellhorn und Urschitz bleiben ihren Idealen treu, Pashing mit falschen Fakten.

Schade, denn ganz unrecht hätten sie wahrscheinlich gar nicht.

Antworten Gast: speibender regenbogen
08.04.2011 16:29
0 0

Re: Die Grundaussage mag richtig oder falsch sein,

wo ist das genau was verzerrt?

es schreibt sich übrigens "PASCHING" und liegt in oberösterreich.

Antworten Gast: Arbeitnehmer
08.04.2011 15:30
0 0

Re: Die Grundaussage mag richtig oder falsch sein,

Wo liegt hier bitte die Fehlberechnung, ich kann diese Werte sogar selbst mit dem, vom Finanzministerium zur Verfügung gestelltem Tool, nachrechnen.

Und dass die Abgabenlast auf Arbeitseinkommen in Österreich so gut wie Nummer 1 in Europa und damit wahrscheinlich auf der Welt ist, ist auch kein großes Geheimnis.

Gast: John Stuart Mill
08.04.2011 09:46
0 1

Für diese Problemstellung gibts nur eine Lösung!

Arbeit entlasten, Leistung belohnen!

Wertschöpfungsabagen und Vermögensteuer einführen!

Mal abgesehen davon, dass dieser Artikel mit all seinen verzerrenden Darstellungen Krone-Zeitungsniveau hat.

Gast: markus trullus
08.04.2011 07:23
0 0

Nachsatz

Nachsatz:Aus der Sicht des Staates ist das natürlich, also Volkswirtschaftlich, kaum ein Problem: denn die Einnahmen des Staates sorgen für… Ja, richtig! Für Arbeitsplätze (Beamte), die ihrerseits wieder für ein weiteres Sechstel sorgen. Ein Perpetuum Mobile! Oder überseh ich da was grob???

Antworten Gast: Markus Trullus
08.04.2011 10:13
0 0

Re: Nachsatz

Natürlich hab ich was übersehen: soll heißen: zwei heiße Drittel, nicht weiteres Sechstel:-)))

montiburns
07.04.2011 22:55
3 0

"Mr SPÖ" Häupl hat seinen Sprößling bürgernah erzogen.

"Bernie" Häupl, der einen 3er-BMW fährt, "wie wahrscheinlich viele Jugendliche im 16.Bezirk" kündigte in Interviews an, auf das "Bedürfnis nach Körperkult" eingehen zu wollen: "Ein Großteil der Wiener Jugendlichen geht in Fitnessstudios und in Solarien, das ist ein Kanal, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen"

Bitte, wenn der Mr.SPÖ seinen verzogenen Sohn, der so einen Schwachsinn von sich gibt, schon ein Amterl zuschanzt, weiß man, in welchen Sphären Politiker leben.
Der durchschnittliche Jugendliche wünscht sich eine LEHRSTELLE, kein Solarium!

Antworten enzo
09.05.2011 20:37
0 0

Re:

Mit dem "Wünschen" alleine wirds nicht getan sein.
Dazu gehört halt auch ein gutes Abschlußzeugnis und da sieht es bei den Bewerben sehr schlecht aus .
Von Aufnahme Tests die Beispiele der Grundrechnungsarten beinhalten ganz zu schweigen.
Wünschen kann sich jeder was nur mit träumen alleine wird sich nicht viel ändern.

2 0

Re:

der durchschnittliche jugendliche wünscht sich vor allem von politbuben nicht belästigt zu werden.

Gast: Geiz ist Geil
07.04.2011 22:49
0 0

Steuern: Sechseinhalb „Zehente“ für den Staat

Um Gottes Willen das ist ja kein Staat, das ist ein gieriges Monster.

Antworten Gast: nestbeschmutzer
08.04.2011 07:25
0 0

Re: Steuern: Sechseinhalb „Zehente“ für den Staat

Aber wir wählen die zugrundeliegenden Parteien MIT BEGEISTERUNG!
Wie der Henker vor der Hinrichtung die schöne Kravatte des Henkers bewundert! Schräg!

Gast: Steuergerechtigkeit
07.04.2011 22:36
2 0

Ungleichgewicht

Schere zwischen arm und reich geht auf...
www.steuergerechtigkeit.npage.de

Gast: Vernunft_
07.04.2011 21:22
1 6

hilfee!!!

wo soll unser staat hin, wenn nur über steuern gejammert wird, und nicht gleichzeitig gesagt wird, wo das geld (auch) hinkommt: Bildung, Soziales, Kinder, Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen....
Ja 60% auf Arbeit ist zu viel, aber das Problem sind nicht die Steuern an sich, sondern die Last-Verteilung: Vermögenststeuern müssen her! Aktiengewinne, Spekulationsgewinne, Grundsteuern! - da ist Geld zu holen, da tut es auch niemand weh!

0 0

Re: hilfee!!!

mit der kapitalertragsteuer schon passiert, die grundstücke aber fehlen noch - vorsicht auch in der sektion haben viele ein häuserl gebaut - da wirds dann einen kleinen aufstand geben!

Antworten Gast: Markus Trullus
08.04.2011 10:15
2 0

Re: hilfee!!!

"Bildung, Soziales, Kinder, Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen....!"?????????
Das sind "Leistungen???" Geh bitte!!!! Pisa, Krankenhausmisäre, Doppel und Multifachstrukturen, usw... SUUUUPER!!!!
Saubande, gehören ALLESAMT abgewählt!

Antworten montiburns
07.04.2011 22:25
2 1

Re: hilfee!!!

SPÖ-Parteisoldat

Gast: leser13
07.04.2011 20:41
4 0

Schließlich hat es früher wegen des abgepressten Zehents Revolten gegeben.

.... mit den Mistgabeln der Bauern....

Herr Urschitz Kompliment und vielen Dank für diesen Artikel.

Möglicherweise liege ich falsch, - neue Vermögenszuwachssteuer - 25 % - die Steuerzahler die bisher ca 50 % bezahlt haben, zahlen die jetzt nicht nur mehr 25 %. ?? - gehört nicht hierher, vielleicht ein Denkanstoß.

Viele Grüsse

Gast: Zentrumpartei Austria
07.04.2011 19:10
0 0

einen Schritt noch, Herr Urschitz,

machens noch einen kleinen Schritt und denken Sie sich das Jahresnetto auf 12 gleiche Monatsportionen aufgeteilt, - und dann einen zusammengefassten staatlichen Abgabenblock als Prozentsatz des monatlichen Nettolohnes.

Dieser Abgabenblock (er würde Lohnsteuer und Krkvers- Beiträge enthalten ) könnte dann mit Korrekturfaktoren wie Alter, Geschlecht, Region gezielt verringert werden.

So könnten die Alters- und Jugendarbeitslosigkeit, die Frauenerwerbsquote und regionale Benachteiligungen mit ein paar DIN- A4- Seiten staatlich gesteuert werden.

In unserem NPLRA- Konzept können Sie mehr darüber erfahren: http://www.zpa.at/index.php?text=nplra_schema.html
" target="_blank">http://www.zpa.at/index.php?text=nplra_schema.html

" target="_blank">http://www.zpa.at/index.php?text=nplra_schema.html
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lg

Gast: Zentrumpartei Austria
07.04.2011 19:09
0 0

einen Schritt noch, Herr Urschitz,

machens noch einen kleinen Schritt und denken Sie sich das Jahresnetto auf 12 gleiche Monatsportionen aufgeteilt, - und dann einen zusammengefassten staatlichen Abgabenblock als Prozentsatz des monatlichen Nettolohnes.

Dieser Abgabenblock (er würde Lohnsteuer und Krkvers- Beiträge enthalten ) könnte dann mit Korrekturfaktoren wie Alter, Geschlecht, Region gezielt verringert werden.

So könnten die Alters- und Jugendarbeitslosigkeit, die Frauenerwerbsquote und regionale Benachteiligungen mit ein paar DIN- A4- Seiten staatlich gesteuert werden.

In unserem NPLRA- Konzept können Sie mehr darüber erfahren: http://www.zpa.at/index.php?text=nplra_schema.html
" target="_blank">http://www.zpa.at/index.php?text=nplra_schema.html


lg

Gast: _hw_
07.04.2011 18:43
1 0

versalzene suppe

"..60Prozent durch Steuern.."

und genau die uns die suppe versalzen, erwähnen immer die "ausbeuterischen" unternehmer, wenns um zu geringen lohn geht.

lügner und versager sind am werken, sonst niemand.

Franziskus
07.04.2011 18:08
5 2

Her mit der nächsten Subvention“-Blick, wenn in dieser Bauernbund-Republik die Worte „Ökostrom“ oder „Biosprit“ fallen

Danke Herr Urschitz!

Eine erheblicher Teil von den Leuten die von den Förderungen nicht genug kriegen können sind die Grünen WapplerInnen, die meist wieder nur in den geschützten Bereichen das Leben geniesen und immer mehr Ökozuschläge fordern, weil ja das Leben sonst viel zu gefährlich ist, wenn man leistbare Stromrechnungen möchte. (Lehrer, Beamte, Studenten, etc.)

Antworten horst123
07.04.2011 21:21
1 1

Re: Her mit der nächsten Subvention“-Blick, wenn in dieser Bauernbund-Republik die Worte „Ökostrom“ oder „Biosprit“ fallen

mh, du weißt aber schon wer die letzten Jahrzehnte regiert hat? Falls nicht, es waren die SPÖ, ÖVP und a bisserl die FPÖ.
So und wie kommst du zu der Annahme, dass die Forderungen der Grünen in den letzten Jahren / Jahrzehnten Beachtung und den Weg in Steuerabgaben gefunden hätten?
Und weilst halt nur die Grünen im Kopf hast, siehst die eigentlichen Verursacher nicht (zwecks, ich seh vor lauter Bäumen den Wald kaum)

Antworten Antworten Gast: fefe
08.04.2011 10:10
3 0

Re: Re: Her mit der nächsten Subvention“-Blick, wenn in dieser Bauernbund-Republik die Worte „Ökostrom“ oder „Biosprit“ fallen

Welche Partei an der Regierung ist, ist völlig egal. Damit wählt man sich nur aus, aus welchem Blickwinkel einem die Massnahmen erklärt werden, die sowieso vorgenommen werden.

Politiker, die da nicht mitspielen resp. nicht mitspielen würden werden frühzeitig aus dem Rennen genommen.

Antworten Antworten Antworten horst123
08.04.2011 11:03
0 0

Re: Re: Re: Her mit der nächsten Subvention“-Blick, wenn in dieser Bauernbund-Republik die Worte „Ökostrom“ oder „Biosprit“ fallen

also ich bin der meinung, dass eine fpö geführte regierung sich eklatant inhaltsmäßig von einer regierung der grünen unterscheiden würde.
aber wir können auch auf der meinung sitzenbleiben, es gäbe eine links-linke verschwörung die an allen schlüsselpositionen personen sitzen haben und die regierung bekommt von den grünen vorgesagt, was sie machen sollen und wahrscheinlich glauben wir auch daran, dass die grünen einfach nur der verlängterte offizielle und sichtbare arm der freimaurer ist... :D

 
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